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 Geschrieben von Jessica

Tauchplatzführer Walensee


Mitten im Sarganserland, im Osten der Schweiz, liegt der Walensee idyllisch inmitten der Voralpen. Er ist nur wenige Kilometer von Liechtenstein und der Grenze zum österreichischen Vorarlberg entfernt. Er ist 21 km lang und max. 3 km breit, sowie bis zu 145m tief und liegt 416m über NN. Am Nordufer reichen die Berge bis direkt an das Wasser und bilden somit unter Wasser eine wunderschöne, tiefe Steilwand. Leider sind nur zwei Tauchplätze auf der Nordseite mit dem Auto erreichbar, weitere vier nur per Boot.
Die Südseite hingegen ist taucherfreundlicher, wenn auch nicht so steil. Zu sehen gibt es jedoch auch hier einiges.

Da am Walensee oft starke und fast dauernd Winde wehen, kann im Sommer das warme Oberflächenwasser tief eingemischt werden. Die kalte Jahreszeit wiederum ist zu kurz und die Seeoberfläche im Verhältnis zum Volumen zu klein, um die Wassertemperaturen unter 5 Grad Celsius abzukühlen. So liegt auch die Wassertemperatur in der Seetiefe fast immer über 5 Grad. Diese Umstände sind im Wesentlichen für das milde Winterklima am Walensee verantwortlich. Seit Menschengedenken ist der Walensee noch nie zugefroren.
Diese erwähnten Winde können zum Teil sehr schnell und stürmisch aufziehen (Föhn). Der Walensee ist daher mit einem Sturmwarnsystem analog dem Bodensee ausgerüstet. Blinklichter warnen vor aufziehendem Sturm, bzw. akuter Sturmgefahr. Taucher sollten diese Warnungen unbedingt beachten. Der Walensee hat immer eine deutlich spürbare Strömung Richtung Osten und häufig auch Wellen, ohne dass es windig ist. Bei Sturm wird der See unter Umständen unberechenbar.

Walensee

Insgesamt gehört der Walensee zu den saubersten Seen der Schweiz. Dies hat er neben den großen Anstrengungen im technischen Gewässerschutz auch günstigen Umgebungsfaktoren zu verdanken.

Allgemein gilt zu sagen, dass das Tauchen in der Schweiz einfacher und problemloser ist, als in Deutschland. Grundsätzlich ist jeder See ein Tauchsee, außer, er ist in Privatbesitz oder es wird ausdrücklich auf Tauchverbot hingewiesen. Tauchverbot herrscht selbstverständlich auch im Hafengebieten, an Anlegern und in Naturschutzgebieten. Einzige Bedingung: Am Ufer muss eine ausreichend große Alphaflagge gesetzt werden. Boote haben einen Abstand von mind. 50m zur Flagge einzuhalten (Ausnahme Kursschiffe auf ihrem regulären Kurs). Sollte einen die Polizei ohne Flagge erwischen, wird es heftig teuer. Wie teuer, ist kantonal unterschiedlich. Am Zürichsee sind es z.b. 300 Schweizer Franken (215 Euro). Notfalls hilft auch selbst basteln. Nirgends steht geschrieben, dass es eine Teure aus dem Tauchshop sein muss.

Walensee

Tauchplätze Nordseite


Tauchplatz 1-4: Josen West, Josen Ost, Quinten West, Quinten Ost

Diese Tauchplätze sind nur mit dem Boot zugänglich. Touren bietet die Tauchschule Walensee an.
Diese Tauchplätze bieten feinstes Steilwandtauchen. Leider war es mir bisher nicht möglich, diese Plätze zu betauchen. Auskunft erteilt die Tauchschule. Sie betreiben ein Tauchboot, die Gipsy, mit der Trips auf diese Seeseite unternommen werden.

