Probelauf Ostsee zum neuen Kurs „Denkmalgerechtes Tauchen“
von Henrik Pohl
Das Tauchrevier Ostsee verzeichnet seit 10 Jahren eine enorme Zunahme
der Aktivitäten. Immer mehr Sporttaucher, Tauchbasen und –schiffe
erkunden die Unterwasserwelt der Ostsee. Aber auch die
Unterwasserarchäologen nutzen die Chance auf Erforschung unseres
kulturellen Erbes unter Wasser.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass es sich bei
archäologischen Quellen unter Wasser um endliche Ressourcen
handelt, die nicht nachwachsen, wenn sie einmal verloren sind. Die
staatliche Denkmalpflege und die organisierte Sporttaucherei verfolgen
deshalb gleichartige Ziele: Denkmale
schützen – Tauchziele schützen.
Es geht nicht darum, den Sporttaucher auszugrenzen bzw. das Betauchen
von Schiffswracks zu verbieten. Ähnlich wie es der
Umweltschutzgedanke geschafft hat, Fische und Pflanzen unter Wasser zu
schützen, soll auch hier sensibilisiert werden. Siedlungen und
Schiffswracks unter Wasser bedürfen des gleichen Schutzes wie
Korallenriffe! Sporttaucher sollen wichtige Helfer sein, die Denkmale
erkennen und schützen.
Einen entsprechenden Lehrgang gibt es in den Sporttauchverbänden
bislang nicht. Es werden zwar Lehrgänge zum Wracktauchen
angeboten; darin wird aber kaum der Schutzcharakter berücksichtigt.
Vorbild war ein erste Probelauf, der im Juni 2003 am Bodensee gemeinsam
von Berufsarchäologen und Sporttauchern durchgeführt wurde.
Das Seminar baut auf Erfahrungen aus dem Projekt "Museum unter
Wasser Bodensee" auf.
Teilnehmer des ersten Probelaufs am Bodensee, Foto: M. Mörtl
Der erste „Probelauf Ostsee“ fand vom 12. bis zum 14.Dezember 2003 auf
Rügen in Mecklenburg-Vorpommern der statt. Veranstaltungsort war
die Tauchbasis Goor bei Kap Arkona. Diese Tauchbasis dient dem
Regionalverein für Unterwasserarchäologie Vorpommern als
Vereinssitz. Hier waren die Voraussetzungen für diesen Probelauf
gegeben, wie ein Schulungsraum, Tauchtechnik sowie relativ windsichere
Tauchziele.
Der Kurs wurde vom Landesamt für Bodendenkmalpflege M-V zusammen
mit dem Landesverband für Unterwasserarchäologie M-V, dem
Verband Deutscher Sporttaucher VDST, Landestauchsportverband M-V und
der Tauchsportgruppe Konstanz durchgeführt.
Teilnehmer waren Sporttaucher der unterschiedlichsten Brevetierung: vom
Rescue-Diver über Divemaster und Übungsleiter bis zum
Tauchlehrer.
Ansicht des Kap Arkonas von unserem Ausgangshafen "Goor", Foto:
S. Siroky.
Für uns ging es in erster Linie darum, das Konzept eines neuen
Kurses „Denkmalgerechtes Tauchen“ in der Praxis zu testen.
Unterwasserdenkmale erkennen, richtig betauchen und wiederfinden waren
die Schwerpunkte des Programms. Um das zu vermitteln waren 5
Theoriemodule sowie 2 Freiwassertauchgänge an einem Denkmal in
einem Zeitraum von 2 Tagen geplant.
In Kurzform sah unser Programm folgendermaßen aus:
Freitagabend:
Einführungsveranstaltung mit Vortragsprogramm
„Unterwasserarchäologie in Mecklenburg – Vorpommern“
Sonnabend:
Auf Grund eines Sturmes wurden an diesem Tag keine Tauchgänge
durchgeführt. Dafür konnten alle 5 Theoriemodule als Power
Point Präsentation vorgeführt und ausführlich diskutiert
werden. Nachmittags stand zusätzlich eine Führung durch das
Museum für Unterwasserarchäologie in Saßnitz auf dem
Programm .
Theoretische Lerninhalte des Denkmalgerechten Tauchens waren:
Wasser als konservierendes Medium
(Warum sind archäologische Unterwasserfunde wissenschaftlich
besonders bedeutend? Welchen Einfluss habe ich als Taucher auf den
Erhalt eines Unterwasserfundes)
Recht und Ethos:
Nationale und internationale Regelungen und Vereinbarungen
Kleine Quellenkunde
(Schiffswracks, Alte Hafen- und Landeanlagen, Bauwerke und
Siedlungsspuren im Wasser, Einzelfunde)
Praxis 1: Denkmalgerecht
Tauchen
Praxis 2:
Fallstudie-Fundmeldung
Sonntag: Tauchgang an einem
Denkmal.
Es wurde ein bekanntes Schiffswrack direkt vor dem Kap Arkona
ausgewählt und betaucht.
Der Wind blies zwar weiterhin sehr stark, aber aus südwestlicher
Richtung, so dass dieses Schiffswrack im Windschatten von Kap Arkona
lag. Das „Arkonawrack“, identifiziert als die dänische Fregatte
„Mynden“, sank hier 1718 während des großen Nordischen
Krieges. Auf ca.12m Wassertiefe findet sich heute die Überreste
des Rumpfes sowie der Ladung und Bewaffnung. Die gute Sicht von 6-8 m
und fast keine Strömung erleichterten die Aufgabe für die
erfahrenen Taucher.
In 2 geführten Tauchgruppen konnten die Hauptziele des Kurses erprobt
werden: Unterwasserdenkmale erkennen,
richtig betauchen und wiederfinden.
Es wurden folgende Übungen durchgeführt:
Intelligentes Ankern: Der
erfahrene Bootsführer wirft seinen Anker mithilfe Landmarken, GPS
und Echolot gezielt so, dass das Tauchziel sicher zu betauchen ist und
nicht beschädigt wird.
Körperstellung: Kopf
und Brust bilden den tiefsten Punkt des tarierten Tauchers. Die Flossen
befinden sich am höchsten Punkt.
Tarierung:
Zentimetergenaues Tarieren über einem Objekt ohne Benutzung der
Hände.
Horizontaler statt
vertikaler Flossenschlag
ermöglicht Schwimmen über Weichsedimenten ohne Aufwirbelung
von Schwebstoffen.
Die bewachsenen Kanonenrohre sind nicht leicht zu erkennen.
Foto: S. Siroky.
Weitere vorgesehen Übungen, wie die Kreuzpeilung an Hand von
Landmarken sowie eine Fundskizze, waren leider auf Grund der
wetterbedingten Reduzierung der Tauchgänge nicht möglich. Es
erfolgte anschließend eine Auswertung des Kurses. Die Erfahrungen
dieses Probelaufes - sowohl der Ausbilder als auch der Teilnehmer -
werden in eine Überarbeitung der Unterrichtsstoffe und Methoden
einfließen.
Die Backbordseite des Wracks, Foto: R. Obst
Nach einer erfolgreichen Probephase soll der Kurs in das
Spezialkursangebot des Verbandes Deutscher Sporttaucher VDST und
verschiedener unterwasserarchäologischer Vereinigungen
übernommen und somit flächendeckend zugänglich werden.
Für das Jahr 2004 sind in Zusammenarbeit mit dem Landesamt
für Bodendenkmalpflege M-V, dem LTV M-V, sowie dem Landesverband
für Unterwasserarchäologie M-V weitere Kurse geplant.
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