Glosse: Tauchertypen - typische Taucher?
von Andreas Nowotny
Wer kennt das nicht: Man steht angerödelt am Wasser, egal ob am Baggersee, Tauchernet-Treffen oder Tauchboot, sieht sich um und
denkt sich: "Immer die gleichen Nasen", obwohl man niemanden kennt.
Woran das liegt? Bis auf so voll
individuelle Taucher wie der Autor dieses Artikels und natürlich dessen Leser lässt sich die Gesamtheit der Taucher völlig
vorurteilsfrei in die folgenden Grundtypen unterteilen...
Newbie
Hat gerade sein
erstes Brevet erhalten und ist mit Abstand der
enthusiastischste Taucher weit und breit. Entweder mit geliehener oder
aber neu funkelnder Ausrüstung springt er in jeden Tümpel,
egal wie flach, Hauptsache Tauchen! Begeistert lauscht er den Worten
seiner erfahrenen Buddys, ehrfürchtig vernimmt er Geschichten
über Tauchgänge jenseits der 18 m-Grenze. Tauchmeister hält er
für Götter in Neopren und sein größtes Ziel ist
es, mit mehr als 50 TG möglichst bald auch ein erfahrener Taucher
zu sein und in Diskussionen ernst genommen zu werden.
Lieblingssatz: "Aber in meinem Kurs hat mir das mein Tauchlehrer anders gesagt."
Tauchveteran
Taucht aus Prinzip nicht mit Equipment, das neuer als 15 Jahre ist.
Lehnt alle Tarierhilfen, mit Ausnahme des Klodeckels, als neumodischen
Kram ab, schließlich ging es früher auch nur mit
Trageschale. Das Gleiche gilt für das Manometer, denn wozu hat man
denn eine Reserve. Getaucht wird nach der Deko 1900, die man
selbstverständlich im Kopf hat. Wenn Computer, dann nur zur
Aufzeichnung der Profile. Empfohlene Tauchtiefen sieht er als
Mindesttiefen, denn oberhalb tauchen nur Freizeitschnorchler. Sieht auf
alle herab, die nach 1965 einen Tauchschein gemacht haben, denn die
Anforderungen wurden danach einfach zu lau.
Lieblingssatz: "Als ich damals mit Cousteau und
Hass im Roten Meer war, hatte ich auch keinen ...(hier den Begriff für ein entsprechendes,
nach 1970 entwickeltes Equipment einsetzen)"
Tauchmeister
Hat zwischen 70 und 100 TG und gerade den Tauchmeisterkurs
abgeschlossen. Hält sich für den Tauchprofi mit einem Sack
voll Wissen und steht voll hinter der jeweiligen Organisation. Kann
nicht verstehen, dass gerade Tauchveteranen, die einfach nicht mehr auf
dem neusten Stand sind, seine Tipps und Tricks nicht annehmen wollen.
Träumt davon, in zwei Jahren auf den Malediven seine eigene Basis
aufzumachen.
Lieblingssatz: "Aufgrund meiner Erfahrung kann ich
dir versichern, dass ..."
Urlaubstaucher
Urlaub und Tauchurlaub sind für diese Spezies synonym. Sie
bemessen den Wert eines Urlaubs in der Anzahl der Tauchgänge, die
sie machen können. Bunte Fische, schöne Korallen und
Sichtweiten jenseits der 20 m sind für sie Grundvoraussetzung, um
überhaupt ins Wasser zu steigen. Süßwassertaucher
lösen bei ihnen nur Kopfschütteln aus - was gibt es in einem
Baggersee denn zu sehen?
Lieblingssatz: "OK, ihr taucht bei schlechter
Sicht, aber dafür würde es Euch bei der Strömung an der
Thistlegorm wegwehen!"
Süßwassertaucher
Halten sich für ganz harte Jungs und Mädels, die Tauchen
aus Selbstzweck betreiben. Bunte Fische? Nur was für
Shorty-Taucher! Gute Sicht? Wozu braucht man die, ein guter Taucher
taucht eh nach Kompass! Auf Urlaubstaucher gucken sie gerne herunter.
Empfehlen Urlaubstauchern, die in Diskussionsforen nach einem guten
Süßwasserautomaten fragen, immer gleich High-End
Kaltwasserautomaten im Doppelpack, denn alles andere ist eh billiger
Schrott.
Lieblingssatz: "Du kannst doch hier gar nicht mitreden, du Warmwassertaucher!"
Vereinstaucher
Durchtrainierter Taucher, der auf Kommando 5 Minuten die Luft
anhalten kann. Sieht auf alle Taucher herab, die ihr Brevet kommerziell
(egal bei welcher Organisation) erworben haben, da sie vorher nicht
mindestens ein Jahr den korrekten Beinschlag beim Schnorcheln
geübt haben.
Lieblingssatz: "Natürlich muss man Strecke
tauchen können - was machst Du, wenn Du auf 40m keine Luft mehr
hast und dein Buddy 50m entfernt ist?"
Orgawechsler
Erste Ausbildung CMAS*, dann SSI Advanced Open Water mit vielen PADI
Sonderbrevets. Glaubt einen guten Überblick über alle
Ausbildungsschienen zu haben und fühlt sich daher generell allen
anderen Tauchern überlegen. In der Praxis eher verwirrt, weil er
sich nicht mehr erinnern kann, welche Handzeichen was bedeuten. Hat
deswegen ein eigenes System entwickelt, das bei Buddys aber eher auf
Unverständnis stößt.
Lieblingssatz: "Da ich von allen Organisationen
brevetiert bin, kann ich objektiv sagen, dass ..."
