© 2003 Stefan Baehr & Oliver Meise - Keine Gewähr -
Wie wir schon in einer
der letzten Ausgaben des Taucher.Net-Onlinemagazins angekündigt hatten,
möchten wir hier ein bestimmtes Wrack vorstellen. Wir konnten den langjährigen
Nord- und Ostseespezialisten Stefan Baehr dafür gewinnen dies für
uns zu tun. Diese Beschreibung ist annähernd die gleiche wie in seinem
Buch Wracktauchen in der Ostsee.
Den
meisten Tauchern ist Stefan Baehr, von Zuhause aus ein auf CAD spezialisierter
Maschinenbauingenieur, bekannt als Autor des 2002 erschienenen Tauchführers
"Diveguide
Dorset Multimedial" und gefragter Unterwasserfotograf. Als solcher
lichtete er für den Stern bereits die 1945 in der Ostsee versenkte
MS
Wilhelm Gustloff ab und bebilderte Tauchberichte in namhaften Zeitschriften
wzB. dem Spiegel,Focus,Bunte und vielen mehr. Das Buch Wracktauchen
in der Ostsee , mittlerweile schon ein Klassiker der Tauchliteratur,
wird seit 1995 vom Jahr-Verlag herausgegeben. Es ist jedoch auch, wie hoffentlich
noch viele andere Tauchführer in der Zukunft, über Stafan Baehr`s
Verlag Pixelvalue beziehbar. In
jenem Buch wird unter anderem die Geschichte des deutschen Schnellbootes S
103 erzählt, einem jener hölzerner Vehikel die beide Kriegsparteien
gegeneinander einsetzten...
Obwohl ihre Geschichte nie verfilmt wurde, wie zum Beispiel die der
U-Boote in "Das Boot", waren die deutschen Schnellboote die erklärten
Angstgegner der britischen Seestreitkräfte. Diese Angst hatte ihren
guten Grund. Im Vergleich zu dem Schaden, den Schnellboote anrichten konnten,
waren sie in ihrer Holzbauweise recht einfache und "kostengünstige"
Schiffe. Während des Krieges pro Woche ein fertiges Schnellboot abgeliefert
werden. Und das von nur einer Werft! Gebaut wurden Schnellboote aber von
Lürssen in Vegesack, Schlichting in Travemünde, Gusto in Schiedam
und später, als die Bombardierungen im Westen zunahmen, vor allem
von der Danziger Waggonfabrik.
Sie kamen blitzartig und unerwartet, versenkten ein paar völlig
überraschte Schiffe, dabei machten sie selbst vor waffenmäßig
haushoch überlegenen Gegnern, wie Zerstörern und Kreuzern, nicht
halt und verschwanden dann genauso schnell wie sie gekommen waren. Das
Haupeinsatzgebiet der deutschen Schnellboote war der Kanal von Dover, mit
dem Ziel die Versorgung Englands von See her abzuschneiden. Das die Verwirklichung
dieses Vorhabens zumindest in den ersten Kriegsjahren überaus gelungen
war, belegt der Artikel einer englischen Tageszeitung von Ende März
1941: "Die deutschen Motortorpedoboote stehen im Begriff, unsere Nachschubwege
im Kanal völlig lahmzulegen. Man kann sich ausrechnen, wann die Küstentonnage
verbraucht ist, setzen die Deutschen ihr tödliches Spiel in demselben
Maße weiter fort."
Eines dieser auf dem Entwurf 1939/40 der Firma Lürssen beruhenden
115t-Boote vom Typ "Schnellboot 1939/40" war das zur Fertigungsserie S
100 - S 150 gehörende Schnellboot S 103.
Typgleiches Schwesterboot S 142
Dieses 34,94m lange und 5,28m breite S-Boot erblickte
anläßlich seiner Kiellegung auf der Schlichting-Werft
in Travemünde das Licht der Welt mit der Baunummer
1003.
Die Besonderheit an deutschen Schnellbooten dieser Art war die angewandte
Schiffsbautechnik. Der Rundspant-Doppelkraweel-Eiche/Mahagoni/Weißzeder/ Oregonpine/Leichtmetall-Kompositbau sorgte einerseits für eine sehr leichte Bauart
und sparte neben wertvollen Metallen auch Gewicht ein. Im weiteren waren
ungewöhnlich starke Motoren eingebaut. Die drei Daimler-Benz MB 501 Viertakt= diesel mit jeweils 20 Zylindern konnten leistungsmäßig
fast mit den Hochleistungs= motoren in den Jagdflugzeugen der Luftwaffe mithalten!
Photo: David Krakow
Die Motoren an Bord von S 103
brachten dann jeweils bis zu 2.000 PSw auf die drei im Durchmesser 1,08m
großen Schrauben und ermöglichten so eine Maximal= geschwindigkeit
von 39 Knoten - das sind ca. 72 Stundenkilometer- bzw. mit der maximal
bunkerbaren Menge von 13,5t Brennstoff eine Reichweite von 700 Seemeilen
bei einer Marschgeschwindigkeit von 35 Knoten. Daß diese Geschwindigkeiten
erreicht werden konnten -dafür sorgte auch der sogenannte Lürssen-Effekt.
Bei den nach dem Lürssen-Entwurf gebauten Booten befand sich nämlich
ein Halbbalanceruder mit zwei seitlichen Staurudern genau im Strom der
drei Schiffsschrauben.
