(C) 2000 Oliver Meise
- Keine Gewährleistung -
Die nachfolgende Geschichte handelt von einem Schiff mit 230 Passagieren
an Bord, das am 12. September 1869 abends um 22.00 Uhr die Leinen am Überseekai
von Suez, Ägypten loswarf und sich auf den Weg zu ihrem Zielhafen
Bombay, Indien machte - dort jedoch nie ankam.......
Es handelt sich hierbei um die S.S. Carnatic. Die S.S.Carnatic
war vom Schiffstyp her eine typische Vertreterin
ihrer Zeit: Sie war äußerlich betrachtet ein Segelschiff von
1.776 tons, verfügte aber schon über eine kohlebetriebene Vierzylinder-Dampfmaschine.
Äußerliches Zeichen dieses Fortschritts ist hier ein Schornstein
mittschiffs gewesen. Die 1.875 PS-Dampfmaschinenanlage war von Humphreys
& Tennant und sollte serienmäßig bei diesem Schiff eine
Geschwindigkeit von 12 Knoten unter Dampf ermöglichen.Bei Werfttests
erreichte die S.S.Carnatic aber sogar eine Geschwindigkeit unter
Dampf von 14 Knoten.Mit den Segeln war eine entsprechend höhere Geschwindigkeit
möglich. Das Schiff war noch garnicht so alt: Erst am 8. Dezember
1862 war das 89,8m
lange und 11,6m
breite Schiff mit einem Tiefgang von 5,30m bei den Samuda Brothers in London
( hier wurden auch die ersten Fahrzeuge der Preußischen bzw. späteren
Kaiserlichen Reichsmarine gebaut - 1863 das Panzerschiff Arminius
und 1866 die Panzerfregatte Kronprinz ) vom Stapel gelaufen. Die
offizielle Klassifizierung war der eines "Passagierdampfers mit beplanktem
Eisenrumpf." Schon im März stellte die P&O-Reederei das Schiff
in seine Flotte auf und ließ es registrieren.
Photo generously donated of the P&O Archive
and kindly made available by Ned Middleton
Am 27. April 1863 begann die Jungfernfart der
S.S.Carnatic.Sie führte von Southampton nach Alexandria und verlief
ereignislos.Im Anschluß hieran nahm sie den Liniendienst für
die P&O-Linie (Peninsular & Oriental Reederei) als Königlich
Britisches Postschiff mit einer Passagierkapazität von 250 Personen
auf der Indienroute (Suez - Ceylon) zwischen Suez,Bombay und Kalkutta auf.Für
die Bewältigung dieser Strecke wurden damals nur 49 Tage gebraucht!
Das Reisen zu dieser Zeit war noch recht umständlich
und unbequem, war doch der Suezkanal noch nicht vorhanden. So mußten
Reisende aus Europa in Alexandria anlanden und auf dem Landweg Suez zu
erreichen versuchen. Dort angekommen konnte man allerdings die für
ihre luxuriöse Ausstattung bekannten P&O-Schiffe benutzen und
sich entspannen. In bequemen Kabinen wurde man mit gutem Essen und Getränken
verwöhnt.
Der Luxus und die Sicherheit soll derart außergewöhnlich
gewesen sein,daß sich eine Mrs Dulcimer 1863 nach einem Schiffbruch
mit P&O wie folgt äußerte:
"Wenn Sie jemals in die Lage kommen sollten Schiffbruch zu erleiden
liebste Laura,versuchen Sie, daß diese Katastrophe für Sie von
der P&O - Gesellschaft durchgeführt wird. Ich glaube, andere Gesellschaften
würden Sie manchmal ertränken- und ertrinken ist ein sehr prosaisches
Arrangement das eher für seefahrendes Volk und Passagiere der zweiten
Klasse passend ist. Ich wurde gerade Schiffsbrüchig unter der Leitung
der P&O und ich versichere Ihnen, daß dies das erfreulichste
ist,was man sich vorstellen kann! Es hatte natürlich eine oder zwei
Härten, aber das hat auch ein Picknick, und das Wrack war eins der
angenehmsten Picknicks die man sich vorstellen kann."
Doch zurück zu der am 12.September 1869 angetretenen
Seereise:
Wie auch die Reisenden bisher waren die Passagiere
der S.S.Carnatic den Landweg von knapp 400km aus Alexandria gekommen.Bis
zur Eröffnung des Suezkanals sollten noch drei Monate vergehen- verständlich,daß
man dies nicht abwarten wollte oder sogar die weitaus unangenehmere Route
um das Kap der Guten Hoffnung herum.
Neben den Passagieren und der Post befanden sich noch diverse andere
Güter auf der Ladeliste:
Baumwollballen, Kupferbarren,Flaschen mit Portwein,Champagner,Bier
