Blaue Bohnen am Polarkreis

 Geschrieben von Oli
© 2003 Oliver Meise
- Keine Gewähr -

Etwas über ein Jahr dauert er schon, der 2. Weltkrieg. Insbesondere bei der U-Bootwaffe hat es rasche und große Erfolge gegeben wzB. die Versenkung des britischen Schlachtschiffs HMS Royal Oak durch U 47 unter Prien in Scapa Flow. Grund genug die Deutsche U-Bootwaffe weiter auszubauen! Und so bestellt das Deutsche Reich bei der Schiffswerft Stülcken & Sohn in Hamburg am 7. Dezember 1940 eine weitere Serie der 1.070t großen U-Boote des Typs VIIC.

Plangemäß legt man dann am 31. Juli 1941 den Kiel für das U-Boot mit der Baunummer 777.Dieser U-Bootstyp stellt mit 568 weiteren indienstgestellten U-Booten das Rückgrat der deutschen U-Bootwaffe dar und ist eine etwas größere und schwerere -aber auch etwas langsamere- Version des U-Bootstyps VIIB. Die beiden MAN-Dieselmotoren vermögen 3200 PS Leistung zu erbringen,die beiden E-Maschinen übertragen immerhin noch 750 PS auf die Welle.Dies reicht aus um über Wasser eine Höchstgeschwindigkeit von 17,6 Knoten zu erreichen bzw. um unter Wasser 7,6 Knoten schnell zu sein. Mit der an Bord bunkerbaren Treibstoffmenge von 113,5ts konnte das Uboot somit bei 10 Knoten Fahrt eine Strecke von 8500 Seemeilen bzw. bei 17 Knoten Fahrt 3250 Seemeilen fahren. Unter Wasser betrug der Einsatzradius 130 Seemeilen bei 2 Knoten Geschwindigkeit bzw. 80 Seemeilen bei 4 Knoten Fahrt.Zur Torpedowaffe des 66,50m langen und 6,20m breiten U-Boots gehörten im Bug vier 53,3cm-Torpedorohre, im Heck ein Torpedorohr gleichen Kalibers. Diese konnten insgesamt 14 mitgeführte Torpedos verschießen bzw. durch sie konnten maximal 26 mitgeführte TMA (Torpedomine A) gelegt werden. Die artilleristische Bewaffnung dieses U-Boots bestand im wesentlichen aus dem vor dem Turm aufgestellten 8,8cm/L45 C/35-Geschütz mit einer Ubts LC/35-Lafette und 220 mitgeführten Granaten, sowie aus zunächst einer einzelnen 2cm-Flak. Mitte 1943 wurde diese durch zwei 2 cm/L65 C/38-Flakzwillinge auf LM44U-Lafetten rechts und links auf der hinteren Turmplattform ersetzt. Noch später wurde unter dem Wintergarten mit den beiden Flakzwillingen noch eine weitere Flakplattform mit einem 3,7 cm/L69 M42 -Flakgeschütz eingebaut. Nach Erledigung der letzten Restarbeiten findet am 25. Juni 1942 der Stapellauf statt. Mit dem U-Boot hatte die Stülcken-Werft aber keine reine Freude. Denn beim Einsetzen der Akkumulatoren und dem anschließenden Aufladen hatte sich mangels Durchlüftung im Rumpf Knallgas gebildet. Bei Schweißarbeiten kam es dann zu einer gravierenden Verpuffung, so daß der künftige Kommandant dieses U-Bootes schon bei der Baubelehrung nur die Haare raufen konnte. Auch auf Seiten des Rüstungsamtes wurde Druck gemacht und mit "Rollenden Köpfen" gedroht wenn das U-Boot nicht rechtzeitig zum projektierten Termin fertig würde. Diese nun einsetzende Hast bei der Reparatur der Schäden machte sich später während der Einsätze noch des öfteren bemerkbar.Denn statt einer ordentlichen Reparatur war nur Flickwerk abgeliefert worden. Vor allem waren die scheinbar von der Batteriesäure zerfressenen Isolierungen der Elektroleitungen betroffen,so daß es späterhin noch häufiger unerklärliche Ausfälle an Bord gab. Schließlich wurde aber dieses U-Boot am 26. September 1942 mit der Baunummer 777 unter der Kennung U 711 und dem Kommando von Oberleutnant zur See Hans-Günther Lange in Dienst gestellt.


