Abenteuer Süßwasserbiologie für Taucher, die mehr
sehen, verstehen und erleben wollen, Teil 2:
In der 22. Ausgabe
unseres Taucher.Net Online-Magazins habe ich über die
Süßwasserqualle Craspedacusta
sowerbii berichtet. Hier gibt es nun
süßwasserbiologisches über das gallertartige
Moostierchen zu lesen.
Cristatella mucedo Curvier, 1798 - so lautet der vollständige,
wissenschaftliche Name für eine Moostierchenart, die in fast allen
heimischen Gewässern im Flachwasserbereich beobachtet werden kann
und über das ich hier einige Informationen zusammengestellt habe.
Nahaufnahme einer Kolonie. Schön zu sehen: Polypid mit Tentakeln
Moostierchen- was ist denn das nun wieder?
Moostierchen (Bryozoa) gehören zum Stamm der Tentaculata
(Tentakelträger), die vorwiegend im Salzwasser vorkommen.
Gegenüber etwa 4.000 Moostierchenarten im Meer kommen im
Süßwasser und somit auch in unseren heimischen Seen nur etwa
10 Arten vor.
Zwei bekannte Vertreter der Moostierchenfamilie aus dem Mittelmeer:
Das Geweihmoostierchen (Smittina cervicornis)
Der Neptunsschleier (Reteporella couchii)
Die bei uns im Süßwasser heimischen Arten sind neben dem kriechenden Moostierchen, dem
Röhren-Moostierchen, dem schwammartigen Moostierchen, dem
lappenartigen Moostierchen und dem Haar-Moostierchen auch das gallertartige Moostierchen um das sich hier alles dreht.
Nahaufnahne der Tentakelkronen
Moostierchen sind kolonienbildende Filtrierer, die sich mittels ihrer
Tentakelkrone von vorbeischwimmendem Plankton ernähren.
Ein einzelnes Moostierchen (Zooid) ist etwa 0,2 bis 1 mm lang- dadurch
jedoch, daß sich viele Einzelexemplare zu einer Kolonie vereinigen, entstehen die bis zu maximal! 20 cm langen, gut
sichtbaren, wurmförmigen Gebilde.
Typische, unscheinbare Moostierchenkolonien im Flachwasser
Ein Zooid besteht aus seiner festen Hülle (Cystid-
Hinterkörper in kammerartigem Gehäuse) und dem
Weichkörper (Polypid- Vorderkörper mit Tentakelapparat)
zusammen. In den Cystid kann sich der Weichkörper bei Gefahr
zurückziehen.
Die bewimperten Tentakel transportieren eingefangene Nahrung zum Mund.
Im Gegensatz zu den oft ähnlich aussehenden Nesseltieren besitzen
Moostierchen einen Darm, der außerhalb des Tentakelkranzes
(Lophophor) mündet.
Schematischer Aufbau einer Kolonie
Die Kolonien besitzen eine Fußscheibe, die es ihnen
ermöglicht, sich langsam fortzubewegen.
Angeblich wurde „Tümpeltaucherin“ Erika (Schneckentauchbrevet**) aber
schon mehrfach während eines Tauchgangs von solchen Kolonien
rücksichtslos überholt!
Gallertartige Moostierchen
Moostierchen findet man häufig im Flachwasserbereich der Seen, wo
sie an Ästen, Ankerketten, Pfählen und Wasserpflanzen- an
möglichst nahrungsreichen Stellen ihre Tentakel auf der Jagd nach
Nahrung in die Strömung halten.
Massenhaftes Auftreten an geeigneten Stellen
Ihre Fortpflanzung erfolgt ungeschlechtlich durch Knospung, wobei das
Temperaturoptimum für das Festsetzen der Larven im Hochsommer bei
23°C liegen soll.
Im Herbst verwandeln sich die Moostierchen in dunkelgefärbte,
kugelige „Überlebenskapseln“, die so genannten Statoblasten. In
dieser Form verbringen sie den Winter.
Statoblasten, die Überlebenskapseln
Die Statoblasten können entweder zur Wasseroberfläche
aufsteigen und dort vom Wind verbreitet werden, oder sich mittels eines
Haken am Gefieder von Wasservögel anhängen um so verteilt zu werden. Alternativ sinken sie einfach ab und überwintern am Seeboden.
Abgesunkene Statoblasten
Ich möchte diesen Artikel mit einer boshaften Bemerkung meines Kollegen Sven
beenden: „Für den Einen sind es gallertartige Moostierchen -
für den Anderen ist es bloß der Schleim auf den Ästen!“
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