und Sodawasser (weshalb man es heute auch "Flaschenwrack" nennt) für
den Verzehr unterwegs und für die Europäische Kolonie im Indischen
Dominion und.........GOLD!!!!
Im Tresor des Kapitäns Philip Buton
Jones aus Liverpool (seit 1867 auf der S.S. Carnatic
und
seit 1858 Kapitän) lagen Goldmünzen im Wert von 40.000
Pfund !!! Der Legende nach handelte es sich um bereits
gemünzte Geldstücke aus Gold.Anderen Quellen zufolge handelte
es sich um Goldmünzenrohlinge für die Indische Münzanstalt.
Doch zurück zum Schiff und dem weiteren Verlauf der Reise. Das
Auslaufen aus dem Hafen verlief reibungslos, und auch der Rest der Reise
verhieß Entspannung pur - nur....hatte während der Nacht ein
nördlicher Wind das Schiff unbemerkt vom Kurs versetzt. Es gab keinen
Sturm oder etwas ähnliches, das Schiff lief unter ruhigen Bedingungen
durch ein Gebiet mit Riffen die noch nicht genau vermessen waren. Dies
führte natürlich zu nicht sehr zuverlässigen Seekarten.
Hinzu kamen die bei diesem Licht nicht gut zu ortenden Riffe....und schon
war`s passiert!
Um 01.00 Uhr morgens sichtete der 2.Offizier
noch Shadwan Island recht voraus und änderte den Kurs nach 46°
Süd rechtweisend,korrigierte sich gelegentlich mit Steuerschlägen
nach 51° Süd rechtweisend als um 01.18 Uhr plötzlich Brecher
gesichtet wurden! Trotz eines schnellen Ruderkommandos nach Hart Steuerbord
und dem Maschinenkommando "Volle Fahrt zurück!" war nichts mehr zu
machen.
Die S.S. Carnatic lief trotz dieses
vergeblichen,stürmischen Ausweichmanövers in den frühen
Morgenstunden des 13. September 1869 auf das
Riff beim Shab Abu Nuhas auf !
Picture with kind permission of Ms. Katie Simpson
of The Illustrated
London News Picture Library
Im Lichte des heraufziehenden Tages betrachtete man dann den Schaden.
Der Kapitän stellte fest, daß man auf
dem
Riff aufsaß,die Pumpen das eindringende Wasser
bewältigen konnten, das Wetter ruhig und man einigermaßen
in Sicherheit war. Das Leben an Bord ging weiter und man erging sich im
weiteren Genuß von Speis und Trank. Glücklicherweise war ein
Schwesterschiff der gleichen Linie in der Nähe, die Sumatra,und
man zählte darauf bald von ihr abgeborgen zu werden. Spätmittags
begann jedoch klar zu werden, daß zuviel Wasser in das Schiff eindrang.
Deshalb begann man beim ersten Licht des neuen Tages nun die Passagiere
auf die nahegelegene Shadwan-Insel zu evakuieren. Hinzu kam, daß
nun auch noch das Wetter schlechter wurde.Um kurz vor 11.00 Uhr morgens
dann bricht Panik aus:
Das Schiff bricht in zwei Teile und sinkt!! Es reißt 27
Personen, davon 15 Europäer mit in die Tiefe.
Wie sich dieses Schiffsunglück aus der Sicht
der Passagiere darstellte kann man aus einer Erzählung des Fahrgastes
Major J.U.Champain, R.E. entnehmen:
Die Reise begann bei schönem Wetter und
einer leichten Brise. Mit einer Geschwindigkeit von zehn oder zwölf
Knoten strebte das Schiff seinem Ziel entgegen. Kurz nach dem Schlafengehen
spürten wir alle um ca. ein Uhr morgens einen leichten Ruck durch
das Schiff gehen.Beim an-Deck gehen bemerkten wir was los war.Die Nacht
war brilliant klar,trotzdem der Mond aufgegangen war. Der Ushruffi-Leuchtturm
den wir eine Stunde vorher steuerbords passiert hatten befand sich nun
auf unserer Backbordseite.Dicht unter unserem Bug zog sich rechtwinklig
von unserem Standpunkt eine lange weiße Brandungslinie einige Dutzend
Meter von jeder Seite des Schiffes entlang. Vor uns türmte sich in
scheibar kurzer Entfernung die Shadwan-Insel auf bis in ihre luftigen Höhen
von ca. 200m an ihrer Spitze.Nachts waren wir noch der Meinung,daß
sie nicht besonders weit weg sein könnte, tagsüber wurde klar,daß
sie doch wohl weiter weg -vielleicht ca. fünf bis sechs Kilometer-
sein müsse.Als wir unsere Situation begutachteten,kamen wir zu dem
Schluß,daß wir wohl mit elf Knoten vierkant auf einen vorgelagerten
Ausläufer des Riffs gelaufen sein mußten,lag das Riff selbst
