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Onlinemagazin - 36. Ausgabe - Tauchen in Südnorwegen




 Geschrieben von Stefan Sprungk

Eine Woche Tauchen in Südnorwegen

Skottevig Maritime Senter und Frank Norway Team

von Stefan Sprungk

Einleitung

Vom 21.9.2003 bis zum 27.9.2003 haben wir unseren Traum wahr gemacht. Wir waren eine knappe Woche in Norwegen, und zwar vorwiegend zum Tauchen. Im Vorfeld hatte ich schon Einiges über das Tauchen in Norwegen gelesen und gehört, was mich neugierig gemacht hat. Als ich anfing, die Idee gegenüber einigen Sportkameraden aus unserem Verein zu äußern, hatte ich sofort eine Handvoll Begleiter. Um das Vorhaben zu konkretisieren, arbeitete ich einen Vorschlag aus. Wir trafen uns, diskutierten den Vorschlag und bauten noch einige Ergänzungen ein. Im nächsten Schritt stimmten wir die Urlaubstermine ab und nahmen die Buchungen vor. Schließlich lief alles wie geplant. Wir trafen uns am 21.9.03 um fünf Uhr an der Autobahnraststätte Holmmoor mit drei PKWs und sechs Leuten. Erstes Ziel war der dänische Fährhafen Hirtshals. Mit der Fähre unternahmen wir die viereinhalbstündige Überfahrt nach Kristiansand. Von dort fuhren wir noch 23 Kilometer nach Skottevig, unserem Zielort.. Im Skottevig Maritime Senter hatten wir ein Haus mit drei Schlafzimmern, einem Bad, einer Küche sowie einem Wohnzimmer gemietet. Außerdem hatten wir uns bei der ortsansässigen Tauchbasis (Frank Norway Team) angemeldet. Bevor ich jedoch die Details genauer schildere, nehme ich vorweg, daß alle die Reise als großen Erfolg sehen und an künftigen Unternehmungen dieser Art wieder teilnehmen möchten. Das Tauchen in Südnorwegen war einsame Spitze. Es steht dem Tauchen im Mittelmeer um nichts nach, auch wenn die Unterwasserlandschaft völlig anders beschaffen ist.

Fähre
Fähre nach Kristiansand
im regnerischen Hafen von Hirtshals

Bucht Kristiansand
Einfahrt in die sonnige Bucht
des Zielhafens Kristiansand

Umgebung

Über Wasser ist die Landschaft sogar noch schöner, frischer und interessanter. Es handelt sich um eine Schärenküste. Sie besteht aus Felsbuchten mit vielen vorgelagerten Inseln. Auf etlichen dieser Inseln befinden sich Holzhäuser, die optimal ins Landschaftsbild passen. Das Wetter in Skottevig ist überaus freundlich, es bietet pro Jahr mehr Sonnenstunden als Südfrankreich. In der Woche, als wir dort waren, schien fast an jedem Tag die Sonne. Nur einmal, am Freitag Nachmittag, regnete es. Die Sonne war zum Teil noch so warm, daß man im Windschatten mit T-Shirt auskommen konnte.

Hausriff
Skottevig: Blick auf das Hausriff (Bildmitte)

Skottevig
Küste Umgebung

Unterkunft

Bei dem Haus handelte es sich um ein Holzhaus, genauer gesagt um eine Doppelhaushälfte. Es stehen verschiedene Holzhäuser romantisch um einen gepflasterten Platz. In einem von diesen Häusern befinden sich die Tauchbasis, das Aktivitätszentrum und ein Restaurant. Die Unterkunft mit den Zimmern war für sechs Leute ein bißchen eng, jedoch für sechs Tage noch ausreichend. Die Einrichtung war gemütlich und trotzdem zweckmäßig. Die Küche verfügte sogar über einen Elektroherd mit Backofen, was mich in die Lage versetzte, für uns hungrige Taucher abends einmal Pizza zu backen und an einem anderen Abend ein Kartoffel-Gemüse- Gratin auf die Teller zu zaubern. Das Bad hatte WC, Waschbecken und Dusche. Jedes der Schlafzimmer verfügte über zwei getrennt stehende Betten.

