Ein neues Wrack in Kroatien
von Andreas Pacek
Dass in Kroatien viele gute Wracks liegen ist bekannt. Dies zeigen auch
immer wieder die Berichte in den einschlägigen Tauchzeitschriften.
Häufig werden aber nur die ohnehin bekannten Schiffswracks betaucht, wie
zB. der Passagierdampfer Baron Gautsch ,die Pelastis und das Schnellboot
S 57 in Süd-Dalmatien.
Speziell vor Istrien liegen aber noch eine Vielzahl von weiteren guten
Wracks. Allein die Tauchbasis "Diving Center Shark" in Medulin, die ziemlich
genau an der Grenze zwischen der West- und Ostküste Istriens liegt,
fährt über 10 Wracktauchplätze an. Unter anderem die der Kriegsschiffe
"Flamingo", "Guiseppe Dezza" und "Rossarol". Was die Basis aber besonders
interessant macht ist die Tatsache, dass sie ein noch sehr jungfräuliches
Wrack zum betauchen anbietet. Dieses wird laut dem Basisleiter Davor Bursic fast nur von
seiner Basis aus betaucht -und zwar erst seit etwa einem Jahr. Fischern war
die Wrackstelle schon seit längerem bekannt gewesen. Von diesen haben
sie auch vom Wrack erfahren. Es ist noch so unbekannt, daß es in der 2001 herausgegebenen Karte
"Wracktauchen in Kroatien" noch nicht verzeichnet ist.
Die Siljano
Bei dem Wrack handelt es sich wahrscheinlich um ein Frachtschiff. Die
Länge beträgt ca. 100 m. Viel ist bis jetzt noch nicht über
das Schiff bekannt. Der Basenbesitzer konnte nur den Namen ausfindig machen: Siljano.
Er sucht aber noch nach weiteren Informationen. Ziemlich sicher scheint
aber zu sein, dass das Schiff in Folge von Kriegeinflüssen gesunken
ist. Viele der Schiffe vor Istrien sind durch Minen versenkt worden. So zB.
die Coriolanus, die Baron Gautsch, und die Flamingo. Das Schiff sieht noch sehr intakt
aus, es sind nur wenige Beschädigungen zu entdecken. An einer Stelle
sehen die Aufbauten so aus, als ob sie nach oben gebogen worden wären.
Damit ähneln die Schäden an diesem Wrack denen des englischen
Kriegsschiffes "HMS Coriolanus". Dieses sank 1945 nachdem es vor Novigrad
auf eine Mine lief. Dabei sieht man bei der "HMS Coriolanus" unten am Bug
ein ca. drei Meter großes Loch - das Leck das durch die Explosion der
Mine hervorgerufen wurde. Auch hier hat die Wucht des Minentreffers die
Aufbauten scheinbar nach oben verbogen. Ein durch einen Minentreffer hervorgerufenes
Loch in der Bordwand ist bei der Siljano aber nicht sichtbar.
Am Wrack
Endlich ging es los. Die Fahrt dauerte ca. 40 Minuten. Es herrschte ein
gutes Wetter und die See war zum Glück ruhig. Einen Tag vorher, beim
Tauchgang am Wrack der "Draga", lagen mit einer unangenehmen Strömung
an der Oberfläche eher widrige Bedingungen vor. Da war ich schon beim
Erreichen des Abstiegsseils außer Puste. Die Siljano liegt in einer
Tiefe von 40 bis 49m und befindet sich damit für Preßlufttaucher sehr
an der Grenze des machbaren. Die Nullzeit beträgt gerade mal ein paar
Minuten. Wir sanken also schnell herab. Ab einer Tiefe von ungefähr
25 Meter schälten sich die Konturen des Schiffes aus dem Blau des Wassers
heraus.
Bei ca. 40 m endete das Seil am vorderen Drittel des Wracks. Wir tauchen
in Richtung Heck und damit an vielen offenen Laderäumen vorbei.
