Seebeschreibung Myllendonker See

 Geschrieben von Helmut Jansen

Seebeschreibung Myllendonker See

von H.Jansen

Helmut Jansen hat uns diese interessante Ausarbeitung zum Gewässerschutz zur Veröffentlichung überlassen. In diesem gemeinsamen Projekt von Anglern und Tauchern wurde eine exakte Untersuchung des Gewässers, der Besatzung und der Uferzonen erarbeitet. Ziel der Projektes war ein langfristiger Schutz des Myllendonker Sees und die Möglichkeit der langen Nutzung durch sowohl Angler als auch Taucher. Diese Information kann auch exemplarisch für Ausarbeitungen zu anderen Seen nützlich sein und darf dazu verwendet werden.


1 Vorwort
2 Einleitung
3 Beschreibung
3.1 Lage
3.2 Umland und Uferbereich
3.3 Tiefen
3.4 Sicht
3.5 Boden
3.6 Pflanzen
3.7 Litoral (Uferzonen)
3.8 Profundal (Tiefenzonen)
3.9 Pelagial (Freiwasser)
4 Untersuchung
4.1 Bereiche
4.2 Werte
4.3 Auswertung
5 Hege und Pflege
5.1 Besatzungsmaßnahmen
5.2 Fangergebnisse
5.3 Besatz
6 Besonderheiten
7 Fazit

1 Vorwort

Die hier vorgestellte Seebeschreibung des Myllendonker See wurde im Jahr 2003 erstellt. Die Seebeschreibung und die damit verbundenen Arbeiten wurden ehrenamtlich durch die Mitglieder des ansässigen Angel Sportvereins so wie Taucher der TSC Kaarst und Taucher DLRG OG. Neuss durchgeführt. Die Seebeschreibung soll helfen den See zu schützen und für alle Beteiligten eine lange Nutzung zu gewährleisten, mit ihr können kein Ansprüche gegenüber Dritte geltend gemacht werden.

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2 Einleitung



Ziel dieser Seebeschreibung ist es, eine allgemeine Zustandsbeschreibung des Myllendonker See zu erstellen. Diese Seebeschreibung ist als Anregung und Grundlage für ein späteres Arbeitspapier gedacht.

Der Myllendonker See wurde im Jahr 2003 mehrfach betaucht. Um einen besseren Einblick zu erhalten wurde auch ein groß angelegter Nachttauchgang durchgeführt. Hierbei wurden Daten über Pflanzen, Art und Häufigkeit, Bodenstruktur und Fischbesatz gesammelt. Es wurde der gesamte See betaucht und bewertet. Bei der Seebeschreibung wurden keine Daten über chemische und physikalische Größen berücksichtigt, da für den betrachteten Zeitraum keine gesicherten und reproduzierbaren Daten zugänglich waren. Die Daten zur Aussage über das Nährstoffangebot wurde an Hand der gefundenen Pflanzen und deren Häufigkeit bestimmt.

Bei manchen Beobachtungen, Häufigkeit von Algen, spielte mit Sicherheit das Wetter eine große Rolle. Wir hatten einen langen und heißen Sommer, mit mehreren Tagen über 28°C.

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3 Beschreibung


Der Myllendonker See ist auf Grund einer Nassabgrabung entstanden. Er hat eine Wasserfläche von 14,5 ha bei einer durchschnittlichen Wassertiefe von 5m und weist somit ein Wasservolumen von 725.000 m³ auf und liegt ca. 1m unter der Geländeoberkante. Der Myllendonker See gehört in die Gruppe der flachen Flachlandseen.



3.1 Lage

Der Myllendonker See liegt südlich von Herrenshoff, westlich von Herzbroich und nordöstlich von Schloss Myllendonk. Der Myllendonker See gehört zu Korschenbroich dem Kreis Neuss.