Unterkunft
Das weiße Haus war unseres (Bildmitte)

Gruppe
Crew am Eßtisch

Tauchbasis

Die Tauchbasis stand um die Ecke, und zwar nur maximal 30 Meter von unserem Hausausgang entfernt. Sie verfügt über einen großen Kompressor, einen Notkompressor und alle erdenkliche Leihausrüstung.
Die Leihflaschen sind vorwiegend 12-Liter Stahlflaschen mit getrennt absperrbaren Doppelventilen. Daneben gibt es noch einige 10-Liter Flaschen. Obwohl wir uns nur zum selbstständigen Tauchen angemeldet hatten und somit lediglich Flaschenfüllungen kauften, bekamen wir einen eigenen Schuppen für unsere nassen Klamotten. Auch hat uns Frank, der Leiter der Tauchbasis, alle erdenklichen Informationen für unsere Tauchgänge zur Verfügung gestellt.

Wiederum nur wenige Meter von der Tauchbasis befindet sich ein Steg mit einer Holztreppe. Dieser Steg ist der Einstieg zum Hausriff.



Tauchbasis (rechts im roten Holzhaus)

Tauchgänge

Hausriff nach Osten an der Felswand entlang

Schon wenn man am Steg steht und in das Wasser schaut, kann man es kaum erwarten, bis man drin ist. Es macht einen unglaublich klaren Eindruck. Nach dem Abtauchen finden wir uns unvermittelt in einem großen Schwarm von jungen Dorschen wieder. Diesem Schwarm begegnen wir noch öfter, und zwar immer an derselben Stelle. Die Tiefe vor dem Steg beträgt ca. sechs Meter. Taucht man nach Südosten, also an der Felswand entlang Richtung offenes Meer, nimmt die Tiefe allmählich zu. Die Felswand hat zum Teil Stufen. Diese Stufen sind dicht mit Laminarien bewachsen. An einem von diesen Blättern konnte ich Eier von Katzenhaien entdecken. Am Fuße der Felswand befindet sich Sandboden, auf dem einige Felsbrocken liegen. Der Sandboden ist von Plattfischen sowie Seenadeln und Petermännchen bevölkert. Neben vielen Dorschen sind die Klippenbarsche allgegenwärtig. Einige kommen ganz dicht an meine Maske und schnappen nach den Luftblasen. Etwas weniger häufig, aber dennoch zahlreich vertreten, sind diverse Plattfische wie z.B. Schollen.

Dorsche
Dorschschwarm direkt am Einstieg

Große Seenadel
Große Seenadel

Völlig verrückt war die Begegnung mit einem Fisch, der wie ein Juwelenbarsch aussah. Er hatte auf den ersten Blick einen barschförmigen Körper mit roter Färbung und blauen Punkten drauf. Tatsächlich handelte es sich um einen Fleckenlippfisch. Weitere zum Teil recht große Lippfische mit blauer bis violetter Färbung (männliche Kuckuckslippfische) querten unseren Weg. Wir gelangten bis in eine Tiefe von 16 Metern. Ab da bemerkten wir eine leichte Strömung, die uns in Richtung offenes Meer ziehen wollte. Wir kehrten daher um. Wir tauchten noch zwei weitere Male von diesem Steg aus.

Kuckuckslippfisch von vorne
Kuckuckslippfisch von vorne

Kuckuckslippfisch
Kuckuckslippfisch von der Seite

Anglerbucht

Auf der anderen Seite der Ferienanlage befindet sich eine Bucht mit Angelbooten. Diese Boote können von Hobbyanglern gemietet werden. Die Bucht diente uns als Ausgangspunkt für drei weitere Tauchgänge. Man kann von einem kleinen Strand aus ins Wasser waten. Die Tiefe nimmt nur ganz allmählich zu und erreicht am Buchtausgang lediglich eine Tiefe von vier bis fünf Metern. Jedoch lohnt sich hier schon das Abtauchen. Man begegnet zunächst vielen Plattfischen.