doch noch vor dem Bug des Schiffes.Bei Ebbe ragte es nämlich mit ca.
zwei Quadratkilometern frei vor uns und ging wohl noch weiter bis ca. eineinhalb
Meter unter der Meeresoberfläche.Der Wind war mäßig und
keinesfalls rauh.Trotzdem gab es negative Aspekte: Das Schiff lag auf der
Wetterseite des Riffs und schlug mehr oder weniger sanft im Takt der Brandung
an das Riff.
Sofort nach dem Auflaufen wurde jede nur denkbare
Anstrengung unternommen sofort wieder freizukommen.Es lag aber so fest
leicht auf seiner Steuerbordseite auf,daß es nicht loskam.
Die Passagieren waren ruhig und gefaßt.Ihnen
machten diese Schaukelbewegungen nichts aus, da sie ähnliche Schiffsbewegungen
gewöhnt waren durch ihren Aufenthalt auf der S.S. Pera am Kai von
Alexandria. jeder von ihnen tat sein bestes der Besatzung bei ihrer Arbeit
zu helfen.Sie halfen an Tauen zu ziehen,warfen Ladung über Bord,hielfen
an der Ankerwinde und halfen mit die Anker am Heck auszubringen.Nach und
nach machte sich aber die Gewißheit breit,daß nicht einmal
die Great Eastern uns hätte freischleppen können. (Anm.: Die
Great Eastern war das größte Schiff der Welt zu dieser Zeit)
So vergingen auch die Mahlzeiten wie gehabt dann wieder im gewohnten Gang,
es wurden zum Zeitvertreib dann auch erstaunlich gefärbte Fische aus
dem Meer geangelt.
Gegen Mittag drängten die ängstlichen
Seelen unter den Passagieren den Kapitän dazu, doch eine Stellungnahme
abzugeben über das,was er zu tun gedenke.Die meisten von uns dachten
jedoch,daß es besser wäre abzuwarten und auf seine Instruktionen
zu warten.Um 17.30 Uhr kam dann der Kapitän zu uns am Heck und sprach
zum ersten Mal mit uns und dankte für die gezeigte Disziplin und schlug
vor ein Komitee zu benennen dem er seine gedanken und den Zustand des Schiffes
mitteilen würde.Nachdem drei von uns ausgesucht wurden und sofort
nachfragten kamen wir aber zu dem Schluß,daß es nun -die Dämmerung
hatte eingesetzt und die ausgesetzten Rettungsboote waren noch nicht ausgerüstet
und mit Nahrungsmitteln ausgestattet- da auch das Wetter ruhig war,besser
war noch an Bord zu bleiben und erst am Morgen an der Küste anzulanden.
Ich für meinen Teil ging unter Deck und
legte mich ausgezogen schlafen bis ich gegen ein Uhr morgens geweckt wurde.Ein
Mann sagte mir,daß das Wasser mittlerweile so hoch stände,daß
es fast die Kessel zum erlöschen brächte.Dies wiederum würde
bedeuten,daß die Pumpen mangels Energie aufhören würden,das
eingedrungene Wasser außenbords zu befördern.
Die Passagiere sammelten sich nun schnell
auf dem Vorderdeck.Es wurde dann noch ein letzter Versuch unternommen das
Boot zu retten,indem mit Segelsetzen das Boot fester und höher auf
das Riff gefahren werden sollte.Der Versuch mißlang und der Befehl
zum bemannen der Rettungsboote wurde gegeben.Um zehn vor elf am Vormittag
dann-ich befand mich noch auf dem Schiff- hörten wir einen angsteinflößendes
Brechen.Das Schiff brach mittschiffs entzwei und ich fiel zusammen mit
dem halben Schiff,Gepäck,Ladung,Postsäcken und einer 18-Pfünderkanone
in die See. Der Mahlstrom zog mich runter bis es Dunkel um mich wurde.
Zerschlagen,blutend und halb taub tauchte ich wieder auf.Mir bot sich ein
atemberaubender Anblick von Köpfen,Armen,Beinen, Ballen von Handelsware,
Kisten, Schafen und Gegenständen aller Arten die durch das tosende
Wasser hin- und hergeworfen wurden.
Ertrinkende hielten sich aneinander fest in
ihrem Überlebenskampf einen sicheren Ruheplatz zu finden. ich selbst
wurde weitere drei Male unter die Oberfläche gezogen,konnte mich aber
immer wieder noch oben kämpfen,da ich ein guter Schwimmer war. Schließlich
konnte ich auf das Vorderteil der Takelage klettern und mich ausruhen.
Nach und nach konnten so alle in Reichweite befindliche Pesonen in Sicherheit
gebracht werden.Leider konnten wir wegen des immer noch gesetzten Segels