Photo: David Krakow
Diese ließen das Boot ab einer bestimmten Fahrtstufe vorne stark
aus dem Wasser steigen und verringerten so die eingetauchte und Wasserwiderstand
bietende Oberfläche des Schiffsrumpfes, was wiederum die Geschwindigkeit
des Bootes selbst stark erhöhte.
Photo: Württembergische Landesbibliothek
Die Hauptbewaffnung von S 103 bestand aus zwei 53,3cm-Torpedorohren
vorne im Schiffsrumpf. Diese waren in den Bug eingearbeitet. Stand ein
Gefecht bevor, wurden die Ausstoßklappen zunächst mit einer
Handkurbel am hinteren Ende des Torpedorohrs geöffnet.

Sobald das Kommado "Torpedos los!" kam, schlug der hinten am Torpedorohr
bereitstehende Matrose auf den Handauslöser.
 
Befand man sich im Hafen, wurden diese Rohre regelmäßig durch
die Bugklappen gewartet.
 
Die Torpedos kamen dagegen frisch gewartet vom Schnellboot-Mutterschiff.

Photo links: David Krakow
Im Einsatz führte man dann zwei Torpedos in den Torpedorohren mit
und zwei weitere wurden mittschiffs an der Bordwand zum Nachladen mitgeführt
-teilweise mit Sprüchen verziert.

Photos VLNR: David Krakow, PK Schieck
Anstatt der Reservetorpedos konnten aber auch sechs Minen mitgenommen
werden um feindliche Seewege mit ihnen unsicher zu machen. Eine weitere
Bewaffnungsalternative zu den beiden Reservetorpedos waren seinerzeit sechs
Wasserbomben um damit auf U-Bootjagd gehen zu können.

Anbordnahme der Wasserbomben für Wurfanlage auf
dem Heck
Photos: David Krakow
Die Sekundärbewaffnung bestand aus im wesentlichen aus einer kleinkalibrigen
Flakbewaffnung. Genauer gesagt einer 2cm/65-Flak Modell 1930 der Firma
Rheinmetall in einer im Bug installierten Drehkranzlafette 41.
S-Boot auf Übungsfahrt
Links Munitionsschütze, rechts Richtschütze
Photo: David Krakow
Um die Drehkranzlafette herum sind griffbereit zwölf schwarze Blechmagazine
mit jeweils 20 Schuß Bereitschaftsmunition gelagert.
Reinigung des Geschützrohrs eines kriegsmäßig
bewaffneten S-Bootes
Photo: David Krakow
Das zweite Flakgeschütz an Bord war eine typgleiche, einzeln hinter
der Brücke in einer Mittelpivotlafette auf dem Heck aufgestellte 2cm-Flak
Modell 1930.
Photo: David Krakow
Für diese beiden Geschütze war insgesamt ein Vorrat von 6.000
Schuß vorhanden. Zu den beiden Flak-Kanonen gesellte sich lediglich
noch ein mittschiffs auf einer Sockellafette montiertes Zwillings-MG im
Kaliber 2cm.
Nachdem alle Einbauten vorgenommen wurden, lief S 103 am 21.
Dezember 1940 vom Stapel. Nach Beendigung der Ausrüstung stellte das
2.275.000 Reichsmark teure Schnellboot dann mit seiner 24-köpfigen
Mannschaft am 9.Februar 1941 unter dem Kommando von Oberleutnant zur See
Karl-Friedrich Künzel in Dienst und kam zur 1. Schnellboot-Flottille
von Korvettenkapitän Birnbacher -die gerade von der holländischen
und belgischen Küste aus gegen den Englischen Kanal operierte. Den
harten Dienst dort überlebte das Boot genauso wie die dann ab Mai
1941 in der Ostsee und vor Finnland stattfindenden Operationen -bis zu
jenem Tage am 22.Juni 1941 als S
103 während einer Feindfahrt in den Finnischen Meerbusen auf
einen Unterwasserfelsen auflief und dabei schwer beschädigt wurde.
Zu Reparaturzwecken wurde das Boot in die im Westen gelegenen Schnellbootwerften
verbracht und am 15. Februar 1942 nominell der 2. Schnellbootflottille
von Kapitänleutnant Feldt unterstellt. Diese stand im Westraum im
Einsatz und konnte das Anfang April 1942 fertigwerdende S-Boot gut brauchen.Sofort
wurde es am 14. April 1942 wieder in Dienst gestellt, bekam jedoch als
neuen Kommandanten Oberleutnant z.S. Nikolai Baron von Stempel. Nach nur
drei Monaten trat erneut ein Kommandowechsel ein und Leutnant z.S. Kurt
Neugebauer übernahm das Boot. Unter ihm trat S
103 dann auch am 1. September 1942 von der 2. S-Bootflottille zur
S-Boot-Schulflottille über. Hier wurde neues S-Bootpersonal im Fahren
von Schnellbootsangriffen ausgebildet. Viele Torpedos wurden dabei auf
Übungsziele geschossen. Nachher wurden diese Übungstorpedos wieder
eingesammelt. Soffen diese ab bevor sie wieder geborgen werden konnten,
wurden Leuchtbojen ins Wasser geworfen, damit Taucher die Fundstelle leichter
wiederfinden konnten. Aus diesem Grunde mußte man aber auch erst
einmal einige dieser Leuchtbojen an Bord schaffen.
