Kontrovers Diskutiert

 Geschrieben von Ralf

Kontrovers diskutiert:

Schild

Tieftauchen mit Luft - heute noch zeitgemäß ?

von Ralf Dänzer


Das klassische Atemgas ist für Sporttaucher nach wie vor Preßluft. Obwohl Taucher oft von Passanten gefragt werden wie schwer denn die "Sauerstoff - Flaschen" seien und wenn auch in den Medien von "Sauerstoff - Flaschen" in Berichten über Taucher gesprochen wird, handelt es sich doch überwiegend um Preßluft als Inhalt.

Ebenso lange wie Taucher mit Preßluft die Unterwasserwelt erkunden, ebenso lange erkunden sie auch die Tiefen des Meeres und der Seen, mit der Betonung auf Tiefe. Auch heute noch werden Tieftauchgänge, weit über die allgemein übliche Sporttauchergrenze von 40 Meter hinaus, mit Preßluft durchgeführt.

In den letzten Jahren hat sich jedoch eine zunehmende Tendenz ergeben, bei derartigen Tauchgängen anstatt Preßluft auf besser geeignete Gasgemische auszuweichen. Trimix - eine Mischung aus Helium, Sauerstoff und Stickstoff- hat sich dabei mittlerweile als Standard etabliert. Speziell die führenden Tauchverbände des technischen Tauchens haben ihre vorhandenen Deep-Air-Kurse (Ausbildungsprogramme Tieftauchgänge mit Luft) überarbeitet und empfehlen mittlerweile Trimix-Gemische zumindest für Tiefen ab 40 Meter. Manche Verbände empfehlen sogar den Einsatz von Trimix bereits ab 30 Meter. Hintergrund dieser Entwicklung ist der Wunsch die gefürchtete Stickstoffnarkose zu reduzieren und dadurch Tauchgänge in größeren Tiefen sicherer zu machen. Dies ist im technischen Tauchen sehr wichtig, da es sich um dekompressionspflichtige Tauchgänge und Tauchgänge mit Wrack- oder Höhlenerkundungen handelt. Doch auch ein reiner Tieftauchgang auf 70 Meter unterschiedet sich aufgrund seiner Planung deutlich von einem reinen Sporttauchgang auf 35 Meter. Neben der entsprechenden Gasplanung muß der Taucher Abläufe wie Gaswechsel und Einhaltung seiner Tauchtabelle genau im Auge haben. Je stärker seine Aufmerksamkeit und Handlungsfähigkeit durch eine Stickstoffnarkose eingeschränkt wird, desto risikoreicher wird der Tauchgang. Bereits eine kleiner Fehler kann in der Tiefe bei verlangsamter Reaktion böse Folgen haben.

Betrachtet man sich andererseits die Entwicklung bei den klassischen Sporttauchverbänden, so werden dort gerade sogenannte "technische Programme" aufgesetzt und am Markt etabliert, die dieser Entwicklung eigentlich entgegenlaufen. Denn in diesen Programmen wird für Tauchgänge bis 50 Meter Luft als Gasgemisch verwendet. Technische Tauchverbände würden hier bereits den Einsatz eines Trimix-Gemisches empfehlen. Doch auch heute noch sind Tieftauchgänge auf 40 Meter nahezu das normale Tauchverhalten. Doch auch Tauchgänge auf 50 und 60 Meter oder mehr, werden heute noch mit Luft durchgeführt. Taucher die in regelmäßigen Abständen Tauchgänge mit Luft auf derartige Tiefen durchführen unterliegen zwar immer noch den Auswirkungen der Stickstoffnarkose, können aber mit den Symptomen besser umgehen und haben durch das regelmäßige "Training" besser trainierte Abläufe. Desweiteren kommt hinzu, dass es sich bei diesen Tieftauchgängen häufig um sogenannte "Bounce-Dives" handelt. Tauchgänge bei denen es den Tauchern rein darauf ankommt eine gewissen Tiefe zu erreichen, ohne aber lange auf dieser Tiefe zu verbleiben. Aus taucherischer Sicht handelt es sich somit eigentlich nicht um besonders komplexe Tauchgänge mit speziellen Aufgaben wie im Rahmen des technischen Tauchens. Doch wie erwähnt, die Stockstoffnarkose bleibt. Fehler in dieser Tiefe wirken sich auch bei trainierten Tauchern aus, wenn die Aufmerksamkeit durch die Stickstoffnarkose eingeschränkt ist.

Neben den Auswirkungen der Stickstoffnarkose liegt ein weiterer Grund für die Verbreitung von Luft natürlich in deren einfachen Verfügbarkeit. Helium hingegen ist verglichen damit extrem teuer und nicht jeder Taucher hat Platz und Geld sich entsprechende Speicherflaschen inklusive dazugehöriger Füllarmaturen zuzulegen. Eine Füllung mit Trimix für eine Doppelpaket mit zwei 12l-Flaschen liegt nicht selten bei Euro 40 oder mehr.

Was ist nun von Tieftauchen mit Luft zu halten? Einerseits wird es seit Jahren für Tieftauchgänge benutzt, doch auch seit Jahren gibt es immer wieder Tauchunfälle bei denen Luft und die damit verbundene Stickstoffnarkose eine große Rolle spielt. Trimix-Gemische bieten hier deutliche Vorteile. Wer schon einmal den praktischen Unterschied erleben konnte, weiß welche Vorteile ein Trimix-Gemisch bietet. Allerdings sind die Kurse für technisches Tauchen im Vergleich zum Sporttauchangebot noch sehr rar gesät. Und nur weil ein Tauchlehrer technische Tauchgänge anbieten darf, muß dies nicht heißen, daß er auch dementsprechend langjährige Erfahrung besitzt. Diese ist aber entscheidend für dementsprechende Tauchvorhaben. Des Weiteren spielt die Gaslogistik natürlich eine wichtige Rolle.

Was haltet ihr davon? Sollte sich das Tauchen mit Trimix weiter verbreiten, oder wird es durch die aufwendige Gaslogistik weiter und die notwendige Ausbildung weiter ein Nischendasein fristen? Schreibt uns Eure Meinung an tiefmitluft@taucher.net. Wie immer berichten wir in einer der nächsten Ausgaben über Reaktionen auf unser „Kontrovers Diskutiert“ Thema.

© 2003, Ralf Dänzer


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 Embudu
(19.12.2004, 7 Fotos)

   

 Embudu
(19.12.2004, 8 Fotos)

   

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