Anfang Mai 2003: Ein- seit zwei Tagen an der "Schwarzen Wand", einem
beliebten, aber leider unfallträchtigen Tauchplatz am Attersee, geparkter PKW löste den Verdacht
aus, dass die Besitzerin bei einem Tauchgang verunglückt sein
könnte. Erste Suchaktionen durch Wasserrettung und
Feuerwehrtaucher blieben ergebnislos. Bei einer groß angelegten
Suche nach der vermissten Frau sollte endlich Klarheit geschaffen
werden.
Ein Bericht aus Sicht der Einsatzkräfte:
Einsatz am Attersee
Die ergebnislose Suche nach einer vermissten Frau aus Deutschland war
am 10. Mai 2003 Anlass für einen groß angelegten
Taucheinsatz im Attersee bei Steinbach. Feuerwehrtaucher aller
Stützpunkte beteiligten sich an diesem Einsatz.
Einsatzbericht:
Nach dem Fund eines Pkws am Ufer des Attersees wurde vermutet, dass eine
Frau aus Deutschland bei einem Tauchgang in den Attersee
verunglückt sein dürfte. Zwar konnten keine Beobachtungen
für den Tauchgang gemacht werden, da jedoch die Person keine
Fremde mehr in der Umgebung war, musste dies angenommen werden.
Zusätzlich fehlte im Pkw die gesamte Ausrüstung der
gemäß des Taucherlogbuches sehr erfahrenen Taucherin (mehr
als 1.000 Tauchgänge und keinen im Alleingang). Einzelne
Suchaktionen durch Feuerwehr- und Wasserrettungstaucher blieben ohne
Erfolg.
Die Mahnmale an der "Schwarzen Brücke"
am Attersee
Alle Taucher-Stützpunkte
Um die Suche noch effizienter durchführen zu können,
wurde vom zuständigen Tauchstützpunktleiter, HAW Kurt
Hitzfelder, für den 10. Mai 2003 eine Suchaktion mit Tauchern
aller Stützpunkte in Oberösterreich organisiert bzw.
vereinbart. 70 Feuerwehrtaucher standen schlussendlich für den
Einsatz zur Verfügung.
Lagebesprechung vor dem
eigentlichen Einsatzbeginn
Eine Uferzone im Ausmaß von rund einem Kilometer wurde bis zu
einer Tiefe von 40 Meter abgesucht. In dieser Wassertiefe endet aus
Gründen der Sicherheit der Einsatzbereich der Feuerwehrtaucher.
Jeweils an einer Sicherungsleine gesichert, gingen jeweils 10
Froschmänner in die Tiefe, um im 4°C kalten Wasser nach der
Frau zu suchen. Nach einer Einsatzzeit von ca. 30 min. wurden die
Taucher jeweils durch einen neuen 10-Mann-Trupp abgelöst.
Hohe Anforderungen an die Taucher,
die bis in eine Tiefe von 40 Metern
suchten.
Unterwasserkamera eingesetzt
Während die Froschmänner der Feuerwehren die Uferzonen
absuchten, wurde die Suche nach der Frau an einer anderen Stelle durch
die Unterwasserkamera der Freiw. Feuerwehr Wels unterstützt.
Mehrmals wurde der vermutete Bereich auch mit
Hilfe der
Unterwasserkamera der FF Wels abgesucht
Aber auch diese Methode, welche ein Absuchen bis zu einer Tiefe von 200
Metern zulässt, blieb erfolglos. Die Unterwasserbilder werden auf
Monitoren, welche sich am Boot befinden, dargestellt. Es erfolgt auch
eine Funkübertragung auf die Landmannschaft.
Aufstieg aus der Tiefe
Aufgrund eines technischen Gebrechens mussten zwei
Feuerwehrtaucher unabhängig voneinander von ihren Tauchpartnern
aus einer Tiefe von rund 25 bzw. 32 Meter an die Oberfläche
gebracht werden. Die Situation machte es notwendig, die
Aufstiegsgeschwindigkeit von 10 Meter pro Minute kurzfristig zu
überschreiten.
Erste Hilfe Maßnahmen für Taucher
nach zu schnellem Aufstieg
In der Ausbildung wird immer die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen
gelehrt. Aus diesem Grund wurde auch in diesem Falle unverzüglich
die vorgesehene Rettungskette durch die Einsatzleitung ausgelöst.