die dahinterliegende Szenerie nicht verfolgen oder eines der Boote auf
uns aufmerksam machen.Erst nach zwei Stunden kam ein Boot zu uns und wir
konnten uns nach mehreren Bootsfahrten hin und her alle retten.Einige Passagiere
überlebten das Desaster,indem sie auf das Riff geschleudert wurden
und dort bis zum Bauch im Wasser stehend das weitere abwarteten.Glücklicherweise
wurden keine Haie gesichtet. Außerdem wurden die Körper des
Kapitäns, des Stewards und eines Mr. Warren aus der Brandung geborgen
und auf Baumwollballen gelegt.Hier wurden Wiederbelebungsversuche gestartet,jedoch
ohne Erfolg.Während der nächsten Stunden waren wir eifrig damit
beschäftigt die Rettungsboote über das Riffdach in den sechs
Kilometer breiten ,tiefen Kanal zu ziehen,der uns von der Shadwan-Insel
trennte und schließlich zu ihr herüber zurudern. Hier luden
wir unsere spärlichen Vorräte aus. Leider mußten wir hierbei
feststellen, daß viele der Frischwasserbehälter idiotischerweise
von unseren afrikanischen Heizern geleert worden waren um als Schwimmkörper
zu dienen. Auf der Insel gab es leider überhaupt kein Trinkwasser.Das
nächste hier entlangkommende Schiff müßte die S.S. Sumatra
oder S.S. Naera sein. Sie wurde jeden Moment erwartet,weshalb auch sofort
ein Kommando losgeschickt wurde um jenseits des Kanals in der Nähe
der Schiffahrtslinie Signale geben zu können. Sollte des Nachts dem
kein Erfolg beschieden sein,so sollte der Erste Offizier mit zwei Passagieren
und drei Chinesen weiterfahren zum Ushruffi-Leuchtturm und dort alle verfügbaren
Trinkwasservorräte requirieren. Dem Boot wurde auch die einzige gefundene
Signalrakete mitgegeben zusammen mit der Hälfte des einzigen vorhandenen
Streichholzschächtelchens. Ein weiteres Signalmittel bot sich für
uns zurückgebliebene an:
Während der zeit wo das Schiff auf dem
Riff saß,waren große Ballen mit Calico-Baumwollstoff über
Bord geworfen worden. Dieses Baumwolltuch war so dicht gepreßt,daß
es im Inneren trocken geblieben war. Der Stoff fand vielseitige Verwendung,
diente er dann als turbanmäßiger Hutersatz oder Unterlage oder
auch als brennbares Signalmittel.
Kaum war ein derartiger Ballen in der heraufziehenden
Nacht in Brand gesetzt worden, kam auch schon ein Chinese gelaufen und
meldete das näherkommen eines Lichtes in der Ferne.
Um den Segler auf uns aufmerksam zu machen,
ließen wir ein Boot zu Wasser und segelten mit Höchstgeschwindigkeit
in seine Richtung. Uns war nicht ganz klar,ob wir ihn noch rechtzeitig
würden auf uns aufmerksam machen können. Doch nachdem wir ca.
einen Kilometer auf See waren, erkannten wir an der Stellung der Positionslichter
des Schiffes,daß wir mit dem Feuer an Land seine Aufmerksamkeit erregt
hatten. Das Abfeuern der Seenotrakete änderte dann endgültig
alles.Nach kurzer Zeit waren wir längsseits der aus Bombay kommenden
S.S. Sumatra -ebenfalls ein Passagiership der P&O-Line mit Lord Napier
an Bord. Sofort wurden Boote ausgesetzt,die mit unserem Boot zu den Überlebenden
zurückkehrten und bis zehn Uhr am nächsten Morgen alle zur S.S.
Sumatra brachten.
Sofort wurde Kurs auf Suez gesetzt. An Bord
erhielten wir die rührendste Fürsorge die man sich vorstellen
kann, aber die hatten wir auch nötig.Jeder von uns hatte alles verloren
bis auf das was wir am Körper trugen.Ich für meinen Teil hatte
noch eine zerrissene Hose an, ein Hemd und zwei Meter Manchester Calico
Baumwollstoff,das ich mir um meine Füße gewickelt hatte.
Zu den Ertrunkenen gehörten: Der Kapitän
Jones, Captain Pope,Mr.
Warren,Dr.Thompson, Mr.Pidding der Schiffssteward, Mr. Gardner und sein
Gehilfe,Mr. Mackintosh,ein Doktor, Mr. Ransford und andere.
Bei seiner Rückkehr nach Suez fand Kapitän
Jones einen Rückruf nach England vor.Er sollte dort vor die Untersuchungskommision
treten und den Verlust des Schiffes erklären.
Die Kommission befand das Schiff selbst für
