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15 Jahre Tauchgebiets-Freigaben in Griechenland –
was hat es gebracht?
von Volker Grundmann
Es ist jetzt fast auf den Tag genau 15 Jahre her, dass in Griechenland
das Gesetzblatt FEK B 152/88 veröffentlicht wurde. Der Vorgang
wurde damals weithin nicht wahrgenommen, insbesondere ausländische
Taucher erfuhren wohl mit einer Verspätung von Jahren erstmalig
davon. Tatsächlich wurde aber mit diesem Rechtspapier eine neue
Ära für das Sporttauchen in Griechenland eingeleitet. Es
enthielt nämlich genaue Angaben zur Größe und Lage von
zehn Küstenabschnitten auf Korfu, Mykonos, Chalkidiki und
anderswo, in denen künftig das Tauchen mit Geräten für
Inländer wie Ausländer, für Basen wie für
Individualtaucher, rechtlich sicher möglich sein würde.
Griechenland hatte
sich in den Jahren zuvor zu einem Schreckgespenst
für Taucher entwickelt, berüchtigt dafür, mit welcher
Unberechenbarkeit und Willkür seine Behörden mit Tauchern
oder Basengründern umsprangen. Ursprünglicher und auch
gegenwärtig noch gültiger Grund dafür: Das griechische
Schutzverständnis für archäologische Unterwasserfunde.
Gerätetauchen in Griechenland war vom Grundsatz her generell
verboten. Alles Sporttauchen basierte bis zu diesem Zeitpunkt auf
unsicheren und unbeständigen örtlichen, teilweise personen-
oder basenbezogenen Ausnahmeregelungen. Insofern war es natürlich
ein enormer Fortschritt, in einem Gesetzblatt rechtlich einklagbar
nachlesen zu können, was man als Taucher eigentlich durfte.
Fortschritt um so mehr, da die Art der ersten Freigaben bei den
wenigen, die irgendwann in den Besitz dieser Papiere kamen, berechtigt
Hoffnungen weckte. Die zehn Gebiete waren nämlich tatsächlich
großzügig dimensioniert, die meisten umfassten gar ein paar
dutzend Kilometer mit zum Teil besten Tauchlagen. Und es war in
Aussicht gestellt, dass dieses Verfahren baldigst in Kontinuität
überführt werden würde, dass die Sporttaucher nach und
nach Zugang zu vielen interessanten Plätzen der
16000-Kilometer-Küstenlinie des Landes erhielten, an denen nicht
archäologische Gründe zum Fortbestand von Restriktionen
zwängen.
Allein, die Dinge
sollten sich auf eine Weise entwickeln, dass selbst
die größten Optimsten spätestens in der zweiten
Hälfte der Neunziger wieder der Frust überkam. Offenbar fand
bereits die Eröffnung der ersten dieser Tauchgebiete den
entschiedenen Protest der Altertums - Hardliner, denn es dauerte
fünf Jahre, bevor das nächste Gesetzblatt mit solchen
Freigaben erscheinen konnte. Und, auf den ersten Blick zu bemerken: Die
Gebiete fielen jetzt zumeist deutlich kleiner aus. Auf Kreta zum
Beispiel, wo größerer Bewegungsraum für Taucher von
besonderem Nutzen gewesen wäre, erreichten sie fast durchweg
jeweils nur ein paar hundert Meter, also, am taucherischen Bedarf
gemessen, Handtuchgröße. 1995 kam es dann das letzte Mal zu
einer recht umfassenden Freigabeaktion mit über fünfzig zum
Teil auch größeren Gebieten. Danach versandete der Prozess
immer mehr im Klein-klein, bevor er Ende der Neunziger infolge innerer
Zerwürfnisse in der zuständigen Behörde – man schaffte
es nicht, die Bedingungen für die zur Voruntersuchung der Gebiete
eingesetzten Taucher arbeitsrechtlich zu regeln - zeitweilig
völlig zum Stillstand kam. Erst 2002 war wieder von vereinzelten
Freigaben zu hören.

