| © 2003 Reinhard Öser

Der Deutschen Reichsmarine gehörten im Dreikaiserjahr 1888
insgesamt 15.480 Personen an, darunter 534 Seeoffiziere. Der Schiffsbestand
umfaßte 13 zum größten Teil veraltete Panzerschiffe, acht
im Auslands- und Schuldienst eingesetzte Kreuzerfregatten, 19 Kreuzerkorvetten,14
kleine Küstenpanzerfahrzeuge, je fünf Kreuzer und Kanonenboote,
zehn Schulschiffe sowie einige weitere kleine Fahrzeuge. Das Reich besaß
jedoch kein den Anforderungen der Neuzeit vollkommen entsprechendes Schiff,
hieß es in einer Denkschrift. Die Schlachtflotte bestand demnach
in der Masse aus noch brauchbaren, aber nicht mehr zeitgemäßen
Schiffen, deren Minderwertigkeit in demselben Maße zunahm, wie andere
Nationen auf dem Gebiet des Baus von Schlachtschiffen fortschritten. Damit
stand die deutsche Flotte ihrer zahlenmäßigen Größe
nach an sechster Stelle in der Welt.
Doch es gab eine Reihe von positiven Veränderungen in Deutschland
die als recht aussichtsreich betrachtet wurden, wie zB. ein flottenbegeisterter
Kaiser, eine expandierende Wirtschaft und eine gewisse Klärung der
technisch-schiffbaulichen Tendenzen. Mit dem Ausscheiden von General Georg
Leo Graf von Caprivi de Caprera de Montecuccoli, dem bisherigen Chef der
Admiralität, ergab sich in der anschließenden, marinepolitisch
etwas konzeptionslosen Übergangszeit die Chance für den in der
Gunst des Kaisers stehenden Stabschef der Marinestation Ostsee, Kapitän
zur See Alfred Tirpitz.
Alfred Tirpitz als Konteradmiral
Er verbesserte die Gefechtsausbildung der Flotte. In dieser Zeit wurde
auch die militärische Seite in der strategisch-taktischen Admiralsstabsarbeit
planmäßig weiterentwickelt. Damit ergab sich die Chance für
eine Überlegenheit der Deutschen Reichsmarine über andere Marinen.
Voraussetzung war jedoch, daß man bei der militärischen Entwicklung
der eigenen Marine den richtigen Weg einschlug.
In einer von Tirpitz niedergelegten Denkschrift vom April 1891 wurde
noch mal unterstrichen, daß die strategische Zielstellung der Flotte
nur darin bestehen könne, eine gegnerische Seemacht unter Aufbietung
des gesamten vorhandenen Schiffsmaterials in offener Seeschlacht zu schlagen.
Dementsprechend sollte ein Teil der Schlachtflotte mit aktivem Personal
besetzt und in Dienst gehalten, der Rest als Reservedivision formiert werden.
Diese Reservedivision sollte im Falle einer Mobilmachung den aktiven Geschwadern
angegliedert werden. Vorerst standen Tirpitz` Forderungen und Empfehlungen
zur gründlichen militärischen Entwicklung der Flotte nur auf
dem Papier. Um das auf die gesamte Flotte zugeschnittene Programm zu realisieren,
bedurfte es vor allem der Gunst des Kaisers.
Kaiser Wilhelm II in Marineuniform
Die rasche wirtschaftliche und industrielle Entwicklung, der damit verbundene
Drang nach neuen Rohstoff- und Absatzmärkten, sowie ein anhaltender
Bevölkerungszuwachs bewirkte den Ausbau wie auch eine Erweiterung
der Kolonialpolitik und der damit einhergehenden Schutzinteressen. Für
Deutschland bedeutete das in Folge nicht nur ein koloniales Expansionsbestreben.
Die Kolonien mußten gegen potentielle Störer der deutschen Kolonialinteressen
auch mit militärischen Machtmitteln in Schach gehalten werden können.
Hiermit begründete Tirpitz auch die Flottenrüstungspläne.