Anglerbucht
Anglerbucht

Ein Tauchgang führte uns entlang der linken Seite des Buchtausgangs, also nach Nordosten. Der Grund bleibt ziemlich flach, so um die 12-14 Meter. Nach einiger Zeit knickt der Felsen um 90 Grad zum bisherigen Verlauf ab. Am Abknickpunkt befindet sich eine Felsöffnung. In diese kann man ein Stück hineintauchen und mit Hilfe der Lampe große Lippfische und einige Barsche beobachten. Danach kann man dem rechtwinklig verlaufenden Felsen folgen, bis er wiederum abknickt und in der ursprünglichen Richtung weiter verläuft. Der Fels wird nun flacher und reicht längst nicht mehr bis unter die Wasseroberfläche. Er bildet ein Plateau mit Einschnitten. Das Plateau ist ebenfalls dicht bewachsen. Es ist reichlich mit der bereits geschilderten Fauna besiedelt. Ich bin mir ganz sicher, daß wir nur einen kleinen Teil der gut getarnten Tiere zu Gesicht bekommen haben. Der Grund am nördlichen Ende des Plateaus erreicht eine Tiefe von ungefähr 15 Metern. An diesem Punkt sind wir umgedreht und über den Sandgrund zurückgekehrt. Ein sehr großer Schwarm von Dorschen, der aus dem Laminarienwald kam, kreuzte unseren Weg über den Sandgrund. Sie bildeten ein scheinbar nicht endendes Band von Fischen.

Plattfische
Plattfische gibt es viele auf dem sandigen Grund

Korsvik Fjord

Am Ort Korsvik gibt es einen Hafen. In ihm liegen die Reste eines Wracks. Eigentlich stand auf dem Plan, dieses Wrack zu betauchen. Jedoch wollten verschiedene Leute aus unserer Gruppe nicht in einem Hafen tauchen. So einigten wir uns darauf, einen anderen Tauchplatz zu suchen. Er sollte etwas außerhalb im Fjord liegen. Nach einigem Suchen fanden wir einen Parkplatz sowie einen Fußweg ans Wasser und einen geeigneten Einstieg. Der Tauchplatz war interessant, obwohl das Wasser auf mich einen ökologisch belasteten Eindruck machte. Es schmeckte leicht faulig. Mein Atemregler, ein Poseidon Jetstream, gibt immer ein paar Tröpfchen an das Mundstück ab. Somit lerne ich den Wassergeschmack eines jeden Tauchreviers kennen. Der Boden bestand nicht aus Sand oder Fels, sondern vorwiegend aus Schlick. Auf dem Schlickboden liegen vereinzelt größere Felsbrocken. In der Fjordmitte befindet sich eine Pipeline, die aus dem Fjord heraus führt. Ob sie für den belasteten Zustand des Gewässers verantwortlich ist, kann ich nicht sagen. Unter der Pipeline versteckten sich allerhand Fische. Unter diesen Fischen sah ich zum ersten Mal in meiner Tauchkarriere eine hübsche bunte Goldmaid. Ich hatte mir schon lange gewünscht, mal so einen Fisch zu sehen. Wir erreichten eine Tiefe von 20 Metern. Zum Ufer hin wurde es stufenförmig flacher. Im Flachbereich wuchs etwas Seegras, und hier lagen auch einige Plattfische.

Makrelen
Schwarm von Bastardmakrelen

Dornier-Wrack

Das berühmte Dornier-Wrack wurde von mir nicht betaucht, jedoch von vier Leuten aus unserer Gruppe. Die Berichte waren sehr positiv. Dieses Wrack liegt in der Nähe des Flughafens von Kristiansand in einer Tiefe von ca. 26 Metern. Das Wasser besteht aus einer dünnen, kalten Süßwasserschicht, die über dem salzigen Meerwasser liegt. Die Wrackteile sind durch Leinen miteinander verbunden. Eine Boje markiert das Wrack. Es ist interessant bewachsen, und es tummeln sich große Dorsche in seiner Nähe. Mehr kann ich zu diesem Tauchziel leider nicht sagen.

Lengfisch
Lengfisch zwischen den Teilen
des Dornier-Flugzeugwracks


Resümee

Das Tauchen auf eigene Faust hat sich gelohnt. Die Kosten für diese eine Woche hielten sich mit knapp 300 Euro pro Person durchaus in Grenzen. Die Sichtweiten unter Wasser schwanken je nach Strömung, Wind und Wellengang. Bei den vielen Buchten kann man bei fast jedem Wind ins Wasser. Manchmal ist es schwierig, einen geeigneten Einstieg zu finden. Obwohl das Wasser mit ca. 15 Grad keineswegs kalt war, taucht man mit einem Trockentauchanzug entspannter. Die Betreuung in Skottevig durch Frank, den Basenleiter, und Klaus, den Manager des Ferienzentrums, war ausgezeichnet. Wir werden wahrscheinlich weitere Reisen nach Norwegen unternehmen und dabei auch wieder in Skottevig einkehren.

© Oktober 2003 - Text: Stefan Sprungk, Fotos: Uwe Zwerublowitz
Einen ausführlicheren und umfangreich bebilderten Bericht findet ihr hier


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