Für ausländische Taucher wurde die Nutzbarkeit der dennoch
jetzt objektiv bestehenden Möglichkeiten überdies zu allen
Zeiten durch eine geradezu verschwörerische Informationsblockade
weitgehend hintertrieben. Die konkreten „Freigaben“ wurden lange in
keiner anderen Form als in besagten Gesetzblättern, und dort
natürlich nur in griechischer Sprache, veröffentlicht.
Niemals kam es etwa zu einem umfassenden Pressebriefing für
ausländische Tauchjournalisten oder zur Zusendung eines
umfassenden Informationsüberblicks an die europäischen
Tauchzeitschriften durch kompetente Vertreter der verantwortlichen
Behörde. An deren Stelle trat die griechische
Tourismus-Förderbehörde EOT auf den Plan. Sie, von der man
eigentlich das Gegenteil erwarten müsste, tat mit ihrer
Informationspolitik so ziemlich alles, um die eigentlich klaren
Regelungen im Ausland kompliziert und unhandhabbar erscheinen zu
lassen. Noch bis vor kurzem kolportierte sie in ihren Info-Materialien
eine Bestimmung, nach der Taucher ihre Geräte bei Ankunft im Lande
beim Zoll anmelden müssen. Diese Regelung wurde aber bereits 1996
aufgehoben. Schlimmer noch, in den Materialien der EOT tauchten
Formulierungen auf wie „das Tauchen ist überall in Griechenland
erlaubt“, während die angehängte Liste von Freigabegebieten
hinterrücks klar machte, dass sich dieses „überall“ eben nur
auf das immer noch verdammt lückenhaft Netz dieser Gebiete
bezieht. Zur räumlichen Kennzeichnung der Gebiete verwendete man
Ortsbezeichnungen aus militärtopografischen Karten, die weder Lage
noch Größe der Tauchgebiete für Interessenten
nachvollziehbar machten. Der Unsinn wurde von einigen
Tauchpublikationen kritiklos nachgedruckt.. Kein Wunder, dass viele der
Leser den Wirrwar unverdaulich fanden und für sich danach
entschieden, „Griechenland – lieber nicht“.

Griechenland lieber nicht ? Ein Blick auf die beeindruckende
Unterwasserwelt überzeugt uns vom Gegenteil.
Die jüngere Vergangenheit
In den letzten etwa
vier Jahren führte eine weitere aktuelle
Entwicklung dazu, solch Entscheidung besonders bei Individualtauchern
zu verstärken. Griechische Tauchbasen fochten die
Verfassungskonformität des Generalverbots an und erreichten
zunächst einen Teilerfolg. Die Verfahrensweise des
zuständigen Kulturministeriums wurde von der zuständigen
Verfassungsinstitution tatsächlich als unzulässig
gekennzeichnet. Allerdings eben nur die Verfahrensweise, nicht das
Wesen der Sache. Und so erwies sich der vermeintliche Triumph der
Kläger, aus dem heraus man schon das Ende der Verbotsära
kommen zu sehen meinte, als ausgesprochener Pyrrhus-Sieg. Das
Ministerium ließ als Antwort 2002 ein neues
Archäologie-Gesetz verabschieden, das seine Oberherrschaft
über die Dinge des Tauchens nun erstmals auch rechtlich klar
bestätigt. Tragischerweise wurden in der Zwischenzeit etliche
ausländische Individualtaucher Opfer jener vermeintlich sicheren
Hinweise von Seiten Einheimischer, dass das Generalverbot gefallen sei.
Ihnen kostete der Glaube daran in etlichen Fällen die
Ausrüstung, die konfisziert wurde, Anwaltskosten und
beträchtliche Geldstrafen.


Eine Vielzahl an griechischen Wracks jüngeren Alters
laden ein zu faszinierenden Tauchgängen.
Die schwierige Rechtslage war es jedoch nicht allein, die in den
letzten Jahren den Ruf der Tauchdestination Griechenland an
deutschsprachigen Taucher-Stammtischen gründlich ruinierte. Einen
deutlichen Beitrag leisteten etliche der griechischen Basenbetreiber.
Trotz des Mangels an ausreichend vielen und räumlich großen
Tauchgebieten hat sich das touristische Sporttauchen auch in
Griechenland zu einer Industrie entwickelt, die von heute wohl schon
150 Tauchveranstaltern betrieben wird. Die Umstände haben viele
von denen frühzeitig veranlasst, jeglichen Qualitätsanspruch
aufzugeben und sich dem Markt von mehr oder weniger billigen
Tauch-Vergnügungsangeboten zu widmen. Die meisten von ihnen
konzentrieren sich heute auf das Abkassieren von
Nebenbei-Tauchtouristen oder auf Schnuppertauchen im
Großmaßstab. Um das bestätigt zu finden, braucht man
nur einmal kritisch wertend die Basenberichte bei „Taucher.Net“
durchzubrowsen.

