Die beiden, am Fernpass in Tirol gelegenen Seen -der Fernsteinsee sowie der Samarangersee- zählen unbestritten zu den besten europäischen Süßwasser-Tauchplätzen. Wir haben dort Ende Oktober - zum Saisonabschluss- im Schlosshotel Fernsteinsee vorbeigeschaut.
"Die Perlen Tirols"- Anmerkung des Verfassers: Waschechte
Volksmusikpatrioten aus dem Tiroler Unterland und Leser der
"Stad'lpost" mögen mir diese Leihgabe aus dem "Kufsteinlied"
verzeihen! ;-)
Zu den beiden Süßwasserjuwelen Fernstein- und Samarangersee
in Tirol muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Die beiden kleinen Seen zeichnen sich durch meist spektakuläre Sichtweiten von 20 bis 50 Metern und phantastischen Motiven für Unterwasserfotografen jeder Couleur aus.
Doch erst einmal zurück...
Klarer Himmel und die schneebedeckten Bergspitzen ringsum leuchten bereits in der Morgensonne. Wir sitzen beim Frühstück und
freuen uns auf einen weiteren Tauchgang im Samaranger See. Etwas
später, vor der Haustür - ein Kälteschock! Brrrr... das
müssen heute wohl an die minus 10°C sein! -und wie wird’s da
wohl meinem nassen Jacket am Doppelpäckchen ergangen sein, das die
Nacht im Kofferraum meines Skodas und nicht wie der Rest meiner
Ausrüstung im mollig warmen Heizungskeller des Hotels verbracht
hat? Eh klar! Steifgefroren, das gute Ding! Nix wie ab damit zum
auftauen.
Um 10 Uhr fahren wir dann - das Thermometer im Auto zeigt immer noch
minus sieben Grad an - in wenigen Minuten geht`s zum Samarangersee. Die Sonne
quält sich langsam den Bergrücken hoch. Schafft es aber erst
dann den See auszuleuchten, wenn wir schon wieder aus dem
Wasser sind.
Wir sind die ersten
Taucher heute an diesem smaragdgrünen Juwel, an dessen
Oberfläche Nebelschwaden wie Wassergeister tanzen und langsam in
die klare und kalte Gebirgsluft aufsteigen. Klar, der See ist jetzt
immerhin um 12 Grad wärmer als die Luft hier.
"Wärmer" ist natürlich ziemlich relativ, aber gut, wenn man
Wasser mit einer Temperatur von fünf Grad Celsius als warm
bezeichnen will, dann soll’s halt so sein...
Von diesen fünf Wärmegraden merkt man dann im Wasser aber
nichts- wir sind durch Trockis und warme Unterzieher aber gut
eingepackt.
Bereits gestern Nachmittag sind wir hier getaucht und auch heute herrscht wieder
eine unglaublich tolle Sicht! Es müssen wohl so 30 bis 40 Meter
sein.
Es ist schon ein wirklich erhebendes Gefühl, sich hier quasi IM
NICHTS zu bewegen. Kaum ein Schwebeteilchen trübt die Sicht. Wie
Astronauten schweben wir an Baumstämmen vorbei, die wie die
Mikadostäbchen eines Riesen kreuz und quer hier herumliegen.
Taucherische Hochstimmung!
Im hinteren Teil des Sees befindet das wohl meistfotografierte
Gedenkkreuz im Süßwasser: Erreichtet zum Gedenken an einen
1971 verstorbenen Taucher. Ein kurzes Innehalten im Zustand der
Schwerelosigkeit.
Etwas weiter hinten nimmt die Zahl der Baumstämme zu, genauso wie ihr Zustand der scheinbaren Unentwirrbarkeit. Ein phantastischer, ein mystischer Ort!
Zwischen all dem ziehen vereinzelte Schwarzreuter, Kümmerformen
von Forellen, auf der Suche nach dem wenigem Fressbaren im See ihre
Bahnen. Ebenso im "Nichts" schwebend, aber irgendwie viel
eleganter, nicht so plump und laut blubbernd wie wir Taucher.
Dann wieder bizarr geformte Gebilde aus Algen und
Süßwasserschwämmen, die von den Ästen wie große Tropfen herunterhängen - irre Assoziationen mit
Schwämmen in Mittelmeerhöhlen drängen sich mir auf -
oder sind wir hier jetzt plötzlich durch ein "Wurmloch" auf
einen ganz anderen Planeten gelangt?
Nach einer knappen Stunde steigen wir wieder aus dem Wasser- den Kopf
und die Kamera voll mit wundervollen Eindrücken.
