Diesmal wollen wir uns der Frage zuwenden, in wieweit der Mensch das Ökosystem
Vinkeveenser See beeinflußt. Was können wir wahrnehmen und was nur
erahnen. Ist der Einfluß des Menschen generell schädlich?
Dieses Jahr war der April relativ warm und arm an Regen. So ist die Natur
im See dieses Jahr etwas weiter entwickelt als in den letzten Jahren.
Durch die intensivere Sonneneinstrahlung hat sich der See schneller erwärmt.
Das hat in vielerlei Hinsicht indirekte Auswirkungen auf das Ökosystem
See. Die meisten dieser Auswirkungen sind nicht gerade günstig.
Das letzte Aprilwochenende haben Scharen von Tauchern genutzt, endlich
ihre verstaubten Tauchausrüstungen mal wieder im See anzufeuchten. Fehlende
Praxis und eine zu hohe Taucherdichte führt so schnell zu einem trüben
"Etwas", See genannt. Ordentliche Tarierkünste sind hier schon einmal
ein erster Schritt, um die Sicht, und somit die Belastung des Sees, zu
verbessern.
Ein weiterer Einfluß des Menschen macht sich durch schnelles Wachstum
von schwebenden Algen bemerkbar. Intensive landwirtschaftliche Nutzung
der an den See grenzenden Gebiete hat zur Folge, daß Düngemittel durch
das Grundwasser in den See gelangen. Phosphat, ein im See seltener Stoff,
ist nun nicht mehr Mangelware und ermöglicht schnelleres Pfanzenwachstum.
Schwebeteilchen im Wasser, hier an einem kleineren Wrack in der Nähe vom
großen Wrack, reflektieren Licht. Durch Flossen aufgewirbeltes Sediment
und Aggregationen von Phytoplankton, gemeinhin als Algen bezeichnet, treiben
scheinbar schwerelos im See. Dramatisch wird die Situation, wenn es zu
viel von diesen Schwebeteilchen gibt, denn dadurch kann der See "umkippen".
Weniger dramatisch dagegen ist die jahreszeitlich bedingte Verschmutzung
durch Ostereier.
Ostereierweitwurf ist ein fast ausgestorbener Sport, der jahreszeitlichen
Schwankungen unterliegt.
Dramatischer allerdings ist Ausbreitung der ursprünglich nicht bei uns
heimischen Dreikantmuschel (Dreisenna polymorpha). Sie wurde durch den
Menschen eingeschleppt, ist in fast jedem See zu finden und besiedelt
nun nahezu alle möglichen Hartsubstrate und schreckt auch nicht vor anderen
Muscheln oder gar Panzern von Krebsen zurück. So ist es nicht sehr erstaunlich,
dass das Osterei schon nach relativ kurzer Zeit mit den ersten Dreikantmuscheln
besiedelt ist.
Andere Bewohner des Sees haben es nun schon etwas schwerer. Hier haben
Dreikantmuscheln eine Große Teichmuschel besiedelt.
Die Teichmuschel kann dadurch ihre blinden Passagiere schlechter Nahrung
aus dem Wasser filtrieren und sich schlechter durch den Seeboden graben.
Diese Teichmuschel hat die Flucht nach vorne angetreten. Um einen besseren
Standort zu finden, gräbt sie sich mit ihrem Fuß neuen Revieren entgegen.
Während einige Substrate von den Dreikantmuscheln sofort besiedelt werden,
so werden andere überhaupt nicht angenommen. Dieser lackierte Kronkorken
wird von den Dreikantmuscheln tunlichst gemieden.
Treibhauseffekt, Phosphat, Dreikantmuscheln und Taucher sind bei weitem
nicht die einzigen Faktoren, die einen See belasten. Weiterhin werden
Seen durch Schwermetalle, Pestizide und Düngemittel belastet. Diese Einflüsse
sind wirklich stark schädigend, doch für den Normaltaucher nicht immer
wahrnehmbar.
Wir Taucher, und damit als sehr direkt Betroffene, sollten mit dem Schutz
unserer Seen aus eigenem Interesse bald beginnen. Wenn jeder an der Stelle,
wo er auch die Möglichkeiten hat, mit dem Schutz der Seen zu beginnen,
dann ist vielleicht irgendwann in der Zukunft der Traum vom sauberen,
gesunden Ökosystem See keine Wunschvorstellung mehr. Ist es nicht Wert,
es wenigstens zu versuchen?