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Onlinemagazin - 37. Ausgabe - Griechenlandtauchen




 Geschrieben von Volker Grundmann

15 Jahre Tauchgebiets-Freigaben in Griechenland –

was hat es gebracht?

von Volker Grundmann

Es ist jetzt fast auf den Tag genau 15 Jahre her, dass in Griechenland das Gesetzblatt FEK B 152/88 veröffentlicht wurde. Der Vorgang wurde damals weithin nicht wahrgenommen, insbesondere ausländische Taucher erfuhren wohl mit einer Verspätung von Jahren erstmalig davon. Tatsächlich wurde aber mit diesem Rechtspapier eine neue Ära für das Sporttauchen in Griechenland eingeleitet. Es enthielt nämlich genaue Angaben zur Größe und Lage von zehn Küstenabschnitten auf Korfu, Mykonos, Chalkidiki und anderswo, in denen künftig das Tauchen mit Geräten für Inländer wie Ausländer, für Basen wie für Individualtaucher, rechtlich sicher möglich sein würde.

Griechenland hatte sich in den Jahren zuvor zu einem Schreckgespenst für Taucher entwickelt, berüchtigt dafür, mit welcher Unberechenbarkeit und Willkür seine Behörden mit Tauchern oder Basengründern umsprangen. Ursprünglicher und auch gegenwärtig noch gültiger Grund dafür: Das griechische Schutzverständnis für archäologische Unterwasserfunde. Gerätetauchen in Griechenland war vom Grundsatz her generell verboten. Alles Sporttauchen basierte bis zu diesem Zeitpunkt auf unsicheren und unbeständigen örtlichen, teilweise personen- oder basenbezogenen Ausnahmeregelungen. Insofern war es natürlich ein enormer Fortschritt, in einem Gesetzblatt rechtlich einklagbar nachlesen zu können, was man als Taucher eigentlich durfte. Fortschritt um so mehr, da die Art der ersten Freigaben bei den wenigen, die irgendwann in den Besitz dieser Papiere kamen, berechtigt Hoffnungen weckte. Die zehn Gebiete waren nämlich tatsächlich großzügig dimensioniert, die meisten umfassten gar ein paar dutzend Kilometer mit zum Teil besten Tauchlagen. Und es war in Aussicht gestellt, dass dieses Verfahren baldigst in Kontinuität überführt werden würde, dass die Sporttaucher nach und nach Zugang zu vielen interessanten Plätzen der 16000-Kilometer-Küstenlinie des Landes erhielten, an denen nicht archäologische Gründe zum Fortbestand von Restriktionen zwängen.

Allein, die Dinge sollten sich auf eine Weise entwickeln, dass selbst die größten Optimsten spätestens in der zweiten Hälfte der Neunziger wieder der Frust überkam. Offenbar fand bereits die Eröffnung der ersten dieser Tauchgebiete den entschiedenen Protest der Altertums - Hardliner, denn es dauerte fünf Jahre, bevor das nächste Gesetzblatt mit solchen Freigaben erscheinen konnte. Und, auf den ersten Blick zu bemerken: Die Gebiete fielen jetzt zumeist deutlich kleiner aus. Auf Kreta zum Beispiel, wo größerer Bewegungsraum für Taucher von besonderem Nutzen gewesen wäre, erreichten sie fast durchweg jeweils nur ein paar hundert Meter, also, am taucherischen Bedarf gemessen, Handtuchgröße. 1995 kam es dann das letzte Mal zu einer recht umfassenden Freigabeaktion mit über fünfzig zum Teil auch größeren Gebieten. Danach versandete der Prozess immer mehr im Klein-klein, bevor er Ende der Neunziger infolge innerer Zerwürfnisse in der zuständigen Behörde – man schaffte es nicht, die Bedingungen für die zur Voruntersuchung der Gebiete eingesetzten Taucher arbeitsrechtlich zu regeln - zeitweilig völlig zum Stillstand kam. Erst 2002 war wieder von vereinzelten Freigaben zu hören.



