Wir berichteten in
unserer letzten Ausgabe des Taucher.Net
Online-Magazins über die Entwicklung des Delfins – beginnend beim
Urwal bis zum Vergleich mit dem heutigen Menschen. In Teil 2
möchten wir Ihnen das Leben dieser für die Meeresfauna
wichtigen Tiere etwas näher bringen. Dazu gehört
zwangsläufig auch das Wissen darüber, wo sie taxonomisch unterzubringen sind.
Teil 2:
Vom Leben der Delfine
Was haben Zahnwale mit Delfinen zu tun?
Laienhaft betrachtet würde so mancher gewiss
äußern: "Zahnwal und Delfin, das ist doch etwas vollkommen
Verschiedenes."
Delfine (Delphinidae) gehören zu den Zahnwalen (Odontoceti) und
sind Säugetiere (Mammalia), die im Wasser leben. Sie sind Teil der
Ordnung der Cetacea, der Waltiere. Je nach Art haben die Zahnwale bis
zu 200 Zähne, wie z. B. der Spinnerdelfin; der Rundkopfdelfin
(Grampus griseus) hingegen hat oben keine Zähne und unten auf
jeder Seite etwa 2 bis 7.
Beschäftigen wir uns mit den Delfinen. Diese Familie umfasst gut 30 Arten und enthält auch die Wale (Cetacea). Sie sind in allen Meeren
verbreitet.
Allgemein wird der Begriff "Delfin" mit dem Großen Tümmler
(Tursiops truncatus) verknüpft. Dieser ist sowohl im TV als auch
in den meisten Delfinarien (leider) am häufigsten vertreten.
Zähne und Beute
Übrigens benutzen Delfine ihre Zähne nicht zum Kauen der
Beute. Sie halten diese Beute (Fische, Tintenfische, Krebse) lediglich
vor dem Schlucken fest. Die verschiedenen Arten bevorzugen
unterschiedliche Beutetiere. Die meisten ernähren sich von
Fischen, einige haben sich auf Kalmare spezialisiert (z.B. der
Rundkopfdelfin); der Schwertwal jagt u.a. Meeressäuger wie Wale
und Robben.
Geburten der Delfine und die Folgen
menschlichen "Wahnsinns"
Zur Geschlechtsreife der Delfine: Weibliche Tiere sind bereits nach 6 -
10 Jahren, männliche hingegen erst im Alter zwischen 10 und 12
Jahren geschlechtsreif. Die Geburtenrate der Delfine ist sehr
unterschiedlich und schwankt von Art zu Art. Die meisten Delfinarten
gebären im Durchschnitt alle zwei Jahre ein, in
Ausnahmefällen zwei Jungtiere (Kälber). Erschwerend
kommt hinzu, dass die Überlebensrate in freier Natur nur bei etwa
50% liegt. Dies erklärt auch, warum menschliche Eingriffe, seien
es gezielte Tötungen aber auch menschbedingte Umwelteinflüsse
(Sonargeräte, Schifffahrt, Umweltverschmutzung, Fischfang etc.)
gerade bei Delfinen und Walen so massive Auswirkungen auf die
Reproduktion haben.
Wale & Delfine – Symbol für
ausgeprägtes Sozialverhalten
Delfine sind soziale Wesen, die in Gruppen zusammen leben. Das
Sozialverhalten der Delfine ist charakteristisch. Die Fürsorge
für ihre Jungen (Kälber) ist ebenso deutlich ausgeprägt
wie die Sorge um verletzte, kranke und hilflose Artgenossen.
Möglicherweise liegt hierin auch ein Erklärungsansatz
für Beobachtungen über die Rettung von Menschen durch Delfine?!
Dieses Sozialverhalten stellt eine Gemeinsamkeit bei allen Arten dar:
Es ist unabdingbar für ihr Überleben. Ansonsten bestehen
jedoch deutliche Unterschiede, was Lebensstil, Gestalt, Farbgebung,
Lebensraum, Verbreitung oder auch zum Beispiel die
Gruppengröße anbelangt. Die Größe dieser sozialen
Gruppen, der sog. Schulen, kann variieren von zwei (z.B. so genannte
Männerfreundschaften bei Großen Tümmlern) bis zu 1000
Tieren! Man unterscheidet auch etwa sieben Formationen, in die sich die
Tiere zur Jagd, der Aufzucht ihrer Jungen, beim Spiel der Kälber
usw. gezielt umstrukturieren.