Auf dem Weg zum Achterschiff kamen wir an einigen an den Schiffsseiten
stehenden Davits vorbei.
Das Schiff war stark bewachsen und schien schon vor langer Zeit hier gesunken
zu sein.
In einem der Laderäume an dem wir vorbeikamen lag ein großer
Drachenkopf. Endlich am Heck angekommen, tauchen wir runter zur zum Ruder.
Gleich hinter dem Ruder befand sich die Schiffsschraube.
Der Anblick war gewaltig. Die Sicht war es leider nicht. Sie lag hier vielleicht
bei ca. fünf Metern. Leider war die hier unten zur Verfügung stehende
Zeit schnell um und wir mussten wieder zur Bojenleine zurückkehren und
aufsteigen.
Der 2. Tauchgang
Zwei Tage später ging's wieder zum tauchen. Da das Wetter mitspielte,
konnten wir wieder zur Siljano raus. Die vier Mittaucher hatten das Wrack
noch nicht gesehen. Diesmal wollte ich etwas länger unten bleiben.Wir
kalkulierten ca. 16 min unten ein und 20 min für den Aufstieg, also
wieder nicht viel Zeit am Wrack!
An der Oberfläche war nur eine minimale Strömung. Wir teilen
uns also in zwei Gruppen. Mein Buddy und ich tauchten zuerst ab. Das Wrack
war diesmal leider erst ab ca. 30 m zu sehen, die Sicht hatte sich also etwas
verschlechtert. Diesmal wollte ich auch zum Bug.
Wir tauchten an Aufbauten und Laderäumen vorbei.
Leider war hier alles recht zerstört bzw. zusammengefallen.
Ein Conger schlängelte sich durch ein Rohr. Weiter ging es nach vorne.
Nach vielleicht 40m kamen wir zum Bug.
Er war komplett bewachsen und gut erhalten. Die Sicht lag hier bei ca.
zehn Metern.Wir tauchten jetzt zügig weiter, da die Uhr unbarmherzig
weitertickte. Wir machten uns wieder auf den Weg zum Heck und der dort
befindlichen gewaltigen Schiffsschraube. Der Weg dahin kam mir sehr lang
vor. Plötzlich löste sich ein grauer Schatten vom Wrack und schwamm
zum Grund. Es war ein Katzenhai. Er entfernte sich ohne Hektik. Wir können
sogar hinterher tauchen und ihn auf dem Grund fotografieren.
Er schien sich daran nicht zu stören. Nicht schlecht! Dies war in
fünf Jahren des Tauchens in der Adria der erste Katzehai den ich dort
sah..
Weiter ging's:. An der Schraube angekommen fanden wir dort die drei anderen
Taucher. Leider war die Sicht mit ca. drei Metern hier noch schlechter.
Zudem wurde auch der Grund dort von meinen Buddies schon ziemlich aufgewühlt.
Aber das machte nichts. Die Schraube und das Ruder wirkten im Dämmerlicht
trotzdem wieder gewaltig. Wir kehrten um. An offenen Laderäumen und
Aufbauten vorbei tauchten wir zur Aufstiegsleine. Ein Wracktauchgang ist immer
etwas schönes. Ein noch "junges" Wrack zu betauchen ist aber was besonderes.
Anmerkung der Redaktion:
Für den Zeitraum des 2. Weltkrieges führen die offiziellen
Schiffslisten lediglich ein Schiff in dieser Größe mit einem
Namen der so ähnlich klingt wie der oe., nämlich: SS Siljan.
Dies war ein 100m langer und 14,2m breiter schwedischer Frachtdampfer von
3.058 BRT, welcher der H. Lundgren - Reederei in Helsingborg gehörte
und schon im Jahre 1920 von der "Tyne Iron Shipbuiling Co." in Newcastle / Großbritannien
gebaut worden war um bis zu seiner Umbenennung im Jahre 1938 als SS Pilton
die Meere der Welt zu befahren.
© 2003 Andreas Pacek |