Werden uns die faszinierenden Tauchplätze
in Griechenland
vorenthalten ?
Die Kategorie der Nebenbei-Tauchtouristen ist mittlerweile
gesetzmäßig geradezu typisch für Griechenland geworden,
da das Land eben nicht mehr als vollwertige Tauchdestination
wahrgenommen wird. Man fährt dorthin, weil zum Beispiel die
Ehefrau den „Nicht-schon-wieder-Malediven!“-Aufstand probt, zumindest
für diesen Urlaub mal ein Stück mediterran-europäischer
Urlaubsvielfalt einfordert und dafür vielleicht eben Griechenland
ins Auge fasst. Der Taucher-Gatte schickt sich drein mit dem
Hintergedanken, na da gibt’s ja viel Meer, da werde ich schon mal
irgendwie tauchen können... Dieses „irgendwie Tauchen“ erlebt er,
der Malediven-Buntheit gewohnt ist, dann als Albtraum eines mit 40 Euro
total überteuerten Super-Angebots der Hotel-Hausbasis: Mit dem
Schlauchboot kurz um die Ecke gekarrt, vom Diveguide in einer Herde von
weiteren zehn oder fünfzehn Tauchern im Schnelldurchgang eine aus
der Entfernung nur dröge-grau erscheinende Steilwand (wenn nicht
gar über noch langweiligeres Areal) entlang getrieben. Die
Mühe, eine Lampe mitzuführen, um der ohnehin viel zu
großen Gruppe an dieser Wand wenigstens hier und da etwas zu
„erhellen“, macht sich der Diveguide gar nicht erst. Und da er die
Fähigkeiten der stets neu zusammengewürfelten
Gelegenheitstaucher nicht einschätzen kann, geht es auch nicht
viel tiefer als zehn bis fünfzehn Meter, das heißt, in einen
Bereich, wo man am Mittelmeer ohnehin wenig Interessantes findet.

Faszinierende Höhlen- und Grottenformationen werden durch
einen
Großteil der Basen leider erst gar nicht angeboten.
Kurz, man kann in Griechenland heute tatsächlich dauerhaft
abschreckende Tauch-Horrorstories für den Stammtisch sammeln.
Sollten wir
Griechenland als Tauchdestination also völlig
abschreiben? Bei allem Bewusstsein von Grenzen und Erschwernissen, das
wäre meines Erachtens insbesondere für engagierte
Mittelmeer-Tauch-Freaks ein blatanter Fehler. Denn weiterhin gilt, was
bereits seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts
beständig das Interesse von Tauchern an diesem Lande erweckte:
Griechenlands Küsten sind nicht nur die längsten am
Mittelmeer, sie sind auch mit die klarsten und sie bieten sowohl
für Basen- als auch für Individualtaucher mit das
größte Erlebnispotential an diesem Meer. Etwa jede Menge
Höhlen/Grotten, skurrile Felsformungen, Wracks aller Art, darunter
Weltkriegswracks, aber auch aufregende Begegungen mit seltenen, wenn
auch meist kleinen Tieren. Bereits die bisher freigegebenen etwa 120
Gebiete, so unzulänglich manche von ihnen auch sein mögen,
vermitteln einen repräsentativen Einblick in dieses Potential,
bringen Unvergessliches an Erlebnissen und Entdeckungen, je nach dem,
wie man sich auf die spezifischen Verhältnisse einstellt und den
Urlaub organisatorisch vorbereitet.