Für ausländische Taucher wurde die Nutzbarkeit der dennoch jetzt objektiv bestehenden Möglichkeiten überdies zu allen Zeiten durch eine geradezu verschwörerische Informationsblockade weitgehend hintertrieben. Die konkreten „Freigaben“ wurden lange in keiner anderen Form als in besagten Gesetzblättern, und dort natürlich nur in griechischer Sprache, veröffentlicht. Niemals kam es etwa zu einem umfassenden Pressebriefing für ausländische Tauchjournalisten oder zur Zusendung eines umfassenden Informationsüberblicks an die europäischen Tauchzeitschriften durch kompetente Vertreter der verantwortlichen Behörde. An deren Stelle trat die griechische Tourismus-Förderbehörde EOT auf den Plan. Sie, von der man eigentlich das Gegenteil erwarten müsste, tat mit ihrer Informationspolitik so ziemlich alles, um die eigentlich klaren Regelungen im Ausland kompliziert und unhandhabbar erscheinen zu lassen. Noch bis vor kurzem kolportierte sie in ihren Info-Materialien eine Bestimmung, nach der Taucher ihre Geräte bei Ankunft im Lande beim Zoll anmelden müssen. Diese Regelung wurde aber bereits 1996 aufgehoben. Schlimmer noch, in den Materialien der EOT tauchten Formulierungen auf wie „das Tauchen ist überall in Griechenland erlaubt“, während die angehängte Liste von Freigabegebieten hinterrücks klar machte, dass sich dieses „überall“ eben nur auf das immer noch verdammt lückenhaft Netz dieser Gebiete bezieht. Zur räumlichen Kennzeichnung der Gebiete verwendete man Ortsbezeichnungen aus militärtopografischen Karten, die weder Lage noch Größe der Tauchgebiete für Interessenten nachvollziehbar machten. Der Unsinn wurde von einigen Tauchpublikationen kritiklos nachgedruckt.. Kein Wunder, dass viele der Leser den Wirrwar unverdaulich fanden und für sich danach entschieden, „Griechenland – lieber nicht“.


Griechenland lieber nicht ? Ein Blick auf die beeindruckende
Unterwasserwelt überzeugt uns vom Gegenteil.


Die jüngere Vergangenheit


In den letzten etwa vier Jahren führte eine weitere aktuelle Entwicklung dazu, solch Entscheidung besonders bei Individualtauchern zu verstärken. Griechische Tauchbasen fochten die Verfassungskonformität des Generalverbots an und erreichten zunächst einen Teilerfolg. Die Verfahrensweise des zuständigen Kulturministeriums wurde von der zuständigen Verfassungsinstitution tatsächlich als unzulässig gekennzeichnet. Allerdings eben nur die Verfahrensweise, nicht das Wesen der Sache. Und so erwies sich der vermeintliche Triumph der Kläger, aus dem heraus man schon das Ende der Verbotsära kommen zu sehen meinte, als ausgesprochener Pyrrhus-Sieg. Das Ministerium ließ als Antwort 2002 ein neues Archäologie-Gesetz verabschieden, das seine Oberherrschaft über die Dinge des Tauchens nun erstmals auch rechtlich klar bestätigt. Tragischerweise wurden in der Zwischenzeit etliche ausländische Individualtaucher Opfer jener vermeintlich sicheren Hinweise von Seiten Einheimischer, dass das Generalverbot gefallen sei. Ihnen kostete der Glaube daran in etlichen Fällen die Ausrüstung, die konfisziert wurde, Anwaltskosten und beträchtliche Geldstrafen.



Eine Vielzahl an griechischen Wracks jüngeren Alters
laden ein zu faszinierenden Tauchgängen.