© 1942 Günter Katthagen
Photo Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Noch am selben Tag wird es von seiner neuen 44-köpfigen Mannschaft in Besitz genommen und sofort mit der Feldpostnummer M 50659 der 5. U-Flottille in Kiel unterstellt.
Am 27. und 28. September nimmt der Kommandant sein neues Boot und die noch nicht eingefahrene Besatzung mit auf eine Spritztour und man schippert ein wenig zu ersten Übungszwecken auf der Elbe bei Hamburg herum. Der Kommandant Oberleutnant z.S. Lange ist schon ein paar Jahre bei der Kriegsmarine -zunächst noch auf dem Torpedoboot Jaguar, dann seit September 1941 bei der U-Bootwaffe wzB. als 1.WO auf U 431 im Mittelmeer.

Am 29. September gehts wieder los und U 711 wird von seiner eigenen Mannschaft nach Kiel überführt. Dort müssen in der Zeit vom 30. September bis zum 16. Oktober die UAK-Erprobungen des "U-Boot-Abnahme-Kommandos" erfolgreich überstanden werden.Am 17. Oktober macht sich U 711 von Kiel auf nach Danzig und geht von dort am nächsten Tag zur Torpedo- Erprobungskommission in Gotenhafen.Diese erprobt das Boot vom 19. bis zum 22. Oktober und schickt dann das Boot weiter zur U-Bootausbildungsgruppe 1 in der Danziger Bucht wo man vom 23.Oktober bis zum 1. November durch den Fleischwolf gedreht wird.


Photo Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Schließlich sind die rein technischen Tests weitgehend abgeschlossen und U 711 macht sich am 2. November auf nach Hela um dort ab dem 3. November durch die "Ausbildungsgruppe Front" getestet zu werden.Hierbei muß das Boot bei Scheinangriffen auf eine Übungsflotte das gute Funktionieren aller technischen Bereiche und die gute Schulung der Besatzung unter Beweis stellen.
Dies zieht sich hin bis in das neue Jahr. Schließlich ist man auch hier zufrieden.Am 22. Januar verlegt deshalb U 711 nach Hamburg um dort in der Stülckenwerft noch Restarbeiten durchführen zu lassen.Am 28. Februar sind diese beendet und das Boot wird in den U-Stützpunkt Hamburg verholt.Dort wird es ab dem 1. März von seiner Besatzung eingeräumt, wobei Torpedos und so einiges an Proviant übernommen wird. Schließlich hat man am 3. März alles ordentlich weggestaut und kann dann am nächsten Tag nach Kiel auslaufen um dort bei der 5. U-Flottille auszurüsten.
Da Oberleutnant Lange leidenschaftlicher Jäger war, immer eine Schrotflinte für Jagdzwecke unter der Koje liegen hatte und von seiner zukünftigen Frau eine Gummiente als Maskottchen geschenkt bekam, entstand aus diesen Umständen das Wappen des U-Bootes: Eine weiße Ente mit einer roten Halsschleife und zwei stacheligen Disteln die nach hinten ausgerichtet waren. Wobei letztere als glücksbringendes Unkraut angesehen wurden -denn: Unkraut vergeht nicht! Beim Abschied von der 5. U-Flottille trug man sich dementsprechend auch mit einer launigen Zeichnung als Enten-Boot in das Gästebuch dieser Flottille ein.


Grafik Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Das Enten-Wappen trug U 711 dann auch immer wieder im hohen Norden an der Turmvorderseite.