Photo: PK Dreyer
Als im Dezember 1943 die Schnellboot-Lehrdivision aufgestellt wurde,
wurde S 103 der 1. S-Boot-Schulflottille
unterstellt. Die Ausweitung des Luftkrieges und die immer größer
werdende Gefahr von starken Luftangriffen führte 1944 zu Änderungen
in der Bewaffnung. Die einzelne 2cm-Flak 38 auf dem Heck wurde durch eine
4cm -Flak 36 der Firma Bofors ersetzt und Raum geschaffen für 2.000
Granatpatronen dieses Kalibers. Dabei sind auch die MG`s mittschiffs durch
eine einzelne 2cm-Flak 38 auf einer Mittelpivotlafette ersetzt worden.
In dieser Bewaffnungsvariante hatte ein Schnellboot 9.000 Granatpatronen
des Kalibers 2cm mitzuführen. Da dies damals gängige Praxis war,
befanden sich zur Fliegerabwehr auch noch zwei MG 34 bzw. zwei MG 42 mit
einem entsprechend großzügig bemessenen Munitionsvorrat auf
der Brücke. Derart gerüstet gelang es S
103 und seiner Mannschaft das Boot durch alle Fährnisse des
Krieges hindurchzulavieren. Am 15. Januar 1945 trat S
103 als Schulboot "C" zur
2. S-Boot-Schulflottille über und bildete dort weiter S-Bootpersonal
für die Marine aus. Am 2.Mai 1945 lag das Boot im Hafen der dänischen
Stadt Svendborg als der letzte Kommandantenwechsel erfolgte: Oberleutnant
zur See Hans-Wulf Heckel setzte seinen Kommandantenwimpel und übernahm
das Boot. Der Krieg lag in diesen Tagen und Wochen in seinen letzten Zügen.
Dennoch wurde weitergemacht wie bisher -wenn Wetter, Feindflugzeuge und
Brennstoffvorräte dies zuließen. Den übergeordneten Marinestellen
war die Feindlage recht unbekannt. Kein Wunder -zogen doch die westalliierten
Truppen zügig nach Osten und die Russen nach Westen. Man hatte überhaupt
keinen Überblick, welcher Feind nun wo stand und wie das Verhältnis
zu ihm war. Denn der britische Feldmarschall Montgomery führte Anfang
Mai auf deutschem Boden schon Kapitulationsverhand= lungen mit den Parlamentären
von Staat und Wehrmacht. Obendrein lief im Osten schon seit Wochen die
großangelegte Evakuierungsaktion von Flüchtlingen aus den Ostgebieten.
Hierfür brauchte man jedes Fahrzeug. Um also ein wenig Licht ins Dunkel
zu bringen wurde nun befohlen,daß eine Einheit der 2. S-Boot-Schulflottille
die Regionallage aufklären sollte durch einen Vorstoß nach Flensburg.
Hier sollte in Erfahrung gebracht werden, ob dort schon britische Truppen
angelangt wären. Außerdem sollte diese Einheit dann volltanken
und nach dem Osten versegeln um sich dort an der Rettungsaktion Ost zu
beteiligen. Da ansonsten kein fronterfahrener Offizier mehr in der Schulflottille
vorhanden war, wurde Oberleutnant Hans-Wulf Heckel mit dem Aufklärungsvorstoß
nach Flensburg beauftragt. Trotz Hinweis von Oberleutnant Heckel auf die
außerordentlich starke Feindaktivität in der Luft und die kaum
ausgebildete Mannschaft mußte sein Boot dann am 4.April um 14.00
Uhr ablegen. S 103 machte
sich also mit 30 Mann Besatzung und zwei Passagieren auf nach Flensburg.
Einige Zeit vorher war im schottischen Banff ein Flugzeugverband mit
Namen "Banff Strike Wing" gestartet. Das Prinzip dieser Einheit war mit
konzentrierter Übermacht die Küsten von Norwegen, Dänemark
und der westlichen Ostsee inklusive Kattegat abzugrasen und feindlichen
Schiffsverkehr zu versenken. Ziel des Banff Strike Wing war heute speziell
Kiel und das Kattegat. Insgesamt starteten 62 Flugzeuge zu dieser Patrouille.
Sie gehörten den in Banff beheimateten RAF-Squadrons 143, 235, 248,
333 und 404 an. Den Löwenanteil von 41 Flugzeugen stellte dabei der
zweimotorige Jagdbomber vom Typ De Havilland 98 "Mosquito" FB VI. Dieser
Flugzeugtyp wurde in Fachkreisen auch "das hölzerne Wunder" genannt,
bestand es doch wie seine deutschen Schnellbootkollegen aus Holz.
Photo via 1000aircraftphotos.com
Der Rumpf und die Tragflächen bestanden bei der Mosquito aus einer
zusammengeleimten Konstruktion aus Birken- und Balsaholz die lediglich
mit Leinwand überspannt wurde. Dieses naturgemäß sehr leichte
Flugzeug wurde dann mit zwei jeweils 1.250 PS starken Rolls-Royce
Merlin Mk.XXV Zwölfzylinder V-Motoren ausgestattet und konnte bei seiner Truppeneinführung im Juli 1941
in seiner Aufklärerversion in großen Höhen sogar deutschen
Jagdflugzeugen durch seine überlegene Geschwindigkeit von 620 km/h
entkommen. Ein derart leistungsfähiges zweimotoriges Flugzeug war
dann natürlich auch als Jagdbomber mit einer Bewaffnung von jeweils
vier starr im Bug installierten 2cm-Maschinen= kanonen und 7,62mm-MG`s sowie
vier unter jeder Tragfläche angebrachte Mk IIIA-Abschußgeräte
für jeweils ein 11,3kg schweres Raketenprojektil ein sehr ernstzunehmender
Gegner. Um so mehr, als daß die Mosquito-Piloten sich keine Gedanken
um eventuell angreifende deutsche Jagdflugzeuge zu machen brauchten -man
hatte ja als Jagdschutz 18 mit jeweils sechs 12,7mm-MG`s bewaffnete North
American P 51 "Mustang"-Jagdflugzeuge dabei.
