Bericht Taucher.net Treffen VIII an der Ostsee
© 2003 Andreas Nowotny und Jessica Brühl
Das Copyright aller Bilder liegt beim jeweiligen Fotografen.
Nutzung ohne Genehmigung nicht gestattet!
Und wieder einmal ein halbes Jahr vorbei, ein neues Taucher.net
Treffen stand an, diesmal war es bereits das achte.
Und weil das so eine schöne runde Zahl ist :), stand diesmal etwas ganz
Besonderes auf dem Programm: eine Wracktour auf der Ostsee an Bord der MS Artur
Becker.

Da der Heimathafen der MS Artur Becker Greifswald ist, konkurrierten
verschiedene Teams um den Titel der weitesten Anreise. Startpositionen waren
u.a.: Zürich, Attersee und Leeds/England. Gewonnen hat Viktor aus Bratislava,
der allerdings disqualifiziert wurde, weil sich am dritten Tag herausstelle,
dass er noch wie etwas von Taucher.net gehört hatte!


29.04.2003
Die ersten Teilnehmer kamen bereits am Dienstag an, um am Mittwoch
noch Peenemünde bzw. Rügen zu besichtigen. Dank der genauen Wegbeschreibung
von Michael, dem Organisator von Seiten des Betreibers des Schiffes, fand sogar
die legendäre Mülltonne von Christoph R., der mit dem Motorrad anreiste,
den Weg, was ihm für den Rest der Fahrt den Spitznamen "Mülltonnen-Christoph" einbrachte, da es noch einen weiteren Christoph an Bord gab :).
Für die Landratte an sich sah das Wetter viel versprechend aus. Zeigte
sich doch die Sonne und der blaue Himmel von seiner schönsten Seite und
die Artur Becker erstrahlte am Kai im Abendlicht.
Wir wurden empfangen von Horst, dem Maschinisten, der uns in einer kurzen Führung
das Schiff zeigte. Als Frühangekommene hatten wir das Privileg, uns unsere
Kojen aussuchen zu können.
Die Artur Becker hat zwei Kajüten (Decks) für je 12 Gäste. Sie
dienen nicht nur als Schlafstätte, sondern auch als Aufenthaltsraum und
Messe für die Bewohner. Ein erster Rundblick ergab, dass zwei Steckdosen
für die Vielzahl der Tauchlampen, Digicams und Laptops nicht ausreichen
würden und wir vor dem Ablegen noch Multistecker besorgen mussten.
Zusammen mit Klaus, Regine, Michael und seiner Freundin Sandra
gingen wir dann abends griechisch essen und tauschten bei der Gelegenheit die
ersten Geschichten aus - nicht immer über das Tauchen, Zahnarzterzählungen
hatten auch Hochkonjunktur!
Als wir zurückkamen, waren bereits Anke und Brian aus England eingetroffen.
Jan, der Organisator und sein Buddy trafen mitten in der Nacht, gegen 3 Uhr,
ein.
30.04.2003
Strahlender Sonnenschein auch am folgenden Morgen lud geradezu
zu einem Ausflug in die Umgebung ein. Vor diesem Vergnügen wartete aber
noch Arbeit auf uns, bzw. die masochistisch veranlagten Tekkies. Ihre Gasbestellung,
in Form von 19 Speicherflaschen zu 50 Litern mit einem Gesamtgewicht von 2 Tonnen,
musste von Hand vom Kai aufs Schiff geladen und gesichert werden, da Sturmwarnung
angesagt war, was bei dem schönen Wetter kaum zu glauben war..... Aber
wir sind ja auch bloß ahnungslose Landratten.... :)
Das soll alles an Bord??? *ächz*

Puh.... geschafft
keine Müdigkeit vorschützen
Das Erstaunen, nicht nur der Besatzung, sollte sich im Laufe des Tages noch
steigern, als die Tekkies langsam, aber zielgerichtet, das gesamte Deck mit
Doppelflaschen, Stages, Argonflaschen, Tanklampen und sonstigem Gerödel
füllten. Der Spruch "Tauchst Du schon oder schleppst Du noch"
sollte die Tekkies in den nächsten Tagen verfolgen.
Als alles sicher verstaut war, entschied sich die Mehrheit,
unter der Führung von Michael das Marinemuseum in Peenemünde zu besichtigen,
wir jedoch fuhren nach Rügen, um uns bei der Besichtigung der Kreidefelsen
den letzten Euro aus der Tasche ziehen zu lassen. Hätten wir gewusst, dass
wir die kommenden Tage eh mehr oder weniger nur vor Rügen umherschippern
würden, hätten wir uns das Geld sparen können....
Wie um zu beweisen, wie ahnungslos wir Landratten wirklich sind, zog sich das
Wetter im Laufe des Nachmittags immer weiter zu und es begann schauerartig,
aber heftig zu regnen.



