Im Juni waren wir auf der Suche nach etwas, was wir als Taucher normalerweise
übersehen: die Kleinstlebewesen im See. Doch wenn man genau hinschaut,
eröffnet sich dem Betrachter eine fantastische Welt - schön, interessant,
grausam.
Groß frißt Klein, so ist das schon seit Millionen
von Jahren. Die Großen in einem See sind die Fische. Raubfische, wie zum
Beispiel die Hechte fressen kleinere Fische, wie zum Beispiel Barsche.
Barsche wiederum ernähren sich von Kleintieren aller Art, und dazu gehören
Bachflohkrebse und auch Köcherfliegenlarven. Und in diese Dimension wollen
wir uns diesmal begeben, in die Welt der Insektenlarven, Minikrebse und
Minimedusen.
Wer würde es für Möglich halten,
daß dieses Krabbeltier eines Tages mit vier durchsichtigen Flügeln
über unsere neoprenhaubengeschützten Köpfe flattern wird - die
Köcherfliege. Ihre Larve aber lebt im Wasser. Um sich vor Freßfeinden
zu schützen, tarnt sich die Köcherfliegenlarve mit Bodenmaterial
aus ihrem Biotop. Sie kleben nämlich Pflanzenmaterial oder Steine an
ihren schützenden Seidenkokon. Diese Köcherfliegenlarve hier hat
sich mit kleinen flachen Steinchen getarnt. Einige dieser nachtaktiven
Arten leben räuberisch, andere als Filtrierer oder Aufwuchs-Fresser.
Dieser Vertreter
des Mini-Universums gehört zu den Flohkrebsen. Normalerweise verbergen
sie sich unter Steinen und Laub da sie die bevorzugte Beute
von Barschen sind. Aber ihr Genuß ist nicht ohne: im Vergleich zu dem sie
umgebenden Lebensraum Wasser, haben sie im Schnitt eine 500-fach angereicherte Konzentration von Umweltgiften in ihrem Körperfett.
Dieser Flohkrebs
hat sich verschwommen. Auf seiner Suche nach Nahrung ist er in diese schlauchartige Alge hineingeschwommen und kann nun den Ausgang nicht mehr finden. Deshalb sind seine Überlebenschancen im Moment sehr
schlecht... Es gibt auch Unfälle unter Wasser. Das hier ist wohl
so einer.
Auch wenn
sie ein Vertreter der "Kleinen" ist, so ist sie auf der Seite der
Fleischfresser zu finden. Wir Taucher nehmen sie eigentlich nur
als schnell dahinschießende kleine rote Kugel wahr: die Süßwassermilbe. Von ihr gibt es im Süßwasser 450 Arten. Während ihre Larven parasitär an anderen Insekten leben, sind die erwachsenen Tiere Räuber.
Auch hier
ist ein Räuber zu finden. Mit dem saugnapfähnlichen Fuß hat sich
ein Hydropolyp auf einer Zebramuschel niedergelassen. Er gehört
zu den Hohltieren, die wir meist als Quallen und Korallen kennen.
Hier aber handelt es sich um einen festsitzenden "Polypen" der mit
Giftpfeilen, Harpunen und Lassokapseln an den Tentakeln seine
Beute fängt, vergiftet und schließlich verzehrt.
Wie auch die Flußkrebse gehört dieser Winzling zu den Decapoda, den
Zehnfüßern. Doch dieser nur wenige Millimeter große Winzling lebt in Schwärmen von mehreren Tausenden seiner Art. Wie der Krill in den Gewässern
der Polarregion dient er Fischen als Nahrung. Selbst ernährt er
sich als Filtrierer von noch kleineren Einzellern und Algen.
Das war
ein kurzer Ausflug in eine Welt, die normalerweise kaum von Tauchern
beachtet wird. Wenn mal gerade kein Wrack oder Riesenhecht parat ist,
sollte man sich die Zeit nehmen und nach diesen Wundern der Natur Ausschau halten. Diese Minimonster sind zudem viel häufiger als Großfische oder Wracks überall in unseren Gewässern zu finden. Für einen Besuch bei ihnen benötigt man
noch nicht einmal eine Spezialausrüstung. Beim nächsten scheinbar langweiligen
Tauchgang kann man durch genaues hinsehen und beobachten "Action" in
den Tauchgang bringen. Versucht es doch einmal!
Du möchtest Dich einfach mal zurücklehnen und Tauchbilder aus der ganzen Welt geniessen? Dann ab in unser Tauchfoto-Archiv. hier findest Du viele Impressionen die Lust auf den nächsten Tauchgang machen. Und - lade Deine Bilder ebenfalls hoch!
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