Im August 2002 versank die Caprice, nachdem sie von einem treibenden Boot
gerammt wurde. Das andere Segelboot hatte sich vermutlich während eines starken Sturmes
von seiner Bojenkette losgerissen und trieb in nördlicher Richtung auf
den Ort Leoni zu. Die an ihrem Bojenplatz liegende Caprice wurde knapp oberhalb
der Wasserlinie gerammt. Es entstand ein Loch im Rumpf von ca. 40x 35 cm Größe.
Die Caprice sank sehr schnell auf eine Tiefe von 18 m, und lag nun aufrecht
auf dem ca. 30 Grad abfallenden, rutschigen Grund.
So wurde die Segelyacht vorgefunden
März 2003: Hurra, wir haben ein neues Wrack entdeckt. Ein erst vor
kurzem untergegangenes Segelboot bereichert den Seegrund für die Sporttaucher!
Natürlich gibt es auch einen Nachteil. Es ist vom Ufer aus, wegen
fehlenden Parkplätzen, nicht einfach zugänglich. Es liegt mit
dem Bug abwärts auf dem abfallendem Seegrund.
Die Einrichtung ist noch vorhanden, von einem Betauchen kann wegen der
instabilen Lage nur abgeraten werden. Der Mast liegt neben dem Schiff auf
dem Seeboden. Der Grund des Untergangs ist auf der Backbordseite zu erkennen.
Ein schönes großes Loch befindet sich knapp über der Wasseroberfläche.
Bei diesem Fund waren dabei: Lino + Lena, Uli, Uli-Flo, Theo und unser
Schlatter-Hanse.
Im folgenden einige Unterwasser-Impressionen vom Segelboot:
Das Kennzeichen wurde geschwärzt
Auf der linken Seite(Backbord)sieht man die Beschädigung die zum Untergang führte.
Sediment bedeckt schon die Oberfläche des Bootes
Ausrüstungsgegenstände im Boot
Schlatter-Hanse beim genauen Erkunden
Blick in die Kajüte
Schlatter-Hanse
Unser Team von oben aus gesehen
Lino sucht etwas
Auf dem Rückweg fanden wir noch ein Badeboot
Teil 2 - Bergung (Mai 2003)
Im Auftrag des Eigentümers sollte die Caprice geborgen werden.
Die Bergung sollte in folgenden Schritten ablaufen:
1. Sicherung des Bootes mit einer Leine zum Land (gegen ein Abrutschen
in größere Tiefen).
2. Bergung der Kleinteile (Mast, Segel etc...).
3. Anbringen der Hebesäcke und Bergung des Bootes.
4. Schleppen des Bootes zur Werft.
5. Reparatur des Lecks, auspumpen und verladen.
Bergung am Dienstag den 20. Mai 2003, 15.00 Uhr.
Das Wetter zeigte sich nicht von der besten Seite für unsere Bergung.
Große Wolkenformationen zogen mit sehr großer Geschwindigkeit
von Westen kommend über den See. Die Sturmwarnlampen gingen an und
das Polizeiboot sicherte den Bergeplatz.
Flaschenwechsel bei diesem Wetter im Trocki das Schönste. Auf dem
Steg die frierenden und durchnäßten Eigner des Segelbootes und die
Sachverständigen der Versicherung. Rechts das Aluboot der Werft, zum
Einsatz bereit. Links am Bildrand sind die Hebesäcke zu sehen.
Nachdem Uli das Sicherungsseil am Heck des Bootes befestigt hatte und gleich
das Großsegel mit nach oben brachte das zusammengerollt im Boot lag, tauchte die erste Gruppe an der Sicherungsleine zum Wrack. Dort wurden die
Gurte für die Hebesäcke angebracht. Bedingt durch die Jahreszeit
und den starken Wind war der See extrem aufgewühlt und die Sicht war
bis auf 25 Meter ziemlich eingeschränkt. Die Gurte mußten unter dem
Rumpf, vor und hinter dem Kiel des Bootes durchgezogen werden. Sie wurden
mit starken Tauen verknotet und miteinander verbunden, um dem großen
Hebesack in der Mitte des Bootes einen guten Halt zu bieten. Gegen ein Verrutschen
der Gurte zum Heck oder zum Bug und um einem eventuellen Verlust des Bootes
vorzubeugen, wurden die Gurte mit gekonnten Seilschlingen und teilweise abenteuerlichen
Knoten gesichert.
Danach begann die zweite Gruppe die Kleinteile, wzB. Mast etc. zu bergen.
Es wurden dann insgesamt 8 Hebesäcke ( 1 x 500 kg mittig und
7 x 65 kg) an den vorbereiteten Gurten und am Bug und Heck angebracht.
