Dräger FGT - Fertig-Gas-Tauchgerät

 Geschrieben von Achim

Dräger FGT – Fertig-Gas-Tauchgerät

von Achim R. Schlöffel


FGT im Einsatz

Geschichte:

Das FGT wurde 1968 von der Lübecker Firma Dräger entwickelt. Das halbgeschlossene Kreislaufgerät war vollkommen antimagnetisch und wurde speziell für den militärischen Gebrauch bei den Minentauchern konzipiert.

Es wurden mehrere Hundert Einheiten gefertigt, die neben der Auslieferung an die Bundesmarine auch Absatz in verschiedenen anderen europäischen Ländern wie Spanien, Griechenland und den Niederlanden fanden, aber auch zum Beispiel nach Asien exportiert wurden.

Bis in die 80er Jahre wurden mehrere Modelle mit geringfügigen Modifikationen gefertigt. So gibt es Modelle mit der Bezeichnung FGT I / A mit der Hersteller # T 12 200, und FGT I / D mit der Hersteller # T 12 755. Neben den üblicherweise gelben Geräten wurden auch schwarze Gehäuse geliefert. Außerdem gab es verschiedene Flaschenanschlüsse sowie Sauerstoff- oder Heliumventile.

Anfang der 90er musterte die Bundesmarine ihren Bestand aus. Während die Geräte in vielen Ländern noch benutzt werden, gibt es bei der Bundesmarine bis heute keinen richtigen Nachfolger. In der Zwischenzeit wurde teilweise das LAR VII- Kombi für die Minentaucher verwendet, das sich von reinem Sauerstoff auf Nitrox umschalten lässt. Derzeit sind zwei Geräte als Nachfolger für das FGT in der Erprobung: Das Dräger SMT und das Divex Stealth.

Funktionsbeschreibung:

Das FGT wird aus zwei Mischgasflaschen von je 2,5 Liter Volumen mit 200 Bar Fülldruck gespeist. Der Gasdruck wird im Druckminderer auf konstanten Arbeitsdruck reduziert und dann zur Dosiereinheit geleitet. Ausgelegt ist das FGT für drei Tiefenbereiche. Daraus resultieren drei Dosierdüsen für drei Gase. Die dosierte Gasmenge bleibt unabhängig von der Tauchtiefe konstant.


FGT Dosiereinheit

Von der Dosiereinheit wird das Gas in den Einatembeutel (5,5 Liter Volumen) geführt. Der Taucher atmet das verbrauchte Gas in den Ausatembeutel (ebenfalls 5,5 Liter), von dort wird es in die Kalkpatrone geleitet, wo sich der Kreislauf schließt. Die Patrone hat eine Füllvolumen von 3,5 Liter.


Dosiereinheit mit manuellem Bypass

Zusätzlich zur Konstantdosierung gibt es einen manuellen Bypass, über den der Taucher Gas in den Einatembeutel injizieren kann, wenn die Konstantdosierung nicht ausreicht, um dem Einatembeutel zu füllen. Das kann z. B. beim schnellen Abtauchen der Fall sein. Ein lungenautomatengesteuerter, automatischer Bypass - wie aus diversen Sporttauch-Rebreathern bekannt - ist nicht vorhanden.

Detailbilder Geräteaufbau, Top:



von links oben nach rechts unten:
Top leer; Top mit Überdruckventil; Top mit Überdruck + Diffusor;
Top mit Ausatembeutel(n) und Top geschlossen

Detailbilder Schlauchmontage:


von links nach rechts:
Anschlüsse Kalkbeutel; Atemschläuche;
Atemschläuche mit Mundstück montiert


Wie bereits erwähnt ist das Gerät für drei Gase ausgelegt, die sog. NATO-Standardgase. Auf diese Gase sind die drei wählbaren Düsen im Gerät ausgelegt.


Gas
Einsatztiefe
Dosierung l/min
Einsatzzeit
B = 60%
0 - 24 m
4 (3,9 - 5,2)
170 min.
C = 40%
24 - 42 m
8 (7,2 - 8,9)
100 min.
D = 32,5%
42 - 45 m
12,8 (10,5 - 14,5)
60 min.


Dabei ergeben sich je nach O2-Verbrauch (V) folgende Sauerstoff-Partialdrücke:

Gemisch „B“ (60%)

Tiefe
V = 0,5
V = 1,0
V = 1,5
V = 2,0
0 m
0,54
0,47
0,36
0,20
24 m
1,84
1,60
1,22
0,68


Gemisch „C“ (40%)

Tiefe
V = 0,5
V = 1,0
V = 1,5
V = 2,0
0 m
0,36
0,31
0,26
0,20
24 m
1,22
1,07
0,89
0,68
42 m
1,87
1,63
1,36
1,04


Gemisch „D“ (32,5%)

Tiefe
V = 0,5
V = 1,0
V = 1,5
V = 2,0
0 m
0,30
0,27
0,24
0,20
42 m
1,55
1,39
1,22
1,04
54 m
1,90
1,72
1,50
1,28


Die Berechnung der PO2 Werte basiert auf der Formel:

FiO2 = (Flussrate x FO2) – Meta O2 . /. Flußrate – Meta O2

Wobei:
Flussrate in l/min = das konstant in die Gegenlunge zugeführte Gas
FO2 = O2% im Gemisch der Flasche
Meta O2 = vom Körper metabolisierter Sauerstoff in l / min
FiO2 = O2% des Gases in der Gegenlunge
PO2 = Sauerstoff Partialdruck des geatmeten Gases in der Tiefe

An dieser Stelle muss der Hinweis erfolgen, dass es sich hier um die Vorstellung eines militärischen Gerätes handelt. Für die Sporttaucherei oder das technische Tauchen gilt unter allen Umständen eine absolute PO2-Grenze von 1,6 Bar in Ruhe und 1,4 Bar während des Tauchens!!!

