Helmut Jansen hat
uns diese interessante Ausarbeitung zum
Gewässerschutz zur Veröffentlichung überlassen. In
diesem gemeinsamen Projekt von Anglern und Tauchern wurde eine exakte
Untersuchung des Gewässers, der Besatzung und der Uferzonen
erarbeitet. Ziel der Projektes war ein langfristiger Schutz des
Myllendonker Sees und die Möglichkeit der langen Nutzung durch
sowohl Angler als auch Taucher. Diese Information kann auch
exemplarisch für Ausarbeitungen zu anderen Seen nützlich sein
und darf dazu verwendet werden.
Die hier vorgestellte Seebeschreibung des Myllendonker See wurde im
Jahr 2003 erstellt. Die Seebeschreibung und die damit verbundenen
Arbeiten wurden ehrenamtlich durch die Mitglieder des ansässigen
Angel Sportvereins so wie Taucher der TSC Kaarst und Taucher DLRG OG.
Neuss durchgeführt. Die Seebeschreibung soll helfen den See zu
schützen und für alle Beteiligten eine lange Nutzung zu
gewährleisten, mit ihr können kein Ansprüche
gegenüber Dritte geltend gemacht werden.
Ziel dieser Seebeschreibung ist es, eine allgemeine
Zustandsbeschreibung des Myllendonker See zu erstellen. Diese
Seebeschreibung ist als Anregung und Grundlage für ein
späteres Arbeitspapier gedacht.
Der Myllendonker See wurde im Jahr 2003 mehrfach betaucht. Um einen
besseren Einblick zu erhalten wurde auch ein groß angelegter
Nachttauchgang durchgeführt. Hierbei wurden Daten über
Pflanzen, Art und Häufigkeit, Bodenstruktur und Fischbesatz
gesammelt. Es wurde der gesamte See betaucht und bewertet. Bei der
Seebeschreibung wurden keine Daten über chemische und
physikalische Größen berücksichtigt, da für den
betrachteten Zeitraum keine gesicherten und reproduzierbaren Daten
zugänglich waren. Die Daten zur Aussage über das
Nährstoffangebot wurde an Hand der gefundenen Pflanzen und deren
Häufigkeit bestimmt.
Bei manchen Beobachtungen, Häufigkeit von Algen, spielte mit
Sicherheit das Wetter eine große Rolle. Wir hatten einen langen
und heißen Sommer, mit mehreren Tagen über 28°C.
Der Myllendonker See ist auf Grund einer Nassabgrabung entstanden. Er
hat eine Wasserfläche von 14,5 ha bei einer durchschnittlichen
Wassertiefe von 5m und weist somit ein Wasservolumen von 725.000
m³ auf und liegt ca. 1m unter der Geländeoberkante. Der
Myllendonker See gehört in die Gruppe der flachen Flachlandseen.
3.1 Lage
Der Myllendonker See liegt südlich von Herrenshoff, westlich von
Herzbroich und nordöstlich von Schloss Myllendonk. Der
Myllendonker See gehört zu Korschenbroich dem Kreis Neuss.
See Detailkarte
3.2 Umland und Uferbereich
Der Myllendonker See
liegt eingebettet im westlichen und
nördlichen Bereich von Landwirtschaft, im südlichen Bereich
von Landwirtschaft und einem Naturschutzgebiet (Niers) so wie im
östlichen Bereich durch Einfamilienhäuser. Des weiteren liegt
er im Bereich eines alten Rheinarms, so wie dem alten Feuchtgebiet der
Niers, Der See wird durch Oberflächenwasser sowie durch
Grundwasser gespeist. Der Myllendonker See dient aber auch als
Regulator des Wasserstandes für die umliegenden kleineren
Bäche (Schlossgraben Myllendonk).
Der gesamte
Uferbereich ist mit einem Zaun versehen, dadurch ist
sichergestellt, dass Unbefugte das Seegelände nicht betreten
können. Der Uferbereich ist mit Gräsern, Sträuchern und
heimischen Gehölz bewachsen. Der See ist auf allen Achsen offen,
so dass der Wind gut auf den See auftrifft. Für die Herbst- und
Frühjahreszirkulation konnten vom Uferbereich keine störenden
Faktoren ausgemacht werden. Das Ufer ist umlaufend überall sanft
bis leicht abfallend und gut bis dicht mit Wasserpflanzen bewachsen. Im
nördlichen Bereich des Sees ist eine Schutzzone ausgewiesen. Diese
ist in einem weiten Bereich mit Schilf bewachsen und hat ein sanft
abfallendes Ufer mit sandigem Untergrund.
3.3 Tiefen
Tiefenkarte des Sees
Der Myllendonker See ist ein See mit langen flach abfallenden Uferzonen
bis auf 4 bis 5m. Kurze steilere Übergänge bis auf 8 bis 10m
und lange sanft abfallende Flächen bis zum Erreichen einer max.
Tiefe von 18m. Der See weist zwei Sandbänke auf, die bis kurz
unter die Wasseroberfläche kommen.
3.4 Sicht
Die Sichtweiten wie auch die Sichttiefen sind als normal zu bewerten.