Zurück auf dem Schiff erfuhren wir dann auch die schlechte
Nachricht, dass die Sturmwarnung von ihrer Stärke her weiter ausgedehnt
wurde. Und diesmal haben wir es sogar geglaubt! :)
Im Laufe des Nachmittags/Abends trudelten dann so langsam die restlichen Gäste
ein, nur drei Kölner erreichten uns erst gegen Mitternacht.
01.05.2003
Kurz vor 7 Uhr war die Nacht dann vorbei! Unsanft wurden wir
von der Stimme des Kapitäns geweckt, der über Lautsprecher verkündete:
"Werte Gäste, um 7.30 Uhr findet an Deck eine Sicherheitseinweisung
statt. Anschließend muss alles Tauchgepäck für Sturmfahrt gesichert
werden!" STURMFAHRT - sind wir hier auf "Das Boot"??? Na,
das kann ja heiter werden. Mehr oder weniger wach schleppten sich eine halbe
Stunde später die Taucher an Deck, um zu lernen, wie eine Rettungsweste
angelegt wird und wo sich die Überlebensanzüge befanden. Dann folgte
der wirklich harte Teil: Wie sollten bloß mindestens 8 Doppelpacks sturmsicher
verstaut werden? Nachdem auch dieses Problem mit Hilfe von reichlich Tauen gelöst
war, folgte das Frühstück, während das Schiff ablegte.

Wegen des Sturmes konnte leider am ersten Tag kein Wrack angefahren
werden, so dass die Artur Becker vor Kap Arkona, Rügen ankerte und auf
Wunsch ein TG am 12m tiefen Ostseegrund stattfinden konnte, was sich allerdings
als Sandgrund mit Muschel bewachsenen Steinen herausstellte - also nicht
sehr spektakulär. Die Sicht war mit 15m phantastisch, schade, dass es nichts
zu sehen gab!

Alle Tauchgruppen wurden penibel mit Ein-
und Ausstiegszeit protokolliert
Höhepunkt war ein großer Anker mit Kette daran und
dessen 20m-Schleifspur. Die Kette führte sogar zu einem Schiff, leider
kein Wrack aber dafür zurück zur Artur Becker, wo heißer Tee
auf die Taucher wartete. Offensichtlich ließen sich nicht alle Taucher
abschrecken und sprangen nach dem Abendessen noch für einen Nachttauchgang
in die 5 Grad kalten Fluten. Im Vergleich zum Nachmittagstauchgang fiel auf,
dass sich die Muscheln geöffnet hatten, das war alles! Kein Fisch weit
und breit.

Kap Arkona/Rügen
Spannender Ostseegrund


Die Mehrzahl der Teilnehmer war jedoch schlauer, indem sie
den Nacht-TG ausfallen ließ und gleich zum Dekobier überging. Ob
Tekkie oder Luftanhänger, in diesem Punkt sind alle gleich. Obwohl sich
auch bei diesem Treffen die meisten Leute vorher nicht gekannt hatten, zeigte
sich auch dieses mal wieder, dass Taucher.net'ler eine fröhliche Truppe
sind, und es entwickelten sich schnell Gespräche. Durch die Anwesenheit
von Brian & Anke war eines der Hauptthemen die Unterschiede zwischen britischem
und deutschem Tauchen, insbesondere die geringe Verwendung von Nitrox in Deutschland.

