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Donner über Südwest

 Geschrieben von Oli
© 2003 Oliver Meise
- Keine Gewähr -

Krieg! Während man daheim im Deutschen Reich schon hellwach ist und auf Teufel komm raus die Mobilmachung betreibt, reibt man sich im August 1914 in der deutschen Kolonie Deutsch-Südwest -dem heutigen Namibia- noch verschlafen die Augen. So weit entfernt von der Heimat dauert die Nachrichtenübermittlung eben etwas länger. Das in der Kolonie stationierte Militär besteht aus einer Formation, die "Schutztruppe" genannt wird und besteht aus nur einigen wenigen Tausend Mann. Daß das für einen Krieg zB. gegen England nicht genug ist, hat der seit 1910 in Südwest residierende Gouverneur Dr. Theodor Seitz bereits vor Jahren nach Berlin gemeldet.


Gouverneur Seitz

Doch weder dessen Meldungen noch die des Kommandeurs der Schutztruppe Major Joachim von Heydebreck fielen auf fruchtbaren Boden.


Mayor von Heydebreck

Die Bitte um Aufstockung wurde vom Parlament ignoriert. Stattdessen ging es immer nur um Einsparungen. Erst im April 1914 werden aufgrund des am 21. Februar von Berlin in Kraft gesetzten Wehrgesetzes Reservisten, Landwehrleute und Landstürmer in Südwest zu ihren jeweiligen Einheiten gerufen. Solange noch Frieden herrscht, hat der Gouverneur die höchste Regierungsgewalt in der Kolonie inne. Als die Funkstation Nauen in Deutschland am 6. August die Kriegserklärung Englands an das Deutsche Reich übermittelt, erklärt er folglich den Belagerungszustand und ordnet als letzte Amtshandlung am 7. August die Mobilmachung an.


Gouverneurssitz in Windhuk

Die oberste Gewalt in Südwest übernimmt wegen Kriegsausbruches nun der Kommandeur der Schutztruppe. Major von Heydebrecks Hauptquartier befindet sich ebenfalls in Windhuk. Ihm angeschlossen sind Intendanturamt, Militärgericht, Sanitätsamt und Vermessungstrupp.


Ein Dorf in Hessen oder im Rheinland? Nein! Windhuk von Süden !

In Windhuk liegt ebenfalls die Militärkommandantur des Nordbezirkes der Kolonie.

Dieser ist nachgeordnet das ebenfalls in Windhuk stationierte Traindepot, das Lazarett, das Haupt-Sanitätsdepot und das Bekleidungsdepot.


Bekleidungsdepot über Windhuk im Friedensjahr 1910

Der Militärkommandantur des Nordbezirks ist ebenfalls die Ortskommandantur sowie die Garnison- bzw. Bauverwaltung und das Artilleriedepot untergeordnet.


Kanone mit Munitionswagen im Artilleriedepot

Der Militärkommandantur des Nordbezirks untersteht außerdem die in Regenstein und Seeis stationierte 1. Kompagnie.


Besuch einer Gruppe der 4.Kompagnie bei ihren Kameraden in Regenstein Ostern 1909

Ebenfalls zu Nordbezirk gehört die 4. Kompagnie (MG) in Okanjande sowie die in Outijo und Otavi stationierte 6. Kompagnie.


4. Feldkompanie mit bespannter Artillerie von der Feste Outijo

Im gleichen Unterstellungsverhältnis befinden sich die 2. Batterie auf der Johann-Albrechts-Höhe, der Verkehrszug 1 inklusive des Proviantamtes in Karibib.


Schutztruppenstation Karibib

Zum Nordbezirk gehört auch das Pferdedepot in Okawayo und die Ortskommandantur mit dazugehörigem Proviantamt in der Hafenstadt Swakopmund.


Frachtumschlag über den Strand von Swakopmund zu den auf Reede liegenden Schiffen

Die Militärkommandantur des Südbezirkes befindet sich in Keetmannshoop.

Dort ist auch der Verkehrszug 2, ein weiteres Traindepot, ein zweites Lazarett sowie ein Sanitäts- und Bekleidungsdepot stationiert.