Denn so Tirpitz wörtlich: "Ein Staat, der Seeinteressen oder was
hierfür gleichbedeutend ist, Weltinteressen hat, muß sie vertreten
und durch seine Macht über seine Territorialgewässer hinaus fühlbar
machen können."
Nationaler Welthandel, Weltindustrie, Hochseefischerei, Weltverkehr
und Kolonien waren in diesem Sinne also nur möglich wenn Deutschland
auch eine offensive Flotte besäße, die im Frieden als Druck-
und Drohmittel fungieren könnte, im Krieg gegnerischen Seemächte
hindern könnte, gegen Interessen des Reiches vorzugehen.
Mit der Annahme des ersten Flottengesetzes am 28. März 1898 durch
den Reichstag wurden die aus der Feder von Tirpitz stammenden Grundsätze
und Richtlinien umgesetzt. Neben einem Flottenflaggschiff,18 Linienschiffen,
acht Küstenpanzerschiffen und zwölf Großen Kreuzern sollte
das Gros der neuen Marine aus 30 neuen Kleinen Kreuzern bestehen. Neu- und
Ersatzbauten von Kriegsschiffen wurden also forciert. Ein fliegendes Geschwader konnte somit dorthin entsandt werden, wo deutsche Interessen einen Schwerpunkt
bildeten, oder aber bedrohliche transatlantische Verwicklungen unmittelbar
bevorstanden. Nun bereits zum Staatssekretär im Reichsmarineamt ernannt,
bezog der außerdem zum Konteradmiral beförderte Alfred Tirpitz
England in den Mittelpunkt seiner flottenpolitischen Überlegungen
mit ein. Der weitere Ausbau der Flotte geht in der Annahme von der schwierigsten
Kriegslage aus. Diese bestünde nunmehr nicht in einem Seekrieg
gegen Frankreich oder Rußland, sondern aus einem Seekrieg gegen England
-dem zur Zeit gefährlichsten Gegner zur See. Somit wurde der Ausbau
der Kreuzerflotte strategisch noch wichtiger. Darin waren der Kaiser und
sein Admiral sich einig.
Links Kaiser Wilhelm II, in der Mitte Großadmiral
von Tirpitz
Doch bisher konnte man sich unter dem Begriff eines Kreuzers noch wenig
vorstellen. Bisher waren die Schiffe dieser Klasse noch Zwitterwesen. Schiffe
eben, die noch Segel am Mast führten, aber auch mit einer Dampfmaschine
angetrieben wurden. Die ersten Kriegsschiffklassen, die späteren Kreuzern
ähnlich sein sollten, waren die Avisos der Wacht- und Meteor-Klasse
bzw. der Gefion- und Hela-Klasse. Diese Experimentalschiffe waren zwar
erst seit einigen wenigen Jahren bei der Flotte, konnten aber als unmittelbare
Vorläufer der damaligen Kreuzer angesehen werden. Die erste regelrecht
als Kreuzer geplante und gebaute Kriegsschiffklasse in der Deutschen Reichsmarine
war die Gazelle-Klasse.
Etwas altmodisch wurden Schiffe dieser Klasse als "Kreuzer IV. Classe"
bzw. auch als "Kleine Geschützte Kreuzer" bezeichnet. Sie beruhten
auf den Amtsentwürfen von 1895-1896 sowie 1897-1900 und waren Quer-
bzw. Längsspant-Stahlbauten. Das "Geschützt" in der Bezeichnung
"Kleine Geschützte Kreuzer" deutete schon an,daß diese Kriegsschiffe
im Vergleich zu anderen gepanzert waren. Die Panzerung bestand aus zwei
Lagen Stahl und einer Lage "Krupp". Deck, Sülle, Kommandoturm und Geschützschilde
wiesen denn auch zwischen 20 und 80mm Dicke auf.

Eines der Schiffe dieser Klasse war der Kreuzerneubau "J". Mit diesem
105m langen und 12,4m breiten Projekt erhielt die Howaldts-Werft in Kiel
den ersten Auftrag der Kaiserlichen Marine für ein modernes Kriegsschiff.