Viktor, der harte


Dekobier
02.05.2003
Obwohl die Wettervorhersage auch für diesen Tag nicht
sehr gut war, ließen Wind und Wellengang das Tauchen an einem der ursprünglich
angepeilten Wracks zu. Als wir uns morgens das reichliche und leckere Frühstück
beim Smutje in der Kombüse holten, fuhr die Artur Becker schon die MS Førkrat
an, ein knapp 180m langes und 13m breites Wrack eines Frachtschiffs, das wahrscheinlich
im 2. Weltkrieg gesunken ist.

An der Førkrat angekommen tauchte Michael mit einer
Gruppe bestehend aus Mitgliedern des Greifswalder Tauchvereins und der Mannschaft
zum Wrack hinunter, um daneben eine Boje zu setzen. Währenddessen versammelte
Kapitän Hanke uns Taucher auf dem Deck und führte das Briefing durch.
Die Førkrat liegt in ca. 45m Tiefe aufrecht auf dem Kiel, die Obertiefe
des Wracks beginnt bei 37m. Wenn man am Bojenseil abtaucht gelangt man zur Brücke
und kann von da aus das Schiff mit seinen Laderäumen und Aufbauten erkunden.


Durch seine Tiefe, dem relativ hohen Wellengang und der zu
erwartenden Strömung ist dieser Tauchgang nicht zu unterschätzen.
Nach dem Briefing kümmerten sich die Buddy-Teams um ihre Ausrüstung.
Die Tekkies begannen ihre Füllungen zu mixen und die Tauchgänge zu
berechnen, Lampen wurden überprüft, kurz die ganze Ausrüstung
fertig gemacht. Während die ersten Teams am Anrödeln waren, kam unser
Bojenteam zurück.

Dann war es soweit, zusammen mit den anderen Presslufttauchern
machte sich auch unser Team, bestehend aus Jessica, Nowotaucher und Mülltonnen-Christoph,
auf den Weg. Am Bojenseil glitten wir schnell in die zunehmend dunkler werdende
Tiefe ab. An der Brücke der Førkrat angekommen nahmen wir uns erst
einmal etwas Zeit, um uns zu orientieren.

Dann erkundeten wir das Schiff. Obwohl wir alle starke Lampen
dabei hatten, war es doch auf über 40m noch so hell, dass man sich auch
so hätte orientieren können. Für uns Süßwassertümpler
eine ungewohnte Erfahrung. Auch die Sicht war mit über 15m sehr gut. Das
einzige Problem mit der Sicht war eine Sprungschicht auf ca. 41m. Wenn man die
Schicht durchtauchte, wirkte es für mich, als hätte man seine Kontaktlinsen
verloren. Der wahre Schock kam aber erst danach: der Tauchcomputer zeigte eine
Wassertemperatur von nur 2,7° C! Tief und kalt (aber relativ hell &
ohne Strömung) ideale Bedingungen für Tiefenrausch. Aus diesem Grund
bewegten wir uns nur sehr vorsichtig über das Wrack und sahen davon ab,
in die Laderäume einzudringen. Wir hielten uns an unseren Plan und begannen
nach fast 20 Minuten mit unserem Aufstieg - immerhin hatten wir jetzt einiges
an Deko angesammelt. Besonders in den letzten Minuten der Deko wurde uns auch
richtig kalt und meine erste Reaktion nach Ablegen des Geräts war noch
im Trocki in die Kombüse zu eilen und mir eine Tasse heißen Tee zu
holen.

Dekotee :)
Das anschließende Mittagessen schmeckte nicht nur ausgezeichnet,
sondern wärmte uns auch soweit wieder auf, dass wir nach entsprechender
Oberflächenpause einen zweiten Abstieg in die Kälte wagen wollten.
Das inzwischen eingespielte Buddyteam wurde allerdings beim Abstieg getrennt.
Durch Fasern, die sich beim Verschließen über den O-Ring des Trockenhandschuhs
gelegt hatten, sog sich dieser mit Wasser voll und Christoph musste den TG abbrechen.
Jessica und ich übergaben ihn auf 12m einer Gruppe, die gerade die letzten
Minuten ihrer Deko absaßen. Dann ging es weiter abwärts. Unten angekommen
stellten wir fest, dass im Gegensatz zum ersten TG die Strömung ziemlich
zugenommen hatte und auch die Sprungschicht jetzt einige Meter höher lag.
Auch wir bewegten uns etwas höher als beim ersten TG, um nicht die Dekoverpflichtung
zu hoch anwachsen zu lassen. Dies gab uns einen besseren Überblick über
das Wrack, statt nur die Detailansichten des ersten TG. Schweren Herzens trennten
wir uns von der Førkrat und begannen den langen Aufstieg zur Artur Becker.

