Auf Wracktour in Kroatien

 Geschrieben von Uwe

Auf Wracktour in Kroatien

von Uwe Grintsch

Uwe Grintsch von trimix-online.de hat uns seine Erlebnisse von der Novembertour nach Kroatien übermittelt. Olaf, Klaus, Andy und Uwe betauchten das Wrack der Albanien und das Wrack der Euterpe, vor der bekannten Insel Pag. Eine kurze Exkursion in die Geschichte der Albanien stimmt auf die nachfolgenden Taucherlebnisse ein.

Geschichte der Albanien

Die Albanien sank im Jahr 1916 vor der Küste von Pag / Kroatien nach mehreren Torpedotreffern. Bei der Albanien handelt es sich um einen 1910 in Italien / Triest gebauten Transporter mit Klassepassagieren in Stahlbauweise.

Das 65,85m lange und 10,1m breite Transportschiff mit einem Tiefgang von 4,8m und einer Verdrängung von immerhin 1122 BRT brachte es auf eine Leistung von 1452 PS und damit auf eine Geschwindigkeit von 12 Knoten.

Die Albanien musste nach nur sechs Jahren, genau am 04.06.1916 ihren Dienst an der Wasseroberfläche quittieren. Mit zwei satten Torpedotreffern von einem Italienischen U-Boot Namens "Atropo" im ersten Weltkrieg versank das Schiff um 6:40h morgens und nahm 3 Besatzungsmitglieder mit in den Tod. Drei weitere Crewmitglieder sowie 22 Passagiere konnten sich auf die nur zwei km entfernte Kroatische Insel Pag retten.

Das Schiff sank mit dem Heck voran und krachte in 72m Tiefe auf den Meeresgrund. Glücklicherweise zerbrach der Rumpf nicht, das Wrack findet sich aufrecht stehend, stolz, auf dem Sandboden der Adriatischen See.

Unsere Reise im November 2003 war rückblickend einfach perfekt, ohne nennenswerte Materialverluste haben vier Trimixer dieses und ein weiteres Wrack besucht. Erlebt mit uns diese Woche noch einmal und fühlt die Spannung vor jedem Tauchgang.

Das Tauchen

Die Vorbereitungen laufen seit Wochen, eigens für diese Tour wurde von mir ein schwerer Anhänger gekauft und mit einem abschließbaren Deckel versehen.
Nach ersten Schätzungen bringen wir die 20 Pressluftflaschen und den restlichen Kleinkram hier locker rein. Als nun am 02.11. Olaf aus Berlin und ich die Tauchausrüstung verladen haben und am nächsten Tag Klaus aus der Schweiz sein Zeug drin hat, wird es schon eng. Um unser internationales Tauchteam zu vervollständigen, nehmen wir den Andy aus Österreich in Salzburg auf und müssen jetzt schon Puzzeln um alles zu verstauen.

Mein Mercedes ist bereit für ein neues Abenteuer: Vier Männer, 600 kg Ausrüstung und ein paar frische T-Shirts. Nach unglaublichen 10 Stunden Fahrt incl. Fähre kommen wir an unserem Ziel, Kron Diving, an und beziehen schnell die Zimmer. Im November ist hier in Kampor die Saison vorbei und die "Bürgersteige sind hoch geklappt", so müssen wir noch mal 10 km zum Abendessen fahren.


Das Equipment wird vorbereitet

Am nächsten Morgen um 9:00h geht´s los: Ausrüstung verteilen, zusammen schrauben, füllen, komplettieren, messen, planen und besprechen. Der Checkdive ist mit voller Montur an einer schönen Gorgonienwand in 40m Tiefe für 61min genau richtig um schnell wieder vertraut zu werden, mit 100 kg Ausrüstung und jeder Menge Schläuche. Kaum wieder warm, entscheide ich einen zweiten flachen TG hinterher zu setzen, nur 15m aber wieder eine Stunde lang, da hat man Zeit Übungen zu wiederholen um mit Reel und Boje verletzungsfrei zu arbeiten :-)


Die Aussicht vom Hotel, direkt neben der Basis

Die Albanien

Der nächste Tag sieht doch schon ganz anders aus, ein wunderschön bewachsenes Wrack erwartet unseren Besuch in 60m Tiefe. So wird der geplante TG mit 18/35 für 87min geplant, berechnet, gefüllt und die Run-Time geschrieben. Mit dem Speed-Boot geht die Fahrt knappe 45min in Richtung Nachbarinsel Pag.

Auch Andreas Kron, welcher hier seit bald 20 Jahren sesshaft ist, macht sich fertig um mal wieder einen <> zu starten. Perfekt versenkt er ein 30 kg schweres Bleigewicht nur knapp einen Meter neben der Albanien. Ein wenig Aufregung macht sich breit, und so dauert "Briefing, Matching und Bubble-Check halt a bisserl länger". Unser Schweizer versenkt dann erst mal die Hälfte seines 100m Reels um die Fingerfertigkeit zu prüfen.

