Delfine - Tauchers Lieblinge

 Geschrieben von Michi

Delfine – Tauchers Lieblinge

Aber: Sind Delfine noch zu retten?

von Michi Böhm

Wir berichteten in unserer letzten Ausgabe des Taucher.Net Online-Magazins über die Entwicklung des Delfins – beginnend beim Urwal bis zum Vergleich mit dem heutigen Menschen. In Teil 2 möchten wir Ihnen das Leben dieser für die Meeresfauna wichtigen Tiere etwas näher bringen. Dazu gehört zwangsläufig auch das Wissen darüber, wo sie taxonomisch unterzubringen sind.

Teil 2:

Vom Leben der Delfine

Was haben Zahnwale mit Delfinen zu tun?

Laienhaft betrachtet würde so mancher gewiss äußern: "Zahnwal und Delfin, das ist doch etwas vollkommen Verschiedenes."
Delfine (Delphinidae) gehören zu den Zahnwalen (Odontoceti) und sind Säugetiere (Mammalia), die im Wasser leben. Sie sind Teil der Ordnung der Cetacea, der Waltiere. Je nach Art haben die Zahnwale bis zu 200 Zähne, wie z. B. der Spinnerdelfin; der Rundkopfdelfin (Grampus griseus) hingegen hat oben keine Zähne und unten auf jeder Seite etwa 2 bis 7.

Beschäftigen wir uns mit den Delfinen. Diese Familie umfasst gut 30 Arten und enthält auch die Wale (Cetacea). Sie sind in allen Meeren verbreitet.

Allgemein wird der Begriff "Delfin" mit dem Großen Tümmler (Tursiops truncatus) verknüpft. Dieser ist sowohl im TV als auch in den meisten Delfinarien (leider) am häufigsten vertreten.


Zähne und Beute
Übrigens benutzen Delfine ihre Zähne nicht zum Kauen der Beute. Sie halten diese Beute (Fische, Tintenfische, Krebse) lediglich vor dem Schlucken fest. Die verschiedenen Arten bevorzugen unterschiedliche Beutetiere. Die meisten ernähren sich von Fischen, einige haben sich auf Kalmare spezialisiert (z.B. der Rundkopfdelfin); der Schwertwal jagt u.a. Meeressäuger wie Wale und Robben.

Geburten der Delfine und die Folgen menschlichen "Wahnsinns"
Zur Geschlechtsreife der Delfine: Weibliche Tiere sind bereits nach 6 - 10 Jahren, männliche hingegen erst im Alter zwischen 10 und 12 Jahren geschlechtsreif. Die Geburtenrate der Delfine ist sehr unterschiedlich und schwankt von Art zu Art. Die meisten Delfinarten gebären im Durchschnitt alle zwei Jahre ein, in Ausnahmefällen zwei Jungtiere (Kälber).
Erschwerend kommt hinzu, dass die Überlebensrate in freier Natur nur bei etwa 50% liegt. Dies erklärt auch, warum menschliche Eingriffe, seien es gezielte Tötungen aber auch menschbedingte Umwelteinflüsse (Sonargeräte, Schifffahrt, Umweltverschmutzung, Fischfang etc.) gerade bei Delfinen und Walen so massive Auswirkungen auf die Reproduktion haben.

Wale & Delfine – Symbol für ausgeprägtes Sozialverhalten
Delfine sind soziale Wesen, die in Gruppen zusammen leben. Das Sozialverhalten der Delfine ist charakteristisch. Die Fürsorge für ihre Jungen (Kälber) ist ebenso deutlich ausgeprägt wie die Sorge um verletzte, kranke und hilflose Artgenossen. Möglicherweise liegt hierin auch ein Erklärungsansatz für Beobachtungen über die Rettung von Menschen durch Delfine?!
Dieses Sozialverhalten stellt eine Gemeinsamkeit bei allen Arten dar: Es ist unabdingbar für ihr Überleben. Ansonsten bestehen jedoch deutliche Unterschiede, was Lebensstil, Gestalt, Farbgebung, Lebensraum, Verbreitung oder auch zum Beispiel die Gruppengröße anbelangt. Die Größe dieser sozialen Gruppen, der sog. Schulen, kann variieren von zwei (z.B. so genannte Männerfreundschaften bei Großen Tümmlern) bis zu 1000 Tieren! Man unterscheidet auch etwa sieben Formationen, in die sich die Tiere zur Jagd, der Aufzucht ihrer Jungen, beim Spiel der Kälber usw. gezielt umstrukturieren.

