Tauchen in Verudela/Pula/Kroatien
Eine Bilanz von neun Tauchurlauben in den letzten
sechs Jahren
Organisiert wird diese Fahrt seit vielen Jahren, ein bis zwei Mal jährlich,
von meinem Verein, dem 1. Linzer Tauchclub "Seepferdchen" (gegründet
1962). An dieser Stelle möchte ich mich dafür beim langjährigen
Obmann Hermann Kadasch, dem Vorstand und ganz besonders bei Grete Schwitzer
– der guten Fee des Clubs – bedanken.
Zu Pula:
Eine alte Stadt mit viel Flair an der Südspitze von Istrien. Sehr
schön ist die Altstadt mit ihren malerischen Häusern aus einer
Zeit, als Istrien noch zur k. u. k. Donaumonarchie gehörte.
Allgegenwärtig sind auch die Spuren der Römer, am markantesten
die gut erhaltene Arena, ein Amphitheater, in dem immer wieder Konzerte
(von klassisch bis Sting oder Zucchero) stattfinden.
Viel gibt es zu sehen und zu bestaunen, wenn man durch die Gassen bummelt.

Das Hotel Punta Verudela:

Etwas südlich von Pula auf der Halbinsel Verudela oberhalb des
Jachthafens gelegen, sticht diese in den 80er Jahren erbaute große
Hotelanlage, sofort ins Auge: Weiße Gebäude mit ziegelroten
Dächern, eigentlich ein schöner Anblick. Erst aus der Nähe
fällt die Renovierungsbedürftigkeit auf…
Die Zimmer sind großzügig bemessen und mit einer Kochnische
ausgestattet. Leider nagt der Zahn der Zeit auch an ihnen, speziell an
Bad/WC. Hier ist Handlungsbedarf vorhanden.
Am Ende der Halbinsel befindet sich das Hotel Histria**** mit Kasino,
Nachtclub und einer Tauchschule.
Essen und Trinken:
Das im Speisesaal servierte Essen ist einheimische bis internationale
Küche von befriedigender Qualität. Für Spezialitäten
(Raznici, Cevapcici, Fisch und andere kroatische und istrische Köstlichkeiten)
muss man das Hotel verlassen.
Einige Empfehlungen:
Das Restaurant beim Leuchtturm in Verudela: Spektakuläre Terrasse
hoch über dem Meer. Spezialität: Tintenfisch vom Rost mit Mangoldspinat
und dazu den allgegenwärtigen, leichten und überaus süffigen
Rotwein.
"Bistro E&D" in Verudela 22: Neu eröffnetes In-Lokal
für Einheimische und Touristen mit schöner Terrasse und unglaublich
flinken Kellnern. Löwenbräu vom Fass…
"Adriatic" in Medulin: Übernette Kellner und sehr gute
Küche. Tip: Fischplatte für zwei Personen oder gefüllte
Calamare.
Der Tauchbetrieb:
Seit vielen Jahren treibt es die "Seepferdchen" mit großem
Schlauchboot (die legendäre "Gurke") und Kompressor in diese
Gegend.

Der Kompressor ist so wie die Tauchausrüstungen in Garagen bei
den so genannten "Villas" untergebracht.
Dort ist auch die "Kommandobrücke" von Hermann, der väterlich
über seine "Schäfchen" wacht und für Disziplin
sorgt (immerhin besteht unsere Gruppe im Schnitt aus etwa 100 Personen!).
Nach der obligatorischen Einführung in den Tauchbetrieb, die Bedienung
des Kompressors und die Ge- und Verbote beim Bootsbetrieb kann es so richtig
losgehen.
Zum Tauchen bieten sich hier folgende Gebiete an:
Die Hausbucht:
Hier legt die "Gurke" vom Steg ab und bringt die Taucher zu
den vorgelagerten Inseln (dazu später).
Route 1:
Nach links, an der Hotelanlage entlang.
Über eine Seegraswiese taucht man im 10-m-Bereich zu den großen
Felsen unterhalb des Hotels.
Im Seegras sind immer wieder Sepien und Seepferdchen zu finden ("Seepferdchen"
vs. Seepferdchen). Auch die allgegenwärtigen Seespinnen und Einsiedlerkrebse
tummeln sich hier.