Tauchplatz 5: Betlis, Badestrand

In Weesen (Westseite des Sees) der Hauptstrasse folgen und kurz bevor die Strasse den Berg hinauf geht rechts abbiegen Richtung Betlis. Hinter der Ortschaft kommt ein größerer Parkplatz entlang der Strasse mit zentraler Parkuhr. Dies ist offizielles Schwimmgebiet und der Einstieg recht einfach. Im Sommer findet man hier Wohlstandsmüll der Schwimmer, aber gelegentlich auch mal etwas brauchbares, wie eine Armbanduhr.
Das Tauchen hier sollte im Hochsommer vermieden werden, da sich hier viele Schwimmer tummeln.
Zu sehen gibt es nicht sehr viel. Der Tauchplatz fällt relativ steil ab, wie alle Tauchplätze auf der Nordseite des Sees.

Betlis1

Betlis2

Betlis3

Betlis4


Tauchplatz 6: Betlis, Pumpwerk

Wenn man über den Parkplatz (Tauchplatz 6) hinausfährt, gelangt man an ein Hindernis: Eine Zufahrtsbeschraenkung. Die Seestrasse ist so schmal, dass ein normaler Kleinwagen sie so gerade passieren kann. Alles, was größer ist, als ein VW-Bus wird enorme Schwierigkeiten haben, besonders in den beiden Tunneln, die man zu durchqueren hat. Ausweichstellen gibt es so gut wie keine, daher wurde der Verkehr geregelt. Halbstündlich darf für je 5 Minuten von beiden Seiten Verkehr die Strasse passieren. Unter Umständen muss man also mit einiger Wartezeit rechnen. Sowohl auf dem Hin-, als auch auf dem Rückweg. Auf der gesamten Strasse ist mit Steinschlag zu rechnen.

Hinfahrt

Ein Stück hinter dem zweiten Tunnel gabelt sich die Strasse. Geradaus, bergauf, geht es zum Restaurant, halb rechts geht es am See entlang zum Tauchplatz. Nach ein paar hundert Metern gelangt man an die kleine Pumpstation. Auf der linken Seite gibt es Stellplätze für 5-6 Autos, mehr nicht! Anderweitige Parkmöglichkeiten gibt es ebenfalls nicht. Wenn alles belegt ist, hat man unter Umständen wieder Wartepech ? auch die Rückfahrt ist zeitlich geregelt!
Hat man aber das Glück und hat einen Parkplatz ergattert, kann man direkt unterhalb an verschiedenen Stellen einsteigen.

Betlis Pumpwerk

Betlis Pumpwerk 2

Taucht man nach rechts, findet man eine sehr schöne, steil abfallende Felswand. Nach links hin ist der Abstieg eher Treppenförmig. Wenn die Sonne scheint, sieht man oft wunderschöne, bizarre Lichtspiele.

Rückfahrt

Tauchplatz 7: Betlis, Schiffsanleger

Gleicher Parkplatz, wie Tauchplatz 6, allerdings muss man dem Weg um die Halbinsel am See entlang etwa 200m folgen, dann gelangt man zum Fähranleger. Links daneben ist der Einstieg. Während des Schifffahrtbetriebes ist das Tauchen verboten, also unbedingt den Fahrplan lesen und den TG daraufhin abstimmen. Auftauchen außerhalb der Bucht möglichst vermeiden. Auf dem gesamten See verkehrt zudem Segel- und Surfverkehr. Diese Freizeitsportler sind sich leider der Bedeutung der Alphaflagge nur selten bewusst!
Die Steilwand soll Gerüchten zufolge bis 120m tief herab reichen. Andere Literatur spricht von 40m, dies kann ich zumindest widerlegen. Es ist dort deutlich tiefer als 40m, vom Grund war (bei Glasklarer Sicht) auf 40m weit und breit nichts zu sehen. Wichtig nur: Man muss sich ein Stückchen nach links vorarbeiten.