Feste Keetmannshoop

Ganz in der Nähe der Feste befindet sich auch der Fuhrpark mit dem Artilleriedepot.

Außerdem befindet sich dort auch jeweils ein Proviantamt, eine Ortskommandantur und eine Garnisonverwaltung. Die Kampftruppen des Südbezirks sind wieder wie im Nordbezirk über den ganzen Bezirk verteilt. So steht zB. die 2. Kompagnie in Ukamas, die 3. Kompagnie in Kanus und die 5. Kompagnie (MG) in Chamis und Churufabis. Die MG-Kompanie ist mit den neuesten Maschinengewehren des Kaiserlichen Heeres ausgerüstet. Es handelt sich dabei um das auf dem Maxim-MG beruhende Schwere Maschinengewehr Modell 08 des Kalibers 7,92mm Mauser.


SMG-Trupp im Einsatz und beim Pflegen der Waffe


Transport der SMG`s in mehrere Lasten zerlegt auf Pferden

Die 7. Kompagnie (Kamelreiter und MG) sind in Gochas und Arahoab stationiert.


Musiker der 1.Kompagnie in Arahoab

Während die 8. Kompanie mit einem Lazarett in Warmbad beheimatet ist, befindet sich die 9. Kompagnie in Kabus, die 1. Batterie in Narubis und die 3. Batterie auf dem Kranzplatz bei Gibeon.


Train der 1. Gebirgsbatterie vor Schutztruppenstation Narubis

Das Pferdedepot des Südbezirks wurde in Aus untergebracht, das Kamelgestüt in Kalkfontein Nord und in der Lüderitzbucht befand sich eine Ortskommandantur mit einem Proviantamt.


Bismarckstraße und Hauptstraße von Lüderitzbucht

Summa summarum unterhielten diesen Militärbetrieb 90 Offiziere, 22 Ärzte, neun Veterinäre, 59 Beamte, 342 Unteroffiziere und 1.444 weiße Soldaten. Zu diesen knapp 2.000 aktiven Soldaten kamen nocheinmal ca. 3.000 Reservisten, ein Auto und zwei erst im Juni eingetroffene Postflugzeuge -ein Otto-Doppeldecker sowie ein Aviatik-Doppeldecker.
 




V.L.N.R.: Otto-Doppeldecker,Aviatik-Doppeldecker zerlegt im Zugtransport

Im Juni kommt hier noch eine LFG Roland-Taube hinzu.

Da jedoch so gut wie überhaupt kein Benzin vorhanden war konnten weder Autos noch Flugzeuge viel benutzt werden. Und so war das Hauptfortbewegungsmittel für den einzelnen Schutztruppler in Südwest neben Schusters Rappen der naturechte Rappen.

Die exotischeren Landstriche von deutsch-Südwest erforderten allerdings auch besondere Verkehrsmittel.

So auch an Teilen der Südgrenze. Zwar werden zunächst in Erwartung eines Angriffs durch südafrikanische Truppen unter General Botha mit Hilfe der Eisenbahn alle Kräfte nach Süden geworfen, jedoch müssen auch dort die deutschen Truppen mobil bleiben -notfalls mit Kamelen.

Dies waren einhöckrige Tiere und stammten von den Kanarischen Inseln sowie aus dem Sudan. Die Ansiedelung dieser Wüstenschiffe erfolgte interessanterweise mit Hilfe des Tierparks Hagenbeck.
Da man im Gegenteil zu den Alliierten Truppen kaum über Motorfahrzeuge verfügt, müssen abseits der Eisenbahnlinien Ochsen- oder Eselgespanne die Versorgungsgüter der Schutztruppe durch das Land karren.

Doch soweit Eisenbahnverbindungen existierten,wurden diese emsig benutzt. In Erwartung einer feindlichen Landung wurden am 8. und 13. August die Küstenfunkstationen Lüderitzbucht und Swakopmund zerstört. Gleichzeitig begann man sämtliches dort vorhandenes Material das zur Kriegsführung brauchbar erschien ins Landesinnere zu transportieren.

