Test: Trockentauchanzug Aquata Pacific

 Geschrieben von Ralf

Beim Aquata Pacific handelt es sich um einen klassischen Trilaminattrockentauchanzug. Dies bedeutet, dass die Hülle aus einer dreilagigen Schicht verschiedener Kunststoffe aufgebaut ist. Im Gegensatz zu Neoprentrockentauchanzügen besitzen jedoch Anzüge aus Trilaminat keine Wärmewirkung. Das bedeutet, dass hierfür ein geeigneter Unterzieher notwendig ist, der den Wärmeschutz sicherstellt. Im Gegensatz hierzu bieten Neoprentrockis bereits aufgrund ihres verwendeten Materials einen eigenen Wärmeschutz, der um dünne Unterzieher ergänzt, noch verbessert werden kann.

Der Vorteil der Trilaminatanzüge, und daher auch des Aquata Pacific, liegt darin, dass das Trilaminat deutlich robuster und widerstandsfähiger gegen Beschädigung und Abnutzung ist als Neopren. Des weiteren bietet die Variation der Unterzieher eine deutlich bessere Anpassung des Wärmeschutzes an die aktuellen Temperaturen als bei einem Neoprentrocki. Wer im Hochsommer schon einmal einen Neoprentrockentauchanzug geraume Zeit bei hohen Temperaturen an Land tragen musste, weiß ein Lied davon zu singen. Ein weitere Vorteil von Trilaminatnzügen liegt darin, dass das Material, Unterzieher ausgenommen, sich mit zunehmender Tiefe nicht weiter komprimiert und damit auch keine Auftriebsverlust durch zunehmende Kompression des Materials einsetzt. Bei reinen Neoprenanzügen ist dies der Fall, was durch zusätzliches Blei ausgeglichen werden muss, welches dann aber in der Tiefe einen zunehmenden Abtrieb erzeugt. Hier bieten Crash-Neopren-Anzüge eine Alternative, da das Material bei diesen bereits in der Fabrikation vorkomprimiert wurde.

Der Aquata in der Praxis

So, nach einem kurzen Eingehen auf die grundsätzlichen Aspekte des Trockentauchanzuges nun zu den praktischen Merkmalen des Aquata Pacific. Arbeiten wir uns also von oben nach unten fort.

Der Pacific besitzt eine angesetzte Kopfhaube. Dies bietet den Vorteil, dass hierdurch keine Kältebrücke zwischen Anzug und Kopfhaube entsteht. Nachteil dieser Lösung ist allerdings, dass die Kopfhaube ständig getragen werden muss, oder bei Nichtbenutzung im Nacken hängt. Sollte das Einlassventil des Tauchanzuges im Notfall einmal auf "Durchzug schalten" und ungehindert Luft in den Anzug blasen ist eine Methode die Luft durch einen schnellen Ruck an der Halsmanschette abzulassen. Dies ist allerdings mit angesetzten Kopfhauben nicht so einfach wie mit separaten. Im praktischen Tauchalltag fiel uns auf, dass die Haube in der XL-Größenversion des Anzugs relativ groß ist. Dies führte bei den Tauchgängen dazu, das sich immer wieder Luft unter der Haube sammelte. Auf Dauer störte dies während der Tauchgänge. Hier bietet ein kleines Loch, welches mit einer heißen Nadel in die Kopfhaube gebrannt wird, aber schnell und dauerhaft Abhilfe, ohne die Wärmedämmung deutlich zu beeinträchtigen.

Das Material und die Verarbeitungsqualität des Aquata sind hervorragend. Die Nähte sind sauber verarbeitet und verklebt. Die Manschetten an Hals und Armen sind stärker als bei vielen vergleichbaren Modellen ausgelegt (Heavy-Duty-Ausführung) und daher auch robuster und langlebiger. Vor dem ersten Einsatz sollte der Trocki anprobiert und die Hals- sowie Armmanschetten auf die Hals- und Armweiten des späteren Tauchers zugeschnitten werden. Für Neulinge hierzu eine kleine Erläuterung: Auf den Manschetten erkennt man sehr leicht kleine Ringe. Um die Weite anzupassen schneidet man nun immer einen Ring mit der Schere sauber ab, probiert den Anzug und sollte die Manschette immer noch zu eng sein, schneidet man wieder einen Ring ab, bis das ganze passt. Doch man sollte vorsichtig sein, ein Ring zu viel und der Trocki wird undicht und ein Ersatz der Manschette(n) wird notwendig. Also hier lieber etwas zurückhaltender vorgehen.

Das Einlassventil des Aquata Pacific ist von Si Tec und um 360 Grad drehbar. Dies bedeutet, dass die Schlauchführung kein Problem ist. Im praktischen Einsatz fiel auf, dass das Ventil die Luft sehr dosiert abgab, was eine feinfühlige Tarierung ermöglicht. Allerdings bedeutet dies auch, dass im Notfall ein schnelles Befüllen des Anzugs nicht so zügig geht wie bei anderen Modellen. Aber dies dürfte eher ein Ausnahmeanwendungsfall sein. Zusätzlich ist das Einlassventil auf der Innenseite mit Neopren unterlegt. Dies verhindert, dass sich Kondenswasser, welches durch die Belüftung entsteht, auf den Unterzieher legt. Die ist zwar keine Sicherheits- aber doch ein angenehmer Komfortaspekt.

Ein Sicherheitsaspekt ist jedoch die Unterlegung des Auslassventils mit Neopren am linken Oberarm. Durch diese Unterlegung wird nämlich verhindert, dass sich das Material des Unterziehers zu stark auf das Auslassventil legt und somit eine entsprechende Entlüftung behindert. Ein Nachteil des Auslassventils ist die relativ hohe Bauweise, welche beim Anlegen des Jackets etwas störend wirkt. Ansonsten ist aber das Ansprechverhalten des Auslassventils und seine Lage optimal. Eine leichte Drehung des Körpers nach rechts und schon entlüftet der Anzug sehr dosiert. Hier können sich andere Hersteller ein Beispiel für optimale Ventilpositionierung nehmen.

Die Füßlinge des Aquata bestehen aus Neopren mit fester Sohle. In der Praxis sehr hilfreich sind die Flossenbandhalterungen. Kleine Neoprenstücke an der Ferse des Füßlings halten das Flossenband sicher am Fuß. Dies sollte man auch aus Sicherheitsgründen nicht unterschätzen, denn wer eine Flosse unter Wasser einmal verliert nur weil das Flossenband abgerutscht ist, wird sehen wie stark sein Fortbewegungsfähigkeit dadurch beeinträchtigt wird.

Fazit

Der Aquata Pacific ist ein robuster und für den langjährigen Einsatz ausgelegter Membrantrockentauchanzug. Er bietet zwar keine besonderen Detaillösungen, wie beispielsweise Beintaschen etc., aber für die überwiegende Mehrheit der Tauchergemeinde ist er ein empfehlenswertes Produkt zum Preis von Euro 999,-.

Positiv:

  • unterlegtes Einlassventil
  • unterlegtes Auslassventil
  • saubere Verarbeitung
  • gute Wärmeisolation
  • feste Neoprenfüßlinge
  • Flossenbandhalterung an den Füßlingen
  • Heavy-Duty-Armmanschetten
  • geschützter Rückenreißverschluß

Negativ:

  • Einlassventil etwas träge
  • Auslassventil in relativ hoher Bauweise

Infos

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