Der Lebensraum der Tiere hängt von vielerlei Faktoren ab:
Meeresströmung, Beutevorkommen, Salzgehalt des Wassers,
Wassertemperatur, Topografie des Meeresbodens usw. Manche Delfine leben
küstennah, andere in Flüssen. Wiederum andere kommen
pelagisch vor, das heißt weltweit im freien Meer. Beispiel
hierfür ist der Gemeine Delfin oder auch der Orca.
Ein
paar interessante "facts" zum Orca: Er ist der
größte der Delfinartigen. Trotz seiner beachtlichen
Größe von bis zu zehn Metern und einem Gewicht von bis zu
vier Tonnen zeigt er ein sehr effizientes Gruppenjagdverhalten. Er
zieht in Familienverbänden durch unsere Meere. Übrigens:
Seine Rückenfinne, für die der Orca neben seiner schönen
schwarz-weißen Zeichnung bekannt ist, kann bis zu zwei Meter lang
werden.
"Hightech made by Evolution"
Delfine orientieren sich und orten ihre Beute mittels Echolokation. Sie
senden tief- und hochfrequente Töne (Klicks, Pfeifen, Schnattern
und andere Geräusche) aus und nehmen anhand des
zurückgeworfenen Echos ihre Umgebung wahr. Untersuchungen haben
belegt, dass sie dabei einen Frequenzbereich von 12 bis 320.000 Hz
(Schwingungen/sec.) benutzen. Zum Vergleich: Das gesunde menschliche
Gehör ist nur in der Lage, in einem Bereich von 20 bis max. 20.000
Hz zu "empfangen".
Um diese Töne zu senden und empfangen, besitzen die Odontoceti
fünf Körperorgane. Die Töne werden mit Luft (Prinzip des
Blasebalgs) im Nasengang der Tiere erzeugt. Im Kopf befindet sich ein
rundes Organ, die Melone, welches eine Rolle bei der Echolokation
spielt. Die produzierten Geräusche dienen aber auch der
Verständigung. Delfine kommunizieren zudem durch
Körperkontakt mit ihren Artgenossen.
Anatomie & Verhalten
Delfine sind in der Regel zwischen 1,5 und 4 m lang, der Orca erreicht
als größter Delfin sogar knapp 10 m. Die Tiere besitzen
einen stromlinienförmigen Körper, der ihnen schnelles
Schwimmen ermöglicht. Bei zahlreichen Arten sind die Kiefer klar
vom Torso abgesetzt und bilden einen langgezogenen Schnabel. Das Gehirn
der Delfine ist im Vergleich zu anderen Tieren groß und weist
eine komplexe Hirnrinde auf. Dies ist ein Grund dafür, sie
zoologisch zu den intelligentesten Tieren zu zählen.
Delfine
sind sehr schnelle Schwimmer. Oft springen sie auch aus dem Wasser,
führen akrobatische Figuren aus (z.B. der Spinnerdelfin) oder
reiten auf Bugwellen von Booten, Schiffen oder sogar von
Großwalen. Interessanterweise schlafen Delfine, indem sie immer eine
Gehirnhälfte einschlafen lassen und mit der anderen wach bleiben.
Lesen Sie in Teil 3 unserer nächsten Ausgabe mehr über den
Delfin. Wir berichten dann u. a. über interessante kulturelle
Aspekte zwischen Mensch und Delfin, beleuchten aber auch die Schattenseiten im
Leben der Delfine und Wale.
Anm. der Redaktion: Wir danken der Gesellschaft zur
Rettung der Delphine e.V. (GRD) für ihre fachliche Beratung bei
der Entstehung dieser Serie.
Die
Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) wurde 1991 vom
dreifachen Weltumsegler und Dokumentarfilmer Rollo Gebhard
gegründet. Hauptziel der gemeinnützigen Organisation ist es,
wild lebende Delfine und Wale zu schützen und ihre
Lebensräume zu erhalten. In Deutschland führt die GRD das
internationale Tunfisch-Kontrollprogramm für „delfinsicher
gefangenen“ Tunfisch durch und gibt hierzu eine Verbraucher-Liste der
bestätigten Tunfischmarken heraus. In Zusammenarbeit mit Partnern
in Kroatien, Peru, Mosambik und La Gomera (Kanarische Inseln) deckt die
GRD die illegale Jagd auf Delfine auf, rettet verletzte und gestrandete
Tiere, führt regelmäßige Beobachtungen durch, um
Bedrohungen rechtzeitig erkennen und abwehren zu können, und setzt
sich für die Ausweisung von Schutzgebieten ein.
Weitere Infos:
Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Kornweger Str. 37
81375 München
Tel.: 089/74 16 04 10
Fax: 089/74 16 04 11 www.delphinschutz.org info@delphinschutz.org
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