Photo via 1000aircraftphotos.com
Außerdem flogen für den Fall der Fälle noch drei Vickers
"Warwick"- Seerettungs= flugzeuge mit. Geschlossen flog diese Formation nun unter dem Kommando von Wing Commander Pierce nach Westen, immer Ausschau
haltend nach lohnenden Zielen.
Mit doppelten Ausgucks, besetzten Gefechtsstationen und Kriegsmarschverschluß= zustand steuerte S 103 südliche
Kurse und gelangte dann dank unsichtigem und regenreichen Wetter mit Westkurs
durch das Inselgewirr nordöstlich der dänischen Insel Aerö.
Nachdem S 103 die Nordspitze
von Aerö gerundet hatte, lief es in den Kleinen Belt ein. Gegen 15.00
Uhr stand das Boot gerade schon querab von Mommark auf der Höhe von
Alsen, als plötzlich und unvermitelt Fliegeralarm gegeben wurde.
Aus einem Wolkenloch heraus hatte die Flugzeugmeute des Banff Strike
Wing S 103 erspäht und
stürzte sich nun auf das deutsche Schnellboot! Damit es keinen Verkehrsstau
über dem Schnellboot gibt, ordnet der leitenden RAF-Offiziere vor
Ort Wing Commander Foxley-Norris an, daß sich "lediglich" sechs Maschinen
mit dem deutschen Kriegsschiff befassen sollen. Hierbei handelte es sich
um vier zweimotorige Mosquitos und zwei einmotorige Mustangs. Diese leisten
ganze Arbeit, beharken S 103
mit ihren Raketengeschossen sowie Bordwaffen und erzielen sofort einen
schweren Raketentreffer direkt hinter der Brücke. Die dadurch hervorgerufene
Explosion und zahlreiche Bordwaffentreffer setzen den Großteil der
Besatzung außer Gefecht wie auch die 4cm-Boforsflak auf dem Heck
und das im Bug eingebaute 2cm-Flakgeschütz. Zwar versuchte der Funker
Hans Gothe zusammen mit einem Kameraden dieses wieder instand zu setzen,
jedoch die angreifenden Mosquitos unterbinden dieses Bemühen mit einem
weiteren Kugelhagel. Die anderen Flakgeschütze hämmern verzweifelt
Löcher in den Himmel um dem nach Schnellbootmanier hakenschlagenden
Boot Luft zu verschaffen. S 103
hatte aber trotz seiner Flakgeschütze und seiner hohen Geschwindigkeit
nicht die Spur einer Chance. Unter dem fortwährenden Bordwaffenfeuer
der Mosquitos und Mustangs fällt alsbald der Rest der Flakbewaffnung
genauso aus wie zwei der drei Motoren. Der letzte Motor lief auch nur noch
auf ein paar Zylindern, so daß das mittlerweile mittschiffs brennende S
103 alsbald kaum noch Ausweichbewegungen machen kann und wie eine
lahme Ente zum Anschuß freigegeben auf der Ostsee dümpelt. Schließlich
lassen die Mosquitos nach weiteren Treffern von dem offensichtlich dem
Untergang geweihten und stark brennenden Schiff ab und verdrücken
sich. Der Versenkungsbericht der RAF gibt erschöpfend Auskunft über
den Erfolg: "Zehn Raketentreffer über der Wasserlinie, viele Treffer
von Maschinenkanonen, Boot explodierte, gestoppt liegend und stark brennend
zurückgelassen."
Bis auf die Explosion stimmte das auch. S
103 war nur noch ein auf ebenem Kiel langsam sinkendes Wrack. Geordnet
wurden noch während des Sinkens Verwundete aus dem hinteren Mannschaftsraum
geborgen wzB. der bewußtlose Maschinist Ludwig Dumesnil. Insgesamt
kamen 20 deutsche Seeleute bei diesem Angriff um. Zwölf fanden sich
im Wasser wieder und mußten sich in Ermangelung der zerschossenen
Rettungsflöße mit Rettungsringen, Wrackteilen und Schwimmwesten
in der kalten Ostsee über Wasser halten. Hier konnten sie beobachten,
daß ihr Boot langsam auf ebenem Kiel wegsank und schließlich
für immer unterschnitt. Zum Glück war der Kampf auf See von dänischen
Fischern in Mommark beobachtet worden. Eine dreiviertel Stunde nach dem
Untergang kam ein Fischkutter herangetuckert und nahm die zwölf Überlebenden
an Bord. Von seiner Besatzung wurden sie mit warmen Decken, Verpflegung
und Unterkunft versorgt. Nach der Ankunft in Mommark wurden die Verletzten
in das nur 18 Kilometer entfernte Schiffshospital in Sonderburg an Bord des Schnellbootbegleitschiffs Herrmann
von Wissmann gebracht und wurden dort vom Schiffsarzt versorgt.