Der 2.152 BRT große Bau mit der Nummer 390 wurde am 28. September
1901 auf Kiel gelegt. Im Laufe der Zeit nahm er Gestalt an und verschlang
allerlei technische Installationen. Eine davon war die Maschinenanlage
mit ihren zwei stehenden Vierzylinder- Dreifachexpansionsdampfmaschinen.
Diese bezogen ihren Dampf aus neun Marinekesseln der AG "Germania" aus
Berlin-Tegel. Die in zwei Kesselräumen entfesselte Kraft von 8.696
PSi wurde auf zwei dreiblättrige Schrauben mit jeweils einem Durchmesser
von 3,5m übertragen und ermöglichte
eine Maximalgeschwindigkeit von 21,5 Knoten bzw. bei Verbrauch des
maximalen Kohlevorrates von 700t eine Reichweite von 4.400 Seemeilen bei
12 Knoten Fahrt.
Die an Bord installierte Bewaffnung umfaßte zehn 10,5cm L/40
Schnellfeuerkanonen, die eine Reichweite von 12,2 km hatten und denen jeweils
ein Vorrat von 1.500 Schuß Granatpatronen beigegeben waren. Die Anfangs
noch an Bord befindlichen vierzehn 3,7cm-Maschinenkanonen wurden später
entfernt. Die Torpedobewaffnung in Form zweier jeweils einzeln Backbord
wie Steuerbord installierter Unterwasser- Breitseitentorpedorohre blieb
jedoch mitsamt ihres Vorrats von fünf 45cm-Torpedos an Bord.
Nach Beendigung der Werftarbeiten erfolgte am 11. Dezember 1902 der
Stapellauf. Mit Genehmigung des Kaisers übernahm der Deutsche Flottenverein
die Patenschaft über das bei diesem Anlaß nach einem weiblichen
Wassergeist des Mittelalters auf den Namen SMS Undine getaufte Schiff.
Nach dem weiteren Ausbau und der Ausrüstung des Schiffs wurde es schließlich
am 5. Januar 1904 unter dem Kommando von Korvettenkapitän Karl Schaumann
zu Probefahrten Indienstgestellt. Zehn Seeoffiziere, zwei Marine-Ingenieure,
jeweils ein Sanitäts-Offizier, ein Zahlmeister und zwölf
Deckoffiziere sowie 249 Unteroffiziere und Mannschaften übernahmen das
4.653.000 Reichsmark teure Schiff und gingen mit ihm bis zum 23. März
in See um es auf Herz und Nieren zu testen.

Auf diesen Probefahrten wurden erstmals auf einem Schiff Erprobungen
mit dem neuen Kreiselkompaß der Firma Anschütz-Kämpfe vorgenommen.
Während das Schiff in See stand, stellte man auch die ihm anhaftenden
Seeeigenschaften fest.
SMS Undine war rank, stark schlingernd und
gegensee naß. Trotzdem manövrierte und drehte der neue Kleine
Kreuzer sehr gut.
Bei Abschluß der Testphase wurde es nach Wilhelmshaven überführt, dort am 30. März außer Dienst gestellt und bis zum 5. Januar
1905 in Reserve gehalten. Da die alte Kreuzerkorvette SMS Carola
den Anforderungen an ein modernes Artillerie-Schulschiff nicht mehr erfüllte,
wurde nun SMS Undine für diese Aufgabe aktiviert, erprobt und
am 4. Februar nach Kiel verlegt. Nach diversen Übungen und Manövern
kam es bei einer Nachtübung im Hochseeschießen in der Zeit vom
08. bis zum 12. Oktober vor Bülk zu einer Kollision mit dem Führerboot
der IV. Torpedobootsdivision der Schulflottille SMS S 126. Dabei
wurde SMS S 126 auf der Höhe des vorderen Heizraumes von dem
Bug der abgeblendet fahrenden SMS Undine in zwei Teile geschnitten.