See Detailkarte

3.2 Umland und Uferbereich

Der Myllendonker See liegt eingebettet im westlichen und nördlichen Bereich von Landwirtschaft, im südlichen Bereich von Landwirtschaft und einem Naturschutzgebiet (Niers) so wie im östlichen Bereich durch Einfamilienhäuser. Des weiteren liegt er im Bereich eines alten Rheinarms, so wie dem alten Feuchtgebiet der Niers, Der See wird durch Oberflächenwasser sowie durch Grundwasser gespeist. Der Myllendonker See dient aber auch als Regulator des Wasserstandes für die umliegenden kleineren Bäche (Schlossgraben Myllendonk).

Der gesamte Uferbereich ist mit einem Zaun versehen, dadurch ist sichergestellt, dass Unbefugte das Seegelände nicht betreten können. Der Uferbereich ist mit Gräsern, Sträuchern und heimischen Gehölz bewachsen. Der See ist auf allen Achsen offen, so dass der Wind gut auf den See auftrifft. Für die Herbst- und Frühjahreszirkulation konnten vom Uferbereich keine störenden Faktoren ausgemacht werden. Das Ufer ist umlaufend überall sanft bis leicht abfallend und gut bis dicht mit Wasserpflanzen bewachsen. Im nördlichen Bereich des Sees ist eine Schutzzone ausgewiesen. Diese ist in einem weiten Bereich mit Schilf bewachsen und hat ein sanft abfallendes Ufer mit sandigem Untergrund.

3.3 Tiefen


Tiefenkarte des Sees

Der Myllendonker See ist ein See mit langen flach abfallenden Uferzonen bis auf 4 bis 5m. Kurze steilere Übergänge bis auf 8 bis 10m und lange sanft abfallende Flächen bis zum Erreichen einer max. Tiefe von 18m. Der See weist zwei Sandbänke auf, die bis kurz unter die Wasseroberfläche kommen.

3.4 Sicht

Die Sichtweiten wie auch die Sichttiefen sind als normal zu bewerten. Die Sichtweiten betrugen 2 bis max. 4m, abhängig von Jahreszeit und Tauchtiefe. Unterhalb der Sprungschicht war die Sicht in der Regel am Besten. Die Sichttiefe betrug im Mittel 4m. Für einen flachen Flachsee in unseren Breiten und dem häufigen Pumpbetrieb für die umliegenden Bäche kann das als normal betrachtet werden. Das in diesem Jahr in allen Seen eine größere Algenblüte und eine größeres Plankton-Vorkommen aufgetreten war, ist in erster Linie mit dem extrem guten Sommer zu begründen und der Myllendonker See ist davon nicht verschont geblieben, hat es aber allem Anschein nach gut verkraftet.

3.5 Boden

Der Boden des Myllendonker Sees ist durchgängig mit einer feinen Sedimentschicht bedeckt, diese hat im Mittel eine Dicke von ca. 30cm. Die Farbe der Bodens ist Goldgelb bis Grau. Man findet keine Überhänge oder Auswaschungen. Der Boden ist sandig, vereinzelt findet man Kies. Der Bodenuntergrund wird aus einer Tonschicht gebildet. Im Tiefenbereich, bei 12m und tiefer, findet man Schwefelalgen und schwarze Flächen. Vereinzelt findet man auch kleinere Flächen mit grünen Algen, in einer Wassertiefe von ca. 8 bis 10m.

3.6 Pflanzen



See Bestandskarten
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Der Myllendonker See wurde am 05.07. und am 20.07.2003 gezielt betaucht, um eine Aussage über den Pflanzenbestand zu machen. Die Werte wurden in eine Seekarte eingetragen. Besonders auffällig ist der große Schilfgürtel an der Nordseite des Sees. Pflanzen kommen umlaufend bis zu einer Wassertiefe von ca. 6m im See vor. Der Bewuchs ist gemischt und oft sehr dicht.



3.7 Litoral (Uferzone)

Der Myllendonker See erscheint in der Uferzone mit ausreichend Licht und Sauerstoff versorgt zu sein. Das Angebot an Nährstoffen ist gut. Man findet eine größere Ansammlung unterschiedlicher Pflanzen bis hin zu einer Wassertiefe von 6m. Jungfisch findet nur bedingt Unterschlupf in den Pflanzenzwischenräumen.