Die schwierige Rechtslage war es jedoch nicht allein, die in den letzten Jahren den Ruf der Tauchdestination Griechenland an deutschsprachigen Taucher-Stammtischen gründlich ruinierte. Einen deutlichen Beitrag leisteten etliche der griechischen Basenbetreiber. Trotz des Mangels an ausreichend vielen und räumlich großen Tauchgebieten hat sich das touristische Sporttauchen auch in Griechenland zu einer Industrie entwickelt, die von heute wohl schon 150 Tauchveranstaltern betrieben wird. Die Umstände haben viele von denen frühzeitig veranlasst, jeglichen Qualitätsanspruch aufzugeben und sich dem Markt von mehr oder weniger billigen Tauch-Vergnügungsangeboten zu widmen. Die meisten von ihnen konzentrieren sich heute auf das Abkassieren von Nebenbei-Tauchtouristen oder auf Schnuppertauchen im Großmaßstab. Um das bestätigt zu finden, braucht man nur einmal kritisch wertend die Basenberichte bei „Taucher.Net“ durchzubrowsen.


Werden uns die faszinierenden Tauchplätze
in Griechenland vorenthalten ?


Die Kategorie der Nebenbei-Tauchtouristen ist mittlerweile gesetzmäßig geradezu typisch für Griechenland geworden, da das Land eben nicht mehr als vollwertige Tauchdestination wahrgenommen wird. Man fährt dorthin, weil zum Beispiel die Ehefrau den „Nicht-schon-wieder-Malediven!“-Aufstand probt, zumindest für diesen Urlaub mal ein Stück mediterran-europäischer Urlaubsvielfalt einfordert und dafür vielleicht eben Griechenland ins Auge fasst. Der Taucher-Gatte schickt sich drein mit dem Hintergedanken, na da gibt’s ja viel Meer, da werde ich schon mal irgendwie tauchen können... Dieses „irgendwie Tauchen“ erlebt er, der Malediven-Buntheit gewohnt ist, dann als Albtraum eines mit 40 Euro total überteuerten Super-Angebots der Hotel-Hausbasis: Mit dem Schlauchboot kurz um die Ecke gekarrt, vom Diveguide in einer Herde von weiteren zehn oder fünfzehn Tauchern im Schnelldurchgang eine aus der Entfernung nur dröge-grau erscheinende Steilwand (wenn nicht gar über noch langweiligeres Areal) entlang getrieben. Die Mühe, eine Lampe mitzuführen, um der ohnehin viel zu großen Gruppe an dieser Wand wenigstens hier und da etwas zu „erhellen“, macht sich der Diveguide gar nicht erst. Und da er die Fähigkeiten der stets neu zusammengewürfelten Gelegenheitstaucher nicht einschätzen kann, geht es auch nicht viel tiefer als zehn bis fünfzehn Meter, das heißt, in einen Bereich, wo man am Mittelmeer ohnehin wenig Interessantes findet.


Faszinierende Höhlen- und Grottenformationen werden durch einen
Großteil der Basen leider erst gar nicht angeboten.


Kurz, man kann in Griechenland heute tatsächlich dauerhaft abschreckende Tauch-Horrorstories für den Stammtisch sammeln.

Sollten wir Griechenland als Tauchdestination also völlig abschreiben? Bei allem Bewusstsein von Grenzen und Erschwernissen, das wäre meines Erachtens insbesondere für engagierte Mittelmeer-Tauch-Freaks ein blatanter Fehler. Denn weiterhin gilt, was bereits seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beständig das Interesse von Tauchern an diesem Lande erweckte: Griechenlands Küsten sind nicht nur die längsten am Mittelmeer, sie sind auch mit die klarsten und sie bieten sowohl für Basen- als auch für Individualtaucher mit das größte Erlebnispotential an diesem Meer. Etwa jede Menge Höhlen/Grotten, skurrile Felsformungen, Wracks aller Art, darunter Weltkriegswracks, aber auch aufregende Begegungen mit seltenen, wenn auch meist kleinen Tieren. Bereits die bisher freigegebenen etwa 120 Gebiete, so unzulänglich manche von ihnen auch sein mögen, vermitteln einen repräsentativen Einblick in dieses Potential, bringen Unvergessliches an Erlebnissen und Entdeckungen, je nach dem, wie man sich auf die spezifischen Verhältnisse einstellt und den Urlaub organisatorisch vorbereitet.