Bei den Felsen sind Drachenköpfe, Petermännchen, Grundeln,
Butte und gelegentlich auch Heringskönige zu sehen. Das Gelände
fällt stufenweise zum Sandgrund auf etwa 20 m ab.
Dieser Tauchplatz eignet sich hervorragend für Nachttauchänge
– Seefedern, Conger (Meeraale), flüchtende Jakobsmuscheln und auf
jedem Felsen eine Seespinne. Begegnungen mit Hummern oder Garnelen werden
leider immer seltener dazu aber noch später… Im Frühjahr ist
der Liebestanz der Sepien zu beobachten, und letztes Jahr hatte ich die
unglaubliche Begegnung mit einer schwimmenden Spanischen Tänzerin;
dieses Tier hätte ich in der Adria nie erwartet.
Route 2:
Nach rechts, in Richtung Leuchtturm.
Der Boden fällt hier langsam in Richtung der 25-m-Grenze ab. Man
kann einige Minihöhlen zum Durchtauchen finden. Mönchs-, Eidechsen-
und Schleimfische beleben die UW-Landschaft, und mit etwas Glück findet
man den hier lebenden Kraken in seinem Bau oder einen Knurrhahn mit seinen
leuchtend blauen Brustflossen.
Letztes Jahr konnte ich in nur 14 m Tiefe eine Fimbria beobachten, eine
Riesenschnecke, die eigentlich nur äußerst selten oberhalb von
50 m gesehen wird!
Schön anzusehen sind die winzigen Garnelen in den Seerosen. Nach
etwa 25 Minuten Tauchzeit kommt man zu einem großen, kaputten alten
Anker und einer großen Grotte auf etwa 17 m, die auf einer Breite
von 15 m etwa 10 m tief stetig verengend in den Fels führt.
Tauchplatz beim Leuchtturm
In etwa fünf Minuten per pedes zu erreichen. Achtung, oft massenhaft
Seeigel!
Ein schöner Platz, um Schraubensalbellen zu beobachten. Sie fühlen
sich hier in den Gezeitenströmungen – besonders unterhalb von 25 m
– offensichtlich wohl.
Auch besonders viele große rote Seesterne jagen hier nach Muscheln.
Regelmäßig kommt es auch zu einem Massenauftreten von großen
Seehasen.
Ein weiterer guter Platz für Nachttauchgänge.
An manchen Abenden ziehen hier Gruppen von Delphinen vorbei!

Die Kapellenbucht:
In etwa zehn Minuten mit dem Schlauchboot zu erreichen zieht sich eine
enge, tiefe Schlucht 100 m durch die Felsen. Von Land aus nur für
freeclimbende Taucher möglich!
Ein sehr romantischer Platz. Unter Wasser einige kleinere Höhlen
und immer wieder Gruppen von großen Felsgarnelen.
Insel 1 (Veruda):
Eine große, dicht bewaldete Insel mit einer verfallenen Kirche.
Man erreicht sie in wenigen Minuten mit der "Gurke".
Taucht man in Richtung Osten, kommt man an vielen Felsen vorbei zu einer
steil abfallenden Wand. Hier wurden auch schon Katzenhaie gesichtet!

Taucht man Richtung Westen und an der Inselspitze vorbei, findet man
(oder auch nicht) am Sand-/ Schlammgrund in etwa 20–25 m Tiefe zwei alte
Seeminen. In den Spalten und Löchern sind mit etwas Glück immer
wieder große Langusten zu finden. Im Flachwasserbereich sieht man
speziell an der Inselspitze (da "zieht" es gelegentlich ganz
schön!) große Schwärme von Mönchsfischen, Goldstriemen,
Brassen, Seriolas (Bernsteinmakrelen) und Sardinen.
Insel 2 (Fraskeric)
Kleine Insel südlich von Veruda, in etwa zehn Minuten mit der "Gurke"
zu erreichen.
Gegenüber, am Festland, befindet sich ein Campingplatz mit einer
Tauchbasis.
Bei kräftigem Seegang nur sehr schwierig anzulaufen, ist diese
Insel im Frühjahr Heimat Hunderter brütender Möwen – und
die wissen, wie sie ihren Nachwuchs vor allzu neugierigen Tauchern beschützen
können!