Unter den geretteten war auch Oberleutnant Heckel. Nachdem er sich um seine
Männer gekümmert hatte, ging er an Bord eines im Fährhafen
liegenden Minenräumers. Dort erfuhr er,daß in den 20.00 Uhr-Nachrichten
des Reichsrundfunks mitgeteilt worden war, daß der Abgesandte des
letzten Reichskanzlers Großadmiral Karl Dönitz -der Admiral
von Friedeburg- und Feldmarschall Montgomery um 18.20 Uhr eine Teilkapitulation
aller Wehrmachtsteile gegenüber den Westalliierten unterzeichnet hatten.
Sie sollte um 08.00 Uhr am 05. Mai in Kraft treten. Zu spät für S
103 und 20 Seeleute!
Auch der Banff Strike Wing sollte auf diesem seinem letzten Kriegseinsatz
nicht ungerupft nach Hause kommen. Der Verband griff nachS
103 auf der Höhe der Samso-Insel noch einen Konvoi von sieben
Schiffen an. Hieraus konnten die Flieger aus Banff zwar ein Schiff versenken
und zwei weitere beschädigen, jedoch war die Flakabwehr so stark daß
vier der North American P 51 "Mustang"-Begleitjäger abgeschossen wurden
und zwei der De Havilland 98 "Mosquito" FB VI-Jagdbomber so stark beschädigt
wurden, daß sie im neutralen Schweden notlanden mußten.
30 Jahre gingen ins Land bevor sich wieder das Interesse an S
103 regte. Seit einiger Zeit schon hatten Taucher eines Tauchvereins
von der Insel Langeland ein bis dato unbekanntes Wrack betaucht. Um S
103 rankten sich zu dieser Zeit in Taucherkreisen lange und hartnäckig
die heißesten Spekulationen und Gerüchte. Vor allem nahm man
an,S 103 sei noch nach der Kapitulation
ausgelaufen. Die Gerüchte gehen von "da wollten noch ein paar Nazibonzen
abhauen" bis zu "hochgeheimen Dokumenten", welche angeblich von Kiel aus
noch außer Landes gebracht werden sollten.
Nichtsdestotrotz machten die Taucher aus Langeland im Jahre 1976 nach
dem Fund von 15 Flakgranaten den dänischen Entminungsdienst auf dieses
drei Nautische Meilen südöstlich von Mommark und zwei Nautische
Meilen vor der Küste in dänischen Gewässern liegende militärische
Wrack aufmerksam. Die Dänische Marine entsandte eines ihrer Schiffe
und schickte einen Taucher herunter um es zu untersuchen. Der fand dort
in ca. 33m Tiefe ein deutsches Schnellboot aus dem 2. Weltkrieg auf ebenem
Kiel vor, dessen Bug nach Südwesten in Richtung 115° wies. Es
trug noch seine komplette Munitionschargierung, insbesondere seine Torpedos
und fünf. Eine zuerst projektierte Sprengung dieser Unterwassergefahr
war nicht möglich, da in unmittelbarer Nähe ein Unterwasserkabel
verlief das die Insel Alsen mit Strom versorgte. Guter Rat war teuer. Also
wurde zunächst ein Fischerei- und Ankerverbot in einem Umkreis von
0,5 Nautischen Meilen verhängt und die Problemlösung auf das
nächste Jahr verschoben. Gleichzeitig wurde ein Tauchverbot verhängt.
Im Frühjahr 1977 erfolgten weitere Untersuchungen des Wracks. Hierbei
wurden drei weitere Wasserbomben gefunden.
Mittlerweile ist das Wrack weitestgehend beräumt. Die Dänische
Marine entsorgte so zB. die Torpedos inklusive der Torpedorohre und kümmerte
sich auch um (fast) alle Wasserbomben. Denn nach der Beräumung dachte
man zunächst daß nun wieder alles in Ordnung wäre mit dem
Wrack. In der Folge war das tauchen dort dann wieder erlaubt. Dem Vernehmen
nach hatte sich in diesem Zeitraum auch ein dänischer Tauchclub das
Flakgeschütz aus dem Bug "organisiert" und als Ausstellungsstück
in sein Clubhaus gestellt. Da dann aber immer wieder Munition entdeckt
wurde, war das Tauchen an diesem Wrack in der Folgezeit dann mal wieder
erlaubt, mal wieder verboten.
Eine Wasserbombe soll nun zB. noch unten bei den Ruderblättern
auf der Steuerbordseite des Wracks liegen, was ich mir jedoch nicht vorstellen
kann da die Dänische Marine das Wrack beräumt hat und sowas nicht
übersehen würde. Außerdem hatte das Boot im Zeitpunkt des
Untergangs noch mehrere tausend Schuß Flakmunition der Kaliber 2cm
und 4cm an Bord. Also dürften im Wrack und im Schlamm um das Wrack
herum noch einige Granatpatronen dieser Art liegen. Vorsicht!
Nicht anfassen!! Diese Munition ist immer noch gefährlich!!! Lebensgefahr!!!!
Bei S 103 handelt es sich,
wie bei vielen anderen Wracks auch, um ein Kriegsfahrzeug. Ich möchte
nochmals darauf hinweisen, das hier der Grundsatz gelten muß, "alles
anschauen, aber bloß nichts berühren!" Was in der Truk-Lagune
recht ist, sollte uns in der Ostsee billig sein! Das SchnellbootS
103 lief unter voller Bewaffnung aus. Es ist mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit damit zu rechnen, daß sich noch in größerem
Umfang Munition, in Form von Flakmunition usw. an Bord befindet.
