Tauchen und Whiskey....

 Geschrieben von Oli
© 2003 Oliver Meise

...passen nicht zusammen? Normalerweise nicht. Aber manchmal eben doch. Gleich nach der Beendigung des 2. Weltkrieges verteilten die Siegermächte die deutsche Kriegsbeute untereinander. Hierzu gehörte nicht nur Hochprozentiges, sondern auch Hochtechnologie der verschiedensten Bereiche. So neben den in Danzig und Gotenhafen ohnehin erbeuteten U-Bootsektionen des Typs XXI auch einige der noch für die Kriegsmarine fertiggestellten dieselelektrischen U-Boote dieses Typs.


U-Boote des Typs XXI in Norwegen

Genauer gesagt erhielt die Sowjetunion die fertigen Typ XXI-Boote U 2529, U 3035, U 3041 und U 3515. Wie die Royal Navy und die US-Navy begann nun auch die Rote Flotte nach dem Ausforschen der neuen deutschen Boote mit dem Bau einer U-Bootklasse, die auf dem Typ XXI beruhte. Während die westlichen Marinen maximal einige Dutzend Exemplare ihrer Version des deutschen Typs auf Kiel legten und weiterentwickelten, stieg man im Osten groß ein und baute nach dem Entwurf Projekt 613 des TsKB-18 bzw. des Zentralen Konstruktionsbüros Rubin zwischen 1950 und 1957 nicht weniger als 226 Boote auf den U-Bootwerften von Gorkij bei Nishnij Nowgorod, Nikolajew, Leningrad bzw. St. Petersburg und Komsomolsk am Amur.

Mit einem 75,2m langen, 6,3m breiten und 4,9m hohen Rumpf waren U-Boote dieses Typs maximal 1.350ts groß und damit eine Idee kleiner als ihre deutschen Vorbilder. Dafür wirkten in dieser auch Whiskey-Klasse genannten U-Bootserie die beiden jeweils 2000 sPS starken Diesel des Typs 37D besser und machten mit Hilfe zweier sechsflügeliger Schrauben die russischen Boote über Wasser knapp 20% schneller. Dies ließ sie Geschwindigkeiten von bis zu 18,2 Knoten erreichen. Dafür war die Spitzenleistung in der Unterwassergeschwindigkeit bei den russischen Booten mit nur 12,5 Knoten 20% geringer -was wohl auf den Umstand zurückzuführen war,daß hier zwei E-Maschinen des Typs PG 101 von zusammen nur 2.700 PS Leistung Verwendung fanden und auch deutlich weniger Batterien an Bord waren als auf den deutschen Booten. Immerhin erreichten Boote dieses Typs bei ökonomischer Fahrt mit nur 120t Treibstoff an Bord über Wasser eine ähnliche Reichweite von 8.580 Nautischen Meilen wie ihre deutschen Vorbilder, die bei einem Verbrauch von 250t gut 15.500 Seemeilen weit kamen. Unter Wasser langte es bei den russischen Booten bei einer Geschwindigkeit von 13 Knoten nur für eine Reichweite von 13,3 Nautischen Meilen -die deutschen Boote leisteten da mehr als das doppelte. Nicht umsonst nannte man sie auch Elektro-Boote! Die Bauweise der russischen U-Boote ließ eine Tauchtiefe von ca. 180m zu.Das war über 20% weniger als bei den Typ XXI-Booten. Außerdem schleppten die Bootes der Whiskey-Klasse weniger Bewaffnung mit sich herum und begnügte sich mit vier Torpedorohren des Kalibers 53,3cm im Bug und einer Chargierung von acht konventionellen Torpedos des Typs 53-51 bzw. 56 sowie zwei ebensolchen 53,3cm-Torpedorohren im Heck mit einem Vorrat von vier Torpedos oe.Typs oder solchen mit atomarem Gefechtskopf. Vor allem in den bis 1960 gebauten Versionen war auch noch Flakbewaffnung eingebaut, so daß vor bzw. hinter dem Turm und auf ihm sowohl eine 57mm-Zwillingsflak des Typs SM 24 ZIF installiert sein konnte wie auch eine 25mm-Zwilingsflak des Fabrikats 2M8. Natürlich verfügten diese Boote auch über Radar. Dies trug die Typenbezeichnung RLK 101 Nakat und war in Teleskopform in den Turm eingebaut. Des traf auch auf den Schnorchel sowie das S2-Angriffsperiskop und das S8-Rundblicksehrohr zu. Die stufenförmige Ausbuchtung unter dem Bug enthielt sowohl das aktive Suchsonar Tamir 5 LS wie auch das passive Suchsonar Feniks 132 und das Feuerleitsonar MG 15 Hercules. Im Westen stellte man fest,daß in der Roten Flotte mit Booten der Whisky-Klasse viel herumexperimentiert wurde und es insgesamt 30 Unterarten gab die zum Teil für sehr spezielle Verwendungen umgebaut worden waren -oder einfach nur der Erprobung neuer U-Bootstechnik dienen sollten. Äußerlich unterschieden sich die 30 Unterarten zum größten Teil eher in Kleinigkeiten, so daß die Boote der Whiskey-Klasse von der NATO in fünf Versionen unterteilt wurden bei denen es in der Hauptsache um durch verschiedene Flakbewaffnung voneinander abweichende Turmkonstruktionen ging. Wobei die fünfte und letzte Version -Version V- gar keine Flakwaffen mehr an Bord hatte.