Die 33-köpfige Besatzung des Torpedobootes ertrank. Das bei dieser
Havarie ebenfalls beschädigte SMS S 127 konnte von SMS Undine
in den nächsten Hafen eingeschleppt werden. Die Folgejahre des Leichten
Kreuzers sind angefüllt mit einigen, wenigen Aufenthalten in der Wilhelmshavener
Werft zu Reparatur- bzw. Überholungsarbeiten. Ansonsten läuft
der Dienst auf dem Artillerie-Schulschiff reibungslos. Im Jahre 1909 macht es einen Auslandsbesuch im norwegischen Larvik und wird für
die Herbstmanöver der Hochseeflotte in der Ostsee der III. Aufklärungsgruppe
zugeteilt.

Und so vergehen die Jahre mit ihren großen und kleinen Aufgaben
für dieses Schiff. Am 12. Juli 1912 wird das mittlerweile über
acht Jahre in Dienst stehende Schiff in Danzig außer Dienst gestellt
und nach einer Grundreparatur in die Reserve der II. Bereitschaft eingestellt.
Aus diesem Dornröschenschlaf wird es erst wieder bei Ausbruch des
1. Weltkrieges geweckt. Nun braucht man jedes Schiff, auch die älteren.
Am 4. August 1914 wird die SMS Undine wieder in Dienst gestellt
und tritt zur Küstenschutzdivision der Ostsee. Hier übernimmt
sie zunächst Sicherungsaufgaben in der westlichen Ostsee. Dann wurde
sie dem Detachierten Admiral in der östlichen Ostsee, Konteradmiral
Behring unterstellt und sicherte auf der Linie Moen-Dornbusch. Bei dem
Vorstoß des Oberbefehlshabers der Ostseestreitkräfte Großadmiral
Prinz Heinrich von Preußen zum Finnischen Meerbusen kommt es am 8.
September zu einer Maschinenhavarie, die in Danzig und Kiel beseitigt
wurde. Am 18. Oktober war der Kleine Kreuzer wieder einsatzbereit und übernahm
den Sicherungsdienst auf der Linie Trelleborg-Saßnitz. In der Zeit
vom 14. bis 17. April 1915 beschoß die SMS Undine im Unterstellungsverhältnis
zum oe. Detachierten Admiral russische Stellungen bei Buddendiekshof und
Memel. Ab dem 19. April nahm es wieder Sicherungsaufgaben in der westlichen
Ostsee wahr. Am 7. November begleitete das deutsche Kriegsschiff
die Eisenbahnfähre SS Preussen von Saßnitz nach Trelleborg.
Dies war auch dringend notwendig. Denn vor einigen Monaten waren britische
U-Boote in die Ostsee eingedrungen um in diesem Seegebiet auf der Seite
Rußlands U-Bootkrieg gegen das Deutsche Kaiserreich zu führen.
Im Gegensatz zu den russischen U-Booten waren die bei Dvina nahe der estnischen
Stadt Reval in der Balten-Flottille zusammengefaßten britischen U-Boote
sehr effektiv in der Bekämpfung des für das Kaiserreich kriegswichtigen
Erzverkehrs zur See von Schweden nach Deutschland. Und so verwundert es
nicht, daß eines jener U-Boote zur selben Zeit in See stand wie die
SMS
Undine. Am 7. November sichtete das erst am 12. Juli unter dem
Kommando von Lieutenant-Commander Francis Newton Allan Cromie in Dienst
gestellte HM S/M E 19 ein von zwei Zerstörern begleitetes Kriegsschiff.
Zwar setzte Cromie zum Angriff an, jedoch brachte eine Kursänderung
des Verbands diesen außer Reichweite. Enttäuscht mußte
man auf HM S/M E 19 den Angriff abbrechen. Doch Cromie hatte schon
einiges an Erfahrung in der Ostsee gesammelt und dort immerhin schon sieben
Frachter versenkt, weshalb man ihn erst kürzlich zum Commander befördert
hatte. Er wußte, daß er sich nur in Geduld zu üben brauchte.
