Vinkeveenser See - Der April

 Geschrieben von Andreas

Ein Jahr im Leben des Vinkeveenser Sees - Der April

Andreas M. Stolpe

Diesmal wollen wir uns der Frage zuwenden, in wieweit der Mensch das Ökosystem Vinkeveenser See beeinflußt. Was können wir wahrnehmen und was nur erahnen. Ist der Einfluß des Menschen generell schädlich?

Dieses Jahr war der April relativ warm und arm an Regen. So ist die Natur im See dieses Jahr etwas weiter entwickelt als in den letzten Jahren. Durch die intensivere Sonneneinstrahlung hat sich der See schneller erwärmt. Das hat in vielerlei Hinsicht indirekte Auswirkungen auf das Ökosystem See. Die meisten dieser Auswirkungen sind nicht gerade günstig.

Das letzte Aprilwochenende haben Scharen von Tauchern genutzt, endlich ihre verstaubten Tauchausrüstungen mal wieder im See anzufeuchten. Fehlende Praxis und eine zu hohe Taucherdichte führt so schnell zu einem trüben "Etwas", See genannt. Ordentliche Tarierkünste sind hier schon einmal ein erster Schritt, um die Sicht, und somit die Belastung des Sees, zu verbessern.

Ein weiterer Einfluß des Menschen macht sich durch schnelles Wachstum von schwebenden Algen bemerkbar. Intensive landwirtschaftliche Nutzung der an den See grenzenden Gebiete hat zur Folge, daß Düngemittel durch das Grundwasser in den See gelangen. Phosphat, ein im See seltener Stoff, ist nun nicht mehr Mangelware und ermöglicht schnelleres Pfanzenwachstum.

Schwebeteilchen im Wasser, hier an einem kleineren Wrack in der Nähe vom großen Wrack, reflektieren Licht. Durch Flossen aufgewirbeltes Sediment und Aggregationen von Phytoplankton, gemeinhin als Algen bezeichnet, treiben scheinbar schwerelos im See. Dramatisch wird die Situation, wenn es zu viel von diesen Schwebeteilchen gibt, denn dadurch kann der See "umkippen".

Weniger dramatisch dagegen ist die jahreszeitlich bedingte Verschmutzung durch Ostereier.

Ostereierweitwurf ist ein fast ausgestorbener Sport, der jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt.

Dramatischer allerdings ist Ausbreitung der ursprünglich nicht bei uns heimischen Dreikantmuschel (Dreisenna polymorpha). Sie wurde durch den Menschen eingeschleppt, ist in fast jedem See zu finden und besiedelt nun nahezu alle möglichen Hartsubstrate und schreckt auch nicht vor anderen Muscheln oder gar Panzern von Krebsen zurück. So ist es nicht sehr erstaunlich, dass das Osterei schon nach relativ kurzer Zeit mit den ersten Dreikantmuscheln besiedelt ist.

Andere Bewohner des Sees haben es nun schon etwas schwerer. Hier haben Dreikantmuscheln eine Große Teichmuschel besiedelt.

Die Teichmuschel kann dadurch ihre blinden Passagiere schlechter Nahrung aus dem Wasser filtrieren und sich schlechter durch den Seeboden graben.

Diese Teichmuschel hat die Flucht nach vorne angetreten. Um einen besseren Standort zu finden, gräbt sie sich mit ihrem Fuß neuen Revieren entgegen.

Während einige Substrate von den Dreikantmuscheln sofort besiedelt werden, so werden andere überhaupt nicht angenommen. Dieser lackierte Kronkorken wird von den Dreikantmuscheln tunlichst gemieden.

Treibhauseffekt, Phosphat, Dreikantmuscheln und Taucher sind bei weitem nicht die einzigen Faktoren, die einen See belasten. Weiterhin werden Seen durch Schwermetalle, Pestizide und Düngemittel belastet. Diese Einflüsse sind wirklich stark schädigend, doch für den Normaltaucher nicht immer wahrnehmbar.

Wir Taucher, und damit als sehr direkt Betroffene, sollten mit dem Schutz unserer Seen aus eigenem Interesse bald beginnen. Wenn jeder an der Stelle, wo er auch die Möglichkeiten hat, mit dem Schutz der Seen zu beginnen, dann ist vielleicht irgendwann in der Zukunft der Traum vom sauberen, gesunden Ökosystem See keine Wunschvorstellung mehr. Ist es nicht Wert, es wenigstens zu versuchen?


Infos

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