Geräuschloses, stilles Tauchen mit einem Kreislauftauchgerät…
das stellte schon seit langem eine große Faszination für
mich dar. Mitte Juli war´s dann mit dem SCR Dräger „Dolphin“
am Attersee endlich so weit! Meine persönlichen Eindrücke
vom „blasenfreien Tauchen“ habe ich nun hier zusammengefasst:
Kreislauftauchgeräte sind seit jeher mit der Taucherei
eng verbunden. Während des zweiten Weltkriegs entwickelte der
Österreicher Hans Hass zusammen mit den Dräger Werken in
Lübeck aus einem U-Bootaustauchgerät ein autonomes Sauerstoff-Tauchgerät,
das ihn auf seinen legendären Expeditionen in die Ägäis
und- nach dem Krieg in den Sudan sowie nach Cocos und Galapagos begleitete.
Anders als Cousteau, der das offene SCUBA weiterentwickelte,
blieb Hans Hass lange dem Rebreather treu.
Die offenen Systeme verdrängten dann aber in den 50er und 60er Jahren
die Kreislauftauchgeräte weitgehend vom Markt und lange blieben
sie wegen des sehr hohen Preises bzw. mangelnder Attraktivität
dem Militär bzw. wenigen Spezialisten vorbehalten.
Mitte der 90er Jahre brachte Dräger halbgeschlossene
Rebreather (=SCR) auf den Markt, die vom Preis her für ambitionierte
Taucher wieder leistbar wurden.
Die „Volksrebreather“ Dräger Dolphin und das sehr
einfache „Ray“ dominieren seither den Rebreather-Markt.
Rebreathertaucher sind bei uns aber trotzdem nach wie
vor ein seltener Anblick.
Das Dräger „Dolphin“
Der/Das Dräger Dolphin ist ein halbgeschlossener Rebreather,
das heißt, dass laufend eine kleine Menge (abhängig
vom Sauerstoffgehalt des Premix und der damit verwendeten Düse)
Atemgas in das System eingespeist wird. Die ausgeatmete „Luft“ wird
in der Kalkpatrone vom Kohlendioxid gereinigt und gelangt wieder in
den Atemkreislauf.
Überschüssiges Atemgas wird über ein
Überdruckventil abgegeben.
Vorbereitungen/Nachbereitungen:
Nun: „Am Anfang stand der Schweiß“
Symbolisch gilt das auch für das Rebreathertauchen:
In Gegensatz zum offenen System, das in wenigen Minuten zusammengebaut,
geprüft und einsatzbereit ist, dauert die korrekte Vorbereitung
und Kontrolle eines Rebreathers bedeutend länger. Ein Novize
ist dabei schon mal gut eine Stunde beschäftigt, bis das Gerät
„Klar zum Tauchen!“ ist.
Auch nach dem Tauchgang ist es nicht damit getan, die
Ausrüstung abzumontieren und in die Tauchkiste zu legen, der
Rebreather muss zerlegt, gewaschen und ggf. desinfiziert werden-
ferner muss der ge/verbrauchte Atemkalk ver/entsorgt werden.
Das Tauchen:
Nach einer ausführlichen theoretischen Einleitung und Einschulung
und dem gemeinsamen Zusammenbau und Check des Gerätes ging’s
erstmals ab zum Tauchen.
Und tatsächlich: Nur leise Geräusche der
Atemventile und ein ebenso leises Zischen der Düse der Dosiereinheit.
Nur gelegentlich spricht das Überdruckventil im Ausatembeutel
an und entlässt wenige, kleine Bläschen ins Wasser.
Nun, meine größten Bedenken galten vorher
der Tarierung mit einem Rebreather. Ist doch das Tarieren über
die Lunge wegen des konstanten Volumens in der Lunge und dem Atembeutel unmöglich!
Aber eben dafür hat man ja das Tarierjacket und
den Trocki und ich klatschte nicht wie vorher befürchtet in
den Schlammgrund des Attersees!
Theorie und Praxis wechselten in diesen Tagen einander
kurzweilig ab, und die Sicherheit im Umgang mit dem Gerät
stieg.
Wie ruhig das Tauchen mit einem Rebrether ist, fiel mir ganz besonders auf, als wir bei Übungen auf das normale, offene Bail-out (Not) System wechselten. Aus war´s da mit der Stille Unterwasser!
Bei den Übungstauchgängen standen die Notfallprozeduren
im Vordergrund. Wechsel aufs Bailout-System, Gaswechsel, Einfangen
des Atemschlauches, „Keine Luft“ des Tauchpartners, um nur einige
zu nennen.
Nach den vier Übungstauchgängen folgte der
Prüfungstauchgang, bei dem kontrolliert wurde, ob das gelernte
auch „sitzt“, sowie die sehr umfangreiche schriftliche Prüfung.
Der Kurs erfolgte übrigens nach Richtlinien des
RAB (Rebreather Advisory Board e.V) bei Robert in der Tauchschule
„Nautilus“ in Weyregg am Attersee.
