Mitten im Sarganserland, im Osten der Schweiz, liegt der Walensee idyllisch inmitten
der Voralpen. Er ist nur wenige Kilometer von Liechtenstein und der
Grenze zum österreichischen Vorarlberg entfernt. Er ist 21 km lang
und max. 3 km breit, sowie bis zu 145m tief und liegt 416m über NN.
Am Nordufer reichen die Berge bis direkt an das Wasser und bilden somit
unter Wasser eine wunderschöne, tiefe Steilwand. Leider sind nur zwei
Tauchplätze auf der Nordseite mit dem Auto erreichbar, weitere vier
nur per Boot.
Die Südseite hingegen ist taucherfreundlicher, wenn auch nicht so
steil. Zu sehen gibt es jedoch auch hier einiges.
Da am Walensee oft starke und fast dauernd Winde wehen, kann im Sommer
das warme Oberflächenwasser tief eingemischt werden. Die kalte Jahreszeit
wiederum ist zu kurz und die Seeoberfläche im Verhältnis zum Volumen
zu klein, um die Wassertemperaturen unter 5 Grad Celsius abzukühlen.
So liegt auch die Wassertemperatur in der Seetiefe fast immer über
5 Grad. Diese Umstände sind im Wesentlichen für das milde Winterklima
am Walensee verantwortlich. Seit Menschengedenken ist der Walensee noch
nie zugefroren.
Diese erwähnten Winde können zum Teil sehr schnell und stürmisch
aufziehen (Föhn). Der Walensee ist daher mit einem Sturmwarnsystem
analog dem Bodensee ausgerüstet. Blinklichter warnen vor aufziehendem
Sturm, bzw. akuter Sturmgefahr. Taucher sollten diese Warnungen unbedingt
beachten. Der Walensee hat immer eine deutlich spürbare Strömung
Richtung Osten und häufig auch Wellen, ohne dass es windig ist. Bei
Sturm wird der See unter Umständen unberechenbar.
Insgesamt gehört der Walensee zu den saubersten Seen der Schweiz.
Dies hat er neben den großen Anstrengungen im technischen Gewässerschutz
auch günstigen Umgebungsfaktoren zu verdanken.
Allgemein gilt zu sagen, dass das Tauchen in der Schweiz einfacher und
problemloser ist, als in Deutschland. Grundsätzlich ist jeder See ein
Tauchsee, außer, er ist in Privatbesitz oder es wird ausdrücklich
auf Tauchverbot hingewiesen. Tauchverbot herrscht selbstverständlich
auch im Hafengebieten, an Anlegern und in Naturschutzgebieten. Einzige Bedingung:
Am Ufer muss eine ausreichend große Alphaflagge gesetzt werden. Boote
haben einen Abstand von mind. 50m zur Flagge einzuhalten (Ausnahme Kursschiffe
auf ihrem regulären Kurs). Sollte einen die Polizei ohne Flagge erwischen,
wird es heftig teuer. Wie teuer, ist kantonal unterschiedlich. Am Zürichsee
sind es z.b. 300 Schweizer Franken (215 Euro). Notfalls hilft auch selbst
basteln. Nirgends steht geschrieben, dass es eine Teure aus dem Tauchshop
sein muss.
Tauchplätze Nordseite
Tauchplatz 1-4: Josen West, Josen Ost, Quinten West, Quinten Ost
Diese Tauchplätze sind nur mit dem Boot zugänglich. Touren bietet
die Tauchschule Walensee an.
Diese Tauchplätze bieten feinstes Steilwandtauchen. Leider war es
mir bisher nicht möglich, diese Plätze zu betauchen. Auskunft
erteilt die Tauchschule. Sie betreiben ein Tauchboot, die Gipsy, mit der
Trips auf diese Seeseite unternommen werden.
Tauchplatz 5: Betlis, Badestrand
In Weesen (Westseite des Sees) der Hauptstrasse folgen und kurz bevor die
Strasse den Berg hinauf geht rechts abbiegen Richtung Betlis. Hinter der
Ortschaft kommt ein größerer Parkplatz entlang der Strasse mit
zentraler Parkuhr. Dies ist offizielles Schwimmgebiet und der Einstieg recht
einfach. Im Sommer findet man hier Wohlstandsmüll der Schwimmer, aber
gelegentlich auch mal etwas brauchbares, wie eine Armbanduhr.
Das Tauchen hier sollte im Hochsommer vermieden werden, da sich hier viele
Schwimmer tummeln.
Zu sehen gibt es nicht sehr viel. Der Tauchplatz fällt relativ steil
ab, wie alle Tauchplätze auf der Nordseite des Sees.
