Zypern ist die östlichste Insel im Mittelmeer und liegt,
eingerahmt von Ägypten, Israel, Syrien sowie der Türkei an
einer seit jeher strategisch günstigen Position als Tor
zum mittleren Osten. Dementsprechend turbulent gestaltete sich auch die
Geschichte der Insel.
Der Sage nach entstieg die griechische Göttin Aphrodite (die "Meergeborene") hier dem
Meerschaum, um sich fortan mit den Herzensangelegenheiten der Menschen zu befassen. Kaum war die Zeit der Götter vorbei, gaben sich Römer,Griechen, Phönizier und Araber die Klinke in die
Hand. Auch die Kreuzritter kamen und gingen. König Löwenherz
wählte die Insel gar um sich während des dritten Kreuzzuges
mit seiner Berengaria zu vermählen.
Die Briten machten die Insel schließlich zur Kolonie. Kaum in die Unabhängigkeit entlassen, schlitterte Zypern in eine bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzung. Diese endete dann
1974 mit der Besetzung der Nordhälfte der Insel durch die
Türken. Seitdem ist Zypern ein geteiltes Land. Der
griechische Südteil erlebt seit den 80ern einen wirtschaftlichen Boom, der größtenteils auf den Tourismus, aber auch auf eine beachtliche Handelsflotte zurückzuführen ist. Der Norden besitzt praktisch keine Infrastruktur und ist demzufolge touristisch kaum erschlossen. Da jeder der Besucher und Eroberer ein Stück seiner Kultur hinterlassen hat, ist Zypern heute unter wie über Wasser ein wahres Juwel
-nicht nur für Taucher.
Im folgenden möchte ich einen kleinen Überblick über die
Tauchmöglichkeiten auf der Insel geben. Der Bericht erhebt
natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da sicher jede der zahlreichen Tauchbasen noch das eine oder andere Highlight auf Lager hat.
Larnaka
Fliegt man das im Südosten gelegene Larnaka an, kann man an klaren
Tagen bereits aus dem Flugzeug die Umrisse von Zyperns Tauchspot Nr. 1
sehen: die Zenobia. 1979 gebaut, sank die Fähre bereits auf
Ihrer Jungfernfahrt nach Zypern vor der Hafeneinfahrt -mit einer vollen
Ladung Lkws an Bord. Aufgrund eines Fehlers im Computersystem das eigentlich die Verteilung des Wasserballast in den Regeltanks sicherstellen sollte, legte sich das Schiff auf die Backbordseite und sank so in eine Tiefe von 41m. In dieser Lage ruht sie heute noch immer auf dem hier aus einem ebenem Sandgrund bestehenden Meeresboden.
Larnaca / Zenobia
Das Wrack ist 172 Meter lang und reicht mit seinen höchtgelegenen Teilen bis 18 Meter unter die
Wasseroberfläche. Die einfachste Art das Wrack zu betauchen ist eine Ausfahrt mit einem der Tauchboote die im alten Hafen von Larnaka liegen und sich auf Ausfahrten zum Wrack spezialisiert haben. Sogar ein U-Boot für Touristen gibt es. So können sich auch nichttauchende Wrack- Enthusiasten unvergessliche Eindrücke vom Wrack verschaffen. Leider macht die Zenobia immer wieder durch Tauchunfälle von sich reden.
Die Zenobia
Generell bietet dieses Wrack für Taucher jeder Ausbildungsstufe etwas. Penetrationen in die riesigen Laderäume der Fähre sind
ausschließlich den für solche Tauchgänge ausgebildeten
Spezialisten vorbehalten. Am besten taucht man am Heck ab und
fängt seine Besichtigung bei den riesigen Doppelschrauben an. Dann
geht es an der Heckklappe vorbei Richtung Deck. Auf dem Weg kommt man
an zahlreichen Lkws vorbei die wie achtlos weggeworfenes Spielzeug auf
dem Sandboden liegen.
Die gigantischen Schrauben der "Zen" Der "kleine" Taucher, am oberen Schraubenblatt zeigt die gewaltigen Dimensionen
Die Ladung der Zenobia
Besonders interessant ist einer der Trucks, der mit tausenden
von Eiern
beladen war. Von denen sind immer noch zahlreiche Exemplare intakt vorzufinden.
Nach ca. sechzig Metern kommt man an dem Eingang zum oberen Ladedeck vorbei.
