Safari oder Hotel?!

 Geschrieben von Jessica

Safari oder Hotel

ein Vergleich von Jessica Brühl

Manchmal stellt einen die Art seines Tauchurlaubs vor die Qual der Wahl: Soll ich von Land aus Tagestauchtouren oder lieber eine Safari machen? Vor- und Nachteile beider Urlaube:

Hotel
Komfortable Hotelanlagen sind vielerorts Standard

Sehen wir uns einmal einen normalen Tagesablauf am Roten Meer an, wenn man vom Hotel aus taucht.

Anreise irgendwann im Laufe des Tages, Vorstellen in der Basis, Einführung in die Gepflogenheiten, Ausgabe von Box und Blei, Anschleppen der eigenen Ausrüstung oder Ausleihen derselbigen. Das war's für den ersten Tag. Im Grunde ein halber verlorener Tag.

Am nächste Morgen: Aufstehen um 7 Uhr **gähn** , Frühstück um 7.30.
Um 8.00 steht man pünktlich an der Basis, packt seine Sachen und lädt sie auf den Pick-Up oder das Boot und begibt sich dann auf selbiges. Um 8.30 wird abgelegt und der Tauchplatz angesteuert. Nach einer mittleren Anfahrtszeit von etwa 1 Stunde kommt man am Tauchplatz an, wo bereits etliche andere Boote liegen oder gerade anlegen. Briefing, Anrödeln und mit Hunderten anderen Tauchern ins Wasser springen. Wenn man wirklich Pech hat, sieht man mehr Neoprenfische, als solche mit Schuppen. Am ersten Tag hat man zusätzlich noch den Checkdive zu absolvieren, was einen direkt um einen 'normalen' TG bringt.

Pech bei Tagesausfahrt
Beliebte Tauchplätze können auch so aussehen...

Nach einer Stunde kommt man wieder aus dem Wasser, hat sein Mittagessen an Bord und macht danach einen weiteren TG, wieder zusammen mit Hunderten anderen Tauchern, egal, ob man seinen Liegeplatz verändert hat, oder nicht. Gegen 16h beginnt man mit der Rückfahrt, trifft gegen 17h am Hafen ein. Die Kühle auf dem Wasser wird gegen die trockene Hitze und den Staub des Landes getauscht. Abladen, Ausrüstung spülen und bei einem Dekogetränk wird das Logbuch ausgefüllt. Dann duschen, Abendessen und anschließend noch Abendbeschäftigung.
Evtl. ein Nachttauchgang, der aber sehr oft nicht stattfindet, weil sich nicht genügend Interessenten finden.

Irgendwann fällt man dann ins Bett, nicht zu spät, denn um 7 muss man ja wieder hoch....

Essen im Hotel
Die Speisen-Auswahl in Hotels schlägt meistens die Safari-Küchen...

Vorteil:
  • Man kann Abends ausgehen und hat Amüsement jeglicher Art
  • Shopping ist möglich
  • Ebenso Tagesausflüge, wenn man dafür aufs Tauchen verzichtet.
  • Andere Sportarten - je nach örtlichem Angebot - einfach zu realisieren
  • Spülen der Ausrüstung problemlos möglich

Nachteil:
  • Man ist der Hitze und dem Staub des Festlandes ausgesetzt
  • Man unterliegt einem strengen Zeitplan
  • Der Diveguide legt den Tauchplatz fest, in der Regel hat man wenig bis kein Mitspracherecht

Kommen wir nun zum Safariboot:

Safariboot
Die M/Y Independence, ein beliebtes Safarischiff im Roten Meer

Irgendwann im Laufe des Tages kommt man an, lädt sein Equipment und Gepäck an Bord, bezieht seine Kabine und packt das Gerödel aus. Das erste, was im Schrank verschwindet, sind die Schuhe, man wird sie die komplette Woche über nicht mehr hervorholen.

Schiffskabine
Die Kabinen vieler Schiffe sind mittlerweile sehr komfortabel...

Wenn alle an Bord sind, wird eine naheliegende Bucht angefahren, wo man noch am selben Tag seinen Checkdive absolvieren kann, da in der Regel kein großer Gruppendrang herrscht, kann man vor dem Boot in aller Ruhe seine Bleimenge überprüfen und ggf. korrigieren. Da, je nach Bootgröße, um die 10 Personen an Bord sind, ist Tauchgruppe außerdem sehr überschaubar.