Tauchplatz 6: Betlis, Pumpwerk
Wenn man über den Parkplatz (Tauchplatz 6) hinausfährt, gelangt
man an ein Hindernis: Eine Zufahrtsbeschraenkung. Die Seestrasse ist so
schmal, dass ein normaler Kleinwagen sie so gerade passieren kann. Alles,
was größer ist, als ein VW-Bus wird enorme Schwierigkeiten haben,
besonders in den beiden Tunneln, die man zu durchqueren hat. Ausweichstellen
gibt es so gut wie keine, daher wurde der Verkehr geregelt. Halbstündlich
darf für je 5 Minuten von beiden Seiten Verkehr die Strasse passieren.
Unter Umständen muss man also mit einiger Wartezeit rechnen. Sowohl
auf dem Hin-, als auch auf dem Rückweg. Auf der gesamten Strasse ist
mit Steinschlag zu rechnen.
Ein Stück hinter dem zweiten Tunnel gabelt sich die Strasse. Geradaus,
bergauf, geht es zum Restaurant, halb rechts geht es am See entlang zum
Tauchplatz. Nach ein paar hundert Metern gelangt man an die kleine Pumpstation.
Auf der linken Seite gibt es Stellplätze für 5-6 Autos, mehr nicht!
Anderweitige Parkmöglichkeiten gibt es ebenfalls nicht. Wenn alles
belegt ist, hat man unter Umständen wieder Wartepech ? auch die Rückfahrt
ist zeitlich geregelt!
Hat man aber das Glück und hat einen Parkplatz ergattert, kann man
direkt unterhalb an verschiedenen Stellen einsteigen.
Taucht man nach rechts, findet man eine sehr schöne, steil abfallende
Felswand. Nach links hin ist der Abstieg eher Treppenförmig. Wenn die
Sonne scheint, sieht man oft wunderschöne, bizarre Lichtspiele.
Tauchplatz 7: Betlis, Schiffsanleger
Gleicher Parkplatz, wie Tauchplatz 6, allerdings muss man dem Weg um die
Halbinsel am See entlang etwa 200m folgen, dann gelangt man zum Fähranleger.
Links daneben ist der Einstieg. Während des Schifffahrtbetriebes ist
das Tauchen verboten, also unbedingt den Fahrplan lesen und den TG daraufhin
abstimmen. Auftauchen außerhalb der Bucht möglichst vermeiden.
Auf dem gesamten See verkehrt zudem Segel- und Surfverkehr. Diese Freizeitsportler
sind sich leider der Bedeutung der Alphaflagge nur selten bewusst!
Die Steilwand soll Gerüchten zufolge bis 120m tief herab reichen.
Andere Literatur spricht von 40m, dies kann ich zumindest widerlegen. Es
ist dort deutlich tiefer als 40m, vom Grund war (bei Glasklarer Sicht) auf
40m weit und breit nichts zu sehen. Wichtig nur: Man muss sich ein Stückchen
nach links vorarbeiten.
Tauchplätze Südseite
Tauchplatz 8: Rastplatz Mövenpick
Die Autobahn 3, die das Sarganserland durchquert, ist aufgrund von Tunnelbauten
entlang des Walensees mit getrennten Streckenführungen gebaut. Der
Rastplatz Mövenpick ist nur von der Fahrtrichtung Chur-Zürich
aus zugänglich. Taucher aus Richtung Zürich sollten also nach
dem 6km langen Tunnel bei der Ausfahrt Murg die Autobahn verlassen
und wenden.
Vorsicht beim Anrödeln ? Autoverkehr beachten.
Dieser Tauchplatz hat einen sehr mühsamen Einstieg. In Westlicher
Richtung sieht man eine Unterführung unter die Autobahn. Bevor es diese
Strasse hinabgeht, die kleine Mauer überwinden und versuchen, dass
man heil die Geröllhalde hinunter gelangt. Ist man jedoch im Wasser
angelangt, wird man wiederum mit einer sehr schönen Steilwand belohnt,
die auf 10m beginnt und bis auf 50m hinab reicht.
Tauchplatz 9: Mols, Broder
In Fahrtrichtung Walensee findet man auf der Seestrasse direkt hinter dem
Ortseingang auf der rechten Seite einen Holzstapel. Davor kann geparkt werden.
Wenn man dann unter der Eisenbahnunterführung hindurch geht, gelangt
man direkt zum Tauchplatz. Hier befindet sich eine stationäre Alphaflagge,
die man bei Tauchbetrieb nur in Position drehen muss. Fußweg etwa
150m.
Dieser Tauchplatz hier fällt zunächst relativ sanft ab, um erst
auf 15-20m in eine Steilwand überzugehen. Zu sehen gibt es hier ein
versunkenes Holzruderboot und viele Muscheln. Im Einstiegsbereich ist
Kiesgrund, später geht der Grund in Schlamm über.
Tauchplatz 10: Mols, Hafen Ost
Von Mollis aus auf der Seestrasse Richtung Walenstadt fahren. Nach dem
Ortsende ist schon der kleine Hafen zu erkennen, an dem geparkt werden kann.
Geht man rechts vom Hafen am Ufer entlang, so findet man eine Einstiegsstelle.
Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass man dem Bootsverkehr nicht
in die Quere kommt, denn die Hafeneinfahrt ist in unmittelbarer Nähe.
Vom Einstieg aus taucht man parallel zum Ufer Richtung Osten im 3m-Bereich.
Später beginnt der Grund leicht abzufallen. Das interessanteste Gebiet
hier ist der 15m-Bereich, weil man hier viele Bäume, bizarre Äste
und Wohlstandsmüll, wie Fahrräder findet. Es gibt reichlich Muschelbänke
und gerade bei Nachttauchgängen sieht man hier Egli und Hechte.
Tauchplatz 11: Mols, Hafen West
Anfahrt wie Tauchplatz 10. Etwa 200 westlich des Parkplatzes einsteigen
und am besten zunächst Richtung Seezeichen schnorcheln (das rote Dreieck
= Untiefe), da der Grund hier sehr flach ist. Man kann fast zum Seezeichen
waten. Wenn man dann Richtung Norden taucht, geht der flache Grund in etwa
8m Tiefe in eine Steilwand über, der man nach Osten folgen sollte.
Sie ist durchsetzt mit großen Felsspalten, in denen man oft Trüschen
findet. Teilweise bietet diese Wand sogar Überhänge. Die Felssohle
liegt auf etwa 35m.
Tauchplatz 12: Mols, Känzeli
Von Mollis aus auf der Seestrasse Richtung Walenstadt fahren. Etwa 50m
nach dem Hafen kommt eine Rechtskurve und man sieht auf der linken Seite
einen Parkplatz für etwa 10 Autos. Unterhalb des Parkplatzes befindet
sich eine Kanzel. Der Einstieg ins Wasser erfolgt über eine Metalltreppe
(Vorsicht im Winter ? glatt!). Oben auf der Kanzel befindet sich eine stationäre
Alphaflagge, die nur noch in Richtung See gedreht werden muss (zurückdrehen
nach dem TG nicht vergessen ? sofern keine anderen Taucher im Wasser sind).
Dieser Tauchplatz ist nur etwas für erfahrene Taucher und man sollte
beim ersten mal nach Möglichkeit jemand Ortskundigen mitnehmen, sonst
wird dieser Platz sehr schnell zur Enttäuschung.
Hier liegen 2 Wracks von Alten Kohlefrachtern relativ dicht beieinander.
Das erste, größere und auch interessantere Wrack liegt auf 32m,
das zweite, etwas kleinere auf 15m einige Minuten entfernt.
Es gibt zwei Möglichkeiten des Antauchens:
Die leichteste, jedoch Luftverschwendenste (von Dekopflicht mal ganz zu
schweigen), ist das antauchen. Wenn man den Kompass auf 0 Grad stellt und
lostaucht, gelangt man nach einiger Zeit an das erste Wrack. Bis auf 15m geht
es relativ steil abwärts, danach fällt der Boden nicht mehr ganz
so schnell ab und wird dafür schlickig. Das Wrack liegt etwa 100m vom
Einstieg entfernt!
Nur für absolute Könner von freien Abstiegen ist diese Variante:
Mit Kompasspeilung auf 0 Grad herausschwimmen. Soweit, bis man in Mols
das große rosafarbene Haus (Hotel Schifffahrt) so gerade hinter der
Geländenase erkennen kann. Bei Nachttauchgängen ist das Haus,
was am hellsten erleuchtet ist :).
Macht man hier einen Abstieg, landet man bei etwa 32m genau auf dem Bug
des ersten Wracks. Man kann dieses Umrunden und in den Maschinenraum hineinsehen.
Penetrierbar sind beide Wracks übrigens nicht. Es gibt auch nichts
spektakuläres zu sehen oder gar mitzunehmen. Taucht man nun an der
rechten Wrackseite entlang, gelangt man zu einem Ausleger (es könnte
auch ein alter Strommast sein), der neben dem Boot liegt. Wenn man an der
ersten Querverstrebung angelangt (kurz vor dem Heck des Wracks) und dann
die Peilung auf 15 Grad einstellt, gelangt man nach einigen Minuten zum
zweiten Wrack. Wenn man dies gemütlich umrundet hat und wieder zum
ersten zurückgekehrt ist, ist man bei etwa 20-25 Minuten und somit
schon in der Deko.
Man kann nun entweder 180 Grad austauchen und sich die alte Tauchglocke
ansehen, die jetzt auf dem Grund liegt, halb versandet, oder aber sich leicht
westlich halten, um zur Muschelbank zu gelangen, die jedoch recht weit entfernt
ist.
Die Sichtweiten schwanken sehr stark. Durch den Schlickgrund und des Tarierens
unvermögender Taucher, ist sie am Wochenende im Sommer meist sehr schlecht.
Am besten geeignet sind dort Tauchgänge unter der Woche.
Alle Bilder © Jessica Brühl - Nutzung nur mit ausdrücklicher
Erlaubnis
Angaben nach bestem Gewissen, jedoch ohne jegliche Gewähr