Auch das Mittelmeer bietet eine beeindruckende Farbvielfalt

Dieses Potential kann man sich zweifellos am umfassendsten zunutze machen, wenn man sich organisatorisch darauf einrichtet, zumindest einen Teil der Tauchgänge individuell durchzuführen. Individuelles Tauchen ist eben, entgegen allen anderslautenden Gerüchten, in den freigegebenen Gebieten tatsächlich ausdrücklich erlaubt und mit keiner weiteren Erschwernis verbunden, als dass man sich bei der örtlichen Hafenpolizei dazu anmelden und in die Grenzen des Tauchgebiets einweisen lassen muss. Taucherpässe müssen vorgelegt werden, es werden jedoch die aller gängigen Organisationen akzeptiert.



Aber auch die Angebote der Basen darf man natürlich nicht alle in gleicher Weise abwatschen. Immerhin gibt es im Lande noch fünf alteingesessene deutschsprachige Basen mit ausgesprochenen Qualitätsangeboten, bei denen ausgewiesen erfahrene Taucher ihre Tauchgänge natürlich zusammen mit ihrem Partner weitgehend nach eigener Regie gestalten können. Und letztlich bietet auch zumindest ein Teil der griechischen Basen noch Qualitätstauchgänge mit echten Knüllern. Und die sollte man auch unbedingt mitnutzen, allein deshalb, weil etliche Basen Sonderrechte außerhalb der freigegebenen Tauchgebiete innehaben und nur so zum Beispiel Zugang zu den beeindruckendsten Wracks zu erhalten ist.


Fragile Schönheit

Wenn also Griechenland in dieser fünfzehnjährigen Periode durchaus eine problematische Tauchdestination geblieben ist, deutlich besser handhabbar, wenn nicht überhaupt erst einmal, ist sie für den Taucher auf Grund der „Freigabepolitik“ auf alle Fälle geworden. Und für den engagierten Tauch-Freak ist in diesem Land jetzt und in der Zukunft ein attraktives taucherisches Potential zu erschließen, auf das man keinesfalls verzichten sollte. Schon deshalb nicht, weil man damit genau das tun würde, was einige der Altertumsschutz-Dogmatiker eigentlich anstreben. Und nur durch beharrliches Ausschöpfen des derzeit gegebenen Rahmens entsteht natürlich jener Druck auf die Verantwortlichen in Athen, der sie überzeugen kann, dass es neben Olympischen Spielen weiteren Sport- und Freizeitbedarf gibt, der Anrecht auf Förderung hat.

Wer noch weitere "Bilderbeweise" sehen möchte, die von der fanstastischen Unterwasserwelt Griechenlands zeugen, kann in der Photodatenbank unter der Rubrik Griechenland allgemein einen Eindruck davon bekommen.

Über den Autor

Volker Grundmann ist der Verfasser der drei derzeitigen Standardwerke des Griechenland-Tauchens:
- "Tauchführer Griechenland - Westküste, Ionische Inseln Peloponnes" (BLV Verlag, München, 1998, ISBN 3-405-15413-8, vergriffen)
- "Tauchführer Griechenland - Gesamt" (auf CD-ROM im Eigenverlag 2001, über seine website www.Griechenlandtauchen.de zu bestellen).
- "Tauchabenteuer Griechenland", Selbstverlag, 2003, ISBN 3-00-011555-2, 325 Seiten, davon zweimal sechs Seiten Unterwasseraufnahmen, fest gebunden, Einband zellofaniert, ebenfalls vertrieben über die Website bzw. volkergrundmann@gmx.de.

Tipp der Redaktion: Letzteres, eben erschienenes Buch, Tauchabenteuer Griechenland - ein Rechenschaftsbericht über zehn Jahre Griechenland-Tauchen, ist zugleich Quelle zum Teil atemberaubender Taucherfahrungen auch für jene Individualtaucher, die nicht unbedingt Griechenland im Sinn haben. Als Weihnachtsgeschenk für engagierte Tauchfreaks klar zu empfehlen. (Taucher.Net Rezension)

© 2003 Text Volker Grundmann
© 2003 Bilder 1,2 und 3 von Bernd Herrmann
© 2003 Bilder von Volker Grundmann

TIPP:Diskutieren über dies und das? Hauptsache es hat mit Tauchen zu tun - in der Diskussionsseite Diverses.


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