Zahnbarotraumen

 Geschrieben von Jessica

Ein häufig unterschätztes Problem bei Tauchern ist die Zahngesundheit. Denn wer kennt schon wirklich jemanden, dem das passiert ist, was man vielleicht einmal in der allerersten Theoriestunde gehört hat: Ein Zahnbarotrauma.

Ob Karies oder Parodontose (Zahnfleischschwund), ein schlechtes Gebiss läßt einen Taucher unter Wasser nicht strahlen. Beim Tauchen bleibt nichts dem Zufall überlassen: Die Regler werden regelmäßig gewartet, die Flasche geht zum TÜV, Reißverschlüsse und Manschetten werden liebevoll gewachst und gepudert, es wird gereinigt, geschraubt, desinfiziert.... Regelmäßig findet die tauchärztliche Untersuchung statt, bei den kleinsten Problemen mit dem Ohr wird der HNO-Arzt aufgesucht, doch die Zähne fristen ein fast stiefmütterliches Dasein. Die Folgen reichen von leichten Schmerzen bis zum Zahnverlust oder Sekundärerscheinungen durch Panik (wie DCS, Lungenbarotrauma o.ä.)

Zähne bestehen aus einem knochenähnlichen Material, dem Dentin, das von Zahnschmelz umgeben ist. Im Inneren ist ein Hohlraum, in dem Nerven und Blutgefäße liegen. Ist der Zahnschmelz intakt, kann der hohe Umgebungsdruck beim Tauchen dem Zahn nichts anhaben. Der Schmelz ist problemlos in der Lage, den Druck abzufangen. Wenn die Beißerchen allerdings nicht ordentlich gepflegt werden, können sich Löcher im Schmelz bilden und Luft kann in das Zahninnere eindringen. Das gleiche gilt für nicht optimal abgedichtete Zahnfüllungen. Stickstoffaufnahme ist unbedenklich, denn das Nervengewebe der Pulpa (Zahninnenraum) ist ein sogenanntes "schnelles Gewebe" und gibt den aufgenommenen Stickstoff schnell wieder ab. Da die meisten Löcher in Zähnen relativ klein sind, kann es passieren, dass beim schnellen abtauchen nicht genug Luft nachströmen kann. Es kommt zu einem schmerzhaften Unterdruck. Durch Abbruch des Tauchganges kann dieser Schmerz jedoch problemlos abgebaut werden. Das größere Problem ist jedoch, wenn sich in der Austauchphase das kleine Loch durch sich lösendes Gewebe, wie kleinste Gewebfetzchen aus der Pulpa, verschließt. Die sich ausdehnende Luft findet keinen Weg nach außen, aber sie dehnt sich weiter im Zahn aus. Das Resultat kann sich jeder denken: wahnsinnige Zahnschmerzen, gesprengte Plomben oder Zahnwände. Eine Panik droht, bei starken Schmerzen vielleicht sogar eine Ohnmacht. Der Taucher kann dies nur durch einen extrem langsamen Aufstieg mindern und dabei hoffen, dass die Luft einen Weg durch das existierende Loch findet - dieses Vorgehen wird aber durch den Luftvorrat und eine steigende Dekoverpflichtung eingeschränkt.

Taucher sollten ihren Zahnarzt also darauf hinweisen, dass sie Tauchen. Füllungen und Implantate müssen so eingesetzt werden, dass sie 100% dicht anliegen, idealerweise sollte sich auch kein Hohlraum darunter befinden.

Alles in allem kann man sagen: Taucher, achtet auf eure Knabberleiste, damit ihr auch morgen noch kraftvoll zubeißen könnt !

1. Zahnkrone 2. Zahnhals 3. Zahnwurzel 5. Zahnmark (Pulpa) 6. Nerv 7. Zahnfleisch 8. Zahnfortsatz


Infos

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