Betlis Anleger 1

Betlis Anleger 2

Betlis Anleger 3

Tauchplätze Südseite


Tauchplatz 8: Rastplatz Mövenpick

Die Autobahn 3, die das Sarganserland durchquert, ist aufgrund von Tunnelbauten entlang des Walensees mit getrennten Streckenführungen gebaut. Der Rastplatz Mövenpick ist nur von der Fahrtrichtung Chur-Zürich aus zugänglich. Taucher aus Richtung Zürich sollten also nach dem 6km langen Tunnel bei der Ausfahrt Murg die Autobahn verlassen und wenden.
Vorsicht beim Anrödeln ? Autoverkehr beachten.
Dieser Tauchplatz hat einen sehr mühsamen Einstieg. In Westlicher Richtung sieht man eine Unterführung unter die Autobahn. Bevor es diese Strasse hinabgeht, die kleine Mauer überwinden und versuchen, dass man heil die Geröllhalde hinunter gelangt. Ist man jedoch im Wasser angelangt, wird man wiederum mit einer sehr schönen Steilwand belohnt, die auf 10m beginnt und bis auf 50m hinab reicht.

Mövenpick 1

Mövenpick 2

Mövenpick 3

Mövenpick 4

Tauchplatz 9: Mols, Broder

In Fahrtrichtung Walensee findet man auf der Seestrasse direkt hinter dem Ortseingang auf der rechten Seite einen Holzstapel. Davor kann geparkt werden. Wenn man dann unter der Eisenbahnunterführung hindurch geht, gelangt man direkt zum Tauchplatz. Hier befindet sich eine stationäre Alphaflagge, die man bei Tauchbetrieb nur in Position drehen muss. Fußweg etwa 150m.
Dieser Tauchplatz hier fällt zunächst relativ sanft ab, um erst auf 15-20m in eine Steilwand überzugehen. Zu sehen gibt es hier ein versunkenes Holzruderboot und viele Muscheln. Im Einstiegsbereich ist Kiesgrund, später geht der Grund in Schlamm über.

Broder 1

Broder 2

Broder 3

Tauchplatz 10: Mols, Hafen Ost

Von Mollis aus auf der Seestrasse Richtung Walenstadt fahren. Nach dem Ortsende ist schon der kleine Hafen zu erkennen, an dem geparkt werden kann. Geht man rechts vom Hafen am Ufer entlang, so findet man eine Einstiegsstelle. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass man dem Bootsverkehr nicht in die Quere kommt, denn die Hafeneinfahrt ist in unmittelbarer Nähe. Vom Einstieg aus taucht man parallel zum Ufer Richtung Osten im 3m-Bereich. Später beginnt der Grund leicht abzufallen. Das interessanteste Gebiet hier ist der 15m-Bereich, weil man hier viele Bäume, bizarre Äste und Wohlstandsmüll, wie Fahrräder findet. Es gibt reichlich Muschelbänke und gerade bei Nachttauchgängen sieht man hier Egli und Hechte.

Hafen Ost 1

Hafen Ost 2

Tauchplatz 11: Mols, Hafen West

Anfahrt wie Tauchplatz 10. Etwa 200 westlich des Parkplatzes einsteigen und am besten zunächst Richtung Seezeichen schnorcheln (das rote Dreieck = Untiefe), da der Grund hier sehr flach ist. Man kann fast zum Seezeichen waten. Wenn man dann Richtung Norden taucht, geht der flache Grund in etwa 8m Tiefe in eine Steilwand über, der man nach Osten folgen sollte. Sie ist durchsetzt mit großen Felsspalten, in denen man oft Trüschen findet. Teilweise bietet diese Wand sogar Überhänge. Die Felssohle liegt auf etwa 35m.

Hafen West

Hafen Hinweis


Tauchplatz 12: Mols, Känzeli

Von Mollis aus auf der Seestrasse Richtung Walenstadt fahren. Etwa 50m nach dem Hafen kommt eine Rechtskurve und man sieht auf der linken Seite einen Parkplatz für etwa 10 Autos. Unterhalb des Parkplatzes befindet sich eine Kanzel. Der Einstieg ins Wasser erfolgt über eine Metalltreppe (Vorsicht im Winter ? glatt!). Oben auf der Kanzel befindet sich eine stationäre Alphaflagge, die nur noch in Richtung See gedreht werden muss (zurückdrehen nach dem TG nicht vergessen ? sofern keine anderen Taucher im Wasser sind).