Nachdem die Ausrüstungsarbeiten bei der 5. U-Flottille erledigt wurden, verließ U 711 am 20.März 1943 mit einer Flaggenparade den U-Stützpunkt Kiel zu seiner ersten Unternehmung nach dem hohen Norden. Und so kommt U 711 am 22.März um 01.15 Uhr im südnorwegischen Marwik an, wo auf das Geleit nach Norden gewartet wird. Um 06.00 Uhr wird abgelegt um mit dem U-Jäger UJ 1703 zur nächsten Etappenstation Stavanger zu laufen. Dort läuft man um 19.30 Uhr ein und übernachtet dort. Am nächsten Tag wirft man um 06.00 Uhr die Leinen los und marschiert weiter nach Bergen, wo U 711 dann auch um 15.25 Uhr ohne eine Behelligung durch feindliche See- oder Luftstreitkräfte angelangt. Trotzdem man ein eigenes Wappen hat, wird während dieser Zeit noch der 5. U-Flottille zu Ehren deren Seepferdchen-Wappen an der Turmvorderseite gefahren.


Photo Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Nach der Meldung bei der 11. U-Flottille geht es um 15.50 Uhr schon wieder los und man macht Tieftauchübungen um die letzten Werftarbeiten zu überprüfen.Hierbei stellen sich aber noch Defekte heraus.Und so legt man um 18.00 Uhr in Marieholm an um noch Werftarbeiten an der Hauptlenzpumpe und dem Oberdeck durchzuführen und die Ausrüstung für die anstehende erste Feindfahrt zu ergänzen.Hierüber vergeht der 24. März, so daß man schließlich erst am 25. März um 17.00 Uhr in Bergen losmacht um die erste Feindfahrt von U 711 anzutreten.Per Funktelegramm (FT) vom Führer der U-Boote (FdU) Nord erhält man das Einsatzgebiet rund um das Planquadrat AF 1213 zugewiesen. Dies ist eine ziemlich kalte Ecke,handelt es sich doch um die Gewässer bei Jan Mayen -einer Insel im Eismeer.Diese erste Unternehmung endet nach 37 Seetagen am 30. April ohne Ergebnisse und irgendwelche Sichtungen oder sonstigen Ereignisse durch Einlaufen in Hammerfest. Der Kommandant hält dazu im Kriegstagebuch von U 711 fest:
"Die 1. Unternehmung des Bootes brachte keine Feindberührung.Sie wurde ausgenutzt,um den Ausbildungsstand und die Zusammenarbeit der Besatzung zu fördern.Die Besatzung hat die auftretenden Belastungen gemeistert,sich schnell in die Besonderheiten des U-Bootfahrbetriebes eingelebt und bei schwerem Seegang keine Ausfälle durch Seekrankheit oä. gezeigt.Die Maschinenanlage des Bootes ist gut,es kamen keine größeren Störungen auf.Sie wurde gut gewartet."