Tauchen mit dem FGT:


Kurios aber praktisch - die "Transportkiste" des FGT

Um das Gerät "stilgerecht" zu tauchen, benötigt man noch ein paar Kleinigkeiten, die ebenso kurios wie sicherheitsrelevant sind. Geliefert wird das FGT in einem Weidenkorb. Die Körbe haben den Vorteil, dass sie stapelbar und luftdurchlässig sind – also keinen Moder entstehen lassen. Packt man das FGT aus, muss man sich für eines der standardmäßig mitgelieferten drei Flaschenpaare entscheiden – je nach Tiefe für Gas B, C oder D. Sind diese dann analysiert und ins Gerät eingebaut, werden alle Anschlüsse handfest angezogen, die Verbindungen von Gegenlungen, Kalkbehälter und Schlauchgarnitur überprüft.

Jetzt kommen zwei lebensnotwendige Tests, die nur mit entsprechendem Zubehör zu bewerkstelligen sind. Als erstes wird der Flow gemessen. Verwendet man das Original-Dosierungsprüfgerät von Dräger – T12688, so wird dieses am Mischblock angeschlossen, wo der Gasfluss zum Einatembeutel unterbrochen und zum Flowmeter umgeleitet wird. Das Gerät ermöglicht neben dem reinen Messen des Flows auch die Messung des Gasflusses unter Einbeziehung der Tauchtiefe.


Flow-Meter und OPV (Überdruck) Meter

Außerdem sollte der Ansprechdruck des Überdruckventils überprüft werden. Auch hierzu gibt es von Dräger ein entsprechendes Gerät (T10900). Der Wert lässt sich zwischen 11 und 17 cm Wassersäule einstellen. Nun wird das Gerät auf Dichtigkeit getestet. Das kann zum einen per "Wasserprobe" erfolgen. Hierbei wird das gefüllte Gerät untergetaucht und auf austretendes Gas untersucht. Eine andere Möglichkeit ist die "Vakuumprobe", bei der das Gerät leer geatmet wird, so dass ein Vakuum im Kreislauf entsteht. Bleibt das Vakuum bestehen, ist das Gerät dicht.
So, nun noch den Deckel auf das Gerät und ab in`s Wasser. Will man sich den Originalzustand des Gerätes nicht verändern, indem man Löcher bohrt und ein Jacket montiert, wird es mit der originalen Bebänderung getaucht. In diesem Fall ist ein Trockentauchanzug zum tarieren und abwerfbares Blei für den Fall der Fälle unerlässlich. Es ist zu bedenken, dass im Falle des Volllaufens des Rebreathers das enthaltene Gasvolumen und der daraus resultierende Auftrieb entfallen. Kann kein Blei abgeworfen werden und mittels eines Trockis Auftrieb hergestellt werden, sind fatale Folgen wahrscheinlich. Außerdem ist ein offenes Notfallsystem passend zur gewählten Tauchtiefe unerlässlich. Eine sieben Liter Alu-Stage Flasche ist eine gute Wahl für die meisten Tauchgänge.

Das 65cm lange,46cm breite und 21,5cm tiefe Gerät wiegt an Land betriebsbereit ca. 25 kg. Im Wasser verhält es sich auftriebsneutral. Das FGT sitzt angenehm auf dem Rücken und ermöglicht auch in horizontaler Wasserlage eine sehr angenehme Atmung. Der Walzenschieber ist leichtgängig und lässt sich auch mit dicken Handschuhen gut bedienen.

Das schöne am Tauchen mit dem FGT ist, dass es sich um ein absolut ausgereiftes Gerät handelt, das fast vollkommen geräuschlos arbeitetet. Bedingt durch den sehr guten Diffusor ist auch der Begriff des Tauchens ohne Blasen gerechtfertigt, was bei vielen anderen halbgeschlossenen Rebreathern nicht der Fall ist.


Völlig geräuschloses Tauchen
der Diffusor ist auf der Oberseite mittig gut zu erkennen

Leider gibt es zunehmend weniger originale Geräte. Dafür sieht man immer mehr zweifelhafte Umbauten, über deren Sinn oder Unsinn man sich streiten kann, die aber nicht Thema dieses Artikels sein sollen.

Wer einmal das Glück hatte, ein unverbasteltes FGT zu tauchen oder gar sein Eigen zu nennen, der wird es nimmer missen wollen.

© 2004 - Text : Achim R. Schlöffel
© 2004 - Fotos: Achim Schlöffel und Guido Floren
Herzlichen Dank an Guido Floren!


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