Ausrüstungsfetischist 1
Egal ob Sporttaucher oder Hardcore-Tekki - dieser Tauchertyp ist
überall vertreten. Tauchen ist für diesen Typ ein
Statushobby. Man sieht ihn am Anfang jeder Saison mit neuen
Ausrüstungsteilen und Gadgets, die auf der Boot erworben wurden.
Ziel ist es, die anderen Taucher mit dem neusten Tauchgerät zu
beeindrucken, Newbie-Mädels (der Sporttaucher oder Hardcore-Tekki ist fast
ausschließlich männlich) möglichst so, dass sie nach
dem TG auf ein Bier mit ihm gehen.
Lieblingssatz: "Da staunst du - mein neuer
Atemregler "Atemfrei" ist nicht nur verchromt und hat Seitenspiegel,
auf 50 m hat er gegenüber dem Vorgängermodell auch eine
bessere Luftlieferleistung von 0,79 Prozent!"
Ausrüstungsfetischist 2
Auch dieser Tauchertyp ist sowohl im Sport- wie auch Tek-Bereich
vertreten. Ihm geht es beim Tauchen weniger um das
"was und wie", sondern mehr um das "womit". Begeistert von sämtlichen Neuerscheinungen gleicht
sein Gehirn einer gut sortierten und aktuellen
Ausrüstungsdatenbank. Zum Leidwesen seiner Buddys kann er
stundenlang über die Verbesserung der Modellreihe Atemregler
"Atemfrei" der Marke "GutLuft" zwischen 2001 und 2002 dozieren. Im
Gegensatz zum Ausrüstungsfetischist 1 geht es ihm nicht um
Bewunderung durch andere Taucher, sondern nur um das Objekt an sich.
Lieblingssatz: "Ich sehe, dass dein Jacket von
Herbst 1998 ist - wusstest du, dass es gegenüber der Modellreihe
von Frühjahr 1998 folgende kleineren Änderungen gegeben hat: ...(Details
hier einfügen)!"
Sport-Tekki
Hat maximal eine 12er-Flasche, findet aber Tekkis mega-cool. Da er
weder Zeit, Geld noch Lust hat, sich tiefer mit der Materie zu
beschäftigen, modifiziert er seine Ausrüstung etwas, um so
den Hauch des Abenteuers zu spüren. Steht deshalb am See mit
Hauptautomat am langen Schlauch und hat den Oktopus mit Muttis
Weck-Gummi unterm Kinn fixiert. Ganz harte Vertreter dieser Gruppe
leisten sich auch noch einen Force-Fin-Nachbau und eine P-Valve und
Argon für den Trocki, um in Tek-Foren besser mitreden zu
können.
Findet DIR riesig und hat seine Ausrüstung danach konfiguriert.
Hängt Stages prinzipiell links und würde eine Kanisterlampe
rechts hängen, wenn er denn eine hätte. Hat von der
Ausrüstung abgesehen keine Ahnung von DIR, verbreitet diese aber
gerne in Foren. Schaut prinzipiell auf alle Taucher (und
Nicht-DIR-Tekkis im Besonderen) runter, macht aber dann
Tauchgänge, die ihn sofort als Stroke erkennbar machen.
Findet DIR völlig bescheuert und hat seine Ausrüstung
danach konfiguriert, dass sie möglichst Nicht-DIR-konform ist.
Dass er damit aussieht wie ein Weihnachtsbaum nimmt er dabei in Kauf.
Hat eigentlich keine Ahnung von DIR, verbreitet diese aber gerne in
Foren. Seiner Meinung nach geht es beim Tek-Tauchen nur darum, mit
Doppelgerät und Stages möglichst cool auszusehen.
Mit Doppelgerät und Stages behangen ist er DIR`ler oder taucht
mit Independents oder einer anderen Konfiguration. Hat sich nach langer
Analyse für eines der Systeme entschieden und kann vor sich selbst
(andere Meinungen sind nicht relevant) diese Entscheidung vertreten.
Lebt nach dem Motto "Tauchen und Tauchen lassen". Missionarischen Eifer
entwickelt er nur bei dem Versuch, Nicht-Tekkis davon zu
überzeugen, dass Luft generell ein suboptimales Atemgas ist.
Ansonsten ist er friedlich, wenn er nur genügend Helium hat.
Bevorzugtes Tauchgebiet sind die einschlägigen Tauchforen der
verschiedenen Tauch-Websites und Newsgroups. Hier taucht er in
regelmäßigen Abständen "auf" (in Foren mit Klarnamen)
oder "unter" (in solchen mit Nicks). Seine geistreichen und gut
fundierten Aussagen lassen erkennen, dass hier wahre Meister der
Tauchkunst am Werke sind. Freundlich geht er auf alle Fragen ein und
verliert seine Fassung auch nicht, wenn die gleiche Frage innerhalb von
drei Tagen fünf mal gepostet wird. Hat die letzten Tauchurlaube
abgesagt, als er erfuhr, dass das Hotel keinen Internetanschluss hat
und er so den Anschluss an wichtige Diskussionen verpassen würde.
Natürlich gibt es noch weitere Kategorien. Wenn man aber genau hinsieht, entpuppen diese sich nur als Unterbereiche der oben
vorgestellten Typiesierung. Ihr fühlt Euch auf den Schlips
getreten? Ihr seid Euch sicher, dass ich genau Eure Kategorie vergessen
habe? Gebt die Liste einfach Eurem Buddy und fragt ihn, wo er sich und
Euch einordnen würde - seid aber nicht verblüfft, wenn er
(Typ Orgawechsler) sich selber darin nicht erkennt ;-)