voll ausgerüstet und intakt und den Kapitän für erfahren
und geschickt.Nichtsdestotrotz tadelte die Kommission,daß die Umstände
auf dem Schiff,des Wetters und Lichts eigentlich so waren,daß eine
sichere Reise möglich gewesen wäre- hätte man sich nur sorgfältiger
um die Schiffsführung gekümmert.Da dies versäumt wurde so
schloß man, kam es zum Schiffsuntergang und dem Verlust an Menschenleben.
Auf das Argument,eine ungewöhnlich starke
Strömung hätte mehr Kursversetzung bewirkt als vorhersehbar,
wurde das nur insoweit berücksichtigt,als man auf die Möglichkeit
hinwies,daß man ja auch anhand des Leuchtturms von Ashrafi eine Positionsbestimmung
hätte vornehmen können.
Das Kapitänspatent wurde somit für
die Dauer von 9 Monaten eingezogen.
Dieses Urteil schockte den Kapitän so sehr,daß
er nie wieder zur See fuhr.
In der Folgezeit nach dem Untergang wurde am Untergangsort
eine
der ersten erfolgreichen Bergungsoperationen der Neuzeit unter Verwendung
der damals revolutionären Helmtauchausrüstung durchgeführt.
Die
Versicherungsgesellschaft bei der Schiff und Ladung versichert war-Lloyd`s-
erteilte sofort einem gewissen Kapitän Henry Grant den Bergeauftrag.Als
dieser in Suez eintrifft,hört er,daß das Wrack angeblich in
70m Tiefe liegen soll und will schon wieder nach England zurückfahren.Dann
besinnt er sich eines besseren und besichtigt die Untergangsstelle am 29.
September.Dabei stellt er fest,daß die
S.S.Carnatic doch nicht
so tief liegt wie gedacht und daß schon einige einheimische Apnoe-Taucher
dabei sind,das Wrack um seine Ladung zu erleichtern.Diese werden verjagt
und das Bergeschiff "Tor" wird am Riff vertäut.
Picture with kind permission of Ms. Katie Simpson
of The Illustrated London
News Picture Library
Widriges Wetter läßt erst am 15.Oktober
die ersten Tauchgänge zu.Der Bergetaucher Stephen Saffrey aus Whitstable
beginnt seine Suche im Postraum.Dort findet er aber nur eine Leiche und
Postsäcke.Beides wird an die Oberfläche geschickt und verstaut.Während
der nächsten Tauchgänge richtet sich die Hoffnung auf den Tresor
im Postraum...doch Fehlanzeige.Lediglich einige Taschenuhren werden sichergestellt.Als
nächstes wird sich das Schiffspostamt vorgenommen.Doch dieses wird
durch eine stabile Türe versperrt.Diese zu öffnen,dauert mehrere
Tage.Erst am 24. Oktober gelingt es dem Taucher auch diese zu öffnen.In
den Folgetauchgängen werden 16 Postsäcke geborgen, bis es endlich
am 26. Oktober endlich gelingt die erste Kiste mit Goldmünzen zu heben.Bis
zum 8. November sind sie dann alle gefunden. Die ebenfalls für die
Indische Münzanstalt bestimmten Kupferplatten dagegen wrden größtenteils
von den einheimischen Apnoetauchern
geborgen und verschwanden auf dem Schwarzmarkt.
Anderen Berichten zur Folge ist es eben NICHT
gelungen das gesamte Gold zu bergen. Vielleicht ist die Story von der Bergung
ja auch ein Versuch gewesen seitens Lloyd`s,Voraussetzungen zu schaffen,
daß man später noch eine zweite Bergungsoperation durchführen
kann,so daß man die jetzige wegen der widrigen Wetterumstände
abbrechen kann.
Von den 40.000 Pfund in Goldmünzen wären
somit nur 32.000 Pfund geborgen, der Rest schlummert folglich
noch immer in den Überresten des Wracks.
Überlegt man, daß damals entsprechend dem Britischen Goldstandard
1 Pfund 0,25 Unzen Gold waren und heute eine Unze Gold ca. 550 DM wert
ist, so ruht dort unten ziemliches Geld.....
Nach der Bergungsoperation fiel das Wrack dem Vergessen anheim,erst
1984 wurde es von einer Gruppe Taucher per Zufall wiederentdeckt.
Ihr Schwesterschiff,die S.S.Pera Alma
traf ein ähnliches Schicksal: Sie liegt heute auf einem Riff bei Mushajira
im Yemen.
Das Wrack der S.S.Carnatic liegt heute mit dem Bug nach Osten
direkt am Fuße und paralell zum Riff.Beim
Abtauchen sieht man unter sich meist schon dieses Wrack wie eine Brausetablette
sprudeln von der abgeatmeten Preßluft der besuchenden Taucher :-)