Nach dem Checkdive wird überlegt (so nicht eine feste Route bereits feststeht), wo am nächsten Tag getaucht werden soll und das Boot wird sich dorthin begeben. Dann Abendessen, gemütliches Zusammensitzen auf dem Sonnendeck und kennenlernen der Truppe.

am Sonnendeck
Gemütlicher "Tratsch" am Sonnendeck

Am nächsten Morgen wacht man gemütlich so um 8 Uhr auf, trinkt einen Tee oder Kaffee, isst ein Stück vom bereitliegenden Kuchen und macht ein gemütliches Briefing, rödelt an und springt spätestens um 9 ins Wasser. Herrliche Ruhe – die Tagesboote sind noch nicht angekommen! So sieht man tatsächlich auch einmal einen Hai im Roten Meer. Meistens verschwinden diese Gesellen genauso pünktlich in der Tiefe, wie die Tagesboote eintreffen.

Wenn man aus dem Wasser kommt, springen die mittlerweile angekommen Tagesgäste ins Wasser. Man selbst begibt sich zum Frühstück und legt sich hinterher wieder aufs Sonnendeck, schläft noch ein bisschen, sonnt sich und betrachtet die Hektik auf den Nachbarbooten, sowie das Massentauchen.

Tauchvorbereitung
Auf guten Safarischiffen ist genügend Platz für alle Teilnehmer

Während man auf den anderen Booten zu Mittag isst und seine Oberflächenpause verbringt, wird das eigene Boot an den nächsten Tauchplatz bewegt und man hat wieder das Wasser fast für sich allein.
Nach dem Mittags-TG gibt es dann wieder Essen und danach eine längere Pause, die man – Ihr ahnt es schon – wiederum auf dem Sonnendeck verbringt.

Gegen 17h der letzte TG, die Tagesboote sind schon lange weg und man hört nur noch das Wehen des Windes und das Plätschern der Wellen.
Danach Zeit zum Duschen und Logbuch schreiben.
Es wird besprochen, wo man am nächsten Tag tauchen will und bewegt das Boot in eine Bucht dort in der Nähe. Gegen 20h gibt es Abendessen und danach – auf Wunsch – noch ein Nacht-TG, der je nach Tauchtruppe eigentlich fast täglich stattfindet.

Vorteil:
  • Absolut relaxtes Tauchen
  • Auf dem Wasser ist es immer angenehm, was die Temperaturen betrifft (ok, ab und an gibt es auch mal steife Brisen, aber eher selten)
  • Man ist immer als erstes Vor Ort
  • Man hat keine langen Wege
  • Man kann den ganzen Tag in Badehose/-anzug und T-Shirt herumlaufen und Schuhe sind absolut überflüssig.
  • Das Schlafen an Deck ist ein unglaubliches Erlebnis, das jeder einmal probiert haben sollte!

Nachteil:
  • Sofern man keinen Vollcharter gebucht hat, kann es sein, dass man mit dem Rest der Mitreisenden ein Problem hat. Bei Missstimmung kann man den anderen nicht so einfach aus dem Weg gehen. Das gleiche gilt bei Interessenkonflikten. Die anderen wollen vielleicht viel Wrack, Du aber findest das öde...
  • 220Volt stehen nicht den ganzen Tag zur Verfügung. Wer keinen Speedlader für seine Lampe hat, kann durchaus Probleme bekommen.
  • Abwässer jeder Art gehen fast immer ungeklärt ins Wasser
  • Um 220 Volt zu haben, muss der Generator im Schiffsrumpf laufen. Der Krach, den das Verursacht ist zwar meist gedämpft, aber die Dieselausdünstungen sind oft unter Deck zu riechen.
  • Der Kompressor für die Luft ist natürlich an Deck und somit nicht lärmgedämpft. Das kann einem das Schläfchen an Deck manchmal etwas vermiesen.
  • Das Spülen der Ausrüstung gestaltet sich schwierig, da es kein Becken gibt

Es gibt also für beide Arten eine Menge Vor- und Nachteile. Was einem persönlich mehr behagt, eine enge Kajüte oder ein geräumiges Hotelzimmer, ein großes Buffet oder das, was der Koch in der kleinen Kombüse zubereitet, früh aufstehen oder noch etwas schlafen, Rudel- oder Ruhetauchen... das muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Autorin jedenfalls schwört auf Safaris!

© 2004 - Text von Jessica Brühl
© 2004 - Bilder von Marcus Ebert und Jessica Brühl; "Speiseauswahl im Hotel" von Harald Mathä


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27.05.2012 04:09 Taucher Online : 52
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