Feindfahrten von U 711 in den Jahren von 1943 bis 1945

Auf diese Verlegungsfahrt sollten unter dem Kommando von Oberleutnant z.S. Hans Günther Lange noch viele weitere folgen. Er verstand es sein U-Boot nicht nur so klug zu führen,daß im Laufe der Zeit er und das U-Boot mit dem Ritterkreuz samt dazugehörigen Eichenlaub ausgezeichnet wurde, sondern daß es auch fast bis Kriegsende überlebte.Die letzte Feindfahrt brachte wieder einmal eine Spezialaufgabe mit sich: Das U-Boot stach am 15. April mit einem sechsköpfigen Sabotagetrupp an Bord in See. Im Rahmen der Operation Nordwind sollen die vier Norweger und zwei Finnen von der SS-Division "Nordland" in zwei großen Schlauchbooten mitsamt ihrer umfangreichen Spezialausrüstung im Varangerfjord abgesetzt werden. Dort sollten sie diverse Spreng- und Sabotageakte auf das russische Militär verüben.Dem interessierten Kommandanten wurden dabei diverse Ausrüstungsgegenstände vorgeführt wie zB. Sprengschnüre und eine Spezialvorrichtung die zur persönlichen Bewaffnung gehörte: unter der Achsel befand sich eine besondere Federvorrichtung mit einer Halterung für eine Walter PPK-Pistole. Hob man die Hand auf eine besondere Weise,konnte man die Waffe in die Hand springen lassen und sofort schießen. Wie es scheint ist der Autor der James-Bond-Bücher irgendwann mal in Deutschland gewesen :-) Am 18. April erreichte das Boot den Varangerfjord und bootete dort den Spezialtrupp bei Vadsö aus. Nach dem Krieg erfuhr Kapitänleutnant Lange,daß die Norweger zu Fuß nach Hause gefunden haben -dort aber wegen der SS-Zugehörigkeit für zwei Jahre im Gefängnis einsitzen mußten.Nach dem Absetzen des Spezialkommandos trieb sich das U-Boot wieder im Kolafjord herum und versenkte dort einen Tag später im Planquadrat AC 8864 einen ca. 3.000 BRT messenden Dampfer aus einem ostwärts laufenden KB-Konvoi. U 711 verblieb dann im Rahmen der Suchharke "Faust" mit acht anderen U-Booten weiter im Kolafjord und traf dort am 25. April auf ein Schiff des alliierten Konvois JW 66. Unklar ist,ob dies ein Zerstörer oder Frachter war.Nach Beobachtungen von U 711 wurde er um 12.00 Uhr nach einem T5-Torpedotreffer im Planquadrat AC 8864 versenkt. Fünf Tage später ereilte am 30. April im Planquadrat AC 8546 einen weiteren Zerstörer das gleiche Schicksal.Nach aliierten Angaben hatte der Konvoi JW 66 aber keine Verluste.Möglicherweise wurden diese Schiffe also nur beschädigt und schafften es noch in den nahen Hafen. Admiral Golowko weist jedoch in seinem Buch "Zwischen Spitzbergen und Tiksibucht" darauf hin, daß am 30. April gegen 21.00 Uhr eine britische Korvette unweit von Setji-Nawolok torpediert wurde und brennend in zwei Teile auseinanderbrach. Diese hatte scheinbar erfolgreich ein U-Boot bekämpft und hatte gestoppt, um ein Boot auszubringen und etwas aus dem Wasser zu fischen. Da sonst niemand diese Versenkung in Anspruch nimmt und es die einzige in diesem Kampfraum ist,muß es sich bei dem von U 711 als versenkt gemeldeten Zerstörer vom 30. April um eben jene britische Korvette handeln.

Zu dieser Zeit begannen sich über dem Schicksalshorizont von U 711 dunkle Wolken zusammenzuballen. Denn mittlerweile war das Kriegsende nicht mehr fern und die Alliierten holten zu den letzten wuchtigen Schlägen aus um auch die letzten noch aktiven U-Bootstützpunkte schachmatt zu setzen. Im Rahmen der Operation "Judgement" lief deshalb am 1. Mai die "Force One" unter dem Kommando von Admiral McGrigor von Scapa Flow aus und setzte zunächst Kurs auf Murmansk um auch dem Konvoi RA 66 entgegenzulaufen. Zu diesem britischen Marineverband gehörten die Kreuzer HMS Norfolk, HMS Diadem sowie die Geleitflugzeugträger HMS Searcher, HMS Trumpeter und HMS Queen mitsamt dem Tankschiff HMS Blue Ranger und zwei Zerstörern. Die Flugzeuge an Bord gehörten sämtlich zur den Marinefliegerverbänden der Royal Navy. So war an Bord der HMS Searcher die Fleet Air Arm Squadron 821, an Bord von HMS Trumpeter die FAA-Squadron 846 und an Bord von HMS Queen die FAA-Squadron 853.