U-Boot der Whiskey-Klasse in der Version V verläßt seinen Stützpunkt
Photo from the archives of www.submarine.id.ru

Im Laufe ihres Lebens waren die Boote der Whiskey-Klasse an jedem Brennpunkt des Weltgeschehens eingesetzt, wzB. vor Kuba zum Zeitpunkt der Raketen-Krise und auch in den folgenden Jahrzehnten. Noch 1985 waren in der Roten Flotte über 50 Exemplare im Dienst, in der chinesischen Marine sind sie es noch heute.


U-Boot der Whiskey-Klasse in der Version V auf hoher See
Photo from the archives of www.submarine.id.ru

Doch irgendwann kommt für alles einmal ein Ende. Für die Whisky-Klasse kam es in der späten 80er-Jahren. Die letzten Boote wurden außer Dienst gestellt, wanderten in die Schrottpresse -oder wurden an das Ausland verkauft. Hierbei kamen nicht nur die Marinen kommunistischer Bruderländer als Käufer in Frage, sondern auch westliche Firmen. Letztere verhökerten diese Boote für eine runde halbe Million US-Dollar an jeden der gerne eins wollte. Da der Zeitraum für die Außerdienststellung der letzten Boote der Whiskey-Klasse aber in den Zeitraum des Auseinanderfallens der Sowjetunion fiel und überall in Rußland dringend Devisen benötigt wurden, ließ man sich auch auf Barter-Geschäfte ein. Hierbei wurden Waren gegen andere Waren getauscht. Natürlich konnten die U-Boote dem russischen Staat auch direkt abgekauft werden. Ob die drei U-Boote, die im Dezember 1989 von Rußland aus durch die Ostsee in Richtung Westen geschleppt wurden aus einem Kauf oder einem Barter-Geschäft stammen, läßt sich nicht mehr mit Sicherheit klären. Dem Vernehmen nach sollte aber bei Ablieferung der Boote beim Schrotthändler im dänischen Nakskov der Absender einige Tausend Schweizer Uhren erhalten. Doch dazu kam es nur zum Teil. Eines der Boote sank westlich der dänischen Insel Bornholm aus ungeklärter Ursache immer tiefer und tiefer. Da die Mannschaft an Bord der Schlepper verständlicherweise nicht gewillt war, sich am Schleppkabel in die Tiefe ziehen zu lassen, wurde dieses dort losgeworfen. Zu schnell um noch etwas dagegen tun zu können, sackte nun das Heck ab. Schließlich lag nur noch der Hoch aus dem Wasser ragende Bug des U-Bootes über dem Meeresspiegel. Aber auch dieser versank dann am 14. Dezember 1989. Da das U-Boot aber einen Schrottwert von 1,5 Millionen Kronen hatte und außerdem für den Schiffsverkehr etwas unbequem lag, ging 1991 die Firma Österdahl an einen Bergungsversuch. Der Plan sah vor, durch die entsprechenden Öffnungen im Rumpf Druckluft in die Tauchzellen des U-Bootes zu drücken und diese damit auszublasen. Hierdurch würde das Boot von selbst aufschwimmen und könnte an der Wasseroberfläche auf den Haken genommen werden. Doch das ganze ging schief und 500.000 Kronen Bergungskosten wurden in den Sand gesetzt. Gleiches geschah mit dem auf den Meeresboden herabsinkenden Wrack. Da es aber noch immer den Schiffsverkehr beeinträchtigte, wurde es nun aber wenigstens noch zur Seite geschleppt und dabei recht unzeremoniell über den Meeresboden zur Position 55° 14,747` N / 14° 39,504´ E nordwestlich von Hasle auf Bornholm geschleift, wo es niemanden mehr störte. Heute liegt es immer noch dort. Taucht man an das Wrack heran und landet hinter dem Turm, sieht man das Boot dank der in der Regel guten Sicht von zwischen zehn und 30 Metern mit einer Krängung von umgefähr 45° nach Steuerbord vor sich liegen.


