Der Ritt auf dem Torpedo
Wie trainiert man unterwasserarchäologische Techniken
Bericht von Andreas M. Stolpe
Wer hat nicht vom legendären Fund der 3600 Jahre alten
Himmelsscheibe von Nebra gehört! Hobbyarchäologen hatten mit
Metalldetektoren an einem Zeremonienplatz der Bronzezeit nach
Artefakten gesucht und waren auch fündig geworden. Doch ihr Fund
hat ihnen kein Glück gebracht. Sie mussten ihn abgeben werden obendrein nun vielleicht noch empfindlich bestraft. Viele
Schatzsucher sind dadurch verunsichert und es ist deutlich
geworden, dass hier ein genereller Bedarf nach Aufklärung
herrscht. Inwieweit die Bodendenkmalgesetze auch für uns
Taucher zutreffen, wollen wir hier kurz erläutern.
Die Bodendenkmalämter sind in Deutschland für den Schutz
unseres kulturellen Erbes verantwortlich. Auch wenn es
"Bodendenkmalamt" heißt, ist das Amt auch für Artefakte, die
im Wasser gefunden werden, zuständig. Das Bodendenkmalgesetz
verbietet ausdrücklich das gezielte Suchen und Ausgraben von
antiken Fundstücken. Auch wenn die Details dieser Gesetze von
Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind, so ist aber in allen
Bundesländern gleich, dass nicht aktiv gesucht werden darf.
Unterschiede gibt es lediglich bei der Frage inwieweit man ein zufällig
gefundenes Artefakt behalten darf.
Das gilt auch unter Wasser und somit auch für uns Taucher. Aber
es gibt dennoch die Möglichkeit für Sporttaucher an
archäologisch interessanten Projekten teilzunehmen. Die DEGUWA ist
eine von mehreren Organisationen, die Taucher nach international
anerkannten Richtlinien für die Arbeit an Grabungsstätten
unter Wasser ausbildet und auch eigene Forschungsprojekte
durchführt. Unser Redakteur Andreas Stolpe hat an so einem
Trainingswochenende teilgenommen. Das Ziel dieser Veranstaltung war es, an einem öffentlich zugänglichen Wrack
archäologische Techniken auszuprobieren und zu vertiefen.

Das Trainingswochenende fand im holländischen Oostvoornse Meer
statt. Hier ist eine perfekte Logistik für Aktionen aller Art vorhanden. Im "Stormvogel" gibt es Verpflegung und
nebenan mehrere Füllstationen. Unter der Wasseroberfläche liegen hier außerdem mehrere betauchbare Wracks aus verschiedenen Epochen.
Mit dem Bug frei ins Wasser ragend liegt dieses Wrack in 14 Meter Tiefe.
Die Teilnehmer sollten die Archimedes von 1875 suchen und fanden dann
heraus, dass das zu suchende Wrack die aus dem gleichnamigen Film
stammende "Amsterdamned" ist. Hier war den Organisatoren
offensichtlich ein Fehler unterlaufen.
Vor der Suche mussten wir zuerst die Aquazepps zusammenmontieren.
Eine großflächige Suche unter Wasser kann so zu einem richtigen Spaßerlebnis werden. Auf einem "Torpedo" zu reiten ist schon ein eindrucksvolles Erlebnis.

Auf dem Aquazepp reitend wird die Suche nach der "Archimedes" in Angriff genommen. Bei einer Sicht von nur wenigen Metern war das keine leichte Übung.

Bewaffnet mit Schreibtafel und Maßband muß die "Amsterdamned" unter Wasser vermessen und in einer Zeichnung festgehalten werden. Eine gar nicht so einfache Übung, bei der es sehr auf das Zusammenspiel der Tauchpartner ankommt. Man muß gleichzeitig Tarieren, das Maßband halten, die Schreibtafel handhaben und den Partner im Auge behalten.
Die Teilnehmer des Trainingswochenendes waren alle Sporttaucher ohne besondere unterwasserarchäologische Ausbildung. Das Ziel der DEGUWA ist es, dem normalen Sporttaucher die Möglichkeit zu geben, an Projekten im Inland und im Ausland teilzunehmen. Die Ausbildung
erfolgt dabei in kleinen Lerneinheiten. Es ist sogar möglich sich bei der DEGUWA nach dem Ausbildungsschema der NAS fortzubilden(NAS IV).
Die Teilnehmer an diesem Trainingsveranstaltung wollten aber nur zum Spaß ihre Kenntnisse vertiefen und in die
Unterwasserarchäologie hineinschnuppern. Im Vordergrund stand der Spaß an der Freud.

Nach dem Tauchen mussten die gemessenen Daten ausgewertet und in die
Zeichnungen übernommen werden. Triangulation, Trilateration,
Offset...- das waren die Begriffe, mit denen wir uns anfreunden mussten. Aber am Ende konnten wir dann doch stolz unsere ersten archäologischen Arbeiten präsentieren.

Aller Anfang ist nicht unbedingt schwer. Vor dem ersten Tauchgang mit dem "Torpedo" konnten die Teilnehmer das Gefährt an der Wasseroberfläche ausprobieren.
Mir hat das Trainingswochenende gefallen. Ich habe gelernt unter Wasser zu zeichnen sowie zu vermessen und hatte einen Heidenspaß mit dem Aquazepp. Ganz neue Dimensionen und Perspektiven konnte ich hier als Taucher erleben. Die Spannung, die von der Arbeit an einem
historisch interessanten Wrack ausgeht konnte man förmlich
fühlen. Ich werde jedenfalls versuchen, sobald wie möglich an einer richtigen Unterwassergrabung teilzunehmen.
© 2003 Andreas M. Stolpe