Nach einem ersten Scharmützel am 2. September bei Beenbreck ist es dann am 9.September soweit: die Südafrikanische Union erklärt dem Deutschen Reich den Krieg und greift am 13. September ohne Ankündigung die von einigen deutschen Polizisten besetzte Grenzstation Ramansdrift an. Nun überstürzen sich die Ereignisse: die Schutztruppe erobert die südafrikanische Grenzstation Nakab und besetzt am 10. September die britische Enklave Walfischbai.


Naturhafen Walfischbai

Dort haben die Küstenschutzkompanien der Schutztruppe zunächst einige Kurzweil mit den kleineren Bewohnern dieser Gegend.

Doch schon am 19. September tauchen zwei britische Kreuzer, vier britische Torpedoboote sowie zwölf Truppentransporter in der nahe bei Walfischbai gelegenen Lüderitzbucht auf und setzen dort 8.000 Soldaten an Land. Die in Lüderitzbucht befindliche deutsche Zivilbevölkerung gleich welchen Geschlechts oder Alters wird unter unwürdigen Bedingungen nach Südafrika verfrachtet und muß dort in Gefangenschaft gehen. Auch an der Südgrenze rumort es weiter, doch Vorposten der Schutzruppe beobachten die Grenze und gehen am 23. September auf Spähtrupp gegen das mittlerweile von den Südafrikanern eroberte Ramansdrift.


Vorposten im Biwak

Schon nach wenigen Tagen können sie berichten, daß die Südafrikaner mit 60.000 Mann, 2.000 Kfz sowie sechs neuen Flugzeugen und einer sehr gut funktionierenden Logistik nach Norden vorrücken. Zunächst stemmt sich die Schutztruppe noch erfolgreich dieser Flut entgegen, denn am 26. September kommt es bei Sandfontein zum ersten größeren Kampf zwischen der Schutztruppe unter dem mittlerweile zum Oberstleutnant beförderten Kommandeur von Heydebreck und dem aus zwei Schwadronen des 1. Regiments der berittenen Kapschützen sowie eine Abteilung der berittenen Transvaalartillerie bestehenden Gegner.Hierbei kommt auch bespannte deutsche Gebirgsartillerie zum Einsatz. Zugpferde und Munitionswagen werden losgespannt und die Geschütze gehen in Feuerstellung.

Oberstleutnant von Heydebreck kann dieses Gefecht für sich entscheiden und macht dabei 215 Gefangene -inklusive des verwundeten Führers dieser Truppen, Lieutenant-Colonel R.C. Grant.


Gebirgsgeschütz nach Stellungswechsel


Bedienungen der Gebirgsgeschütze  nach Gefecht

Die Alliierten beschießen ihrerseits nun am 23. und 24. September sowie dem 30. Oktober die offene und unverteidigte Stadt Swakopmund mit einem britischen Hilfskreuzer.
Auch die portugiesischen Nachbarn in Angola stellen sich gegen die Deutschen in Südwest.Obwohl offiziell nicht im Krieg mit dem Deutschen Reich, duldet Angola die Beschlagnahme der für Deutsch-Südwest bestimmten Lebensmittel. Im weiteren lädt dann der Kommandant des portugiesischen Forts Naulila in Angola die deutschen Bezirksamtmänner Dr. Schulze sowie die Leutnante Loesch und Roeder am 19. Oktober zu sich ein. Die genannten Personen werden jedoch in Naulila getötet und die Portugiesen landen ohne Kriegserklärung bei Mossamedes einige tausend Mann eigener Truppen an, die nach Südwest einmarschieren.
Am 9. November kommt es bei Sandfontein zu einem Gefecht zwischen deutschen und alliierten Truppen in deren Verlauf sich
Oberstleutnant von Heydebreck eine schwere Verletzung zuzieht am 12. November verstirbt.
Nachfolger als Kommandeur der Schutztruppe von Deutsch-Südwest wird der bei Amtsübernahme zum Oberstleutnant beförderte vormalige Major Viktor Franke.