Photo © 2003 Christian Hofer

Da keine Flakbewaffnung und auch keine Plattformen dafür zu sehen ist, handelt es sich bei diesem Wrack um ein Boot der späten NATO-Version V der Whiskey-Klasse. An dieser Stelle ist die Ostsee nur 38m Tief,weshalb man also auch keine Mischgasausrüstung mitzuschleppen braucht. Die flachste Stelle am Wrack ist mit 30m die Oberkante des Turms mit der sehr markanten RPN-47-03 - Peilantenne.


Photo © 2003 Christian Hofer

Diese steht auf dem hinteren Teil des Turms und ist auf einem nach hinten abgeknickten Rohr montiert. Dieses ist ein Schnorchel vom Typ Kogul.


Photo © 2003 Christian Hofer

Über einige Meter in Richtung Bug verteilt befinden sich hier auf der Turmoberkante Öffnungen. Henrik hat uns einen 8.9 MB großen Film zur Verfügung gestellt in dem man diese Turmsektion und den Bug gut betrachten kann. Die Öffnungen oben am Turm sind aber keine Luken über die man in das Boot gelangen kann. Diese entstanden vielmehr durch den Ausbau diverser Radar-Teleskopmasten und des Kurs 3-Gyrokompasses oder ganz einfach weil die Abdeckungen über diversen Baugruppen am Turm heruntergefallen sind. Unmittelbar vor der Peilantenne fehlt auch eine solche Abdeckung. Hier ist links im Bild die WAN 5-Teleskopantenne, sowie rechts die Radarstrahlen ortende TRN 800-Teleskopantenne in eingefahrenem Zustand zu sehen.


Photo © 2003 Christian Hofer

Ein Eindringen in das Boot durch die engen Öffnungen wo Anlagen ausgebaut wurden ist nicht möglich. Auch nicht ganz vorne am Turm wo sich das Turmluk befindet. Die obere Vorderseite des Turms ist nämlich recht stark lädiert.


Photo © 2003 Christian Hofer

An dieser Stelle befand sich früher ein gegen Wetter verkleideter Fahrstand für die Überwasserfahrt mit dem Boot und das bewußte Luk zum Einstieg in das Bootsinnere. Inmitten des Fahrstandes und um den Fuß des Turms herumgeschlungen sieht man schwere Ketten liegen.