Sporttaucher sollten sich links im Freiwasser halten und entlang der
Decksaufbauten weiter Richtung Brücke tauchen. Die Brücke ist
gigantisch und reicht über die gesamte Schiffsbreite vom Grund bis
auf 18 Meter hoch. Sie lässt sich gefahrlos betauchen. Am Bug gibt
es noch zahlreiche Winschen zu bewundern. Auf der Außenseite
hängt einer der gewaltigen Anker, der auch ein schönes
Fotomotiv abgibt. Oberhalb der Steuerbordseite geht es dann zurück
zur Aufstiegsleine, wobei man noch einmal eine Vorstellung von der
gewaltigen Masse des Schiffes bekommt. Um von der Zenobia möglichst alles zu sehen sind eine Vielzahl von Tauchgängen nötig.
Blick aus der Brücke der Zenobia
Für die „Teckies“ bietet sich eine Durchquerung des oberen
Ladedecks an. Der bereits oben erwähnte Eingang stellt kein Problem dar, da
hier früher drei Lkws nebeneinander parken konnten. Entlang der
etwa 100 Meter langen Strecke gibt es unzählige Lastwagen zu
bestaunen, die allesamt auf dem Boden, die ehemalige Steuerbordseite
der Fähre, liegen. Am Ende des Raumes gibt es eine Türe
über die man wieder ins Freie gelangt. Man befindet sich dann
„auf“, bzw. neben dem Vordeck, unterhalb der Brücke. Wer nicht
durch die enge Tür möchte, kann nun natürlich auch den
Rückweg antreten und das bizarre Innere der „Zen“ ein zweites Mal
auf sich wirken lassen.
Impressionen von der Zenobia
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Vom Betauchen der beiden unteren Ladedecks ist dringend abzuraten, da
beide recht stark verschlammt sind und nur durch eine Kombination
verschiedener enger Passagen betaucht werden können. Diese machen ein schnelles Verlassen des Wracks aber unmöglich.
Larnaca / Cricket
"Unterhalb der Cricket"
Das nächste Ziel für Wracktaucher liegt etwas östlich
von Larnaka. Es ist das Wrack der „Criket“. Über die Geschichte
des Wracks ist nicht allzu viel bekannt. Es handelt sich um ein
britisches Kriegsschiff, das bereits im ersten Weltkrieg im Einsatz war
und vermutlich nach dem zweiten Weltkrieg als Zielschiff versenkt
wurde.
Bug der Cricket
Die Criket liegt „kieloben“. Das lässt sie auf den ersten Blick
nicht sonderlich attraktiv erscheinen und ist auch ein Grund weshalb sie
nicht allzu häufig betaucht wird. Der Schein trügt aber. Rund
um das in 38 Meter Tiefe liegende Wrack gibt es zahlreiche Möglichkeiten
unter das Wrack zu tauchen. Dort gibt es viele interessante
Dinge zu entdecken. Für ausgebildete technische Taucher besteht
die Möglichkeit durch diverse Luken von unten auch ins Innere des
Schiffes vorzudringen, wohin bis dato nur ganz wenige Taucher ihren Weg
gefunden haben. Da die Criket auf einer ebenen Sandfläche liegt,
bildet ihr Rumpf ein künstliches Riff. Deshalb gibt es immer wieder große Fische und Fischschwärme zu beobachten.
'Luke' ins innere, Hauptdeck und tief im Wrack (von li.)
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Limassol
Fährt man von Larnaka Richtung Westen, stößt man nach
ca. 45 Min auf die zweitgrößte Stadt Zyperns, Limassol. Die
Stadt ist eine Touristenhochburg mit modernem Flair, zahlreichen
Hotels, Restaurants und einem ausgeprägten Nachtleben.
Gleichzeitig finden sich in und um Limassol aber auch die wichtigsten
archäologischen Stätten der Insel.
Amphitheater von Kourion
Besonders zu erwähnen sind „Kourion“, eine eindrucksvolle
Ruinenstätte hoch über dem Meer mit beeindruckendem Rundblick
und bewegter Geschichte. Es gibt zahlreiche Ausgrabungen und ein
intaktes Amphitheater. Außerdem „Kolossi“, ein fast
vollständig erhaltenes Kastell der Johanniter aus dem 14 Jh.
Im inneren von Kolossi
Auch für die Taucher hat Limassol einiges zu bieten. Als erstes
ist die gute Infrastruktur zu erwähnen, die alles rund um den
Sport bietet. Empfehlenswert sind „Ninos Sports“ und „Aloha Divers“,
beide direkt an der Promenade gelegen und perfekt ausgestattet. Hier
bleiben keine Wünsche offen. An dieser Stelle sei erwähnt,
dass auch die medizinische Notfallversorgung ausgezeichnet ist und in
Larnaka eine moderne Druckkammer zur Verfügung steht.