Der Lebensraum der Tiere hängt von vielerlei Faktoren ab:
Meeresströmung, Beutevorkommen, Salzgehalt des Wassers, Wassertemperatur, Topografie des Meeresbodens usw. Manche Delfine leben küstennah, andere in Flüssen. Wiederum andere kommen pelagisch vor, das heißt weltweit im freien Meer. Beispiel hierfür ist der Gemeine Delfin oder auch der Orca.

Ein paar interessante "facts" zum Orca:
Er ist der größte der Delfinartigen. Trotz seiner beachtlichen Größe von bis zu zehn Metern und einem Gewicht von bis zu vier Tonnen zeigt er ein sehr effizientes Gruppenjagdverhalten. Er zieht in Familienverbänden durch unsere Meere. Übrigens: Seine Rückenfinne, für die der Orca neben seiner schönen schwarz-weißen Zeichnung bekannt ist, kann bis zu zwei Meter lang werden.


"Hightech made by Evolution"
Delfine orientieren sich und orten ihre Beute mittels Echolokation. Sie senden tief- und hochfrequente Töne (Klicks, Pfeifen, Schnattern und andere Geräusche) aus und nehmen anhand des zurückgeworfenen Echos ihre Umgebung wahr. Untersuchungen haben belegt, dass sie dabei einen Frequenzbereich von 12 bis 320.000 Hz (Schwingungen/sec.) benutzen. Zum Vergleich: Das gesunde menschliche Gehör ist nur in der Lage, in einem Bereich von 20 bis max. 20.000 Hz zu "empfangen".
Um diese Töne zu senden und empfangen, besitzen die Odontoceti fünf Körperorgane. Die Töne werden mit Luft (Prinzip des Blasebalgs) im Nasengang der Tiere erzeugt. Im Kopf befindet sich ein rundes Organ, die Melone, welches eine Rolle bei der Echolokation spielt. Die produzierten Geräusche dienen aber auch der Verständigung. Delfine kommunizieren zudem durch Körperkontakt mit ihren Artgenossen.

Anatomie & Verhalten
Delfine sind in der Regel zwischen 1,5 und 4 m lang, der Orca erreicht als größter Delfin sogar knapp 10 m. Die Tiere besitzen einen stromlinienförmigen Körper, der ihnen schnelles Schwimmen ermöglicht. Bei zahlreichen Arten sind die Kiefer klar vom Torso abgesetzt und bilden einen langgezogenen Schnabel. Das Gehirn der Delfine ist im Vergleich zu anderen Tieren groß und weist eine komplexe Hirnrinde auf. Dies ist ein Grund dafür, sie zoologisch zu den intelligentesten Tieren zu zählen.

Delfine sind sehr schnelle Schwimmer. Oft springen sie auch aus dem Wasser, führen akrobatische Figuren aus (z.B. der Spinnerdelfin) oder reiten auf Bugwellen von Booten, Schiffen oder sogar von Großwalen. Interessanterweise schlafen Delfine, indem sie immer eine Gehirnhälfte einschlafen lassen und mit der anderen wach bleiben.

Lesen Sie in Teil 3 unserer nächsten Ausgabe mehr über den Delfin. Wir berichten dann u. a. über interessante kulturelle Aspekte zwischen Mensch und Delfin, beleuchten aber auch die Schattenseiten im Leben der Delfine und Wale.


Anm. der Redaktion:
Wir danken der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) für ihre fachliche Beratung bei der Entstehung dieser Serie.

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) wurde 1991 vom dreifachen Weltumsegler und Dokumentarfilmer Rollo Gebhard gegründet. Hauptziel der gemeinnützigen Organisation ist es, wild lebende Delfine und Wale zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten. In Deutschland führt die GRD das internationale Tunfisch-Kontrollprogramm für „delfinsicher gefangenen“ Tunfisch durch und gibt hierzu eine Verbraucher-Liste der bestätigten Tunfischmarken heraus. In Zusammenarbeit mit Partnern in Kroatien, Peru, Mosambik und La Gomera (Kanarische Inseln) deckt die GRD die illegale Jagd auf Delfine auf, rettet verletzte und gestrandete Tiere, führt regelmäßige Beobachtungen durch, um Bedrohungen rechtzeitig erkennen und abwehren zu können, und setzt sich für die Ausweisung von Schutzgebieten ein.

Weitere Infos:
Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Kornweger Str. 37
81375 München
Tel.: 089/74 16 04 10
Fax: 089/74 16 04 11
www.delphinschutz.org
info@delphinschutz.org

© 2004 by Michi Böhm, Bilder mit freundlicher Genehmigung der GRD

Infos

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