Major Viktor Franke

Seine erste Amtshandlung besteht in einer Strafexpedition gegen Angola. Mit 600 Mann stürmt er am 18. Dezember das portugiesische Fort Naulila und schlägt dabei dessen 1000-köpfige Besatzung vernichtend. Ungeschlagen ziehen die deutschen Hauptkräfte wieder zurück nach Deutsch-Südwest. Kleinere deutsche Truppenteile liefern sich an der Nordgrenze noch bis Anfang Februar 1915 Scharmützel mit den Portugiesen. Im Januar 1915 schließen die Alliierten die Besetzung der Hafenstädte von Deutsch-Südwest ab und landen sowohl in Port Kolloth wie auch Swakopmund jeweils 8.000 Mann an. Und so benutzt statt der deutschen Bevölkerung nun die südafrikanische Armee die erst kürzlich von niemand anderem ans dem Grafen Zeppelin in neuer Stabilbauweise errichtete Pier von Swakopmund für die Anlandung ihrer Truppen.

Nützliche Einrichtungen wzB. der neue Schwerlastkran auf der Mole bzw. die Gebäude des Kaiserlichen Zollamts sind den Südafrikanern dabei recht willkommen.

Um von diesen überlegenen Kräften nicht abgeschnitten zu werden, muß die Schutztruppe nach den Kämpfen auf der Linie Pforte-Jakalswater-Riet am 20. März 1915 die im Südteil von Deutsch-Südwest gelegenen Städte Warmbad,Keetmannshoop und Marienthal räumen um sich auf Windhuk zurückzuziehen.


Schutztruppe vor Feste Keetmannshoop

Knapp einen Monat später muß die Schutztruppe am 17. April auch Windhuk, und die noch übriggebliebene Landesmitte mit Gobabis vor den heranrückenden Heerscharen räumen.


Leere Feste Gobabis

Am 5.Mai zieht der südafrikanische General Botha schließlich nach für die Schutztruppe schmerzlichen Kämpfen im nordwestlich von Windhuk gelegenen Karibib ein. Die Schutztruppe muß nun weiter in den Nordteil der Kolonie zurückgehen wo sie sich bei Otavifontein in befestigten Stellungen Widerstand leisten will. Auch Gouverneur Seitz verlegt jetzt offiziell seinen Sitz von Windhuk nach Grootfontein. Windhuk fällt am 12. Mai an die Südafrikaner. Erste Friedensgespräche zwischen dem Oberkommandierenden der Südafrikaner General Botha und Gouverneur Seitz an der Giftkuppe verlaufen für die zwischen Kalkfeld und Waterberg zusammengedrängte Schutztruppe ohne Ergebnis. Am 19.Juni treten erneut 35.000 Südafrikaner den Vormarsch an und drücken die Schutztruppe gegen Tsumeb und das menschenfeindliche Sandfeld nahe der Grenze von Portugiesisch-Angola. Die Schutztruppe zieht sich weiter zurück und erreicht am 26.Juni nahe Otavi die Stellung bei Bahnkilometer 514. Am 1. Juli muß die Schutztruppe dann weitere Rückzugsgefechte gegen eine zehnfache Übermacht bei Otavifontein führen und am 8. Juli die Funkstation Tsumeb dem Feind überlassen.


Abgesessene Kamelschützen im Feuerkampf

Letzter Sammelpunkt des deutschen Fähnleins ist bei Khorab. Die seit Monaten ohne Nachschub und Rast operierenden Einheiten der Schutztruppe sind völlig erschöpft.

Gouverneur Seitz und Oberstleutnant Franke treffen sich deshalb mit dem Oberkommandierenden der Südafrikaner.


Links Oberstleutnant Franke, rechts General Botha,
links von General Botha Gouverneur Seitz

Auf diesem Wege gelingt es ihnen nunmehr am 6. Juli 1915 bei Bahnkilometer 500 nahe Otavi mit dem südafrikanischen Genaral Botha einen für die Deutsche Seite vorteilhaften Waffenstillstand auszuhandeln.