Als alle Taucher wieder an Bord waren, fuhr die MS Artur Becker
wieder die Arkona Bucht an, um dort für die Nacht zu ankern. Nach dem Abendessen
trafen sich die meisten wieder in der Bar. Von den Mitgliedern des Greifswalder
Tauchverseins gut mit Dekobier versorgt, kam schnell wieder Stimmung auf. Gegen
Mitternacht sanken wir in unsere Kojen - erschöpft von den anstrengenden
Tauchgängen.

03.05.2003
Schlechte Nachricht zum Frühstück - das Wetter hatte
sich über Nacht noch mal verschlechtert, so dass die Crew beschlossen hatte,
in der Nähe von Rügen zu bleiben und dort ein kleines Wrack anzusteuern.
Bei dem Wrack handelt es sich um ein ca. 20m langes Holzschiff aus dem späten
19.Jh.. Nach den ersten Tauchern an dem Wrack, Sarah & Jan, wurde das Schiff
Saja genannt.
Nachdem die Greifswalder Tauchercrew die Boje neben das Wrack
im Sand positioniert hatte,
begann das Briefing. Besonders hervorgehoben wurde natürlich die Fragilität
des Schiffes und damit verbunden die Vorsicht, die wir beim Betauchen an den
Tag legen mussten. Der zweite Teil betraf den Tauchgang selber - Sicht mäßig,
hoher Wellengang und starke Strömung. Es wurde deutlich gemacht, dass dieser
TG trotz der geringen Tiefe des Wracks sehr anspruchsvoll war. Dies nahmen sich
einige der Nicht-Tekkies zu Herzen und beschlossen, diesen Tauchgang nicht mitzumachen.
Die Tekkies wollten auch nicht - zu flach und als Wrack nicht interessant genug.
Aus den restlichen Tauchern stellten sich wieder Teams zusammen. Christoph und
ich (Jessica beschloss aus Rücksicht auf ihren Bänderriss am Sprunggelenk,
den sie sich auf Rügen zugezogen hatte, auf den TG zu verzichten) schlossen
uns mit Heiko (Don Mojito) und Till zusammen - nach dem Motte: Wenn schon abtreiben,
dann möglichst als Gruppe!


Brian wies den Tauchern
die Richtung zur Boje
Das Wrack selber war tatsächlich nicht gerade spektakulär.
Trotzdem war es sehr interessant (und durch die starke Strömung sehr anstrengend),
denn auf Grund der langen Grundzeit hatten wir genügend Muße, das
kleine Schiff von allen Blickwinkeln zu beobachten und uns auch den dort Unterschlupf
suchenden Dorschen zu widmen. Unsere Gruppe ging als letzte hoch - wie vereinbart
noch in der Nullzeit, denn keiner von uns hatte in der Strömung Lust auf
Deko - es reichten schon die 3 Minuten Sicherheitsstopp. Immerhin konnte ich
die Zeit nutzen, um Bojenschießen zu üben. An der Wasseroberfläche
angekommen, mussten wir noch zur Artur Becker paddeln, was wegen des hohen Wellengangs
und der Strömung nicht so einfach war. Auch über die Leiter an Bord
zu kommen entpuppte sich als größere Herausforderung. Es wurde nach
dem TG doch noch der ein oder andere Taucher abgetrieben, aber dank der Aufmerksamkeit
der Crew, besonders des Kapitäns, der abtreibende Luftblasen trotz Wellengang
erkannte, wurden alle sicher an Bord gebracht.

Während des TG hatte sich das Wetter noch einmal verschlechtert (es regnete
in Strömen), so dass an einen zweiten TG nicht zu denken war. Sobald wir
an Bord waren, wurde die Boje eingeholt und die Artur Becker machte sich auf den
Weg zurück zur geschützten Arkona Bucht. Trotz des starken Windes und
der hohen Wellen, die sich auch immer wieder über dem Deck brachen, lag das
Schiff erstaunlich ruhig im Wasser.