Um diesen besonderen Genuss im See dauerhaft zu erhalten und um "Rudeltauchen" zu vermeiden ist das Tauchen in diesem See auf sechs Taucher zur gleichen Zeit
limitiert worden! Ein Zeitplan zum Eintragen liegt bei der Hotelrezeption aus!
Nach dem Flaschenfüllen mit dem hoteleigenen Kompressor (mit einem
Jeton für 5,50 € füllte ich meine Doppel-7er von 40 auf 180
bar) und einer Stunde Regeneration stand ich dann unerwartet alleine da. Der Rest meiner Gruppe war- aus für einen Taucher unerfindlichen Gründen- nach Garmisch-Partenkirchen gefahren!
Was gibt's da eigentlich außer einer Schisprungschanze und an jeder
Ecke Sepp'lhüte zum kaufen, eigentlich zu sehen?
Nachdem ich ja schließlich zum Tauchen hier war, hatte ich nun
exakt drei Möglichkeiten:
A: Nicht zu tauchen
B: Mich einer fremden Gruppe anzuschließen
oder
C: einen Solo-Tauchgang zu machen...
Hmmm, nachdem ich kurz darauf beim Einstieg 3 am Fernsteinsee der
einzige Taucher weit und breit war, blieb ohnehin nur mehr
Möglichkeit C übrig. "Moralische" Probleme hab ich bei einem
Solo Fototauchgang auf maximal 10 m eigentlich keine - wenngleich
mancher geneigter Leser - dem ich für das Interesse danken
möchte, bis hierher gelesen zu haben - nun an dieser Stelle mit
erhobenen Zeigefinger mahnen wird: "Tauchen ist ein Buddysport!
Solotaucher sind verantwortungslose Selbstmörder! Das lernt man
doch schon im Grundkurs, dass Alleintauchen verboten ist! et cetera
p.p."
Nun, auf Aussagen wie diese war ich ja geistig schon mal
vorbereitet. Hatte ich neben dem eher rudimentär vorhandenen
moralischen, doch auch ein viel schwerer wiegendes, technisches
Problem, dass mich am Solotauchen im Trocki hindert: Ich kann den
Rückenzipp des Trockis nicht alleine schließen! Doch das
Glück war mir hold und anstelle einer Moralpredigt von
Lehrbuchtauchern kam eine Gruppe Wanderer des Weges, die mir halfen und
auch noch einen schönen Tauchgang wünschten.
Bei dem folgenden Tauchgang mit knapp 20 Metern Sicht waren die vielen
Forellen die Sensation! Es dürfte derzeit Paarungs- und/oder
Laichzeit sein.
An vielen Stellen sammelten sich Gruppen, in denen sie ihre Leiber
immer wieder erregt und rhythmisch zitternd aneinander pressten. (diesen schönen Satz hab ich schon im
Wasser formuliert- sollte eine unentdeckte Begabung als Autor für
XXX - Schundheft'ln in mir stecken? ;-)
Wiederum andere Forellen verteidigten irgendetwas (vielleicht ihr
Gelege?) überaus aggressiv gegen immer wieder anrückende
Artgenossen.
Nach diesen vielen voyeuristischen Beobachtungen kehrte ich,
vorbei am großen Felsmonolithen, den ich für mich "Uluru"
taufte, zurück zum Einstieg.
Nun- was wäre aber das tauchen in diesen beiden wunderbaren Seen
ohne die elegante Abrundung durch die gastronomischen
Köstlichkeiten aus Küche und Keller des Schlosshotel
Fernsteinsee?
Hier
beispielsweise das Abendmenü vom Freitag:
Salatbuffet
***
Mediterranes Meeresfrüchtebuffet (genial!)
***
Ötztaler Knoblauchsüppchen mit Weißbrotcrutons
***
Gebratene Regenbogenforelle mit zerlassener Butter und
Petersilienkartoffeln
oder
Hirschedelgulasch mit Preiselbeeren und Erdäpfeltalern
oder
Gefüllte Zucchini mit Paprikarahm und gratinierte Nudeln
***
Grießflammerie
oder
Coupe Dänemark
Der Saisonabschluss hatte auch noch einige abendliche Highlights zu
bieten: Tolle jazzig- bluesig bis rockige Livemusik am Freitag und das
Noagalsauff'n (österreichischer Ausdruck für die fachgerechte
und nachhaltige Entsorgung von noch vorhandenen, meist alkoholischen
Getränken) in der Hotelbar am Samstag.
Let´s dance!
WICHTIGES ZUM SCHLUSS:
Tauchen in diesen beiden Seen ist ausschließlich
Hotelgästen vorbehalten!
Mehr Infos sowie umfangreiche Freizeitmöglichkeiten für
Nichttaucher finden sich auf der Homepage des Schlosshotels
Fernsteinsee- womit wir auch gleich bei den nützlichen Links sind:
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