Manchmal stellt einen die Art seines Tauchurlaubs vor die Qual der
Wahl: Soll ich von Land aus Tagestauchtouren oder lieber eine Safari
machen? Vor- und Nachteile beider Urlaube:
Komfortable Hotelanlagen sind vielerorts Standard
Sehen wir uns einmal einen normalen Tagesablauf am Roten Meer an, wenn
man vom Hotel aus taucht.
Anreise irgendwann im Laufe des Tages, Vorstellen in der Basis,
Einführung in die Gepflogenheiten, Ausgabe von Box und Blei,
Anschleppen der eigenen Ausrüstung oder Ausleihen derselbigen.
Das war's für den ersten Tag. Im Grunde ein halber verlorener Tag.
Am nächste Morgen: Aufstehen um 7 Uhr **gähn** ,
Frühstück um 7.30.
Um 8.00 steht man pünktlich an der Basis, packt seine Sachen und
lädt sie auf den Pick-Up oder das Boot und begibt sich dann auf
selbiges. Um 8.30 wird abgelegt und der Tauchplatz angesteuert. Nach
einer mittleren Anfahrtszeit von etwa 1 Stunde kommt man am Tauchplatz
an, wo bereits etliche andere Boote liegen oder gerade anlegen.
Briefing, Anrödeln und mit Hunderten anderen Tauchern ins Wasser
springen. Wenn man wirklich Pech hat, sieht man mehr Neoprenfische, als
solche mit Schuppen. Am ersten Tag hat man zusätzlich noch den
Checkdive zu absolvieren, was einen direkt um einen 'normalen' TG
bringt.
Beliebte Tauchplätze können auch so aussehen...
Nach einer Stunde kommt man wieder aus dem Wasser, hat sein Mittagessen
an Bord und macht danach einen weiteren TG, wieder zusammen mit
Hunderten anderen Tauchern, egal, ob man seinen Liegeplatz
verändert hat, oder nicht. Gegen 16h beginnt man mit der
Rückfahrt, trifft gegen 17h am Hafen ein. Die Kühle auf
dem Wasser wird gegen die trockene Hitze und den Staub des Landes
getauscht. Abladen, Ausrüstung spülen und bei einem
Dekogetränk wird das Logbuch ausgefüllt. Dann duschen,
Abendessen und anschließend noch Abendbeschäftigung.
Evtl. ein Nachttauchgang, der aber sehr oft nicht stattfindet, weil
sich nicht genügend Interessenten finden.
Irgendwann fällt man dann ins Bett, nicht zu spät, denn um 7
muss man ja wieder hoch....
Die Speisen-Auswahl in Hotels schlägt meistens die
Safari-Küchen...
Vorteil:
Man kann Abends ausgehen und hat Amüsement jeglicher Art
Shopping ist möglich
Ebenso Tagesausflüge, wenn man dafür aufs Tauchen
verzichtet.
Andere Sportarten - je nach örtlichem Angebot - einfach zu
realisieren
Spülen der Ausrüstung problemlos möglich
Nachteil:
Man ist der Hitze und dem Staub des Festlandes ausgesetzt
Man unterliegt einem strengen Zeitplan
Der Diveguide legt den Tauchplatz fest, in der Regel hat man
wenig bis kein Mitspracherecht
Kommen wir nun zum Safariboot:
Die M/Y Independence, ein beliebtes Safarischiff im Roten Meer
Irgendwann im Laufe des Tages kommt man an, lädt sein Equipment
und Gepäck an Bord, bezieht seine Kabine und packt das
Gerödel aus. Das erste, was im Schrank verschwindet, sind die
Schuhe, man wird sie die komplette Woche über nicht mehr
hervorholen.
Die Kabinen vieler Schiffe sind mittlerweile sehr komfortabel...
Wenn alle an Bord sind, wird eine naheliegende Bucht angefahren, wo man
noch am selben Tag seinen Checkdive absolvieren kann, da in der Regel
kein großer Gruppendrang herrscht, kann man vor dem Boot in aller
Ruhe seine Bleimenge überprüfen und ggf. korrigieren. Da, je
nach Bootgröße, um die 10 Personen an Bord sind, ist
Tauchgruppe außerdem sehr überschaubar.