Die Sichtweiten betrugen 2 bis max. 4m, abhängig von Jahreszeit
und Tauchtiefe. Unterhalb der Sprungschicht war die Sicht in der Regel
am Besten. Die Sichttiefe betrug im Mittel 4m. Für einen flachen
Flachsee in unseren Breiten und dem häufigen Pumpbetrieb für
die umliegenden Bäche kann das als normal betrachtet werden. Das
in diesem Jahr in allen Seen eine größere Algenblüte
und eine größeres Plankton-Vorkommen aufgetreten war, ist in
erster Linie mit dem extrem guten Sommer zu begründen und der
Myllendonker See ist davon nicht verschont geblieben, hat es aber allem
Anschein nach gut verkraftet.
3.5 Boden
Der Boden des Myllendonker Sees ist durchgängig mit einer feinen
Sedimentschicht bedeckt, diese hat im Mittel eine Dicke von ca. 30cm.
Die Farbe der Bodens ist Goldgelb bis Grau. Man findet keine
Überhänge oder Auswaschungen. Der Boden ist sandig,
vereinzelt findet man Kies. Der Bodenuntergrund wird aus einer
Tonschicht gebildet. Im Tiefenbereich, bei 12m und tiefer, findet man
Schwefelalgen und schwarze Flächen. Vereinzelt findet man auch
kleinere Flächen mit grünen Algen, in einer Wassertiefe von
ca. 8 bis 10m.
3.6 Pflanzen
See Bestandskarten
(Click zum Vergrössern)
Der Myllendonker See wurde am 05.07. und am 20.07.2003 gezielt
betaucht, um eine Aussage über den Pflanzenbestand zu machen. Die
Werte wurden in eine Seekarte eingetragen. Besonders auffällig ist
der große Schilfgürtel an der Nordseite des Sees. Pflanzen
kommen umlaufend bis zu einer Wassertiefe von ca. 6m im See vor. Der
Bewuchs ist gemischt und oft sehr dicht.
3.7 Litoral (Uferzone)
Der Myllendonker See erscheint in der Uferzone mit ausreichend Licht
und Sauerstoff versorgt zu sein. Das Angebot an Nährstoffen ist
gut. Man findet eine größere Ansammlung unterschiedlicher
Pflanzen bis hin zu einer Wassertiefe von 6m. Jungfisch findet nur
bedingt Unterschlupf in den Pflanzenzwischenräumen.
Besonders auffällig ist die große Anzahl von Krebsen, sie
sind nicht nur häufig sondern auch für hiesige Seen besonders
groß. Andere Wirbellose sind vorhanden, aber nicht besonders
auffallend in ihrer Häufigkeit. Auffällig ist das geringe
Vorhandensein der Dreikantmuschel. Die Uferzonen sind sandig und leicht
abfallend, sie weisen oft Spuren von futtersuchenden Karpfen auf.
3.8 Profundal (Tiefenzonen)
Je nach Jahreszeit sind unterschiedliche Sichtweiten anzutreffen, auch
das Sauerstoffangebot ist den jahreszeitlichen Veränderungen
unterworfen. Pflanzen sind im Tiefenbereich nicht mehr anzutreffen. Wir
haben im Tiefenbereich keine Wirbellosen angetroffen. Vereinzelt wurden
schwarze Flecken und Flächen mit Algenbelag angetroffen. Die Mitte
des Sees dürfte die Ruhezone der Fische für die Winterzeit
sein.
3.9 Pelagial (Freiwasser)
Auffällig ist die geringe Anzahl an Wasservögel.
Schwärme von Jungfischen und Barsche wurden vereinzelt beobachtet.
Es konnten in dem beobachten Zeitraum keine Medusen bzw.
Süßwassermedusen beobachtet werden.
Der See wurde in fünf Untersuchungsgruppen eingeteilt mit den
jeweiligen Überlappungsgruppen. Dies geschah einmal um die zu
betrachtenden Bereiche nicht zu groß werden zu lassen und zum
anderen um durch die Überlappung Fehler zu minimieren.
Alle Werte der Gruppen wurden auch in ihrer Gesamtheit betrachtet.
Gruppe
Wert
Gruppe 1
3,1
Gruppe 2
2,8
Gruppe 3
3,2
Gruppe 4
3,0
Gruppe 5
3,2
Gruppe 1-2
3,1
Gruppe 2-3
2,6
Gruppe 3-4
3,2
Gruppe 4-5
3,0
Gruppe 5-1
4,1
Die Werte bewegen sich um den Wert 3. Ausreißer ist die Gruppe
5-1 mit dem Wert 4,1. Des begründet sich einmal aus den gefundenen
Pflanzen und der geschützten Lage durch die vorgelagerte Sandbank.
Dadurch ist eine Zirkulation wie an den anderen Gruppen nicht
möglich. Bei Gruppe 3 wird der Effekt der Sandbank durch die
vorhandenen Pumpen wieder aufgehoben.
In der Gesamtheit hat der See ein Ergebnis von 3,1, was für einen
flachen Flachlandsee ein gutes Ergebnis ist.
