Tauchen einmal "theoretisch"
Bericht: Andreas M. Stolpe
Letzen Monat war Tauchen einmal ganz anders angesagt, nämlich "theoretisch".
Auf einer Konferenz über Unterwasserarchäologie wurde Tauchen einmal
nur als Mittel zum Zweck betrachtet, aber erst einmal alles der Reihe nach.
Unterwasserarchäologie ist kein Hobby und hat auch nichts mit Schatztauchen
zu tun. Unterwasserarchäologie ist eine spezielle Richtung der Archäologie
und wird von Archäologen ausgeführt. Aber diese Archäologen brauchen
die Sporttaucher um ihre Arbeit ausführen zu können.
Auf der Unterwasserarchäologie-Konferenz "In Poseidons Reich 8" in
Lelystad bei Amsterdam wurden interessante Projekte vorgestellt, die zum
größten Teil durch Sporttaucher realisiert wurden. Die DEGUWA (Deutsche
Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie) und die LWAOW
(Holländische Arbeitsgruppe für Unterwasserarchäologie) haben diese Konferenz
veranstaltet, um Archäologen und Sporttauchern ein Podium zum Austausch
ihrer Erfahrungen und Ergebnisse zu bieten.
In Holland und in Deutschland werden durch offizielle Autoritäten Sporttaucher
in die unterwasserarchäologische Arbeit einbezogen. Viele Projekte wären
ohne Mithilfe von Sporttauchern gar nicht möglich.
Auf der Konferenz bestand ausreichend Möglichkeit für Sporttaucher, mit
den Archäologen über ihre Erfahrungen und Probleme bei der Unterwasserarchäologie
zu diskutieren. Viele Sporttaucher konnten hier auch ihre eigenen Projekte
vorstellen.
Dr. Julia Park (Deep See Exploration) berichtete vom Aufspüren und Bergen
eines 1200 Jahre alten Einbaums der Anglo-Saxen. Es wurde von einem Fischer
gefunden und mit Hilfe von Sporttauchern in den Dingle-Marshes-Lagune
in England zwischengelagert und später für die Konservierung ein zweites
Mal gehoben.
Die Theorie ...
... und die Praxis
Weitere interessante Berichte hörten wir über die vielen Wracks der
Handelsschiffe der VOC, der Vereinigten Ostindischen Kompanien, und wie
sie in den Werften in Amsterdam gebaut wurden.
Die "Seven Provinicien" ist so ein im Bau befindliches Handelsschiff
der VOC. (Hintergrund "Batavia")
Hier wird dem Normaltaucher erst so richtig bewußt, was für einen
Detektivarbeit die Unterwasserarchäologie tatsächlich ist. So ein Wrack
ist ja eine "Zeitkapsel". In dem Moment, wenn das Schiff untergeht, wird
vieles, was sich an Bord befindet, mit hinunter auf den Meeresgrund gerissen
und dort zusammen mit den Resten des Schiffes im Sediment begraben. Die
Situation wird sozusagen eingefroren. Der Archäologe muß nun mit detektivischem
Gespür und wissenschaftlicher Präzision die Informationen der "Zeitkapsel"
erkunden.
Dieses Model einer Unterwasserarchäologischen Grabungsstelle veranschaulicht
die Arbeitsweise der Unterwasserarchäologen und Sporttaucher.
Martin Dean stellte eine neue Generation von Unterwasser-Sonaren vor.
Mit diesen Geräten, die sich noch in der Entwicklungsphase befinden, können
so detailgetreue Abbildungen vom Meeresgrund erstellt werden, wie sie
bisher mit keiner Technologie möglich waren.
Unterwasser-Sonar-Abbildung eines auf der Seite liegenden Kriegsschiffes
bei Scapa Flow.
Eines der Wracks, die im Niederländischen Museum für Schiffsarchäologie
(NISA) aufbewahrt werden. Keiner weiß genau, wieviel Arbeit notwendig
war, um dieses Puzzle wieder zusammenzusetzen.
Am Schluß der zweitägigen Konferenz stand ein Besuch des Nachbaus
der Batavia auf dem Programm. So ein Wrack zu finden und an der Ausgrabung
mitzuwirken, ist wohl das Größte für einen unterwasserarchäologisch
interessierten Sporttaucher.
Am Ende der Konferenz haben wir viel von der Arbeit der Archäologen erfahren.
Langsam machte sich bei uns die Einsicht breit, dass die Arbeit der Unterwasserarchäologen
viel zum Verständnis unserer kulturellen und geschichtlichen Vergangenheit
beiträgt. Mit viel Respekt betrachten wir von nun an die Exponate in den
Museen, weil uns nun klar geworden ist, wie viel Arbeit notwendig ist,
um solche Dinge auszustellen und wir wissen nun auch, dass Wracks kulturelle
Vermächtnisse unserer Vorfahren sind und das wir sie schützen und nicht
zerstören sollen.