Links Gouverneur Seitz, rechts General Botha

Und so ergibt sich die Schutztruppe schließlich am 9. Juli 1915 am Ort der Verhandlungen. Der aktive Teil der Schutztruppe, immerhin 110 Offiziere und Polizeibeamte sowie 1.548 Unteroffiziere und Mannschaften, geht nach Aus und anderen Kriegsgefangenenlagern in Deutsch-Südwest in Gefangenschaft. 177 Offiziere sowie 2.775 Unteroffiziere und Mannschaften der Reserve können bewaffnet nach Hause zurückkehren und wieder ihrem Zivilberuf nachgehen. Das Kriegsgerät der Schutztruppe in den Materialdepots sowie die Geschütze, Fahrzeuge und Zugtiere muß jedoch unversehrt an die Südafrikaner übergeben werden. Da das Deutsche Reich jedoch noch weiterhin mit Großbritannien und Südafrika im Krieg war und das Kriegsgerät aus Deutsch-Südwest nicht in Europa oder Deutsch-Ostafrika wieder gegen Deutsche Truppen eingesetzt werden sollte, wurden die modernsten Geschütze am Vorabend des 9. Juli auf Befehl von Oberstleutnant Franke aussortiert und zum Otjikoto-See bei Tsumeb geschafft.
 


Otjikoto-See im Jahre 1907 von Süden aus gesehen

Zwei Dutzend Kanonen werden noch bevor der Morgen graut in dem See versenkt. Nach unbestätigten Gerüchten werden auch verlötete Kisten mit Gold aus den Banken der vor den heranrückenden Feindtruppen geräumten Städte in den See geworfen. Ein halbes Jahrhundert gerät dies in Vergessenheit und still ruht der Otjikoto-See....
Während dieser Zeit ist aus der Kolonie Deutsch-Südwest 1919 ein Völkerbundsmandat der Südafrikanischen Union geworden und 1946 ein Bestandteil Südafrikas. In den 70er-Jahren gründeten dann stickstoffabhängige Polizeibeamte in Windhuk einen Polizeitauchklub und nahmen sich sofort den Otjikoto-See aufs Korn. Dieses Vorhaben war aber gar nicht so einfach. Die Wasseroberfläche des Otjikoto-Sees lag nämlich reichliche 20m unter der Uferböschung.
 


Krater des Otjikoto-Sees
© 2002 Mr.Theo Schoemans

Doch die Polizeitaucher waren Kummer gewöhnt und tauchten nach etwas Kraxelei das Steilufer hinunter mit Preßluft ab. In 50m Tiefe stießen sie dann auf die ersten Geschütze. Schnell war der Entschluß gefaßt einige von ihnen zu bergen. 1983 wurde dies dann realisiert unter tatkräftiger Hilfe vom inzwischen ebenfalls gegründeten Tauchsportklub Windhuk, leider verloren hierbei zwei Taucher ihr Leben und ein Taucher seine Hand. Ende der 80er-Jahre war man dann soweit und hatte die im säurearmen Wasser und bei Dunkelheit gut erhaltenen Geschütze auch restauriert. Sie stehen seitdem im Museum von Frau Ilse Schatz in Tsumeb. Bei den Museumsstücken handelt es sich um eine 7,5cm-Kanone Modell Krupp 1873 wie sie in der Heimat Verwendung fand.

Nachdem sie dort zur Standardbewaffnung gehörte und sich bewährt hatte, kam sie auch in den Dienst der Schutztruppen in von Deutsch-Südwest.


Tierische Artilleristen in Südwest

Da sie sich im Kolonialdienst ebenso bewährte, wurde das Modell schließlich auch in andren deutschen Kolonien eingesetzt wzB. bei der nachfolgend abgebildeten Artillerieeinheit in Deutsch-Ostafrika.

Im Museum befindet sich außerdem eine 3,7cm-Schnellfeuerkanone des Modells Maxim 1895. Auch dieser Geschütztyp war recht weit verbreitet und wurde auf deutschen Kriegsschiffen sowie ua. in der deutschen Kolonie Tsingtau so wie abgebildet verwendet.