Wir hatten den Abtrieb des Bootes auf ca. 250 kg geschätzt, um es aber aus dem schlammigen Grund zu befreien, waren aber ca. 600 kg Auftrieb
nötig.
Der Wind peitscht über den Starnberger See
So lag das Boot auf seinen zwei Kielen, mit dem Bug nach unten.
Die Bergegurte sind schon verschnürt,das Segel aus dem offenen Heck schon geborgen.
Blick in die Kajüte
Wrack-Uli und Hubert überprüfen zum letzten mal die Befestigungen der Hebesäcke um ein Scheitern der Aktion zu verhindern.
Langsam hebt sich das Wrack zur Oberfläche.
Fast ist die Oberfläche erreicht, schemenhaft sind die Taucher im trüben bewegten Wasser zu sehen.
Nur noch der Anker ist auf Grund. Er lag unter dem Boot und konnte erst jetzt geborgen werden.
Sicher schwebt das Boot zum Ufer in seichteres Wasser
Das Boot bewegte sich zügig, aber nicht zu schnell und sehr stabil
zur Oberfläche.
Nachdem die Hebesäcke aus der Wasseroberfläche schauten, begannen
die Bootseigner und die Versicherungsvertreter das Wrack an der Sicherungsleine
so weit wie möglich einzuholen.
Den Tauchern wurden Leberkässemmeln gereicht.
In ca. 4 m Tiefe wurde es erneut auf Grund gesetzt, um mit der zweiten
Gruppe die Hebesäcke so zu platzieren, daß das Boot möglichst
dicht unter die Wasseroberfläche gehoben wurde. Das war natürlich
in dieser geringen Tiefe ein wesentlich kleineres Problem, als bei 18 m
mit Dunkelheit und dem im Schlamm eingesunkenen Kiel.
Die Hebesäcke sind neu angebracht,das Aluboot nimmt langsam Fahrt zur Werft auf.
In den ruhigeren Gewässern der Werft ist das Boot schon zu erkennen.
Am Steg wartete bereits das Boot der Werft Simmerding, um das Wrack an
den Haken zu nehmen und es vorsichtig zur ca. 800 Meter entfernten Werft
Simmerding zu schleppen. An der Anlegstelle der öffentlichen Schifffahrt
in Leoni schnellte unser Puls noch einmal in die Höhe. Hier konnten
wir ein Problem mit den Hebesäcken am wenigsten gebrauchen.
An der Werft angekommen wurde es in einer Tiefe von ca. 2 m auf Grund gesetzt,
nachdem es nicht in die Slippanlage gezogen werden konnte. Wir versuchten
das Leck abzudichten, die Hebesäcke abzunehmen und das Boot leer zu
pumpen, was uns aber in der Dunkelheit nicht gelang. Hier zeigten sich auch
die Nachteile der äußerst sicheren, aber schwer zu lösenden
Verknotung. Letztendlich mussten wir die Verbindungsseile mit dem Messer
kappen.
Das Boot wird mit einem Geländewagen der Werft
in flaches Wasser gezogen.
Am nächsten Tag wurde das Boot noch etwas weiter an Land gezogen.
So war es möglich stehend, mit dem Kopf über Wasser, eine dünne
Sperrholzplatte über dem Leck zu verschrauben. Was uns gestern bei
dem starken Wellengang und der Dunkelheit ohne Gegendruck nicht gelang.
Danach wurde das Wrack mit Hilfe von zwei großen Alurumpfbooten
soweit aus dem Wasser gehoben, dass sich das Heck leicht über dem Wasserspiegel
erhob.
Die Werft pumpte es nun mit zwei Hochleistungspumpen leer. Nun konnte die
Caprice schnell in die Slippanlage gefahren werden, um es im Trockenen mit
einem Kran auf ihren Anhänger zu heben. Jetzt begutachteten zwei Experten
der Versicherung die Schäden und der Eigner konnte mit seinem beschädigten
Liebling nach Hause fahren.
Die Sachverständigen bei der Arbeit
Ein- und Aussichten.
Der letzte Wasserrest wird ausgepumpt um das Gewicht zu reduzieren..
Der letzte Akt des "Dramas"
Wie gerne hätten wir das Wrack an seiner Stelle gelassen um vielen
Tauchern einen schönen Tauchgang zu ermöglichen.
Vielen Dank an alle Beteiligte der Bergungsaktion:
Hubert Hubal, Lino von Garzen und Uli Mößlang (UW-Bilder), Thomas
Leidinger, Hans Georg Hunstein, , M. und A. Ringelhan, Basti Henneke und Olaf
Jung, der Bootswerft Simmerding und der Wasserpolizei.
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