Am 2. Mai lief U 711 nach 18 Seetagen wieder in Harstad ein. Da Kapitänleutnant Lange am 29. April das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen bekommen hatte, fand hier eine kleine Verleihungszermonie statt. Da Deutschland weit entfernt und in Norwegen kein Eichenlaub aufzutreiben war, bekam der Kommandant ein Eichenlaub aus dem persönlichen Bestand des FdU Nord Teddy Suhren überreicht. Doch schon am 4. Mai mußte U-Lange nach Kilbotn verlegen. Dort kam man dann am nächsten Tag um 15.00 Uhr an und machte am dortigen U-Boot-Tender Black Watch fest. Bis auf das zehn Mann starke Wachkommando begab sich die ganze Besatzung an Bord dieses Stützpunktschiffes um das 1. Schnäpschen nach der Feindfahrt gereicht zu bekommen,die Willkommensfeierlichkeiten zu genießen und die Post von Daheim in Empfang zu nehmen.
Knapp 90 Minuten nach dem Anlegen erschienen am Himmel über Kilbotn sechzehn Grumman TBF 1 Avenger- Bomber und 28 General Motors "Wildcat" VI-Jäger.


Links in Bildmitte ein TBF 1 Avenger-Jagdbomber im
Abschwung zum Sturzflug auf Schiffsziele im Kilbotn

Sie stammten sämtlich von den Geleitflugzeugträgern der Force One und waren erst um 16.00 Uhr britischer Zeit 100-150 Meilen westlich der Lofoten zu ihrem Einsatz gestartet. Dieser Angriff kam für die deutsche Seite vollkommen überraschend. Zwar hatte man auf deutscher Seite ein Vorwarnsystem für Feindeinflüge, jedoch hatte der dafür verantwortliche MNO Harstadt = Marinenachrichtenoffizier Harstadt von seinem VB = Vorgeschobenen Beobachter auf einer Außenschäre vor der Küste Harstadts keine Feindmeldung erhalten. Dies fand Axel Sahner in einer Befragung eines ehemaligen Mitarbeiters im Stab des MNO Harstadt heraus. Vermutungen, nach denen der norwegische Widerstand dabei seine Hand im Spiel gehabt hatte, sind bisher nicht bestätigt worden. Nach der Schilderung des Flight Commander J. Bunyan von der Squadron 846 gehörte es zu dieser Zeit schon zur Standardprozedur,daß sie mit ihren Grumman TBF 1 "Avenger"- Bombern im Tiefflug über die See donnerten und so das deutsche Funkmeß-Radar unterflogen.


US-Bomber vom Typ TBF 1 Avenger werden am 25.10.44
auf dem Flugzeugträger USS San Jacinto für den Einsatz vorbereitet
National Archives Photo 80-G-284708

So auch an diesem Tag.Erst über den Lofoten stieg man so schnell es ging auf Höhe, um dann über Kilbotn im Gleitbombverfahren die vier 500 Pfund schweren Bomben pro Flugzeug zu platzieren.Die auf der HMS Trumpeter beheimateten Grumman TBF 1 Avenger-Bomber der 846. Squadron waren dazu bestimmt worden die Black Watch zu versenken. Die anderen vier GM Wildcat VI-Jagdflugzeuge der 846. Squadron sollten dabei mit ihren jeweils vier .50-kalibrigen Browning-MG die Flak-Stellungen niederhalten und ausschalten.


Eine GM Wildcat FM-2 fliegt im Oktober 44
Jagdschutz über ihrem Flugzeugträger USS Santee
Photo National Archives 80-G-287594

Diese GM Wildcat VI-Jäger waren nichts anderes als die mit anderen Motoren ausgerüstete neue britische Variante der amerikanischen Wildcat FM 2-Jagdflugzeuge, die noch kurz zuvor von den Briten als "Martlet"-Jäger bezeichnet wurden.
Die von der HMS Queen stammenden Flugzeuge der Squadron 853 sollten das Torpedoklarmachschiff Carl von Herring angreifen. Die von der HMS Searcher gestarteten GM Wildcat VI-Jäger der Squadron 821 sollte sich um weitere Flak-Stellungen kümmern sowie um das Flak-Schiff Thetis das in der Bucht liegen sollte.
Über dem Ziel angekommen,griff zunächst der Großteil der britischen Jagdflugzeuge an um die deutsche Flak auszuschalten.Dann griffen erst die Bomber an um ihre Bomben in das Ziel zu bringen.