Sturm und hohe Wellen gestalteten den Aufenthalt
an Deck schwierig
Als die Artur Becker vor Anker lag und es langsam Abend wurde,
kam das eigentliche Highlight des Tages: Grillen an Deck bei Windstärke
8 mit Böen bis WS 10! Von windgeschütztem Ankerplatz konnte nicht
wirklich die Rede sein, trotzdem schaffte es die Crew, einen großen Grill
zu befeuern und schon bald wehten die Böen den leckeren Geruch von gegrilltem
Tier (wahlweise in Form von Steaks oder Würstchen) in alle Winkel des Schiffes
und lockte die meisten Taucher (eingehüllt in warme Kleidung und Windjacken)
an Deck.


In der 2. Kajüte fanden einige heraus, wie man an Fleisch
kommen konnte, ohne zu frieren ? man benutzt die Notausstiegsluke, die
praktischerweise direkt vor dem Grill war, als Fleischaufdentellerlegenlassluke!
Für die harten Taucher aber war die Party im Wind (mit
teilweise etwas Regen) ein Heidenspaß. Irgendwann war auch der größte
Hunger gestillt und die Party verlagerte sich in die Bar, wo der letzte gemeinsame
Abend von allen entsprechend zünftig begangen wurde. Werner, der sich schon
früher während der Fahrt durch die freigiebige Ausgabe von österreichischen
Leckerli, wie Schinkenspeck, Käse und allerlei Schnäpsen große
Sympathien erworben hatte, hatte für diesen Abend noch etwas Wein aus seiner
Heimat auf Lager. Die Feierlichkeiten endeten in dem inzwischen legendären
Brötchentanz von Heiko, ein Tanz, der der Phantasie nichts mehr übrig
ließ :-)


03.05.2003
Aufgeweckt von einem leichten Schaukeln des Schiffs war meine
Hoffnung, dass die Artur Becker zur Jan Heweliusz unterwegs war: Dem Wrack,
das als krönender Abschluss der Wracktour geplant wurde. Mit meiner Zahnbürste
bewaffnet ging ich an Deck, wo ich staunend inne hielt: Blauer Himmel, fast
spiegelglattes Meer und kein Wind.

Als alle mit dem Frühstück fertig waren, hatte die
Artur Becker auch die Boje der Jan Heweliusz erreicht. Wir versammelten uns
an Deck, wo Micha das Briefing abhielt. Die Jan Heweliusz, eine polnische Fähre,
sank 1993 während eines Sturms. 55 Tote waren bei dem Untergang zu beklagen
(mehr Informationen findet Ihr in der Redaktionsausgabe
6). Heute liegt das Wrack auf der Backbordseite in einer Tiefe von 10 - 27 Metern. Von Deck aus waren die Umrisse schon zu sehen. Durch Bergungsarbeiten
an dem Schiff ist ein Teil des Laderaums von oben her zugänglich, ohne
das Wrack selber penetrieren zu müssen.

Nach dem Briefing machten wir uns fertig und tauchten an der
Leine zum Heck ab. Die Sicht war fantastisch und das Wrack allein schon durch
seine Größe sehr beeindruckend. Durch die geringe Tiefe hatten wir
genügend Zeit, uns das Wrack auf ganzer Länge in Ruhe anzusehen. An
der Steuerbordaußenwand entlang gelangten wir zum offenen Ladebereich,
wo man die untergegangenen LKW genau erkennen konnte, obwohl, wie überall
in der Ostsee, die Muscheln von diesem Fremdkörper Besitz ergriffen hatten.
Die in einander verkeilten LKW verschafften uns einen guten Eindruck über
die Kräfte die beim Untergang am Werk waren. Vom Laderaum aus ging es zum
Bug, wo wir gerade noch Zeuge eines großen Dorschschwarms wurden. Nachdem
wir auch noch die Bugschrauben eingehend betrachtet hatten, machten wir uns
langsam auf den Rückweg. An Bord angekommen, beim obligatorischen Deko-Tee,
besprachen wir das weitere Vorgehen. Natürlich wollten wir noch einen zweiten
Tauchgang an diesem tollen Wrack machen, aber vor uns lagen noch 5 Stunden Fahrt
zurück nach Greifswald und die Kölner Gruppe, die als letzte angekommen
war, wollte spätestens um 18.00 Uhr zurück sein.