Man befindet sich nämlich hier in einer gutbesuchten
Ecke der ägyptischen Küste, wo in direkter Nachbarschaft auch
die Wracks der Chrisoula K und der nur 60m entfernten Ghiannis D liegen.
Genaugenommen befindet sich die SS Carnatic genau zwischen diesen beiden
Wracks mit einer Krängung von ca. 60 ° auf ihrer Backbordseite.
Sie bietet bei Sichtweiten von ca.30m einen imposanten Anblick.

Der Schiffskörper ist kurz vor der Mitte durchgebrochen, die Teile
liegen aber auf den sandigen Meeresgrund nahe beieinander.
So kommt es,daß vor allem die Heck- und Bugsektion gut erhalten ist,
der alte Mittelteil mit der Maschine aber nicht. Auf der riffabgewandten
Seite liegen gut sichtbar noch der Schornstein,die Masten und sonstige
Überreste.
Die Deckseite des Schiffes ist dem offenen Wasser zugewandt.
 
An beiden Schiffsseiten sieht man hier die ausgeschwenkten
Davits stehen.Diese dienten früher zum herunterlassen der Rettungsboote.

Sowohl an der Oberkante des Wracks wie auch an
der Unterkante in Nähe des Meeresbodens sind diese Davits schön
mit Hartkorallen bewachsen -wobei die Wrackoberkante mit nur 15m Tauchtiefe
hier gleichzeitig die flachste Stelle am Wrack ist.
 