Foto aus dem Bombenschacht eines
abfliegenden TBF 1 Avenger-Bombers heraus aufgenommen

Zunächst lagen sie noch nicht gut im Ziel.Aber an Bord von U 711 begann man nun schnellstens mit den Ablegemanövern. Der Kommandant selbst -er bemerkte an Bord der Black Watch daß er das Kriegstagebuch der letzten beiden Fahrten an Bord von U 711 vergessen hatte und kehrte gerade bei Angriffsbeginn auf U 711 zurück- sprang zum für solche Zwecke immer schußbereit vorgehaltenen 2cm-Flakgeschütz und jagte den Angreifern einige Salven entgegen, hopste herunter in die Zentrale und sprintete zur E-Maschine um sie anzuwerfen und das Boot flottzubekommen.


In Bildmitte rechts Black Watch mit dem noch danebenliegenden U 711

Es gelang, kurz den E-Motor zu starten und mit ihm etwas von der von hohen weißen Sprengsäulen aus aufgewirbeltem Wasser umgebenen Black Watch fortzukommen. Dies half jedoch nicht viel. Zunächst erhielt Black Watch einen Bombentreffer am Heck und geriet in Brand. Es folgten sechs weitere Bombentreffer auf dem U-Boot-Tender und vier weitere Nahtreffer neben die Bordwand. Nach ein paar Minuten explodierte das Schiff,zerbrach in zwei Teile und versank in den Fluten.
Auch U 711 bekam trotz heftiger Gegenwehr diese Angriffe zu spüren und wurde durch Nahtreffer so beschädigt,daß das U-Boot wahrscheinlich mit beschädigten Außenbunkern und undichten achteren Außenbordverschlüssen nur wenige hundert Meter von der Black Watch entfernt langsam immer tiefer sackte.Dem bei der E-Maschine befindlichen Kommandanten vermittelte sich das ganze so,daß ein Bombentreffer irgendwo im Wasser hinter dem Heck das Boot derart hochhob und durchschüttelte,daß Kapitänleutnant Lange bis vor an das Zentraleschott geschleudert wurde und sich dort einige Rippen brach.Im letzten Moment vor dem Untergang in Planquadrat AG 1118 konnte der Kommandant seine Männer trotz permanenten Bordwaffenbeschusses der angreifenden Flugzeuge auf den U-Boot-Turm aus dem Turmluk scheuchen. Diese hopsten in die See und waren dort bis zum Angriffsende dem Bordwaffenbeschuß der britischen Flieger ausgesetzt. Nach ca. einer halben Stunde wurde das Wachkommando einschließlich Kommandant vollzählig von deutschen Hafenschutzbooten aufgefischt. Ähnlich erging es auch anderen Schiffen in der Kilbotn-Bucht.Diese wurden zT. versenkt, nach dem Krieg jedoch größtenteils wieder gehoben und repariert.Auf alliierter Seite hatte man lediglich der Verlust eines Grumman TBF-1C Avenger-Bombers der 846. Squadron mit der Seriennummer JZ217 bzw. der Kennung "C" zu beklagen sowie den Verlust eines GM Wildcat VI-Jagdflugzeuges der Squadron 882.

Zwar kann man heute einige Beschädigungen hinter und vor dem Turm auf dem Deck wahrnehmen, jedoch erfolgten diese entgegen vielen anderslautenden Darstellungen nicht durch Bomben. Laut dem ehemaligen Kommandanten dieses U-Bootes, der ja während des Angriffes bis zum langsamen aber sicheren Sinken permanent an Bord war, traf U 711 keine einzige Bombe. Sehr wohl schlugen rund um das Boot Bomben in das Wasser ein.