Leider haben Raubtaucher die beiden äußeren Schrauben des
Schnellbootes abgesägt und mitgenommen. Sie planen dem Vernehmen nach
nun auch das Vordeck gewaltsam zu öffnen um dort hereinzugelangen.
Angesichts des Umstandes daß es sich bei S
103 um ein Kriegsgrab für 20 Tote handelt, sollte es jedem
unschwer einleuchten daß eine derartige Störung der Totenruhe
hier verboten ist! § 168 StGB stellt derartiges -die Tat selbst und
auch nur den Versuch!- mit Gefängnis von bis zu drei Jahren unter
Strafe.
Tauchen ohne etwas anzugrabschen oder mitzunehmen wird dort jetzt wieder
erlaubt. Und genau das taten Stefan Baehr und Hatti.
Den gestrigen Tag haben Hatti und ich irgendwie im Ferienapartment vergammelt.
Hatti mit einem Buch, ich selbst mit meinem Notebook, Texte schreiben und
Informationen scannen.
Der Grund für unsere Untätigkeit ist in dem stürmischen
Wetter zu suchen, es ist schlichtweg unmöglich mit dem Kutter hinaus
zu fahren. Also hofften wir auf morgen.
Heute ist es jedoch soweit, Hans Erik unser Skipper will mit uns beiden
Tauchern hinaus fahren, ungeachtet der Tatsache, das die Wolken am Himmel
immer noch zum Fürchten aussehen und es die ganze Nacht gekachelt
hat wie verrückt. Es ist schon verdammt anständig von Hans Erik,
mit nur zwei Tauchern auszufahren, aber er kennt mein Problem mit S
103! Dieses Wrack entzog sich jetzt schon etwa seit einem dreiviertel
Jahr erfolgreich meinen fotografischen Nachstellungen. Entweder war das
Wetter zu mies oder der Tauchpartner hatte Angst vor einem Deko= tauchgang und wollte schon nach ein paar Minuten zurück, oder die Sicht war
so schlecht, daß ich meinen Tauchpartner nur ertasten, aber nicht
sehen konnte. Das mit dem Wetter und der Sicht könnte heute auch passieren,
wenigstens beim Tauchpartner konnte ich vorsorgen. Hatti ist mit von der
Partie. Wir kennen uns schon von der Gustloff-Expedition, er leitete dort
mit Erfolg das Erkundungsteam. Während ich in den Tropen schon öfter
mal der Versuchung nachgebe, alleine zu tauchen, der besseren Fotos wegen,
riskiere ich so etwas in der dunkelen Ostsee bei einem Wrack in 35 Metern
Wassertiefe auf keinen Fall. Wenn man dann auch noch die Aufgabe hat, so
ein Wrack zu dokumentieren, also abgelenkt ist, gilt für mich eine
weitere Einschränkung bezüglich des Tauchpartners: der Richtige
muß es sein!! Bei Hatti habe ich da in Anbetracht seiner Ausbildung,
er ist Tauchlehrer, sowie seiner hervorragenden taucherischen Leistungen
bei der Erkundung der MS Wilhelm
Gustloff keinerlei Bedenken.
Derartige Gedanken sind vor Tauchgängen im Gebiet des kleinen
Beltes immer angebracht, fast alle Wracks liegen tiefer als 30 Meter und
die Ostsee erreicht auch hier im Süden des kleinen Belts schon beachtliche
Strömungsgeschwindigkeiten, ganz oben im Norden, bei Middelfahrt können
es sogar bis zu acht Knoten werden!
Außerdem ist es in dieser Gegend schon in 30 Metern Wassertiefe
sehr dunkel. Obwohl das Wasser des kleinen Belts recht klar erscheint,
ist es beim Wrack vonS 103 teilweise
wesentlich dunkeler als bei den Wracks weiter im Süden und Osten.
Zur Strömung und Dunkelheit gesellt sich noch die Kälte, ca.
4 Grad kaltes Wasser unten am Wrack, und das mitten im Hochsommer!
Wir springen schon im Hafen von Mommark in unsere Trockentauchanzüge,
wer weiß wie es draußen rund geht.
Nur ca. 30 Minuten Fahrt sind es mit der Rasmus von Mommark bis zur
Unter= gangsstelle von S 103.
Der Seegang wird nach dem Verlassen der Landabdeckung etwas ungemütlich,
einige meiner Kästen und Aluboxen scheinen sich zu langweilen und
wollen sich etwas an Bord umsehen. Schnell wird die gesamte Deckslast seefest
gemacht. In der Nähe der Untergangsstelle wird die See etwas ruhiger,
wir sind wieder etwas mehr unter Land, trotzdem sind wir heilfroh, heute
keine zehn, bei Seegang durcheinanderstolpernde Mittaucher dabei zu haben.
Es reicht schon, wenn Hatti und ich uns ab und zu gegenseitig festhalten
müssen.