Der Besatz wurde vom Angelsportverein des Myllendonker Sees wie folgt
angegeben:
Für die Jahre 1996 und 1997 wurden ...
Zander
100 Stck
Z1
Karpfen
450 kg
K3
250 kg
K2
Schleien
300 kg
S3
200 kg
S1
Karauschen
50 kg
bis 25 cm
Mischbesatz
2000 kg
8 bis 35 cm
Rotaugen
Rotfedern
Bresen
...eingesetzt. Aaal und Hecht wurden nicht besetzt.
Für das Jahr 1998 wurden...
Karpfen
330 kg
K2
Schleien
50 kg
S2
50 kg
S1
Mischbesatz
1000 kg
bis 25 cm
Rotaugen
Rotfedern
...eingesetzt. Aal,
Hecht, Zander, Bresen und Barsch wurden nicht besetzt.
Im Jahr 1999 wurde kein Besatz vorgenommen. In diesem Jahr wurde ein
Hegeangeln durchgeführt, Angeln auf Raubfisch.
5.2 Fangergebnisse
Fangergebnisse und Grafiken
(Click zum Vergrössern)
5.3 Besatz
See Besatz-Übersichten
(Click zum Vergrössern)
Beurteilung des Besatz durch Tauchgänge:
Der Myllendonker See wurde am 24.10. (Nachttauchgang) und am 25.10.2003
betaucht. Ziel war es eine Aussage über den Fischbestand zu
treffen.
Bei den Tauchgängen wurden folgende Fischarten gesichtet:
Hecht
16 Stck
30 - 50 cm
Zander
8 Stck
Jungfisch
Karpfen
2 Stck
keine Angaben
Barsche
Schwarm
Jungfisch und Alte
Rotaugen/Rotfeder
Schwarm
Jungfisch und Alte
Aal
8 Stck
nur der Kopf konnte erkannt
werden
Auf Grund der schlechten Sicht kann keine Aussage über
Schwarmfisch im Freiwasser gemacht werden. Die Beobachtungen
beschränken sich nur auf den Uferbereich.
Auffällig ist der große Bestand an Raubfisch und der kleine
Bestand an Friedfisch.
Wichtig ist aber auch festzustellen, dass bei allen Tauchgängen,
die über das Jahr erfolgten, keine verendeten Fische gefunden
wurden. Alle gesichteten Fische machten einen gesunden Eindruck.
Der Myllendonker See hat einen großen Schilfgürtel an der
Nordseite, der auch der einzige große und zu erwähnende
Filtrierer ist. Im See sind zwei Sandbänke, die der Zirkulation im
See entgegen wirken. Auffällig ist die große Anzahl an
Hechten und jungen Zandern. Das Angebot an Laichplätzen für
die Aufzucht erscheint unzureichend. Das Angebot an Unterständen
für Jungfisch, geschützte Rückzugsgebiete, ist auf Grund
der Struktur des Sees unzureichend.
Man findet eine große Anzahl von Krebsen und auch sehr
häufig große Teichmuscheln. Dreikantmuscheln kommen seltener
vor, da sie keinen geeigneten Untergrund finden, wo sie sich ansiedeln
können. Da hier nicht weiter genauer betrachtet, aber dennoch
erwähnenswert, ist das Vorhandensein von einer Vielzahl von
Wirbellosen und die Feststellung, dass diese sich in einem ausgewogenen
Verhältnis bewegen, soweit dies bei einer groben Betrachtung
festgestellt werden kann.
Der Myllendonker See ist in seiner Gesamtheit als gesund zu bezeichnen.
Der Bestand an Schilf sollte unter allen Umständen erhalten
bleiben und wenn möglich weiter angelegt werden. Wichtig ist
Unterstände für Jungfische zu schaffen und Flächen
für die Aufzucht heimischer Dreikantmuscheln.
Der Fischbesatz sollte nur durch Jungfisch aufgefrischt werden. Es
sollte versucht werden eine eigene Aufzucht durchzuführen. Dadurch
würde das im See produzierte Plankton besser verarbeitet,
verwertet und es würden auch bessere Sichttiefen erreicht. Das im
Moment vorhandene unglückliche Verhältnis Raubfisch zu
Friedfisch würde sich durch Hegeangeln und Nahrungsangebot in
einem absehbaren Zeitraum selber regulieren. Es ist davon auszugehen,
dass sich die Besatzverhältnisse selber ausgleichen.
Vorschlag für Schutzzone
(Click zum Vergrössern)
Die vorhandene Schutzzone sollte in östlicher Richtung ausgeweitet
werden. Die Gewässergüte in diesem kleinen Bereich weist zwar
das schlechtste Ergebnis von allen untersuchten Gruppen auf, ist aber
der am besten geschützte Bereich. Großer Flachwasserbereich,
flacher glatter sandiger Untergrund und eine vorgelagerte Sandbank.
Wasser im Uferbereich ist schneller und länger warm und liegt in
einer windgeschützten Zone. Trotz allem ist in der
Zirkulationszeit ein ausreichender Austausch sichergestellt.
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