Immer nur Fische ist mir zu langweilig...
von Andreas M. Stolpe
Das war einer der Kommentare, mit dem ein Sporttaucher sein
Interesse an unterwasserarchäologischer Arbeit begründete. Anlässlich
der Tagung zur Unterwasserarchäologie im Deutschen Schiffahrtsmuseum
letzten Monat fanden sich viele Sporttaucher, Wrackbegeisterte und
Archäologen zusammen, um über den Stand der Unterwasserarchäologie in
Europa zu diskutieren und ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren.
Das zentrale Thema war dabei natürlich der Schiffstyp der Kogge.

Die berühmte Bremer Kogge im Deutschen Schiffahrtsmuseum in
Bremerhaven
(Foto Dr. M. Orgeldinger)
Haben wir alle doch schon von der Bremer Kogge gehört, so wissen
doch die wenigsten von uns, dass es aber weit mehr als nur diesen einen
Koggenfund gibt. Viele dieser archäologischen Projekte konnten nur
durch die Mithilfe von uns Sporttauchern realisiert werden. Um auch in
Zukunft Sporttauchern vermehrt die Möglichkeit zu bieten, an nationalen
und internationalen Projekten mitzuarbeiten, wurde von Vertretern des
VDST ein neues Brevet vorgestellt. In Zusammenarbeit mit der DEGUWA
(Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie) und der KUWA
(Kommission für Unterwasserarchäologie des VDST) sollen in Zukunft neue
Brevetierungsstufen für Archäologie-Interessierte angeboten werden. Mit
den drei Kursstufen
- "Denkmalgerechtes Tauchen / NAS Introductory
Course" - "DEGUWA I / NAS I" und
- "DEGUWA II / Schiffsarchäologisches
Seminar d. Universität Rostock / NAS II"
entsteht für Sporttaucher eine neue Perspektive, sich mit Denkmalschutz und Archäologie unter Wasser zu beschäftigen.

Die ersten Schritte auf dem Weg zum Unterwasserarchäologen müssen
wir Taucher im Pool absolvieren. Hier lernen wir die Grundkenntnisse
der Unterwasserarchäologie. (Foto DEGUWA)
Nach Brevetierung können die Sporttaucher bei der Ausgrabung eines
historisch interessanten Wracks mithelfen. Hier werden viele hundert
Jahre alte Tongefäße wieder an das Tageslicht befördert, indem das
Sediment mit einem "Unterwasserstaubsauger" abgesaugt wird bis die Funde frei liegen. Foto A. M. Stolpe)
Ein weiteres auf der Konferenz vorgestelltes Projekt befasste sich
mit der Bergung eines 2200 Jahre alten Ankerstocks durch die
DEGUWA-Sporttaucher. (Foto F. Lechner)
Nachdem die Sporttaucher ihren Teil getan haben, kann der Archäologe damit anfangen, das Fundmaterial wissenschaftlich auszuwerten. (Foto A. M. Stolpe)
Die Sporttaucher-Gemeinschaft ist nun sehr gespannt, wie in Zukunft Wracktauchen und Unterwasserarchäologie weiter zusammengebracht werden können - gibt es doch inzwischen konkrete Bestrebungen der Denkmalschutzbehörden einen "Führerschein" zum Betauchen von Wracks einzuführen um auch weiterhin Wracks vor der Zerstörung zu bewahren. Wir werden diese Entwicklung aufmerksam beobachten und uns mit dem neuen Brevet schon mal den "Führerschein" erwerben.
© 2004 - Andreas M. Stolpe
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