Auch vor dem Franke-Turm in Omaruru steht eins der geborgenen 7,5cm-Geschütze. Im See befinden sich noch acht 7,5cm Krupp-Feldkanonen, zwei 3,7cm-Maschinenkanonen, zwei 3,7cm-Revolverkanonen,vier 7cm-Gebirgskanonen sowie drei 6cm-Gebirgskanonen.


Gebirgsgeschütze inklusive Bedienung und Bespannung in Südwest

Außerdem eine unbekannte Zahl britischer Feldgeschütze,schwere Maschinengewehre des Modells 08 und haufenweise Munition. Die Goldkisten wurden bisher nicht entdeckt. Nicht offiziell zumindest :-)
Möchte man heute in diesem See tauchen, so geht das nur über dien nationalen CMAS-Ableger von Namibia, die NUF bzw. Namibia Underwater Federation. Der zum Nationaldenkmal ernannte See liegt nämlich auf Privatgelände und ausschließlich die NUF oder deren Gäste haben dort über ein kleines der NUF zur Verfügung stehendes Areal Zugang zum See. Auf diesem Gelände existieren rudimentäre sanitäre Einrichtungen sowie diverse Stromanschlüsse, so daß man hier Kühltruhen anschließen und Tauchlampen wieder aufladen kann. Außerdem erlaubt es die Größe des NUF-Areals hier eigene Zelte aufzuschlagen bzw. sonstwie zu Campen.
Bevor aber nun jeder sein Tauchgerödel hervorkramt um nach Namibia zu fliegen und dort in den Otjikoto-See zu hüpfen, sollte man noch einiges wissen. So zB., daß die beste Zeit für einen Tauchgang im See zwischen April und Oktober liegt, weil diese Monate nicht in die Regenzeit fallen, in der Wasser und anderer Kram in den See pladdern um die Sicht zu vermiesen. Diese beträgt nämlich je nach Jahreszeit zwischen 1 und 15m. Auch die Temperaturen sind dann erträglich und man kann am See kampieren ohne sich wie ein Steak auf dem Grill zu fühlen. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Für alle Fälle sollte man sich auf sommerliche Tagestemperaturen von 40°Celsius und winterliche Nachttemparaturen von -10°C einstellen. Passende Kleidung inklusive reichlich Sonnenschutz in jeglicher Form ist somit unbedingt angesagt! Ersteres schützt einen auch noch vor den nebenbei erwähnt reichlich herumkrauchenden Spinnen,Schlangen. und sonstigem Getier. Gutes Schuhwerk ist damit ebenso gesundheitsförderlich wie ein Konsum von mindestens fünf Litern Wasser am Tag. Der Otjikoto-See liegt außerdem in einem aktiven Malaria-Gebiet, weshalb eine peinlich genau befolgte Malaria-Prophylaxe mehr als empfehlenswert ist!
Da der Tauchplatz auf 1.450m über dem Meeresspiegel liegt und außerdem von der CMAS als Typ 3-Höhle eingestuft wurde, ist jeder Tauchgang ein Höhen- und Höhlentauchgang. Dementsprechend genau schaut man sich Eure Tauchscheine an! Jeder der nicht mindestens zwei CMAS-Sterne in der Tasche hat wird mißtrauisch beäugt. Voraussetzung zum Tauchen an diesem See sind außerdem 75 bis 100 Tauchgänge, hiervon 50 tiefer als 40m. Daß die Kameraden von der NUF sich das tauchärztliche Attest und das Logbuch genau anschauen, bedarf wohl keiner Erwähnung mehr. Aber das ist noch nicht alles. Interessierte Taucher müssen der NUF eine Haftungsfreistellung für Tauchunfälle unterschreiben und eine DAN-Tauchunfallversicherung haben, damit bei einem Tauchunfall die der MRI-Namibia gehörige Druckkammer und deren Personal bezahlt werden kann. An Tauchgerödel bringt man am besten alles komplett selbst mit. Was man darunter zu verstehen hat? Alles. Außerdem noch ein Atemreglersystem mit Oktopus, eine zweite Lichtquelle die bis 100m dicht ist,ein Tauchanzug für Temperaturen zwischen 18 und 23° Celsius, ein Tauchmesser,ein Tauchcomputer der mit den schweizer Tauchalgorhytmen des Uwatec Aladin Pro rechnet, Blei und auch die Preßluftflasche selbst inklusive Inhalt. Man kann zwar Trainingsatemregler,Blei, Preßluftbuddeln und Tarierwesten auch über den Tauchclub Windhuk ausleihen, jedoch bedeutet dies wieder einiges an Vorarbeit.
Steht man nach Erledigung aller Formalitäten fertig angerödelt aufdem NUF-Areal und möchte endlich hinein in das köstliche Naß muß man zunächst bei schweißtreibenden Temperaturen sein Gerödel hinunter zum Einstieg schaffen. Dies ist eine Strecke von ca. 100m über lose Steine und Geröll. Am Einstieg angekommen kann man sich voll aufrödeln und schließlich sechs Meter die Stahlleiter hinunterklettern. Wagemutigere mit Erfahrung in derartigem können vom Einstieg auch direkt ins Wasser springen. Nun ist man endlich in dem -je nach Jahreszeit- 18 bis 25°Celsius warmen Wasser. Doch wer denkt jetzt könnte er abtauchen und die Kanonen unter die Lupe nehmen irrt. Wegen der ungewöhnlichen Umgebungsbedingungen finden erst einige Gewöhnungstauchgänge an dem in einer Tiefe von 26m liegende "Riff" statt. Beim Tauchen im See muß man außerdem darauf achten,daß der Seegrund mit einem feinen Staubzeug bedeckt ist das auch auf den Abhängen liegt. Flosselt man hier unbedacht herum, reduziert sich die Sicht im Handumdrehen von "Ich sehe meine Flossen,Mensch was habe ich abgenommen." zu "Wo muß ich für`s Blindengeld unterschreiben?". Wenn diese Gewöhnungstauchgänge am "Riff" zur Zufriedenheit der NUF-Kameraden gelaufen sind, geht`s beim nächsten Tauchgang abwärts.