Die Explosionen dieser Sprengkörper übertrugen sich in Form einer Minenwirkung auf den Rumpf des U-Bootes und machten die Außenbordverschlüsse des U-Bootes undicht. An Bord befand sich aber nur das zehnköpfige Hafenkommando -zu wenig Personal um rechtzeitig die Außenbordverschlüsse zu überholen und sich gleichzeitig mit der Flak seines Felles zu erwehren. Immerhin konnten sich die zum Zeitpunkt des Angriffs auf dem U-Boot befindlichen Männer sämtlich retten. Nicht so die schon an Bord des U-Boottenders gegangenen Kameraden. Von diesen gingen 32 Mann für immer auf Feindfahrt.


Verlustliste U 711
© 1944 Puchtler

Eine zeitgenössische Schilderung des Verlustes von U 711 aus der Hand des Kommandanten findet sich auch in der Akte zu diesem Boot, die von der Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote in Cuxhaven geführt wird.


Photo Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote

Taucht man heute an dem Wrack des U-Bootes,erreicht man sein noch existierendes Holzdeck auf einer Tiefe von 45m, so daß es sich bei Tauchgängen zu diesem Wrack angesichts der Tiefe und Kälte von ca. 6°C sicher nicht um Fingerübungen für Anfänger handelt. Dafür wird man an diesem Ort aber bei meist guter Sicht mit einem mit einer Krängung von ca. 75° auf Sandgrund liegenden Original-U-Boot belohnt. Landet man beim Abtauchen genau im U-Bootsturm kann man dort noch viele Details sehen. So zB. die früher offene -jetzt verschlossene- Luke zum U-Bootsinneren.


Das früher noch offene Luk links lud zum
Hereinschauen ein wie beim Taucher rechts zu sehen ist
© 2001 Nils Eldby

Überhaupt ist der Rumpf intakt und ganz verschlossen, so daß man Penetrationstauchgänge vergessen muß.Im Sehrohrblock auf dem U-Bootsturm befinden sich deutlich sichtbar das Angriffs- wie auch das Luftzielperiskop.


© 2001 Nils Eldby

Die Periskope sind noch gut als solche erkennbar und werden von besuchenden Tauchern gerne näher unter die Lupe genommen.


© 2001 Nils Eldby

Am Rand des Turms befindet sich an der Brüstung auch ein Mast mit einem großen Metallring. Dies ist die Peilantenne und diente der Navigation auf See.


© 2001 Nils Eldby

Im hinteren Teil des U-Bootturms befindet sich im sogenannten Wintergarten immer noch die Flakstellung des U-Bootes.Hier kann man in Ruhe die beiden 2cm-Flakzwillinge von U 711 betrachten. Taucht man nun weiter über das Holzdeck in Richtung Heck ist zwar erstaunlich wenig Holz weggegammelt, jedoch öffnet sich hie und da dem Taucher eine Lücke,so daß er unter das Holzdeck spähen kann wo früher allerlei Dinge für den seemännischen Dienst an Bord weggestaut wurde. Am Heck angekommen kann man vor allem die beiden dreiblättrigen Propeller betrachten.


© 2001 Nils Eldby

Direkt dahinter befindet sich das Rudersystem,das genau in den Schraubenstrahl hinein konstruiert wurde. Schaut man genau hin, kann man auch die Klappe des Hecktorpedorohrs erkennen.Taucht man wieder zurück und am Turm vorbei, sieht man unmittelbar vor dem Turm den leeren Geschützstand.Hier stand ursprünglich das U-Bootsgeschütz.Dies wurde aber schon im letzten Kriegsjahr abmontiert. In unmittelbarer Nähe zieht sich in Fahrtrichtung links annähernd entlang der Bordwand jedoch eine längliche Vertiefung dahin. Hierin liegt dann auch in Ruheposition der Schnorchelmast von U 711 mit dem elektropneumatischen Ringschwimmerventil vom Typ IID am Kopfende.