Zwischen den Davits zu beiden Schiffsseiten befindet
sich das Oberdeck. Dessen Decksbeplankung ist mittlerweile weggegammelt.
Lediglich die stählernen Träger der Decksbeplankung sind noch
vorhanden.

Ist man in dieser Mittschiffsposition in das Wrack
hineingetaucht kann man durch die Deckskonstruktion hindurch fast in alle
Richtungen und nach draußen in das offene Wasser blicken, was ein
sehr stimmungsvolles Bild ergibt. Schaut man sich die Metallstreben einmal
genauer an, findet man auch diese als "bewohnt" vor -von unzähligen
Hartkorallen.
 
Taucht man an dieser Stelle durch das erste von
zwei Decks hindurchdurch und begibt sich weiter in Richtung Bug, begleitet
einen dieses Bild mit der Aussicht nach "draußen" -und auf Kolonien
von Weichkorallen auf den Decksträgern.
 
Mittschiffs ist die Rumpfkostruktion aber auch
eingefallen,so daß sich auch hier reizvolle Anblicke dem Auge des
Tauchers darbieten.

Je weiter man in Richtung Bug und in die Tiefe
des Rumpfes taucht,kommt man dem Laderaum immer näher.

Schaut man sich dort um so fällt einem nicht
mehr besonders viel von der Ladung auf.
 
Diese bestand nämlich seinerzeit zT. aus
charakteristisch geformten Sodawasserflaschen nach denen dieses Wrack auch
seinen Spitznamen als "Sodawasserflaschen-Wrack" bekam.
Jene Flaschen wurden aus durchsichtigem,opalisierenden
Glas hergestellt und verfügten über einen ovalen Boden, in den
Körper wurde eine große "2" eingegossen.
 
Man muß schon ziemlich genau hinsehen um
überhaupt noch ein paar zerbrochene Exemplare zu finden.Leider waren
Karl und Johanna Raubtaucher hier mal wieder schneller.Findet man noch
eine intakte Flasche so ist diese meist sogar noch mit einem Korken verschlossen.
Taucht man nun aus dem vorderen Teil des Schiffsrumpfes
hinaus in das Freiwasser,kann man über das Oberdeck zu Bugspitze tauchen.Auf
dem Weg dahin kann man die hier verlaufende Ankerkette begutachten.

Über die Bugspitze hin kann man nun zum Meeresboden
abtauchen und die Bugsektion m Gegenlicht betrachten.
 
Taucht man auf den Bug zu,beginnt man Details
zu sehen.
 