Vom Notarzt wurde eine medizinische Untersuchung angeordnet und die
beiden Feuerwehrtaucher ins Krankenhaus gebracht. Einer der beiden
wurde zwar mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Salzburg
geflogen, konnte aber dieses - wie der zweite Taucher - am Abend des
gleichen Tages bzw. am Vormittag des nächsten ohne
körperliche Schäden wieder verlassen.
Die Einhaltung der Rettungskette wird
bei jeder Tauchausbildung
propagiert
Shuttle-Dienst
Aufgrund der räumlich sehr eingegrenzten Lage entlang des
Ufers des Attersees, wurde auf einer Wiese das "Basislager"
eingerichtet. Von dort aus brachte ein Feuerwehr-Shuttle-Dienst die
jeweiligen Taucher zur Einsatzstelle und auch wieder zurück.
"Basislager" auf einer Wiese
einige Kilometer nördlich
Erfolglose Mühen
Gegen 17.00 Uhr wurde die Suche nach der Frau erfolglos beendet.
Neben den 70 Feuerwehrtauchern standen noch 47 weitere
Feuerwehrkräfte sowie der Rettungsdienst und die Gendarmerie im
Einsatz. In weiterer Folge wurden im kleineren Umfang erneut
Tauchgänge durchgeführt, aber auch sie brachten nicht den
gewünschten Erfolg. Die Frau blieb bis heute verschwunden.
Tauchverbot an der "Schwarzen Brücke"
während der Suchaktion
Eine der wesentlichsten Erkenntnisse war jene, dass es sich als
vorteilhaft darstellt, wenn die Medien nach einem Zwischenfall wie oben
beschrieben von der Feuerwehr von sich aus und baldmöglichst
verständigt werden. In diesem Fall wurde dies verabsäumt und
die Folgen waren, dass in den Medien von verunglückten
Feuerwehrleuten gesprochen wurde. Für die Angehörigen zuhause
war somit völlig ungewiss, was nun wem passiert war.
Auch ein Reporter eines TV-Senders ließ einmal im Zuge eines
Seminars wissen: "Gewisse Dinge oder Ereignisse lassen sich nicht
verheimlichen. Sie kommen auf jeden Fall an den Tag". Als Erstinformant
hat man den Vorteil, Dinge richtig und vollständig darzustellen.
Meldungen, die einmal durch die Medien gegangen sind zu widerlegen, ist
einerseits nicht immer einfach und haben andererseits weitaus nicht
mehr die abschwächende Wirkung, wie man es sich wünscht.
Interessante Schlagzeilen lassen sich einfach besser vermarkten.
Anforderungen an die Taucher
Der Einsatz im Attersee zeigte erneut, wie gestreut die
Anforderungen an den einzelnen Feuerwehrtaucher sind. Ein Tauchgang in
den Seen im Zentralraum oder in der Donau stellt an den Taucher
völlig andere Bedingungen als ein Einsatz im Attersee. Im
erstgenannten Bereich sind es vor allem die schlechten
Sichtbedingungen, die den Einsatz erschweren.
Im Attersee hingegen ist es die Tiefe, die neben der körperlichen
Fitness auch den psychischen Topzustand verlangt. Tauchen in 40 Metern
Tiefe bedeutet neben Verantwortung auch höchste Konzentration.
Weitere Tauchertrupps machen sich auf die Suche
Epilog:
Die vermisste Taucherin konnte auch bei dieser groß
angelegten
Suche mit 70 Feuerwehrtauchern und ferngesteuerten Unterwasserkameras
leider nicht gefunden werden. Ihr Verschwinden bleibt leider weiterhin
mysteriös.
Wir danken Hermann Kollinger, dass er uns freundlicherweise
Bilder und Text, dieses in der OÖ (Oberösterreichischen) Feuerwehrzeitschrift „Brennpunkt“
4/2003 erschienen Artikels zur Verfügung stellte!
Danke Hermann!
Nachtrag August 2005:
Die Leiche der vermissten Taucherin wurde bei einer anderen Suchaktion an der "Schwarzen Wand" im August 2005 in einer Tiefe von 130 Metern gefunden und geborgen.
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