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 Geschrieben von Harry

Die Perlen Tirols

von Harald Mathä

Die beiden, am Fernpass in Tirol gelegenen Seen -der Fernsteinsee sowie der Samarangersee- zählen unbestritten zu den besten europäischen Süßwasser-Tauchplätzen. Wir haben dort Ende Oktober - zum Saisonabschluss- im Schlosshotel Fernsteinsee vorbeigeschaut.

Fernsteinsee

"Die Perlen Tirols"- Anmerkung des Verfassers: Waschechte Volksmusikpatrioten aus dem Tiroler Unterland und Leser der "Stad'lpost" mögen mir diese Leihgabe aus dem "Kufsteinlied" verzeihen! ;-)

Zu den beiden Süßwasserjuwelen Fernstein- und Samarangersee in Tirol muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Die beiden kleinen Seen zeichnen sich durch meist spektakuläre Sichtweiten von 20 bis 50 Metern und phantastischen Motiven für Unterwasserfotografen jeder Couleur aus.

Doch erst einmal zurück...
Klarer Himmel und die schneebedeckten Bergspitzen ringsum leuchten bereits in der Morgensonne. Wir sitzen beim Frühstück und freuen uns auf einen weiteren Tauchgang im Samaranger See. Etwas später, vor der Haustür - ein Kälteschock! Brrrr... das müssen heute wohl an die minus 10°C sein! -und wie wird’s da wohl meinem nassen Jacket am Doppelpäckchen ergangen sein, das die Nacht im Kofferraum meines Skodas und nicht wie der Rest meiner Ausrüstung im mollig warmen Heizungskeller des Hotels verbracht hat? Eh klar! Steifgefroren, das gute Ding! Nix wie ab damit zum auftauen.

Um 10 Uhr fahren wir dann - das Thermometer im Auto zeigt immer noch minus sieben Grad an - in wenigen Minuten geht`s zum Samarangersee. Die Sonne quält sich langsam den Bergrücken hoch. Schafft es aber erst dann den See auszuleuchten, wenn wir schon wieder aus dem Wasser sind.

FernsteinseeWir sind die ersten Taucher heute an diesem smaragdgrünen Juwel, an dessen Oberfläche Nebelschwaden wie Wassergeister tanzen und langsam in die klare und kalte Gebirgsluft aufsteigen. Klar, der See ist jetzt immerhin um 12 Grad wärmer als die Luft hier.

"Wärmer" ist natürlich ziemlich relativ, aber gut, wenn man Wasser mit einer Temperatur von fünf Grad Celsius als warm bezeichnen will, dann soll’s halt so sein...

Von diesen fünf Wärmegraden merkt man dann im Wasser aber nichts- wir sind durch Trockis und warme Unterzieher aber gut eingepackt.



Bereits gestern Nachmittag sind wir hier getaucht und auch heute herrscht wieder eine unglaublich tolle Sicht! Es müssen wohl so 30 bis 40 Meter sein.

Fernsteinsee

Es ist schon ein wirklich erhebendes Gefühl, sich hier quasi IM NICHTS zu bewegen. Kaum ein Schwebeteilchen trübt die Sicht. Wie Astronauten schweben wir an Baumstämmen vorbei, die wie die Mikadostäbchen eines Riesen kreuz und quer hier herumliegen. Taucherische Hochstimmung!

Im hinteren Teil des Sees befindet das wohl meistfotografierte Gedenkkreuz im Süßwasser: Erreichtet zum Gedenken an einen 1971 verstorbenen Taucher. Ein kurzes Innehalten im Zustand der Schwerelosigkeit.

Etwas weiter hinten nimmt die Zahl der Baumstämme zu, genauso wie ihr Zustand der scheinbaren Unentwirrbarkeit. Ein phantastischer, ein mystischer Ort!

Fernsteinsee

Zwischen all dem ziehen vereinzelte Schwarzreuter, Kümmerformen von Forellen, auf der Suche nach dem wenigem Fressbaren im See ihre Bahnen. Ebenso im "Nichts" schwebend, aber irgendwie viel eleganter, nicht so plump und laut blubbernd wie wir Taucher.

Dann wieder bizarr geformte Gebilde aus Algen und Süßwasserschwämmen, die von den Ästen wie große Tropfen herunterhängen - irre Assoziationen mit Schwämmen in Mittelmeerhöhlen drängen sich mir auf - oder sind wir hier jetzt plötzlich durch ein "Wurmloch" auf einen ganz anderen Planeten gelangt?

Fernsteinsee

Nach einer knappen Stunde steigen wir wieder aus dem Wasser- den Kopf und die Kamera voll mit wundervollen Eindrücken.

Um diesen besonderen Genuss im See dauerhaft zu erhalten und um "Rudeltauchen" zu vermeiden ist das Tauchen in diesem See auf sechs Taucher zur gleichen Zeit limitiert worden! Ein Zeitplan zum Eintragen liegt bei der Hotelrezeption aus!