Nach dem Checkdive wird überlegt (so nicht eine feste Route
bereits feststeht), wo am nächsten Tag getaucht werden soll und
das Boot wird sich dorthin begeben. Dann Abendessen, gemütliches
Zusammensitzen auf dem Sonnendeck und kennenlernen der Truppe.
Gemütlicher "Tratsch" am Sonnendeck
Am nächsten Morgen wacht man gemütlich so um 8 Uhr auf,
trinkt einen Tee oder Kaffee, isst ein Stück vom bereitliegenden
Kuchen und macht ein gemütliches Briefing, rödelt an und
springt spätestens um 9 ins Wasser. Herrliche Ruhe – die
Tagesboote sind noch nicht angekommen! So sieht man tatsächlich
auch einmal einen Hai im Roten Meer. Meistens verschwinden diese
Gesellen genauso pünktlich in der Tiefe, wie die Tagesboote
eintreffen.
Wenn man aus dem Wasser kommt, springen die mittlerweile angekommen
Tagesgäste ins Wasser. Man selbst begibt sich zum
Frühstück und legt sich hinterher wieder aufs Sonnendeck,
schläft noch ein bisschen, sonnt sich und betrachtet die Hektik
auf den Nachbarbooten, sowie das Massentauchen.
Auf guten Safarischiffen ist genügend Platz für alle
Teilnehmer
Während man auf den anderen Booten zu Mittag isst und seine
Oberflächenpause verbringt, wird das eigene Boot an den
nächsten Tauchplatz bewegt und man hat wieder das Wasser fast
für sich allein.
Nach dem Mittags-TG gibt es dann wieder Essen und danach eine
längere Pause, die man – Ihr ahnt es schon – wiederum auf dem
Sonnendeck verbringt.
Gegen 17h der letzte TG, die Tagesboote sind schon lange weg und man
hört nur noch das Wehen des Windes und das Plätschern der
Wellen.
Danach Zeit zum Duschen und Logbuch schreiben.
Es wird besprochen, wo man am nächsten Tag tauchen will und bewegt
das Boot in eine Bucht dort in der Nähe. Gegen 20h gibt es
Abendessen und danach – auf Wunsch – noch ein Nacht-TG, der je nach
Tauchtruppe eigentlich fast täglich stattfindet.
Vorteil:
Absolut relaxtes Tauchen
Auf dem Wasser ist es immer angenehm, was die Temperaturen
betrifft (ok, ab und an gibt es auch mal steife Brisen, aber eher
selten)
Man ist immer als erstes Vor Ort
Man hat keine langen Wege
Man kann den ganzen Tag in Badehose/-anzug und T-Shirt
herumlaufen und Schuhe sind absolut überflüssig.
Das Schlafen an Deck ist ein unglaubliches Erlebnis, das jeder
einmal probiert haben sollte!
Nachteil:
Sofern man keinen Vollcharter gebucht hat, kann es sein, dass man
mit dem Rest der Mitreisenden ein Problem hat. Bei Missstimmung kann
man den anderen nicht so einfach aus dem Weg gehen. Das gleiche gilt
bei Interessenkonflikten. Die anderen wollen vielleicht viel Wrack, Du
aber findest das öde...
220Volt stehen nicht den ganzen Tag zur Verfügung. Wer
keinen Speedlader für seine Lampe hat, kann durchaus Probleme
bekommen.
Abwässer jeder Art gehen fast immer ungeklärt ins Wasser
Um 220 Volt zu haben, muss der Generator im Schiffsrumpf laufen.
Der Krach, den das Verursacht ist zwar meist gedämpft, aber die
Dieselausdünstungen sind oft unter Deck zu riechen.
Der Kompressor für die Luft ist natürlich an Deck und
somit nicht lärmgedämpft. Das kann einem das Schläfchen
an Deck manchmal etwas vermiesen.
Das Spülen der Ausrüstung gestaltet sich schwierig, da
es kein Becken gibt
Es gibt also für beide Arten eine Menge Vor- und Nachteile. Was
einem persönlich mehr behagt, eine enge Kajüte oder ein
geräumiges Hotelzimmer, ein großes Buffet oder das, was der
Koch in der kleinen Kombüse zubereitet, früh aufstehen oder
noch etwas schlafen, Rudel- oder Ruhetauchen... das muss jeder für
sich selbst entscheiden. Die Autorin jedenfalls schwört auf
Safaris!
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