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Du bist hier: Onlinemagazin 31. Ausgabe Vinkeveenser See Der Mai





 Geschrieben von Andreas

Sauerstoff brauchen nicht nur wir Taucher, um zu überleben, sondern die Lebewesen des Vinkeveenser Sees genau so. Die meisten Tiere sind Aerobier, das heißt, sie verbrennen Sauerstoff zu Kohlendioxyd. Die Rolle des Sauerstoffs, und wie die Lebewesen im See ihn sich beschaffen, das wollen wir diesen Monat betrachten.

Sauerstoff steht Unterwasser nur in gelöster Form zur Verfügung. Die Aufgabe der Atemsysteme der Tiere im See ist es, diesen molekular gelösten Sauerstoff aus dem sie umgebenden Medium Wasser herauszufiltern. Dabei haben es die Tiere im See um ein vielfaches schwerer als wir an Land lebenden Menschen. Im Wasser diffundiert ein Sauerstoffteilchen 300 000 mal langsamer als an der Luft. Deswegen spielen Fotosynthese der Pflanzen, Wellenschlag und jahreszeitliche Umwälzung des Sees eine sehr bedeutende Rolle bei der Sauerstoffversorgung. Erschwerend wirkt dann noch die hohe Viskosität des Wassers.

Der Mensch kann den im Wasser gelösten Sauerstoff nicht direkt nutzen, er muss ihn sich selber in Tanks füllen und mit sich führen. Seine Atembewegung verbraucht nur 2 % des eingeatmeten Sauerstoffs, der Fisch verbraucht dagegen 20-40%. Nur der verbleibende Sauerstoffanteil kann für andere Körperprozesse verbraucht werden.

Im Moment beobachten wir hier im See ungewöhnliche Sichtweiten von bis zu 18 Metern. Gleichzeitig finden wir aber auch einigen verendete Fische an der Wasseroberfläche treibend. Wie können wir das mit unserem Wissen erklären?

Durch das anfänglich sonnenreiche Klima der letzten Wochen konnte das Phytoplankton explosionsartig wachsen und sich vermehren. Doch irgenwann mal stirbt es auch ab und sinkt zu Boden. Große Massen abgestorbener Algen werden nun unter Sauerstoffverbrauch durch Mikroorganismen abgebaut. Durch das anschließend regnerische Wetter konnte aber nicht mehr ausreichend neues Phytoplankton nachgebildet werden. Dadurch entsteht ein Sauerstoffmangel im See. Sauerstoff steht nun den Fischen kaum noch zur Verfügung. Einige Fische gehen so am Sauerstoffmangel zugrunde, während gleichzeitig durch das Herabsinken des Planktons das Wasser besonders klar ist.

Nahe an unserem Wrack steht dieses von einem Kinderspielplatz entlaufene Schaukelpferd. Dieser bei Tauchern sehr beliebte Ort macht deutlich, wie klar das Wasser im Moment ist. Schwebstoffe sind kaum noch im Wasser auszumachen

.

Der Hecht hat trotz seiner im Vergleich zum Menschen geringeren Körpermasse eine ungefähr gleichgroße Kiemenoberfläche wie Menschen Lungenoberfläche haben, nämlich 50 Quadratmeter. Durch dem limitierten Sauerstoff im Wasser, ist der Hecht nur zu kurzen Sprints fähig.

 

Im Wasser lebende Tiere haben weitaus mehr "Mühe" in die Entwicklung von Atemorganen investiert als Landlebende. Ausstülpungen der Haut, Atemröhren, Kiemen und selbst die Körperoberfläche dienen der Aufnahme von Sauerstoff.

Die Teichmuschel (Anodonta anatina) nutzt die Kiemen zusätzlich als Nahrungsfilter. Das Atemwasser ist so gleichzeitig der Nahrungswasserstrom und Sauerstoffquelle. Trotzdem nutzen sie nur 5 - 10 % des Sauerstoffs, der Mensch dagegen 25%. In Notsituationen können Muscheln auch über kürzere Zeit ohne Sauerstoff leben; aber dann wird der Stoffwechsel stark heruntergefahren.

Sauerstoff ist der Stoff, der das Leben im See erst möglich macht. Durch die Evolution haben sich die Lebewesen im See vielfältige Wege erschlossen, um sich diesen knappen Stoff nutzbar zu machen. Durch Einleitung von Düngemittel oder unbedachtes Tauchen kann so dem See ein massiver Schaden zugefügt werden. Wenn wir im zerbrechlichen Ökosystem See tauchen, sollten wir auch daran denken.

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