Außen vorne am Bug befindet sich dann auch
eine ringförmige Halterung des ehemals hier vorhandenen hölzernen
Bugspriets.Diesen ahnt man heute nur noch anhand des Metallrings für
den Bugspriet.

Die hierunter befindliche Auflage für den
Bugspriet ist nicht mehr besonders gut erhalten,aber dennoch erkennbar.

Hat man sich hier sattgesehen,bleibt nur noch
die Hecksektion als letzte Sehenswürdigkeit übrig. Auf dem Weg
zum hinteren Teil des Wracks kann man wieder in das Wrack hineintauchen
und durch die Trägerkostruktion langsam nach dem Heck tauchen. Noch
im Wrack kann man am Heck hinten sieben Fenster in einer Reihe ausmachen.
Dies ist etwas, was man eigentlich nur aus alten Piratenfilmen kennt: Eine
Galerie von sieben rechteckigen Fenstern über dem Heck.

Am besten kann man sie sich natürlich anschauen
wenn man von draußen auf das Wrack schaut. Also begibt man sich am
Heck wieder aus dem Wrack heraus und entfernt sich etwas davon um das ganze
nocheinmal auf sich wirken zu lassen.

Schließlich bleiben nur noch das Ruder und
die große dreiblättrige Schiffsschraube zur Betrachtung übrig.

Diese bilden einerseits mit 28m Tiefe den tiefsten
Punkt am Wrack -und gleichzeitig auch einen schönen Abschluß
des Tauchgangs. Hat man nun noch Luft übrig,empfiehlt sich für
erfahrene Taucher ein Abstecher zum Riff.
Möchte man an dieser Stelle des Riffs bzw.
der SS Carnatic tauchen, so sollte man dies morgens tun, da ansonsten
beim Fortschreiten des Tages der Riffschatten immer größer wird
und die Helligkeit unter Wasser abnimmt. Am Wrack trifft man dann noch
große Kartoffelbarsche zusammen mit Muränen,kleinen Thunfischen
und Oktopussen an.
Doch Vorsicht beim heranfahren an das Riff! Hier
herrschen manchmal schwierige Strömungen für Boote,auch der Schwell
ist zu beachten! Die Wettersituation kann auch schnell und unerwartet umschlagen!
Wird dies nicht beachtet, liegt hier bald ein fünftes Wrack!
Diese Schwierigkeit des Tauchplatzes führt
oft dazu,daß er meist nur in RIBs angefahren wird- Schlauchbooten
mit Motoren, während die Schiffe in sicherer Entfernung festmachen.
GPS - Koordinaten:
27 ° 34'
47'' N
33 ° 55'
30'' E |
Anmerkung zu GPS-Koordinaten:
Vorsicht!!!! Diese Daten sind nie ganz genau,da
es von Gerät zu Gerät immer kleine Abweichungen gibt. Die hier
angegebenen Koordinaten sind daher mit entsprechender Vorsicht zu sehen.Da
das Wrack so nah am Riff liegt, ist unbedingt auf die Nähe des Riffes
zu achten,statt auf die Anzeige des GPS-Koordinatengebers!!!
Die Photos wurden mit freundlicher Genehmigung der Seite www.lunerouge.com
entnommen.
Vielen Dank!
Les photos que je presente ici avec une autorisation accueillante originent
du site www.lunerouge.com - Merci
beaucoup!
Mein Dank geht außerdem wieder einmal an Herrn Udo Kefrig vom
Team Kefrig&Stoll von der Seite www.unterwasserfotografie.de
für das schöne Photo mit dem Blick aus dem Wrack heraus durch
die ehemalige Stahlkonstruktion des Unterdecks des Schiffes !
Außerdem möchte ich auch meinem TN-Kollegen
Uli Mößlang für die Spende seiner Fotos von seiner schönen
Seite www.moesslang.net danken!
Further "Thanks!" go to Ms. Katie Simpson of The
Illustrated London News Picture Library for permission to use the donated
drawings of the Carnatic-incident in the Red Sea. |