Na, ob diese Verwicklung DIR-Konform
ist? :)
Wir beschlossen daher, das Mittagessen zu verschieben, unsere
Flaschen zu füllen und dann den 2. Tauchgang praktisch direkt im Anschluss
zu machen. Unser Buddyteam beschloss, zum Abschluss einen besonderen Tauchgang
zu machen: Geführt von Micha, der die Jan Heweliusz bestens kennt, wollten
wir durch den Laderaum tauchen.

Nachdem wir den Tauchgang entsprechend geplant hatten, legten
wir los. Wir stiegen wieder zum Heck der Jan Heweliusz ab, tauchten zur Laderaumöffnung
und dann ins Innere. Vor uns lag die Dunkelheit des Laderaums, erhellt nur von
unseren Lampen und dem Licht, das von oben durch Luken in der Steuerbordwand
eindrang. Die Sicht war ausgezeichnet, klar lagen die LKW vor uns, an der Seite,
dem ehemaligen Boden, waren Schienen, am Ende ein Prellbock. Türöffnungen
ließen den Blick auf Treppengänge und andere Räume zu. Ein ganz
besonderer Tauchgang! Nur der Weg raus aus dem Wrack ist nichts für Leute
mit Platzangst. Über eine Treppe Kopfüber runter, durch eine Luke
und dann gleich nach rechts ins Freie. Hier zeigte sich, wie essentiell es für
solche Tauchgänge ist, dass die Ausrüstung eng am Körper liegt
und keine Schläuche abstehen, die sich verhaken könnten.
Gemächlich tauchten wir am Wrack entlang bis zur Leine
und begannen dann unseren Aufstieg. Wieder an Bord verstauten wir unsere Ausrüstung
und stürzten uns dann auf das Essen, das Smutje Udo ("Wichtigster
Mann an Bord!") netterweise für uns warm gehalten hatte. Während
des Essens legte die Artur Becker ab und fuhr gen Greifswald. Wir waren gerade
beim Nachtisch, als sich Kapitän Hanke meldete: "Werte Gäste,
durch einen glücklichen Zufall kreuzen wir gerade den Kurs des baugleichen
Schwesternschiffes der Jan Heweliusz. Wenn Sie also sehen wollen, wie das Wrack,
das Sie gerade betaucht haben, vor dem Untergang aussah, kommen Sie jetzt an
Deck! Ich bemühe mich näher hinzufahren, damit Sie bessere Photos
machen können." Natürlich versammelten wir uns alle an Deck
und sahen der großen Fähre nach. Schon ein komisches Gefühl,
dass wir vor nur knapp einer Stunde den identischen Schiffstyp betaucht hatten.

Die Fahrt zurück verlief ereignislos - die Ostsee
zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Wie schön wäre es gewesen,
wenn die ganzen Tage solch ein Wetter gewesen wäre. Aber wir wollen nicht
mosern - wir waren an zwei wirklich tollen Wracks und auch der Tauchgang
an der Saja war interessant gewesen. Die Crew, besonders natürlich Smutje
Udo, hat einen tollen Job gemacht, was zusammen mit der super Betreuung durch
die Mitglieder des Tauchclubs Greifswald dafür sorgte, dass wir uns die
ganze Zeit an Bord wirklich wohl gefühlt haben. Deshalb möchten wir
ihnen an dieser Stelle noch einmal besonders danken, für das Wetter konnten
sie nun wirklich nichts. Es war auf jeden Fall ein ungewöhnliches TNT,
toll organisiert (besonders natürlich auch für die angereisten Tekkies)
von Jan, der für Idee und Durchführung auch noch mal ein besonderes
Lob verdient.

In Greifswald angekommen, wurden noch schnell die obligatorischen
Abschiedsbilder gemacht, dann zerstreuten sich Mannschaft und Teilnehmer (bis
auf einige, die noch eine Nacht an Bord blieben) in alle Himmelsrichtungen.
Toll war´s! Auf ein Wiedersehen beim TNT IX im Herbst in
der Schweiz!
Und hier noch einige Impressionen der Jan Heweliusz:












|