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 Geschrieben von Bio-Uli

Zähne im Hintern

von Uli Erfurth

Sie kriechen seit 400 Millionen Jahren über den Meeresgrund - phlegmatisch, leidenschaftslos und unscheinbar: Seegurken.

In den sandigen Bereichen des Riffs fallen die Tiere besonders ins Auge. Behäbig schleichend schaufeln sie sich mit verzweigten Mundtentakeln große Mengen Sediment in den Schlund und verdauen die darin enthaltenen Stoffe, organischen Abfall, Algen und Mikroorganismen. Andere Arten betätigen sich als Geschwebefänger. Manche tarnen sich als Nacktschnecken, wie ein Forumsbeitrag in T.Net deutlich macht!

Im erwachsenen Zustand ist kaum ein Fisch an den Lederwürsten interessiert. Der größte Feind der Seegurken ist - zumindest an manchen Küstenstrichen - der Mensch. Vor allem in Südjapan, auf den Philippinen und in Indonesien werden etwa 25 bis 30 Arten zu "Trepang" verarbeitet und gegessen. (Curry fish, lolly fish ...: guckst du hier!) Allein nach China werden jährlich etwa fünftausend Tonnen für mehrere Millionen Dollar eingeführt.

Aber die tierischen Gurken sind nur scheinbar wehrlos. Ein unappetitlicher Giftschleim umgibt Eingeweide und Körper. Gelangt er zum Beispiel in die Augen oder offene Wunden, ist eine unangenehme Entzündung die Folge. Da die Walzen ungekocht also wenig schmackhaft sind, machen sich auch winzige symbiontische Krabben, Garnelen und Ringelwürmer auf der Oberfläche der Seegurken zu schaffen. Sie profitieren von den zähen Ausscheidungen ihrer Wirte, an denen viel organisches Material hängen bleibt. (Fotos und mehr)

Unerfahrene Schnorchler und Taucher, die Vertreter der Gattung Holothuria und Actinopyga belästigen, erleben eine weitere Überraschung: Ich erinnere mich noch gut an meinen erste Schnorchelexkursion am Mittelmeer, als ich eine dieser schwarzen Würste aufhob. Aus dem After des Tieres quollen langsam kleine, rosafarbene Fäden. Erst als diese "Cuvier'schen Schläuche" immer länger wurden und ich mich unentwirrbar in ihnen verstrickte, ließ ich die Seegurke fallen. Bis ich mit einer Bürste den hartnäckigen Bio-Kleister aus meinem Haaren entfernt hatte, vergingen Stunden. Ich schwor ich mir, nie mehr eine Seegurke zu unterschätzen.

Die Mehrzahl der Seegurken hat jedoch keine solche Verteidigungsanlagen. Allerdings erzielen sie eine ähnliche Wirkung, wenn sie bei Gefahr ihre Eingeweide durch den After auspressen. Während sich der Angreifer - vielleicht ein furchtloser Drückerfisch - auf den ebenfalls klebrigen Darmkanal und die zuckende Wasserlunge stürzt, kriecht die Seegurke im Hautmuskelschlauch langsam von dannen. Es grenzt an ein Wunder, dass sich aus den Stümpfen alle verloren gegangenen Organe innerhalb von nur zwei bis sechs Wochen vollständig regenerieren! Von Arten wie der Königsholothurie aus dem Mittelmeer weiß man, dass sie auf diese Weise ihre alten Innereien sogar regelmäßig entsorgen. Ein Grund für dieses im Tierreich einmalige Verhalten könnte der massive Parasitenbefall sein, unter dem fast alle Seegurken zu leiden haben. Und das Heer der Störenfriede ist gewaltig: Strudelwürmer und kleine Krabben im After, parasitische Muscheln, die ebenfalls hier einen ruhige Filtrierplatz gefunden haben, blutsaugende Schnecken und - last but not least - der Nadel- oder Eingeweidefisch. Jungfische schlüpfen durch den Enddarm in die Seegurke und stoßen in die geräumige Leibeshöhle ihres Wirtes vor (Video, 6 MB!). Schamlos knabbern die Plagegeister an den Keimdrüsen ihrer wehrlosen Gastgeber, während erwachsene Individuen Seegurken in erster Linie als Zufluchtsort benutzen.

Nur durch einen drastischen Akt der Selbstverstümmelung, den Eingeweideauswurf, scheint es den Walzen letztlich zu gelingen, ihre Untermieter loszuwerden.


Eine Actinopyga-Seegurke aus dem Roten Meer

Weil die jährliche Generalreinigung zwar spektakulär, aber energetisch recht aufwendig ist, haben sich Actinopyga-Arten etwas Besonderes einfallen lassen: An ihrer verwundbarsten Stelle, dem Hinterende, befinden sich fünf messerscharfe Kalkzähnchen, die jeden Eindringling in die Flucht schlagen. Eine einmalige Präventivmaßnahme im gesamten Tierreich - Zähne im Hintern!


Actinopyga (lateinisch): 'Die-mit-Zähnen-im-Hintern'!

Text + Bilder: Uli Erfurth
© BIONAUT - Ohne BIO fehlt dir was!


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