Besonders auffällig ist die große Anzahl von Krebsen, sie sind nicht nur häufig sondern auch für hiesige Seen besonders groß. Andere Wirbellose sind vorhanden, aber nicht besonders auffallend in ihrer Häufigkeit. Auffällig ist das geringe Vorhandensein der Dreikantmuschel. Die Uferzonen sind sandig und leicht abfallend, sie weisen oft Spuren von futtersuchenden Karpfen auf.



3.8 Profundal (Tiefenzonen)



Je nach Jahreszeit sind unterschiedliche Sichtweiten anzutreffen, auch das Sauerstoffangebot ist den jahreszeitlichen Veränderungen unterworfen. Pflanzen sind im Tiefenbereich nicht mehr anzutreffen. Wir haben im Tiefenbereich keine Wirbellosen angetroffen. Vereinzelt wurden schwarze Flecken und Flächen mit Algenbelag angetroffen. Die Mitte des Sees dürfte die Ruhezone der Fische für die Winterzeit sein.



3.9 Pelagial (Freiwasser)



Auffällig ist die geringe Anzahl an Wasservögel. Schwärme von Jungfischen und Barsche wurden vereinzelt beobachtet. Es konnten in dem beobachten Zeitraum keine Medusen bzw. Süßwassermedusen beobachtet werden.



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4 Untersuchung

4. 1 Bereiche



Untersuchungsgruppen
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Der See wurde in fünf Untersuchungsgruppen eingeteilt mit den jeweiligen Überlappungsgruppen. Dies geschah einmal um die zu betrachtenden Bereiche nicht zu groß werden zu lassen und zum anderen um durch die Überlappung Fehler zu minimieren.

4.2 Werte

Die detaillierten Werte Tabellen könnt Ihr im pdf file "Seebeschreibung Myllendonk" auf den Seiten 13 -22 nachlesen. (Achtung 2MB)

4.3 Auswertung

Die detaillierten Werte Tabellen könnt Ihr im pdf file "Seebeschreibung Myllendonk" auf der Seite 23 nachlesen. Achtung 2MB)

Alle Werte der Gruppen wurden auch in ihrer Gesamtheit betrachtet.

Gruppe
Wert
Gruppe 1
3,1
Gruppe 2
2,8
Gruppe 3
3,2
Gruppe 4
3,0
Gruppe 5
3,2
Gruppe 1-2
3,1
Gruppe 2-3
2,6
Gruppe 3-4
3,2
Gruppe 4-5
3,0
Gruppe 5-1
4,1

Die Werte bewegen sich um den Wert 3. Ausreißer ist die Gruppe 5-1 mit dem Wert 4,1. Des begründet sich einmal aus den gefundenen Pflanzen und der geschützten Lage durch die vorgelagerte Sandbank. Dadurch ist eine Zirkulation wie an den anderen Gruppen nicht möglich. Bei Gruppe 3 wird der Effekt der Sandbank durch die vorhandenen Pumpen wieder aufgehoben.

In der Gesamtheit hat der See ein Ergebnis von 3,1, was für einen flachen Flachlandsee ein gutes Ergebnis ist.

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5 Hege und Pflege

5.1 Besatzmaßnahmen

Der Besatz wurde vom Angelsportverein des Myllendonker Sees wie folgt angegeben:

Für die Jahre 1996 und 1997 wurden ...
Zander
100 Stck
Z1
Karpfen
450 kg
K3

250 kg
K2
Schleien
300 kg
S3

200 kg
S1
Karauschen
50 kg
bis 25 cm
Mischbesatz
2000 kg
8 bis 35 cm
Rotaugen


Rotfedern


Bresen


...eingesetzt. Aaal und Hecht wurden nicht besetzt.

Für das Jahr 1998 wurden...
Karpfen
330 kg
K2
Schleien
50 kg
S2

50 kg
S1
Mischbesatz
1000 kg
bis 25 cm
Rotaugen


Rotfedern


...eingesetzt. Aal, Hecht, Zander, Bresen und Barsch wurden nicht besetzt.