© 2002 Mr.Theo Schoemans

Zwischen 48 und 52m Tiefe trifft man auch die verschiedenen Geschütze wzB. diese 7,5cm-Kanone Modell Krupp 1873.


Räder der Geschützlafette
© 2002 Mr.Theo Schoemans

Direkt neben den Rädern liegt eine Holzkiste. Inhalt: fünf Granaten Kaliber 7,5cm!


© 2002 Mr.Theo Schoemans

Und direkt daneben ein weiterer Haufen der gleichen Munitionskisten!


© 2002 Mr.Theo Schoemans

An dieser Stelle die fällige Ermahnung: NICHTS anfassen!


Auseinandergefallene Holzkiste mit 7,5cm-Granaten
© 2002 Mr.Theo Schoemans

Diese Granaten sind gut erhalten und immer noch so gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher wie an dem Tag als sie hier versenkt wurden!
In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich dann auch eine 3,7cm-Schnellfeuerkanone des Modells Maxim 1895. Hier sieht man deren vorderes Rohr aus Stahlbronze inklusive zugemulchter Mündung.


© 2002 Mr.Theo Schoemans

Doch nicht nur Geschütze finden sich hier,sondern auch noch militärische Ausrüstungsgegenstände mit rätselhaften Beschriftungen.


© 2002 Mr.Theo Schoemans

Möchte man die volle Tiefe des Sees in 90m austauchen, empfiehlt sich natürlich ein Trimixtauchgang. Nur daß dies natürlich eine gewisse Infrastruktur verlangt die am Otjikoto-See dann doch mit erheblichem Aufwand und nicht unbedeutenden Extrakosten verbunden ist. Für die Freunde von der Höhlentaucherfraktion sei gesagt,daß es sich bei diesem See zwar um ein Dolinengewässer handelt, jedoch bei einer Ausforschung des Sees mit Hilfe eines ROV nirgendwo eine Verbindung zu einem Höhlensystem gefunden wurde. Weshalb des See wohl auch fest in Hand der Preßlufttaucher-Fraktion ist.

For the kind donation of the underwater images and his help concerning the required information we want to say a warm "Thank you!" to Mr. Theo Schoemans !


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