Früher oder später würde ihm wieder ein lohnendes Ziel vor
die Flinte laufen. Nur drei Stunden später und 18 Seemeilen nordnordöstlich
vor Arkona stieß das U-Boot auf halbem Weg zwischen Stubbenkammer
und Trelleborg dann auf -so berichten britische Quellen- einen Leichten
Kreuzer und einen Begleitzerstörer. Gemeint sein können nur SMS
Undine und SS Preussen. Schnell tauchte HM S/M E 19 und
startete seinen Angriff. Um 13.20 Uhr löste Commander Cromie auf eine
Entfernung von 1.100 yards aus dem Steuerbord-Torpedorohr einen seiner
45cm-Torpedos. Dieser traf den Kreuzer im Bugbereich. Dieser lief aus dem
Ruder und beschrieb qualmend einen weiten Kreis bevor er stoppte. Unter
dem Heck des torpedierten Schiffes hindurchtauchend setzte Commander Cromie
zu einem zweiten Angriff an und feuerte wiederum einen Torpedo ab. Auch
dieser traf -und ließ das Munitionsmagazin in die Luft fliegen. Anderen
Darstellungen zufolge traf der erste Torpedo mittschiffs und ließ
die Maschinenanlage ausfallen. Die Blasenbahn des zweiten Torpedos soll
von Besatzungsmitgliedern des zu Rettungszwecken bei SMS Undine
längsseits gegangenen Toredobootes
SMS V 154 rechtzeitig erkannt
worden sein, so daß das Torpedoboot so eben noch von SMS Undine
ablegen konnte bevor der Torpedo in den Bug des Leichten Kreuzers einschlug.
Wie auch immer. Commander Cromie beobachtete durch das Periskop, wie rotglühende
Sprengstücke vom Wrack nur 200 yards vor seinem Sehrohr in das Wasser
schlugen und tauchte weg. Innerhalb von drei Minuten sank die SMS Undine
über den Bug. Hierbei stürzten der vordere Mast und Schornstein
nach Backbord und erschlugen die dort im Wasser schwimmenden Schiffbrüchigen.
Nocheinmal kam das Heck des Leichten Kreuzers aus dem Wasser, ragte steil
auf und versank nach einigen Minuten wieder. Und so mußte die SMS
Undine auf die Verlustliste der Kaiserlichen Marine gesetzt werden.

Das Torpedoboot SMS V 154 sowie die Eisenbahnfähre SS
Preussen konnten fast alle schiffbrüchigen Besatzungsmitglieder
des Leichten Kreuzers retten.

Schwesterboot SMS V 151 unter Levensauer
Hochbrücke, Fährschiff SS Preussen
In einem geheimen Funkspruch des Admiralstabes der Marine Berlin an
den Chef des Marinekabinetts im Großen Hauptquartier Ost wurde Seiner
Majestät dem Kaiser gemeldet:
"Sechs Seeleute tot , fünf verwundet und acht vermißt. Durch
SMS
V 154 und Fährschiff SS Preussen großer
Teil der Mannschaft geborgen. Sind auf dem Marsch nach Kiel.
SMS Undine
war Patrouillien-Kreuzer für Sund-Stellung und für die Strecke
Saßnitz-Trelleborg."
Für seine Erfolge in der Ostsee wurde Commander Cromie vom russischen
Zaren mit dem St. Vladimir-Orden sowie dem St. Anne-Orden dekoriert und
zu einem Diner eingeladen. Erst im Frühling des nächsten Jahres
belohnte ihn dann auch die eigene Truppe: er wurde mit dem Distinguished
Service Order ausgezeichnet und zum kommissarischen Befehlshaber der Balten-Flottille
ernannt. Mit Fortschreiten des Krieges wurde die Lage immer aussichtsloser
für die Kriegspartei Rußland, da sie dabei war den Krieg zu
verlieren. Aus diesem Grund mußte Commander Cromie am 8. April 1917
die verbliebenen U-Boote seiner Flottille, dies waren HM S/M E1, HM
S/M E 8, HM S/M E 9, HM S/M E 19, HM S/M C 26, HM S/M C 27 und HM
S/M C 35, vor Helsinki selbst versenken. Die Besatzungen kehrten zwar
nach Großbritannien zurück, Cromie wechselte aber als Marineattache
im Range eines Captain in den Diplomatischen Dienst. Er starb am 31. August
1918 auf den Stufen der Britischen Botschaft in Petrograd als sie von den
Revolutionären gestürmt wurde.