© 2001 Nils Eldby

Unmittelbar vor dem Schnorchel sind einige Beschädigungen am U-Bootrumpf sichtbar. Entweder sind dies Auswirkungen der Bombennahtreffer oder aber Beschädigungen, die durch das Aufprallen des U-Bootes auf den Meeresgrund verursacht wurden. Noch weiter in Richtung Bug getaucht kommt man an dem mittig auf dem Deck angebrachten vorderen Torpedoladeluk vorbei. Noch weiter vorne kommt man an der linken U-Bootseite an vier nebeneinander angebrachten Luken vorbei.Diese sind geöffnet und geben den Blick auf röhrenartige Stauräume frei.In diesen waren die Gummischlauchboote untergebracht in die sich die Besatzung auf See retten konnte. Wie es scheint wurde von ihnen Gebrauch gemacht. Fast schon an der Bugspitze angekommen kann man eine erstaunliche Entdeckung machen: die kalten Umgebungsbedingungen haben ein Verrotten der Schiffstaue verhindert.Diese befinden sich nämlich noch immer an den ausgefahrenen Festmachern von U 711. Ein Indiz dafür wie hastig seinerzeit das das U-Boot von MS Black Watch aus losgeworfen wurde! Insgesamt ein schöner Tauchgang, wenn man auch wegen der Tiefe wahrscheinlich mindestens zwei Tauchgänge braucht um das U-Boot ganz zu erfassen.

GPS-Positon:
68°43.717N / 16° 34.600E

Kapitänleutnant Lange verbrachte zunächst drei Monate in britisch-norwegischer Kriegsgefangenschaft. Nach dem Entstehen der Bundeswehr schloß sich auch der ehemalige U-Bootkommandant Lange wieder der Kriegsmarine an -nur daß diese nun Bundesmarine hieß.

Zunächst half er mit an der Schaffung der neuen U-Bootwaffe, dann befehligte er auch für zwei Jahre das 1. U-Bootgeschwader. Im Januar 1964 wurde er dann sogar der Befehlshaber der Unterseeboote. Als solcher befürwortete er die zeitweise Verleihung des neuen deutschen U-Bootes U 3 zu Ausbildungszwecken an den NATO-Partner Norwegen.Bei der Rückgabe von U 3 nach einem Gefallen gefragt, kam der Wunsch nach einem deutschen U-Boot aus dem 2.Weltkrieg -das in Norwegen als KNM Kaura fuhr und 1965 außer Dienst gestellt wurde- auf den Tisch. So kehrte dann das deutsche U-Boot U 995 zurück nach Deutschland und steht heute bei Laboe als Museums-U-Boot. Schließlich schied der ehemalige Kommandant von U 711 im Jahre 1972 als Stabsoffizier der Marinedivision Nordsee in den verdienten Ruhestand aus.

Our warm "Thanks!" for the kind donation of the underwater images of U 711 go to Mr. Nils Eldby in Norway! Dank der großzügigen Hilfe von Horst Bredow und der Spende der von seiner Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote bereitgestellten Photos zu U 711 kann hier auch der historische Hintergrund des Geschehens illustriert werden! Einen lieben Dank dafür nach Cuxhaven! Das grobe Gerüst für die Handlung stellte mir Roland Berr mitsamt einigen Aufnahmen aus seinem Archiv bereit, wofür ich Ihm Danken möchte. Für die Details und die kleinen Geschichten die eine Erzählung erst interessant machen, möchte ich Kapitän Lange und seiner Ehefrau ebenso meinen Dank abstatten wie auch dem ehemaligen LI von U 711 Herrn Jürgen Beckmann! Schließlich wären da noch Herr Puchtler Senior und Junior sowie Herr Axel Sahner, die mir in Gesprächen weitere interessante Details vermittelten und denen ich auf diesem Wege ebenfalls ein Dankeswort nach Süddeutschland schicken möchte. Last but not least do I want to express my gratitude to Mr. Vincent Cunningham who kindly allowed me to use one of his Uncle Tom Cunningham`s photos of HMS Renonculus !


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