Känzeli 1

Känzeli 2

Känzeli 3


Dieser Tauchplatz ist nur etwas für erfahrene Taucher und man sollte beim ersten mal nach Möglichkeit jemand Ortskundigen mitnehmen, sonst wird dieser Platz sehr schnell zur Enttäuschung.
Hier liegen 2 Wracks von Alten Kohlefrachtern relativ dicht beieinander. Das erste, größere und auch interessantere Wrack liegt auf 32m, das zweite, etwas kleinere auf 15m einige Minuten entfernt.

Es gibt zwei Möglichkeiten des Antauchens:
Die leichteste, jedoch Luftverschwendenste (von Dekopflicht mal ganz zu schweigen), ist das antauchen. Wenn man den Kompass auf 0 Grad stellt und lostaucht, gelangt man nach einiger Zeit an das erste Wrack. Bis auf 15m geht es relativ steil abwärts, danach fällt der Boden nicht mehr ganz so schnell ab und wird dafür schlickig. Das Wrack liegt etwa 100m vom Einstieg entfernt!

Nur für absolute Könner von freien Abstiegen ist diese Variante:

Mit Kompasspeilung auf 0 Grad herausschwimmen. Soweit, bis man in Mols das große rosafarbene Haus (Hotel Schifffahrt) so gerade hinter der Geländenase erkennen kann. Bei Nachttauchgängen ist das Haus, was am hellsten erleuchtet ist :).
Macht man hier einen Abstieg, landet man bei etwa 32m genau auf dem Bug des ersten Wracks. Man kann dieses Umrunden und in den Maschinenraum hineinsehen. Penetrierbar sind beide Wracks übrigens nicht. Es gibt auch nichts spektakuläres zu sehen oder gar mitzunehmen. Taucht man nun an der rechten Wrackseite entlang, gelangt man zu einem Ausleger (es könnte auch ein alter Strommast sein), der neben dem Boot liegt. Wenn man an der ersten Querverstrebung angelangt (kurz vor dem Heck des Wracks) und dann die Peilung auf 15 Grad einstellt, gelangt man nach einigen Minuten zum zweiten Wrack. Wenn man dies gemütlich umrundet hat und wieder zum ersten zurückgekehrt ist, ist man bei etwa 20-25 Minuten und somit schon in der Deko.
Man kann nun entweder 180 Grad austauchen und sich die alte Tauchglocke ansehen, die jetzt auf dem Grund liegt, halb versandet, oder aber sich leicht westlich halten, um zur Muschelbank zu gelangen, die jedoch recht weit entfernt ist.

Walensee 2

Die Sichtweiten schwanken sehr stark. Durch den Schlickgrund und des Tarierens unvermögender Taucher, ist sie am Wochenende im Sommer meist sehr schlecht. Am besten geeignet sind dort Tauchgänge unter der Woche.

Alle Bilder © Jessica Brühl - Nutzung nur mit ausdrücklicher Erlaubnis

Angaben nach bestem Gewissen, jedoch ohne jegliche Gewähr


Und hier noch einige Walenseeimpressionen.

Walensee Impression 1 Walensee Impression 8

Walensee Impression 3 Walensee Impression 4

Walensee Impression 5 Walensee Impression 6

Walensee Impression 7 Walensee Impression 2

Walensee Impression 9 Walensee Impression 10

Walensee Impression 11 Walensee Impression 12


Diese Bilder sind auch hier als Wallpaper hinterlegt. Copyrighthinweis aus gegebenem Anlass: Text und auch Fotos (!) unterliegen dem Copyright des Autors - also mir! Eine Nutzung auf anderen Websiten bedarf daher eine ausdrueckliche Genehmigung, welche beim Copyrightinhaber einzuholen ist. Grundsaetzlich gibt es damit keine Probleme, aber ich wuerde doch gerne VORHER gefragt werden. Danke fuer das Verstaendnis. Meine Mail-Inbox steht fuer Anfragen offen. Jessica Bruehl, Januar 2006

Infos

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