Im Jahr 1999 wurde kein Besatz vorgenommen. In diesem Jahr wurde ein Hegeangeln durchgeführt, Angeln auf Raubfisch.

5.2 Fangergebnisse



Fangergebnisse und Grafiken
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5.3 Besatz



See Besatz-Übersichten
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Beurteilung des Besatz durch Tauchgänge:

Der Myllendonker See wurde am 24.10. (Nachttauchgang) und am 25.10.2003 betaucht. Ziel war es eine Aussage über den Fischbestand zu treffen.

Bei den Tauchgängen wurden folgende Fischarten gesichtet:
Hecht
16 Stck
30 - 50 cm
Zander
8 Stck
Jungfisch
Karpfen
2 Stck
keine Angaben
Barsche
Schwarm
Jungfisch und Alte
Rotaugen/Rotfeder
Schwarm
Jungfisch und Alte
Aal
8 Stck
nur der Kopf konnte erkannt werden

Auf Grund der schlechten Sicht kann keine Aussage über Schwarmfisch im Freiwasser gemacht werden. Die Beobachtungen beschränken sich nur auf den Uferbereich.

Auffällig ist der große Bestand an Raubfisch und der kleine Bestand an Friedfisch.

Wichtig ist aber auch festzustellen, dass bei allen Tauchgängen, die über das Jahr erfolgten, keine verendeten Fische gefunden wurden. Alle gesichteten Fische machten einen gesunden Eindruck.




Tabelle Besatz
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6 Besonderheiten

Der Myllendonker See hat einen großen Schilfgürtel an der Nordseite, der auch der einzige große und zu erwähnende Filtrierer ist. Im See sind zwei Sandbänke, die der Zirkulation im See entgegen wirken. Auffällig ist die große Anzahl an Hechten und jungen Zandern. Das Angebot an Laichplätzen für die Aufzucht erscheint unzureichend. Das Angebot an Unterständen für Jungfisch, geschützte Rückzugsgebiete, ist auf Grund der Struktur des Sees unzureichend.



Man findet eine große Anzahl von Krebsen und auch sehr häufig große Teichmuscheln. Dreikantmuscheln kommen seltener vor, da sie keinen geeigneten Untergrund finden, wo sie sich ansiedeln können. Da hier nicht weiter genauer betrachtet, aber dennoch erwähnenswert, ist das Vorhandensein von einer Vielzahl von Wirbellosen und die Feststellung, dass diese sich in einem ausgewogenen Verhältnis bewegen, soweit dies bei einer groben Betrachtung festgestellt werden kann.

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7 Fazit

Der Myllendonker See ist in seiner Gesamtheit als gesund zu bezeichnen. Der Bestand an Schilf sollte unter allen Umständen erhalten bleiben und wenn möglich weiter angelegt werden. Wichtig ist Unterstände für Jungfische zu schaffen und Flächen für die Aufzucht heimischer Dreikantmuscheln.



Der Fischbesatz sollte nur durch Jungfisch aufgefrischt werden. Es sollte versucht werden eine eigene Aufzucht durchzuführen. Dadurch würde das im See produzierte Plankton besser verarbeitet, verwertet und es würden auch bessere Sichttiefen erreicht. Das im Moment vorhandene unglückliche Verhältnis Raubfisch zu Friedfisch würde sich durch Hegeangeln und Nahrungsangebot in einem absehbaren Zeitraum selber regulieren. Es ist davon auszugehen, dass sich die Besatzverhältnisse selber ausgleichen.


Vorschlag für Schutzzone
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Die vorhandene Schutzzone sollte in östlicher Richtung ausgeweitet werden. Die Gewässergüte in diesem kleinen Bereich weist zwar das schlechtste Ergebnis von allen untersuchten Gruppen auf, ist aber der am besten geschützte Bereich. Großer Flachwasserbereich, flacher glatter sandiger Untergrund und eine vorgelagerte Sandbank. Wasser im Uferbereich ist schneller und länger warm und liegt in einer windgeschützten Zone. Trotz allem ist in der Zirkulationszeit ein ausreichender Austausch sichergestellt.



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© 2003 Helmut Jansen

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