Von der Einstiegstelle führt eine kurze Höhle in nur 3 m Tiefe
mit einem Durchgang ins Freie in Richtung Freiwasser. Doch das ist erst
die Einstimmung! Nach links kommt man wieder zu einer Höhle im Flachwasserbereich,
und etwas weiter erinnert eine Tafel auf 8 m an einen 1998 hier verunglückten
Taucher aus Deutschland. Folgt man dem Fels in Richtung rechts, kommt man
im 20-m-Bereich zu einem wunderschön bewachsenen Überhang, der
im Schein der Lampe in vielen Farben leuchtet. Gelbe Steinkorallen, Nelkenkorallen,
Goldschwämme, rote und braune Zylinderschwämme, Geweihschwämme
und Nierenschwämme bilden im Halbdunkel riesige Kolonien; hier könnte
man stundenlang schauen. Ein kleines Stück weiter im Freiwasser befindet
sich ein großer, zerbrochener Felsen, der "Broken Rock"
(nicht zu verwechseln mit dem Namensvetter im Süd-Ari Atoll, aber
durch die Spalte in etwa 24 m Wassertiefe kann man fast ebenso schön
tauchen (Rote Geweihschwämme!).
Vom Überhang weiter kommt man zu einer leicht zu betauchenden,
etwa 25 m langen Höhle mit Sandgrund.
Nach etwa 20 m führt eine weite Öffnung ins Freie, man kann
aber auch noch einige Meter weiter durch die enger werdende Höhle
tauchen.
In den hinteren Winkeln der Höhle kann man immer wieder Conger
finden.
Beim Höhlenausgang sieht man schon den Eingang zu einer weiteren,
etwa 15 m langen Höhle in einer Tiefe von etwa 10 m.
Insel 3 (Frasker)

Zum Festland flach, zur Seeseite hin steile Klippen: So präsentiert
sich diese südlichste Insel. Von hier sieht man auch schon das Leuchtturminselchen
von Porer, ein beliebtes Postkartenmotiv.
Taucht man im Flachwasser Richtung Süden, kommt man nach wenigen
Minuten zu einem spektakulären "drop off". Der Boden fällt
hier von 7 m abrupt auf etwa 30 bis 35 m ab. Diese Steilwand ist über
und über mit Mittelmeerkorallen, Seescheiden und Schwämmen bewachsen.
Am Fuß der Wand findet man die Überreste eines unbekannten,
alten Segelschiffwracks zwischen 27 und 30 m. Am schönsten ist der
Mast mit einer Winsch erhalten, der waagrecht aus der Wand ragt. Der Rest
des Holzbootes ist schon sehr stark verrottet und nur mehr in Fragmenten
vorhanden.
Der Meeresboden fällt hier flach in Richtung 40 m ab, hier kann
man die eigenartigen orangen "Mützenschwämme" sehen
(Identität noch offen, siehe Foto)
.
Der Wand entlang sind immer wieder verschiedenste Fischschwärme
und imposante Überhänge mit viel Schönem zu beobachten.
Leopardenschnecken, Haarsterne, Hundskorallen, Neptunschleier, Gorgonien…
Hier findet man fast alles, was das Mittelmeer zu bieten hat!
In 10 m Tiefe befindet sich die "Kapellenhöhle". Durch
eine schmale Spalte gelangt man in eine kleine, wunderschön bewachsene
Höhle, die an eine Kapelle erinnert – ein Kleinod unter Wasser. Hier
ist besonders auf exakte Tarierung zu achten: Jeder unbedachte Flossenschlag
wirbelt sofort Schlamm auf, der die Höhle stundenlang vernebelt.
Kritische Worte zum Abschluss:
"Take nothing than images, leave nothing than bubbles"
Vor einigen Jahren waren es noch tschechische Taucher, die mit Harpunen
unterwegs waren und unseren Unmut erregten.
Inzwischen finden wir auch leider wieder in den eigenen Reihen schwarze
Schafe, die das Meer plündern.
Eine ungewöhnlich große Languste unter dem Tretbootwrack
in der Hausbucht – am nächsten Tag wurde diese in einem Restaurant
in Medulin den "Findern" aus den eigenen Reihen serviert…
Einige Tage später waren es einige Drachenköpfe, die auf den
Tellern landeten.
Die Versuchung ist für manche offensichtlich groß, die Unterwasserwelt
als Selbstbedienungsladen zu nutzen.
Hier muss jeder Taucher Eigenverantwortung und Disziplin zeigen – offensichtlich
ist auch in meinem Tauchclub dementsprechende Aufklärungsarbeit nötig.
Nur so bleiben die Wunder der Welt unter Wasser erhalten! |