Vergleich der Risiken:
Beim Tauchen mit offenen Systemen und "normaler" (Druck)-Luft liegen die Risiken
(beim Tieftauchen!) im durch Stickstoff hervorgerufenen „Tiefenrausch“
und- wie man langsam erkennt- auch durch Sauerstoffvergiftung hervorgerufene
Krämpfe.
Beim Tauchen mit Nitrox sehe ich die Risiken umgekehrt-
hier erfolgt allerdings schon eine sehr exakte Tauchgangsplanung
bezüglich der maximalen Tauchtiefe (MOD).
Beim Rebreathertauchen mit Nitrox kommt eine weitere
Gefahr hinzu: Das Kohlendioxid, das bei Defekten des Atemkalks
sich im Atemkreislauf anreichern kann und dann zu Vergiftungen führt,
sowie eine Mangelversorgung mit Sauerstoff auf Grund technischer
Defekte. Gegen letzteres kann man sich heute allerdings durch empfehlenswerte (aber leider recht teure) Sauerstoffmessgeräte
im Kreislauf schützen!
Ein gewisses Restrisiko ist beim Tauchen also ebenso
wie bei jeder anderen Sportart mit dabei, das sollte jedem (Kreislauf)Taucher
klar sein.
Liegt beim Tauchen mit den normalen offenen Systemen
die Unfallursache meist beim Taucher selbst (Leichtsinn und Selbstüberschätzung)
ist beim Rebreathertauchen das Restrisiko auch beim Gerät
selbst zu finden:
Wenige Tage nach meinem Kurs tauchte ich wieder mit
dem Gerät, als ich nach 11 Minuten Tauchzeit praktisch ohne
Vorwarnung kein Atemgas, sondern ätzende Atemkalklauge aus
dem Atemschlauch kam.
Der Zwischenfall verlief glimpflich, da ich die Lauge
nur in den Mund- und nicht in Luftröhre oder Lunge- bekam und - natürlich
rasch auf das Bail-Out System wechselte.
Ursache war, dass ich übersehen hatte, die Deckeldichtung
das Atemkalkbehälters einzubauen (typischer Fall menschlichen
Versagens). Dies zeigte sich allerdings bei keiner(!) der durchgeführten
Prüfungen des Geräts!
„Diving is Fun?“ Hmmm, ja, aber nur wenn man sich immer
bewusst ist, das wir Taucher nur kurzeitige, mit Hilfsmitteln ausgestatte
Gäste, in einem eigentlich für uns lebensfeindlichen Mileau
sind!
Ich habe vor wenigen Tagen hier im Forum von Taucher.Net
ein interessantes Zitat gelesen, das das hier Geschriebene besser
auf „den Punkt“ bringt, als ich es könnte:
"Da es leicht ist, in Panik zu geraten, sollte man
stets Angst davor haben, in Panik zu geraten, jederzeit mit dem
Eintreten jeder möglichen Störung rechnen und sich möglichst
durch nichts überraschen lassen. Gleichzeitig muss größte
Vorsicht herrschen. Es gibt alte und es gibt mutige Höhlentaucher,
aber: es gibt keine alten, mutigen Höhlentaucher".
(Zitat: Sheck Exley).
MEIN Fazit:
Pros:
-Sehr ruhiges, blasenarmes Tauchen
-Etwa doppelt so lange Tauchzeiten im Vergleich mit vergleichbaren,
offenen Systemen durch bessere Ausnutzung des Atemgases
-Warme und angefeuchtete Einatemluft- dadurch verlangsamte Körperkern-Auskühlung sowie kein trockener Mund
Cons:
-Sehr hohe Anschaffungskosten von etwa 3.000€
-Höhere Restrisiken als bei offenen Systemen
-Wartung und Vorbereitung sehr aufwändig
-Jeweils spezielle Ausbildung für die unterschiedlichen SCR bzw. CCR erforderlich!
Das tauchen mit dem Dräger Dolphin ist eine tolle
Sache, die ich jedem ambitionierten Hobbytaucher und speziell UW-Fotografen
empfehlen kann!
Eine !sehr! gründliche Vorbereitung des Geräts
ist hier allerdings noch viel weit bedeutender als bei offenen Systemen.
Ein derartiger Kurs ist übrigens Voraussetztung für den Kauf oder das Leihen eines Dräger "Dolphin"!
Ich werde sicherlich noch so manchen „blasenfreien“
Tauchgang mit dem Dräger „Dolphin“ machen. Ein Kauf eines eigenen
Geräts ist für mich allerdings momentan noch wenig wahrscheinlich!
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Here we go! Das neue DiveInside ist online und steht allen
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Medizin- und Biothemen wie gewohnt kostenfrei (mehr) Berichtsintegration in Google (04.07.2012) Ab sofort wird die Suche nach Erfahrungsberichten in unserer Datenbank noch einfacher: Google zeigt ab sofort für die Einträge in unserer Datenbank die Anzahl der Berichte und die durchschnittliche (mehr)