Photo © 2003 Christian Hofer

Vermutlich gehören diese zum Bergegeschirr, mit dem versucht wurde das Boot zu heben. Der Fahrstand wurde vermutlich durch die bei der Bergung durch die Kette auf diese Stelle wirkenden Kräfte zerstört. Einige Meter vor dem Turm kann man die erste von drei geöffneten Luken im Oberdeck inspizieren. Dies ist das vordere Torpedoübernahmeluk. Von einem Eindringen in das Innere muß hier abgeraten werden da hier alles sehr eng ist und dies neben entsprechender Ausbildung auch viel Erfahrung bedarf !! Durch dieses Torpedoluk wurden im Hafen die Torpedos in das Bootsinnere geladen. Das Bootsinnere ist dabei der Bugtorpedoraum in dem die Torpedos gelagert, gewartet und in die Bugtorpedorohre geladen wurden. Direkt hinter diesem Luk befindet sich eine weitere, teilweise von einem Rost überdeckte Öffnung im Überwasserschiff. Vermutlich wurden hier in einem Unterdeckstauraum Taue, Fender und Trossen gelagert. Taucht man auf dieser Höhe vom Oberdeck zur Backbordseite, sieht man in der Linie der Flutschlitze eine Art eingeklappte Flügel in einer Aussparung liegen. Dies war das backbordvordere Tiefenruder. Es wurde nur ausgeklappt,wenn eine Benutzung unmittelbar bevorstand und ruhte während Überwasserfahrten in der Regel in dieser Aussparung. Weiter vorn in Richtung Bug sieht man einige Dutzend Meter Kette quer auf dem Oberdeck liegen und den Rumpf hinunter in Richtung Meeresgrund verschwinden. Auch dies ist vermutlich ein Teil des beim fehlgeschlagenen Hebeversuch verlorengegangenen Bergegeschirrs. Am Wrack bieten sich aber noch viele andere interessante Dinge dem Auge des Betrachters dar wzB. der mehrere Meter über dem Sandgrund in das freie Wasser ragende Bug mit den vorderen Torpedorohren.


Photo © 2003 Christian Hofer

Taucht man unter dem Bug in Richtung Meeresgrund,kann man auch den Balkon mit den oe. und zahlreich dort installierten Sonartypen erahnen. Kehrt man von hier aus an der Steuerbordseite zum Turm zurück bemerkt man an der Turmseite eine Türe.


Photo © 2003 Christian Hofer

Diese ist geöffnet und lädt dazu ein einmal die Nase hineinzustecken. Etwas besonderes sieht man dort aber nicht:-) Schön überwachsen sind auch die auf den Turm geschweißten Leitersprossen die vom Oberdeck hoch zum zerstörten Fahrstand führen. Taucht man vom Turm aus weiter in Richtung Heck, so fällt einem die schön anzuschauende ebenmäßige Linie der Flutschlitze über den Backbord-Tauchzellen auf.


Photo © 2003 Christian Hofer

Auf dem Weg zum Heck kommt man an der unteren Hinterkante des Turms angebrachten Positionslicht vorbei.


Photo © 2003 Christian Hofer

Nur wenige Meter hinter dem Turm trifft man auf ein weiteres geöffnetes Luk an Oberdeck.


Photo © 2003 Christian Hofer

Dieses führt zur Messe der Besatzung, unter der auch der hintere Batterieraum liegt. Bitte auch hier nicht in das Bootsinnere hineintauchen! Setzt man den Tauchgang in Richtung Heck nun fort, kommt man nach einem guten Dutzend Metern zum nächsten Luk. Dies befindet sich über dem Hecktorpedoraum und diente als Notausstiegsmöglichkeit für die U-Bootsbesatzung. Auch das Heck mit den Hecktorpedorohren sowie den beiden Schrauben und der direkt dahinter angebrachten Seiten- und Tiefenruderkonstruktion ist interessant anzuschauen. Vom Heck aus zieht sich noch eine tiefe Furche hinaus ins Nirgendwo -ein stilles Zeugnis vom Abschleppen des Wracks an diese Stelle nach dem fehlgeschlagegenen Bergungsversuch.

Unser Dank für die Bereitstellung der schönen Unterwasserphotos geht an Christian Hofer !
Apart of this we wish to express our gratitude to Henrik Råskov Madsen who kindly donated his nice underwater-videos (Uncut version with 30,4 MB) in Windows Media-Player Format to this story.
The historic photos of Whiskey-class submarines are shown here via www.submarine.id.ru and the generous permission of their webmasters to use their scans.Thank you very much!


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