Nach dem Gaswechsel gleiten wir weiter hinab, und da ist es wieder, dieses irre Gefühl, welches Stress, Mühe und Kosten in den Schatten stellt.

Dieses tiefe, fast unbeschreibliche Blau und dann - das schemenhaft erkennbare Wrack, einfach sensationell. An der Steuerbordseite vor zum Bug, Backbord-Reling zurück, die Zeit reicht nicht zum Heck, so tauchen wir quer übers Schiff zur Aufstiegsleine und zurück in unsere Welt. Die Sonne scheint, es ist warm und im Gegensatz zur Vorwoche ist kaum Wind. Tage zuvor hätten wir zwecks Wind nicht mal auslaufen können!

Wieder die Albanien, das ist für den nächsten Tag klar. Wieder 60m und wieder 90min. Wieder gleicher Mix, zusätzlich 50% und 80% Nitrox für die Deko.

Meine Nikon gut eingepackt im Hugyphot-Gehäuse muss natürlich auch mit. Glücklicherweise ist die Saison hier beim Kron Diving Center vorbei, denn wir belagern so ziemlich die ganze Basis und Andreas würde uns sicher in die Schranken weisen, wenn noch andere Taucher hier wären, doch so haben wir Platz ohne Ende und basteln unsere Ausrüstung zusammen, verladen die schweren Tanks auf stabile Wagen und zerren diese immerhin 50m weit zu unserem Speed-Boot.


Vor dem Spaß steht die Arbeit...

Es ist für mich immer wieder erstaunlich, selbst wenn alle anpacken, wie lange es dauert, bis wir in die Vorspring eindampfen können und den sicheren Hafen verlassen können.



Impressionen vom "Albanien Tauchgang"

Gleicher Ablauf wie am Vortag. Andreas wirft das Bleigewicht, wir rödeln uns an, das Boot treibt und fährt immer zwei Taucher an die Abstiegsleine. Noch mal wird in allen Einzelheiten über eigene Ausrüstung und die des Buddies gesprochen, bevor es wieder in die Tiefe geht. Angekommen in 60m (der Grund ist ca. 72m) kein Wrack. Nach kurzer Orientierungslosigkeit, können Olaf und ich (Andy und Klaus sind 3min zeitversetzt abgetaucht) in der gedachten Richtung den riesigen Schatten erkennen und treffen kurz darauf auf unsere beiden Mittaucher. Der TG und das Fotoshooting verläuft ohne weitere Zwischenfälle.


Olaf und ich auf der Suche

Für den vierten Tauchtag muss ich ein wenig aufrüsten, die Doppel-Fünfzehn wird klar gemacht und mit 13/38 gefüllt (dafür darf ich eine Stage oben lassen). Ralf, die rechte Hand von Andreas Kron will alle Tanks noch heute füllen. So wird es mit dem Abendessen wieder spät, ein langer, anstrengender Tag wird heute belohnt mit ner riesen Schweinshaxe für jeden von uns.


Vorfreude am zweiten Tauchtag

70m soll es heute gehen, die Tauchzeit soll aber 90min bleiben, kein Problem dank hochprozentigem Mix für die letzen Meter. Bewaffnet mit einem hochempfindlichen SW-Film will unser Team wieder zur Albanien, ein Wrack, welches auch 50 TG vertragen würde. Keine zehn Minuten nach dem das Grundgewicht wieder zielgenau versenkt wurde verschwindet der Basenleiter schon am Seil, da er diesmal an Bord sein soll, wenn wir dekomprimieren!



Langsam machen wir uns fertig. Wir helfen Andy und unserem Schweizer die Ausrüstung anzulegen und setzen die Jungs an der Boje ab. Als Olaf plötzlich hektisch wird und die Augen verdreht, frage ich, was los sei?

"Ich habe keine Kopfhaube dabei" war seine Antwort, und in diesem Moment brach er innerlich wohl den Tauchgang ab. 18°C Wassertemperatur, oben wohlgemerkt, da wollen wir nicht so zimperlich sein und einfach aufgeben, schließlich ist Olaf ja nicht aus Seife! Mütze auf, und noch ne Pudelmütze drüber, dies fixiert mit einem dicken Gummiband über den Ohren, heißt die Lösung des Problems. So machen wir beide uns auch noch fertig und treffen die beiden anderen zum Abtauchen am Seil. Auf geht´s, in die Tiefe.

