Meeresschule Valsaline, Pula/Kroatien

 Geschrieben von Harry

Meeresschule Valsaline, Pula/Kroatien


von Harald Mathä

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Ende Mai in Kroatien- Ich gleite etwa einen, zwei Meter über den Felsen in der Hausbucht von Verudela bei Pula. Es ist der wasweissichdennwievielte Tauchgang hier in den letzten Jahren.

Die Sicht ist hier mit weniger als 10 Metern nicht gerade prickelnd und mit Ausnahme eines kleinen Heringskönigs gab’s bisher nicht viel "Besonderes" zu sehen. Eigentlich ein langweiliger Tauchgang und die Zweifel, ob der 5 mm Naßtauchanzug bei 20°C Oberflächentemperatur für einen sonst verweichlichten Trockentaucher die richtige Wahl war, beschäftigen mich mehr als die unscheinbare Meeresfauna und -flora unter mir. "Eigentlich gibt' s hier gar nix zu sehen", denk ich mir noch...

Es ist einer der üblichen Checktauchgänge eben, bevor es "raus", also hinaus an die vorgelagerten Inseln zum Tauchen geht...

Zwei Tage später: zusammen mit einigen anderen Interessierten sitze ich in einem Lehrsaal, der mit Mikroskopen, Aquarien, Schautafeln sowie allerlei unbekannten Gerätschaften ausgestattet ist und- lausche dem Vortrag über ganz unscheinbare und kleine Lebewesen im Mittelmeer.

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Wir sind hier in der Meeresschule Valsaline in Pula/Kroatien und haben uns zu einem Einführungskurs in Meeresbiologie, genauergesagt für die Teilbereiche "Hydrozoa- Hydropolypen" und "Bryzoa- Moostierchen" eingeschrieben.

Hydrozoa...hmmm... wer hätte gedacht, wie viele interessante Details es über diese millimetergroßen Nesseltiere zu erfahren gibt. An der vor Sediment geschützten und gut mit Nahrung umspülten Unterseite von Überhängen und Höhlen sollen sie also zu finden sein....bäumchenartig wie auch gefiedert, blättrig und verzweigt sollen die kleinen Lebewesen sein. Und am Ende jedes "Astes" befinden sich Tentakel von der Größe eines Millimeterbruchteils die sich bei der Wahrnehmung einer Gefahr blitzschnell zurückziehen können. Und dann noch die bei Fotografen beliebte violette Nacktschnecke, die sich von eben diesen Hydropolypen ernährt und deren Nesselkapseln zu ihrem eigenen Schutz verwendet.

Oder: sehet die Moostierchen... welchem Taucher ist nicht schon einmal eine abgebrochene Trugkoralle oder ein oranger Neptunsschleier am Boden einer Höhle oder unter einem Überhang aufgefallen? Interessant, sehr interessant, das Alles...

Aber: Meeresschule in Pula- was ist das nun?

In einem Gespräch mit dem Gründer, dem Biologen Gerwin Gretschel sollte ich mehr erfahren.

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Er gründete die Meeresschule Valsaline im Jahre 2001 zusammen mit dem Kroaten Vladimir Miljevic. Sie befindet sich auf der Halbinsel Istrien im Südwesten Pulas und ist in einem ehemaligen Militärkomplex untergebracht.

Sein Hauptziel sieht Gerwin in der Vermittlung von meeresbiologischen Wissen für Taucher, Schnorchler, Studenten, Pädagogen, Schulklassen sowie für alle andere Interessierten.

Die Meeresschule finanziert sich durch ebendiese Kurse.Finanzielle Zuwendungen aus Kroatien oder Österreich -der Heimat von Gerwin- gibt es praktisch nicht.

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Direkt neben der Meeresschule liegt ein einheimisches Restaurant gelegen,in dem man auch einige Zimmer mieten kann.

In Zusammenarbeit mit kroatischen Tauchclubs wird auch Tauchaus- und Fortbildung nach CMAS-Richtlinien angeboten.

Ausgebildeten Tauchern sind auch Wracktauchgänge an den beliebten Wracks vor der Küste von Istrien möglich (Kooperation mit Tauchbasis "Indie").

Doch wieder zurück zu unserem meeresbiologischen Kurs! Den Kopf voller interessanter Neuigkeiten haben wir inzwischen aufgerödelt und tuckern mit einem kleinen Boot der Meeresschule zum Tauchplatz Valovine, wo wir das eben erlernte nun auch unter Wasser suchen, (er)kennen und anwenden wollen.

Die neuen bürokratischen Tauchbestimmungen in Kroatien begegnen uns auch hier wieder. Wir wollen uns an dieser Stelle aber nicht länger damit aufhalten!

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Und tatsächlich! In nur wenigen Metern Tiefe zeigt uns Gerwin schon die ersten Strukturen der zerbrechlichen Neptunsschleier unter einem Torbogen. Dort finden wir auch überall die fragilen Trugkorallen und die orangeroten Krustenmoostierchen!

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Nach dem durchtauchen einer langen Höhle, die auch unser "Tauchküken" Daniela wie ein alter "Seehase" meistert, kommen wir zum Eingang einer großen Grotte. Diese führt tief in den Karst. Hier stoßen wir im strömungsreichen Halbdunkel auch auf die erste Bäumchenpolypen, deren winzige Tentakel nur wenige Zentimeter von der Tauchmaske entfernt deutlich erkennbar sind.

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Nachdem wir auch einen Fiederpolypen entdeckt haben, wollen wir noch die große Grotte hinter uns erkunden. Nachdem wir mit unseren Lampen weit ins Innere der Felsküste getaucht sind, kommen wir zu einem ebenso weiten wie hohen kathedralenähnlichen Raum. Dessen Ausmaße sind selbst im Schein unserer Lampen nur zu erahnen.

Hier entdecken wir an der Wasserlinie auch Pferdeaktinien, die hier im ewigen Dunkel leben. Die Fledermäuse, die hier auch leben sollen, können wir nicht entdecken.

Wieder zurück im Meer werden wir unerwartet und von einem unglaublich großen Schwarm Meeräschen eingeschlossen. Hunderte, wenn nicht gar tausende Exemplare dieser etwa 30 cm großen silbrigen Leiber schwimmen mit synchronen, pulsartigen Bewegungen um und zwischen uns hindurch.Selbst unserer Meeresbiologe hat eine derartige Ansammlung von Meeräschen noch nie gesehen und vermutet, daß hier eine Zusammenkunft zur Paarung stattgefunden haben könnte.

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Nach dem gemütlichen Ausklang dieses lehr- und erlebnisreichen Tages tauche ich beim nächsten Mal wieder- frisch motiviert in der Adria, wo nun nach über 80 Jahren, wieder Österreicher der Forschung und Lehre des Meeres nachgehen!

Man sieht eben nur, was man weiß!

Allen nun Neugierig gewordenen, möchte ich den Geheimtipp Meeresschule Valsaline in Pula wirklich weiterempfehlen:

Meeresschule Valsaline
Meeresbiologische Kurse& Tauchkurse
Valsaline 31
52100 Pula, Hrvatska/Kroatien
Tel.: +358-52-382 250
Mailkontakt
www.meeresschule.com

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© 2003 Bilder und Text 2003 by Harald Mathä


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