Hans Erik ist ein Meister im "schnellen Wrackfinden". Mit der Unterstützung
durch GPS (Global Positioning System), Sidescan, einer Art "Unterwasserradar",
welches ein ringförmiges farbiges Sonarbild des Meeresbodens um das
Schiff herum aufzeichnet, und einem Farbechografen, welcher ein farbiges
Profil des Grundes direkt unter dem Boot mitzeichnet, ist die Wracksuche
nur noch ein "Minuten= problem". Um das Wrack nicht zu beschädigen und
um die Sicht unter Wasser nicht zu beeinträchtigen, werfen wir den
Anker direkt neben das Wrack. An der Ankerleine hängt oben nur eine
Boje, die Rasmus wird, mit laufender Maschine und ausgekuppelter Schraube,
treibend auf uns warten.
Eine Proberunde mit der Sidescananlage um das Wrack bestätigt,
unser Anker liegt goldrichtig, direkt neben S
103. Die Kamera wird an einem fünf Meter langen, mit Gummi
gedämpften Tampen gehängt und soll gerade außenbords gehen,
als Hans Erik unsere Aktivitäten von der Brücke aus stoppt. Er
hat etwas auf dem Radarschirm ausgemacht. Tatsächlich erscheint am
Horizont ein "dicker Pott", der sich im Näherkommen als Tanker entpuppt.
Er hält genau auf uns zu. Wir könnten zwar vor ihm ablaufen,
aber was wird aus unserer Boje? Hans Erik nimmt über Seefunk Kontakt
zu ihm auf. Er will nach Portugal, wird uns in weitem Bogen umfahren und
der norwegische Kapitän wünscht uns noch einen schönen Tauchgang.
Die Rasmus fährt erneut die Boje an, und die Kamera geht an ihrer
Leine über Bord. Hatti und ich folgen sofort nach. Während ich
meine Kamera vom Karabiner löse, sehe ich unter mir die Bojenleine
durchlaufen, gottseidank, das Wasser ist klar. Da fast keine Strömung
herrscht und die Leine klar zu erkennen ist, schwimmen wir erst gar nicht
zur Boje, sondern lassen uns gleich auf die Leine fallen, und folgen ihr
in die Tiefe. Das Schraubengeräusch des riesigen Tankers begleitet
uns auf unserem Weg nach unten. Wo mag er eigentlich herkommen, in dem
engen Kanal bei Middelfahrt kann ich mir so ein riesiges Schiff eigentlich
kaum vorstellen, und hoffentlich erinnert er sich an sein Versprechen,
einen großen Bogen um uns zu machen. Hatti muß ganz ähnlichen
Gedanken nachgehen, denn er hat es heute besonders eilig, nach unten zu
kommen.. Die dunkelen Umrisse vor uns reißen mich aus meinen
Träumereien, S 103 taucht
schemenhaft vor uns auf. Wir sehen auf die Steuerbordseite - die rechte
Schiffshälfte.Es steht dort auf ebenem Kiel auf dem Meeresboden als
wäre es dort sorgfältig "geparkt". Obwohl ich das Wrack schon
kenne, brauche ich einen Augenblick, um mich zu orientieren und vertraute
Bereiche zu erkennen. Rechts vor uns taucht das direkt hinter der Brücke
stehende Flakgeschütz auf, links davon geht`s in Richtung Heck. Hier
ist das Deck meterweit aufgerissen.
Bewachsenes Rohr des 2cm-Flakgeschützes hinter Brücke
Photo © 1995 Stefan Baehr
Wir müssen uns also nach rechts wenden um zu der Brücke und
den Torpedo= klappen zu gelangen. Dort will ich noch einige Aufnahmen machen, dement= sprechend gebe ich Hatti Zeichen. Wir folgen der teilweise weggerissenen
Reling an der Brücke vorbei, zum Vorschiff. Eine leichte Strömung
hilft uns dabei. Ich will am Bug mit den Aufnahmen beginnen, und mich dann
langsam gegen die Strömung vorarbeiten. Der leider nicht vollständig
vermeidbare aufgewirbelte Mulm von uns beiden Tauchern wird dann nach hinten
weggedrückt und verdirbt nicht unsere Fotos. Das Schnellboot sieht
direkt von vorne betrachtet eher wie ein U-Boot aus. Das man aufgrund der
Sichtweiten nicht das ganze Schiff einsehen kann verstärkt diesen
Eindruck noch erheblich. Mein Blick in den Sucher meines Jetmarin-Gehäuses
erheischt viel Dunkles. Um noch etwas an Umgebungslicht zu erhaschen bin
ich heute mit der Verschlußzeit sehr mutig. Ich stelle meine F 801
auf eine viertel Sekunde ein. Eine Entscheidung die ich hinterher nicht
bereut habe. Hatti habe ich vorher schon instruiert "Say cheese und halte
ganz still..".
Hatti über Schnellbootbug
Photo © 1995 Stefan Baehr
Die Torpedoklappen kommen in Sicht, wieder das gleiche Spiel.
Geschlosssene Klappe des Torpedorohrs an Steuerbord
Photo © 1995 Stefan Baehr
So arbeiten wir uns langsam an der leeren Barbette des Buggeschützes
vorbei bis zur Brücke vor, die sich strömungsgünstig flach
hinter das Vordeck duckt.
Photo © 1995 Stefan Baehr
Oben auf der Brücke ist der ehemalige Beobachtungs- und Steuerstand.
Alles wirkt ungeheuer eng und gedrückt. Der seitliche Eingang zur
Brücke ist geradezu winzig, zu winzig für einen Taucher der fotogen
herausleuchten will.