Andreas Kron weiß wie gern wir ein Andenken von diesem Trip mit nach Hause bringen würden, eine Art Trophäe, aber das ist für uns tabu und wir dringen auch nicht ein, in ein uns unbekanntes Schiff, mit sperriger Ausrüstung, Sicherheit steht an oberster Stelle. Auch dieser TG läuft perfekt "nach Plan" und nach 25min in dieser großen Tiefe verlassen wir unseren Tauchplatz fast schon wehmütig....



Impressionen in Schwarz-Weiß -
eine besonders reizvolle Stimmung


....schließlich gibt es aber hier noch mehr Wracks und auch noch größere Tiefen! Der letzte Tauchtag und Tauchgang Nr. 6 stehen an, unser Ziel: die Euterpe.

Die Euterpe

Dieses Wrack ist ebenfalls ein Transportschiff mit 110m Länge und liegt fast unangetastet in 79m Tiefe. Heute fährt uns Ralf zum Tauchplatz. Die See ist rau und die Strecke doch 75min lang. Wieder wird alles gut verstaut und nach wenigen hundert Metern auf See schließen wir die Trockies, da die Gischt quer übers Schiff spritzt. Wir sitzen vorne, da die schwere Ladung hinten im Heck liegt, mit den Masken schützen wir uns vor den Salzwassermassen, welche immer wieder auf uns peitschen. Auch Ralf, hinterm Cockpit, hat dicht gemacht was nur geht - und sogar eine Maske auf.

Zum Navigieren muss er die Fahrt unterbrechen, da das GPS sonst gar nicht ablesbar wäre und außerdem würde dieser kleine Helfer das Salzwasser nicht sehr lange als toll befinden. Mehrere Male fahren wir über das Wrack und betrachten den Fishfinder gespannt, das Grundgewicht muss ein Treffer werden, sonst können wir den TG vergessen. Als Ralf und ich sicher sind, versenken wir die 30kg, setzen darauf noch in ca. 5m Entfernung einen zweiten Fender mit 20m Leine dran. Durch Wind und Welle treibt das Boot durch die Leine, die Schraube steht, aber an der zweiten Leine fehlt das Blei und sofort verfängt sie sich unter dem Schiff, na prima, denk ich mir und mach mich fertig mit Maske und Flossen, den Strick da unten wieder raus zu kriegen.

Einfach Super - Super einfach :-(, und das bei dem Wellengang! Nach zehn Minuten ist der Fender wieder frei - und ich bin geschafft. Andy wird das hier langsam alles zu viel und er streicht den Tauchgang. Wir drei anderen machen uns bereit, für das letzte Abenteuer, gespannt was uns erwartet. Andreas Kron war nur wenige Male hier, Ralf war noch nie unten. Wind und Welle sind ziemlich heftig und Strömung haben wir auch. Wir müssen uns einzeln anziehen und werden auch einzeln abgesetzt: erst eins, dann zwei, dann drei, und dann endlich hinab. Die Strömung wird in der Tiefe stärker, wir "hangeln" uns sprichwörtlich hinab. Unbeschreiblich, als die Euterpe vor uns auftaucht. Dieses Schiff ist dick bewachsen mit unberührten Korallen, übersät mit Schwämmen, ein künstliches Riff für die Tiefenbewohner, Hunderte von großen Krebsen krabbeln vor uns. Im Windschatten der Bordwand tauchen wir strömungsfrei Richtung Heck, tauchen auf 70m zur Reling auf und sofort erfasst uns die Strömung wieder. Weiter hinauf zum dick bewachsenen Schornstein, das obere Ende befindet sich auf 60,0m. Von dort aus treiben wir eine Minute lang zurück zur Aufstiegsleine, unter uns, nicht mehr deutlich zu erkennen, das Oberdeck des Riesen.



Froh an der Leine angekommen, tauchen wir auf. Die sehr anspruchsvolle Tauchgangsführung konnte nur funktionieren, da beide Buddies immer exakt links und rechts von mir tauchten, dies war die wichtigste Voraussetzung um diesen Tauchgang sicher durchzuführen.Nach 100min können wir, nach einem Exploration Dive, dem Andy und dem Ralf von unseren Erlebnissen berichten. Auf der langen und harten Heimfahrt sind wir ruhig und lassen den Tauchgang nochmals auf uns wirken. Froh und auch geschafft kommen wir bei der Basis an und der Chef erwartet uns schon.

Als die ganze Spannung langsam von uns abfällt, alle Tauchgänge gut verlaufen sind, wollen wir diese einmalige Woche richtig feiern.


Trimix-Online-Team vor der Abreise

Der Abschied am nächsten Morgen, bei sehr starkem Wind, ist nicht für immer. Dort beim Kron Andreas, werde ich wieder auf- und abtauchen. Danke! Andi Kron vom gesamten Team für die perfekte Woche.

© 2003 Uwe Grintsch von Trimix-Online



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