Auch das Mittelmeer bietet eine beeindruckende Farbvielfalt
Dieses Potential kann man sich zweifellos am umfassendsten zunutze
machen, wenn man sich organisatorisch darauf einrichtet, zumindest
einen Teil der Tauchgänge individuell durchzuführen.
Individuelles Tauchen ist eben, entgegen allen anderslautenden
Gerüchten, in den freigegebenen Gebieten tatsächlich
ausdrücklich erlaubt und mit keiner weiteren Erschwernis
verbunden, als dass man sich bei der örtlichen Hafenpolizei dazu
anmelden und in die Grenzen des Tauchgebiets einweisen lassen muss.
Taucherpässe müssen vorgelegt werden, es werden jedoch die
aller gängigen Organisationen akzeptiert.

Aber auch die Angebote der Basen darf man natürlich nicht alle in
gleicher Weise abwatschen. Immerhin gibt es im Lande noch fünf
alteingesessene deutschsprachige Basen mit ausgesprochenen
Qualitätsangeboten, bei denen ausgewiesen erfahrene Taucher ihre
Tauchgänge natürlich zusammen mit ihrem Partner weitgehend
nach eigener Regie gestalten können. Und letztlich bietet auch
zumindest ein Teil der griechischen Basen noch
Qualitätstauchgänge mit echten Knüllern. Und die sollte
man auch unbedingt mitnutzen, allein deshalb, weil etliche Basen
Sonderrechte außerhalb der freigegebenen Tauchgebiete innehaben
und nur so zum Beispiel Zugang zu den beeindruckendsten Wracks zu
erhalten ist.

Fragile Schönheit
Wenn also Griechenland in dieser fünfzehnjährigen Periode
durchaus eine problematische Tauchdestination geblieben ist, deutlich
besser handhabbar, wenn nicht überhaupt erst einmal, ist sie
für den Taucher auf Grund der „Freigabepolitik“ auf alle
Fälle geworden. Und für den engagierten Tauch-Freak ist in
diesem Land jetzt und in der Zukunft ein attraktives taucherisches
Potential zu erschließen, auf das man keinesfalls verzichten
sollte. Schon deshalb nicht, weil man damit genau das tun würde,
was einige der Altertumsschutz-Dogmatiker eigentlich anstreben. Und nur
durch beharrliches Ausschöpfen des derzeit gegebenen Rahmens
entsteht natürlich jener Druck auf die Verantwortlichen in Athen,
der sie überzeugen kann, dass es neben Olympischen Spielen
weiteren Sport- und Freizeitbedarf gibt, der Anrecht auf Förderung
hat.
Wer noch weitere "Bilderbeweise" sehen möchte, die von der
fanstastischen Unterwasserwelt Griechenlands zeugen, kann in der
Photodatenbank unter der Rubrik Griechenland
allgemein einen Eindruck davon bekommen.
Über den Autor
Volker Grundmann ist der Verfasser der drei derzeitigen Standardwerke
des Griechenland-Tauchens:
- "Tauchführer Griechenland - Westküste, Ionische Inseln
Peloponnes" (BLV Verlag, München, 1998, ISBN 3-405-15413-8,
vergriffen)
- "Tauchführer Griechenland - Gesamt" (auf CD-ROM im Eigenverlag
2001, über seine website www.Griechenlandtauchen.de
zu bestellen).
- "Tauchabenteuer Griechenland", Selbstverlag, 2003, ISBN
3-00-011555-2, 325 Seiten, davon zweimal sechs Seiten
Unterwasseraufnahmen, fest gebunden, Einband zellofaniert,
ebenfalls vertrieben über die Website bzw. volkergrundmann@gmx.de.
Tipp der Redaktion: Letzteres,
eben erschienenes Buch, Tauchabenteuer Griechenland - ein
Rechenschaftsbericht
über zehn Jahre Griechenland-Tauchen, ist zugleich Quelle zum Teil
atemberaubender Taucherfahrungen auch für jene Individualtaucher,
die nicht unbedingt Griechenland im Sinn haben. Als Weihnachtsgeschenk
für engagierte Tauchfreaks klar zu empfehlen. (Taucher.Net
Rezension)
© 2003 Text
Volker Grundmann
© 2003 Bilder 1,2 und 3 von Bernd Herrmann
© 2003 Bilder von Volker Grundmann
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20.07.2008 13:34 Taucher Online : 174 Heute 6639, ges. 27641284 Besucher
 
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