Brückenhaus von der Steuerbordseite aus gesehen
Photo © 1995 Stefan Baehr
Überhaupt ist mir unklar, wie über dreißig Mann Besatzung
auf dieser engen Kiste gelebt haben wollen. Dieses Schiff scheint wirklich
nur eine bis an die Zähne bewaffnete Rennmaschine gewesen zu sein,
ohne auch nur ein Zipfelchen mehr als den unbedingt notwendigen Platz geschweige
denn Komfort für die Besatzung geboten zu haben.
Auf der Brücke VRNL: Steuermann,Funker
Photo: David Krakow
Im Vergleich hierzu müssen U-Boote wahre Raumwunder gewesen sein.
Ein Blick auf eine Zeichnung, welche bei Hans Erik an der Wand hängt
bestätigt dieses auch, dort erscheinen nur Maschinen, Treibstofftanks,
Munitionskammern, Torpedos, Raum für Wasserbomben und irgendwo dazwischen,
wo gerade mal Platz war, eine oder mehrere Kojen für die Besatzung.
Erreichbar nur durch sehr schmale und außerordentlich verwinkelte
Gänge.
Mein Film ist voll, und auch der Computer mahnt uns zur Rückkehr.
Meinem Gefühl nach sind wir gerade erst abgetaucht, trotzdem sind
wir schon in der Dekozeit. Da heißt es an der Bojenleine warten und
"Quallen zählen". Zurück an Bord werden Filme gewechselt und
der Beschluß gefasst den zweiten Tauchgang auch hier zu machen. Wir
wollen uns das Heck noch mal genauer ansehen. Wir sind schon spät
dran und leisten uns daher nur etwa eine Stunde Oberflächenpause wenngleich
die Nullzeitenvorschau unserer Computer wenig Erfreuliches zeigt.
Erneut tauchen wir ab und wenden uns diesmal nach links, Richtung Heck.
In dem riesigen Loch hinter dem Flakgeschütz kann man einen der drei
kräftigen Diesel= motoren des Schnellbootes zumindest teilweise erkennen.
Ich mache in dem Gewirr von Stahl die V-förmig gegabelte Abgasleitung
des hinteren Diesels aus. Ein Stück davor und darunter, erkennt man
noch dem Zylinderkopf. Weiter unten steckt der Motor im Schlick, mit dem
der Rumpf des Schiffes in diesem Bereich bis zur Hälfte gefüllt
zu sein scheint. Die beiden anderen Motoren müssen weiter vorne im
Schiff sein, der Zeichnung nach fast direkt hinter der Brücke. Wir
haben einen kleinen Bogen gemacht und sind jetzt direkt neben dem Flakgeschütz,
welches hinter der Brücke steht. Es ist ganz nach oben und auch nach
vorne geschwenkt auf ca. 13 Uhr. Es muß die letzten Schüsse
auf die Angreifer abgegeben haben, jedoch ohne Erfolg. Hinter dem klaffenden
Loch im Deck steht das zweite Flakgeschütz. Es weist ziemlich genau
in die gleiche Richtung wie das Erste, ein weiterer Hinweis darauf, daß S
103 nicht kampflos versunken ist. Auf dem Heck befindet sich noch
ein Niedergang, jedoch auch zu klein um einen die Neugier befriedigenden
Einblick zu ermöglichen, geschweige denn sich tiefer hinein zu wagen.
Hatti und ich lassen uns hinter das Heck fallen, ich will die beiden guterhaltenen
Schrauben fotografieren. Die beiden eindrucksvollen Hochgeschwindigkeitsschrauben
des ehemals 39 Knoten schnellen Schiffes halten sich heute jedoch "bedeckt"
- sie sind völlig eingeschlickt. Vor einem halben Jahr lagen sie noch
völlig frei. Der zweite Film ist voll, außerdem müssen
wir schon 20 Minuten Deko machen. Bis wir am Seil angelangt sind, werden
wir sogar mit 22 Minuten "Quallen zählen" bestraft. Während wir
unsere Zeit in drei Metern Wassertiefe absitzen bin ich jedoch über
die neuen Erkenntnisse über das Wrack und die zu erwartende fotografische
Ausbeute sehr zufrieden. Endlich mal genug Zeit und Wetterbedingungen,
die brauchbare Fotos nicht von vornherein verhindern.
Hans Erik hat sich schon etwas Sorgen gemacht, wir haben uns zwar für
einen "etwas längeren" Tauchgang abgemeldet, aber mit 67 Minuten hat
er dann doch nicht gerechnet.
Unser Bojenanker lag eigentlich direkt neben dem Wrack.. . Da wir ihn
jetzt doch nicht freibekommen, ohne dabei unfreiwillig S
103 zu heben, beschließen wir morgen nochmals an diesem Wrack zu tauchen, bevor wir uns die übrigen Wracks des kleinen Belts ansehenwerden. Und davon gibt es, so erzählt uns Hans Erik unternehmungslustig, noch eine ganze Menge...
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GPS-Positon:
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54°54`01`` N / 10°07` 25``E
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Für die freundliche Genehmigung zeitgenössisches Bildmaterial
von Ihren Internet= seiten verwenden zu dürfen, danken wir Herrn David
Krakow von PrinzEugen.com , Herrn
Ron Dupas von 1000aircraftphotos.com
und Herrn Thomas Weis von der Württembergischen
Landesbibliothek ! Für die Beantwortung neugieriger Fragen
danken
wir Herrn Peter Klink von den Bubblewatchern
und Herrn Claus Thybo!
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