Fernsteinsee

Nach dem Flaschenfüllen mit dem hoteleigenen Kompressor (mit einem Jeton für 5,50 € füllte ich meine Doppel-7er von 40 auf 180 bar) und einer Stunde Regeneration stand ich dann unerwartet alleine da. Der Rest meiner Gruppe war- aus für einen Taucher unerfindlichen Gründen- nach Garmisch-Partenkirchen gefahren! Was gibt's da eigentlich außer einer Schisprungschanze und an jeder Ecke Sepp'lhüte zum kaufen, eigentlich zu sehen?
Nachdem ich ja schließlich zum Tauchen hier war, hatte ich nun exakt drei Möglichkeiten:

A: Nicht zu tauchen
B: Mich einer fremden Gruppe anzuschließen
oder
C: einen Solo-Tauchgang zu machen...

Fernsteinsee

Hmmm, nachdem ich kurz darauf beim Einstieg 3 am Fernsteinsee der einzige Taucher weit und breit war, blieb ohnehin nur mehr Möglichkeit C übrig. "Moralische" Probleme hab ich bei einem Solo Fototauchgang auf maximal 10 m eigentlich keine - wenngleich mancher geneigter Leser - dem ich für das Interesse danken möchte, bis hierher gelesen zu haben - nun an dieser Stelle mit erhobenen Zeigefinger mahnen wird: "Tauchen ist ein Buddysport! Solotaucher sind verantwortungslose Selbstmörder! Das lernt man doch schon im Grundkurs, dass Alleintauchen verboten ist! et cetera p.p."

Fernsteinsee

Nun, auf Aussagen wie diese war ich ja geistig schon mal vorbereitet. Hatte ich neben dem eher rudimentär vorhandenen moralischen, doch auch ein viel schwerer wiegendes, technisches Problem, dass mich am Solotauchen im Trocki hindert: Ich kann den Rückenzipp des Trockis nicht alleine schließen! Doch das Glück war mir hold und anstelle einer Moralpredigt von Lehrbuchtauchern kam eine Gruppe Wanderer des Weges, die mir halfen und auch noch einen schönen Tauchgang wünschten.

Bei dem folgenden Tauchgang mit knapp 20 Metern Sicht waren die vielen Forellen die Sensation! Es dürfte derzeit Paarungs- und/oder Laichzeit sein.
An vielen Stellen sammelten sich Gruppen, in denen sie ihre Leiber immer wieder erregt und rhythmisch zitternd aneinander pressten. (diesen schönen Satz hab ich schon im Wasser formuliert- sollte eine unentdeckte Begabung als Autor für XXX - Schundheft'ln in mir stecken? ;-)

Fernsteinsee

Wiederum andere Forellen verteidigten irgendetwas (vielleicht ihr Gelege?) überaus aggressiv gegen immer wieder anrückende Artgenossen.

Nach diesen vielen voyeuristischen Beobachtungen kehrte ich, vorbei am großen Felsmonolithen, den ich für mich "Uluru" taufte, zurück zum Einstieg.

Nun- was wäre aber das tauchen in diesen beiden wunderbaren Seen ohne die elegante Abrundung durch die gastronomischen Köstlichkeiten aus Küche und Keller des Schlosshotel Fernsteinsee?

Hier beispielsweise das Abendmenü vom Freitag:
Salatbuffet
***
Mediterranes Meeresfrüchtebuffet (genial!)
***
Ötztaler Knoblauchsüppchen mit Weißbrotcrutons
***
Gebratene Regenbogenforelle mit zerlassener Butter und Petersilienkartoffeln
oder
Hirschedelgulasch mit Preiselbeeren und Erdäpfeltalern
oder
Gefüllte Zucchini mit Paprikarahm und gratinierte Nudeln
***
Grießflammerie
oder
Coupe Dänemark


Der Saisonabschluss hatte auch noch einige abendliche Highlights zu bieten: Tolle jazzig- bluesig bis rockige Livemusik am Freitag und das Noagalsauff'n (österreichischer Ausdruck für die fachgerechte und nachhaltige Entsorgung von noch vorhandenen, meist alkoholischen Getränken) in der Hotelbar am Samstag.

Fernsteinsee Hotel
Let´s dance!

WICHTIGES ZUM SCHLUSS:
Tauchen in diesen beiden Seen ist ausschließlich Hotelgästen vorbehalten!

Mehr Infos sowie umfangreiche Freizeitmöglichkeiten für Nichttaucher finden sich auf der Homepage des Schlosshotels Fernsteinsee- womit wir auch gleich bei den nützlichen Links sind:

Schlosshotel Fernsteinsee

Mein Besuch im Jahr 2000


Fernsteinsee

© Bilder und Text 2003 by Harald Mathä


Infos

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