Es wurde ruhig um die SMS Undine.....
Erst 84 Jahre später wurde sie wiedergefunden. 1999 führten
Taucher der schwedischen Kriegsmarine ein Manöver über der SMS
Undine durch und fanden dabei das Wrack dieses Schiffes durch Zufall
wieder.
Deutscherseits schien man die SMS Undine vergessen zu haben.
Bis sich einige Ostsee-Spezialisten der Sache annahmen. Und so wurde in
der Zeit vom 15.-18. Mai 2003 im Seegebiet der zentralen Ostsee eine Suchexpedition
nach dem Kleinen Kreuzer SMS Undine gestartet.
Die Gesamtorganisation wurde von der Marinekameradschaft
der Kampfschwimmer Ost e.V. aus Kühlungsborn sowie mit Beteiligung
des Landesamtes für Bodendenkmalpflege Mecklenburg- Vorpommern, der
Forschungsgesellschaft
für Schiffsarchologie e.V. und der fahrenden Tauchbasis MS
Artur Becker aus Greifswald durchgeführt. Bei der Teilnehmerauswahl
wurden die Maßstäbe hoch angesetzt, da die geplanten Tauchgänge
deutlich jenseits der Grenzen für Sporttaucher lagen. Gut ausgebildete
Mischgastaucher und ehemalige Kampfschwimmer fanden hier ihr El Dorado.
Als bedeutsam wäre zu erwähnen, daß die Expeditionsteilnehmer
an Bord der MS Artur Becker die ersten deutschen Taucher waren,
die nach der Versenkung 1915 die SMS Undine betauchten.
© 2003 Michael Lemke
Über zwei Jahre umfangreiche Recherchen in Akten von nationalen
und internationalen Militärarchiven zur Geschichte der Kaiserlichen
Marine und des Kriegsschauplatzes Ostsee im ersten Weltkrieg ergaben, daß
hier bei der "Tauchexpedition Undine" ein weiteres Puzzelstück zum
Gesamtbild militärisch geführter Auseinandersetzungen in der
Ostsee gefunden wurde, so daß einige bisherige historische Darstellungen
ergänzt oder berichtigt werden müssen.
Die SMS Undine liegt mit dem zur Insel Rügen weisenden Bug
in einer Tiefe 48 Metern. Das Wrack liegt im weiteren mit einer Neigung
von umgefähr 50° auf seiner Backbordseite. Die Bordwand an der
Steuerbordseite liegt auf ca. 40m Tiefe. Man kann im Strömungsschatten
an ihr entlangtauchen und noch das ein oder andere interessante Detail
an ihr entdecken wzB. dieses Bullauge.
© 2003 Rüdiger Becker
Die Besonderheit an diesem Wrack -die auch Tauchgänge erschwert-
ist, daß der Kleine Kreuzer in der Kadett-Rinne liegt. Dies ist stark
befahrenes Nadelöhr in der Ostsee-Schifffahrt. Aufgrund der geologischen
Situation herrscht außerdem fast immer eine starke Strömung
am Wrack. Damit ist dieser Tauchplatz nichts für Anfänger oder
"Fortgeschrittene" ! Zieht man die Tiefe hinzu und das Erfordernis mit
Mischgas zu tauchen, ist dies ein Wrack ausschließlich für erfahrene
Taucher! Beginnt man den Tauchgang, so ist der Abstieg entlang einer Shotline
erforderlich.
Mittschiffs am Wrack angekommen, stößt man auf die Stelle
an der der britische Torpedo getroffen hat. Hier befindet man sich zwischen
dem Stau- und dem Panzerdeck unterhalb der Wasserlinie, etwa in Höhe
des ersten Kesselraumes. Durch die Explosion des Torpedos auf der Steuerbordseite
wurde ein ca. zwei Meter großes Leck in den Kreuzer gerissen. Dieses
geht bis zur Schiffsmitte und verursachte auch auf Deck ein Aufwerfen der
Beplankung bis zur Kommandobrücke. Durch das vom Torpedo gerissene
Loch in der Bordwand kann man hindurchtauchen. Vorsicht jedoch.Diese Penetrationstauchgänge
erfordern Erfahrung und eine entsprechende Ausbildung! Bleibt man an der
Steuerbordseite, fallen einem als markantes Merkmal die steil nach oben
ragenden 10,5cm- Kasemattgeschütze auf.