Meerblick von Kourion, Ausgrabung Kourion und Kolossi (von li.)
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Was die Tauchplätze angeht, kann Limassol nicht mit so
spektakulären Wracks wie der Zenobia oder der Criket aufwarten. Es
sind mehr die kleinen Dinge, die es zu entdecken gibt und die den Reiz
der Tauchplätze ausmachen.
Entlang der acht Meilen langen Strandpromenade gibt es eine Vielzahl
von Wellenbrechern, die sich für flache Tauchgänge, oder auch
einfach nur zum Schnorcheln anbieten. Krebse, Seesterne, allerlei
Muscheln und auch immer wieder Oktopusse kann man entdecken. Auch
stößt man immer wieder auf archäologische
Fundstücke. ACHTUNG:
Zypern hat bis dato keinerlei Tauchverbote. Damit das auch so bleibt: FINGER WEG VON FUNDSTÜCKEN!!
das antike Amathus
Am östlichen Ortsrand von Limassol kann man sogar ganz gezielt an
einem Stück Geschichte tauchen. Während sich links der
Straße die Ausgrabungen des antiken Amathus befinden, das bereits
8000 v.Chr. entstanden ist, kann man auf der Meerseite die Reste einer
gewaltigen Mauer sehen. Folgt man dem Verlauf der Mauer unter Wasser,
stößt man in Tiefen zwischen einem und sieben Meter auf die
Reste des antiken Hafens. Auch für den geschichtlich nicht so
interessierten Taucher bietet der Platz aber alles für einen guten
Strandtauchgang.
alte Hafenmauer, Antike Säule und Reste der Befestigung (von li.)
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Farsa / Limassol
Will man Wracktauchen, gibt es auch hier eine schöne
Möglichkeit dazu. Vor dem Hafen liegt in 21 Meter Tiefe die 1980
gesunkene „Farsa“. Das Schiff wurde, kaum dass es die schützende
Hafenmauer hinter sich gelassen hatte, von einer schweren See gepackt. Dies führte dazu,dass die Asbest-Ladung verrutschte und das Schiff kenterte.
Aufbauten der Farsa
Heute liegt die 65
Meter lange Farsa intakt, mitsamt Teilen der Ladung auf der
Steuerbordseite und ist ein perfekter Wracktauchgang -auch für
Anfänger. In unmittelbarer Nähe, und sogar von Land aus
erreichbar, gibt es ein weiteres Wrack. Die Reste des ca. 35 Meter
langen Schiffes liegen in nur sechs Meter Tiefe auf felsigem Grund.
Schiffsschraube der Farsa
Die
Aufbauten fehlen vollständig. Dafür entschädigt
aber die prachtvolle Schiffsschraube sowie ein großer
Anker. In der Mitte kann man unter dem Rumpf durchtauchen. Gerade
für Anfänger oder als Strandtauchgang ein sehr schöner
Spot.
Heck, Heckgang und Laderaum (von li.)
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Paphos
Osmanisches Fort von Paphos
Weitere Tauchbasen und Plätze finden sich rund um das
Touristenmekka Paphos, das ca. eine Stunde westlich von Limassol entfernt liegt.
Da die Tauchgänge keine besonders erwähnenswerten Highlights
darstellen und im wesentlichen den Strandtauchgängen in Limassol
ähneln, werden sie hier nicht gesondert beschrieben. Einen Besuch
wert sind die direkt am Hafen gelegenen römischen Ausgrabungen mit
ihren weltweit einzigartigen Mosaiken, sowie ein osmanisches Fort.
Mosaiken von Paphos
(Click zum Vergrössern)
Im türkischen Nordteil gäbe es eine Reihe lohnender Ziele
für Taucher, so auch diverse Wracks. Solange sich die politische
Lage aber nicht grundlegend ändert und eine entsprechende
Infrastruktur entsteht, die z.B. auch eine Notfallversorgung
ermöglicht, bleiben diese Ziele unerreichbar.
Ein abschließendes Highlight ist das kürzlich entdeckte
Wrack eines U-Bootes, das in 55 Meter zwischen Limassol und Larnaka
ruht. Doch diese Geschichte würde den Rahmen dieses Artikels
sprengen und wird in einer der folgenden Ausgaben erzählt... Stay
tuned.
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