Auf den Punkt gebracht kann man zum Thema Tauchhandschuhe folgendes sagen:
So dünn wie möglich – so dick wie nötig
Was heißt das für den Benutzer? Ist das Wasser warm genug
und besteht keine Gefahr von Schnittverletzungen wie etwa beim Wracktauchen
oder dem Ab- und Auftauchen an Ankerseilen und Ketten, so sollte man auf
Handschuhe verzichten.
Bei einigen Basen in den Tropen gilt inzwischen ohnehin Handschuhverbot,
frei nach dem Motto: Wer keine Handschuhe anhat, faßt auch weniger an.
Ist das Wasser warm genug und ist mit Verletzungen zu rechnen, sollten dünne
Kunstleder- oder Neoprenhandschuhe (1mm) zum Einsatz kommen. Diese Handschuhe
haben so gut wie keine wärmenden Eigenschaften, schützen aber die
Hände und erlauben eine fast uneingeschränkte Sensibilität
der Finger – gerade was die Bedienung der Ausrüstung oder z.B. einer
Kamera angeht.
Der nächste Schritt sind dann Neoprenhandschuhe, Naß oder halbtrocken
von 3, 5 oder 7 mm. Auch hier gilt wieder: je dünner der Handschuh,
desto besser läßt sich damit greifen und bedienen.
Zu guter Letzt kommt dann der Trockenhandschuh, auf den ich hier etwas näher
eingehen will, da es inzwischen zahlreiche verschiedene System gibt, die
alle ihre eigenen Vor- und Nachteile haben.
Generell läßt sich sagen, daß die Isolation eines Trockenhandschuhs
vollkommen verloren geht, wenn er undicht wird. Ist also ein Tauchgang geplant
der nicht unmittelbar abgebrochen werden kann, so sollte eventuell Ersatz
in Form von Naßhandschuhen mitgeführt werden! Ein weiteres „NO-GO“ sind
Trockenhandschuhe ohne Manschetten. Hier läuft bei undichtem, oder noch
schlimmer, bei verlorenem Handschuh der Anzug voll – was gerade in den Temperaturbereichen wo Trockenhandschuhe eingesetzt werden sollten - zu ernsten Problemen
durch Hypothermie führen kann.
Im nachfolgenden möchten ich vier verschiedene Trockenhandschuh-Systeme
vorstellen: Rolock, Check-Up,Viking und ein älteres unbekanntes Ringsystem.
Es geht hier nicht darum ein bestimmtes System in den Vordergrund zu stellen,
sondern vielmehr um ein Aufzeigen der Punkte, die dem Interessenten als
Kaufkriterien wichtig sein sollten.
Das Rolock System:
Der Vorteil gerade dieses Systems ist zum einen, daß es so gut wie nicht aus Versehen
unter Wasser geöffnet werden kann und sich an Land ohne Hilfe leicht
selbst bedienen lässt. Die Dichtung erfolgt über einen Radial dichtenden
O-Ring der bei Zudrehen des Bajonettverschlusses angedrückt wird. Der
Nachteil liegt neben dem kleinen Ringdurchmesser für Leute mit großen
Händen auch in der Tatsache, daß die Manschette bei der Montage mehrfach
stark gedehnt und über Kanten gezogen wird um anschließend mittels
O-Ring weiter belastet zu werden. Beim fertig montierten System liegt die gespannte Manschette außen – daher ungeschützt – was leicht zu Beschädigungen führen kann.
Als Handschuhe werden die altbekannten „SHOWA“ Handschuhe verwendet, die
zwar recht robust, aber eigentlich für alle Hände zu groß
sind, so daß das Tastgefühl mehr oder weniger verloren geht.
Das Check-Up System:
Hier liegen die gleichen Probleme vor wie beim Rolock-System hinsichtlich der gespannten
Manschette. Sogar noch stärker. Dazu kommt, daß sich das System von vielen Benutzern nicht oder nur schwer selbst verschließen läßt.Unangenehmerweise ist es aber unter Wasser sehr wohl zu öffnen.
Der Schließmechanismus wird über eine Rastung aktiviert. Diese dichtet über einen O-Ring.
Durch Zug lässt sich das System nicht mehr öffnen, wohl aber durch verkanten.
Gerade im Bereich des Technischen Tauchens und hier im Umgang mit Stages kann das passieren. Die Handschuhe selbst sind die gleichen SHOWA-Fabrikate wie beim Rolock-System.
Das unbekannte System:
Das hier gezeigte System ist ein Kellerfund und nur der Vollständigkeit halber erwähnt um dem Leser möglicht viele verschiedene System zu zeigen.
Der große Vorteil dieses Sytems ist, daß der Handschuh die Manschette verdeckt und sie somit vor äußerlichen Beschädigungen schützt. Leider wird auch hier die Manschette wieder über scharfe Kanten gezogen und
mittels eines O-Rings malträtiert. Die Dichtung selbst erfolgt über zwei axiale O-Ringe – wobei die Ringe allerdings keinerlei Sicherung gegen ein
unbeabsichtigtes Öffnen haben. In der Praxis lösten sich die Handschuhe allerdings nie – wohl wegen des übergestülpten Handschuhs.
Das Viking-System:
Aus dem Bereich des Berufstauchens kommt das letzte beschriebene System von
Viking.
Das System scheidet im Vergleich zu den bisher erwähnten am besten ab. Zum einen sind die Ringe so groß, daß auch Taucher mit großen Händen keine Probleme
haben, zum anderen kommt es völlig ohne O-Ringe aus. Die Manschette
liegt schonend zwischen zwei Ringen, wobei sie nicht stark überdehnt
wird. Der Handschuh besteht aus Gummi und wird einfach über den Außenring
gezogen, fertig.
Der langstulpige Handschuh schützt die Manschette. Außerdem liegen die Handschuhe im Vergleich zu den SHOWA´s gut an und gewährleisten das nötige Fingerspitzengefühl.
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