© 2003 Rüdiger Becker
Da am Wrack alle 10,5cm-Geschütze querab nach Steuerbord zeigen,
wird vermutet, dass es Artillerieabwehr in Richtung HM S/M E 19
gegeben haben muß.
© 1999 Henrik Manley
Deutlich sind die nach Backbord abgeknickten Masten und Hauptdampfrohre
(Schornsteine) zu sehen. Durch sie erstreckt sich das Wrackfeld nach Backbord
auf ca.25 bis 30 Meter. Hier liegen auch einige Teile, die früher
mal die Aufbauten des Schiffes dargestellt haben wzB. diese Seitenwand
eines Deckshauses.
© 1999 Henrik Manley
Das Trümmerfeld neben dem Wrack bietet dem Auge reichhaltige Kurzweil
und läßt einen manchmal länger,manchmal kürzer herumrätseln
was da vor einem so rumliegt.

Links unbestimmbar, rechts Ventilationsgebläse
© 1999 Henrik Manley
Nicht weit von diesen Trümmern entfernt liegen auch Überreste
von Rettungsbooten sowie die Dampfpinasse des Kleinen Kreuzers. Die Brücke
ist nicht in Trümmer gegangen, sondern ist, genauso wie der wohl stabileren
Decksaufbauten, nach wie vor gut erhalten. Von hier aus tauchte ich in
Richtung Heck. Dort angekommen habe ich mir natürlich auch die Ruderanlage sowie die imposante Schraube angeschaut. Am Heck unmittelbar unter Deckshöhe habe ich dann auch die Heckzier unter die Lupe genommen. Diese habe ich zunächst vorsichtig mit einer Bürste von Muscheln und Schlamm befreit, so daß man eindeutig das in der Farben Schwarz und Weiß gehaltene Wappen mit dem Großen Buchstaben "W" für das kaiserliche "Wilhelm" gut erkennen kann. Auch ansonsten ist das Wrack in einem gutem Zustand. Auf den Festmachern ist
sogar noch die mit einem Sternmuster geschmückte Verzierung erhalten.
© 1999 Henrik Manley
In einem einzigen Tauchgang ist es jedoch kaum vollständig zu erkunden,so
daß einem schon bald nichts anderes mehr übrig bleibt, als aufzutauchen.
© 2003 Rüdiger Becker
Weitere Forschungen und Untersuchungen werden in der nächsten Zeit
durch Unterwasserdenkmalpfleger erfolgen. Hier gilt es, ein erhaltenswertes
technisches Unterwasserdenkmal für Interessierte zu bewahren!
Fazit:
Die Expedition war ein absoluter Volltreffer für alle Beteiligten.
Diese Art von Forschungsreisen mit dem Gespür für das Außergewöhnliche
sollten unbedingt im Jahr 2004 unter Federführung unserer Marinekameradschaft
weitergeführt werden.

Das Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung
Unterwasserarchologie, hat bereits ein reges Interesse an einer Zusammenarbeit
mit uns signalisiert. Vielleicht gibt es ja noch den einen oder anderen
Kameraden aus unseren Reihen, der im nächsten Jahr mit uns wieder
auf eine Expeditionsreise der besonderen Art gehen möchte. Von einem
neuen Projekt wird Ende diesen Jahres zu hören sein.
Die Redaktion des Taucher.Net bedankt sich herzlich bei Reinhard Öser
von der Marinekameradschaft der
Kampfschwimmer Ost e.V. in Kühlungsborn für das großzügige
Zurverfügungstellen seines Textes und bei Rüdiger Becker sowie
Henrik Manley und Michael Lemke für die freundliche Spende des Unter-
wie Überwasserbildmaterials von der Expedition und dem Wrack! |