DIR Fundamentals Kurs

 Geschrieben von Robert Eder

DIR Fundamentals Kurs

Attersee 2004

von Robert Eder

DIR ist für viele Taucher ein magisches Wort. Ist es der Stein der Weisen? Oder doch nur ein Marketingtechnisch perfekt eingesetztes Etwas, dass den Absatz der Tauchindustrie steigern soll?
Um dieser Frage näher auf den Grund zu kommen, trafen wir uns am 23.04.2004 am Attersee in Oberösterreich. Wir, das waren sieben interessierte Taucher aus ganz Österreich die ein gemeinsames Ziel hatten: Nämlich, etwas schlauer zu werden. Das soll ja noch niemand geschadet haben!

Dieser Kurs wurde von der DIR-AUSTRIA.COM organisiert, ein Verein der sich dem DIR Tauchen verschrieben hat und versucht, dies in Österreich zu fördern.
Pünktlich am Freitag 09.00 Uhr ging es dann los. Alle Teilnehmer trafen sich bei der Tauchbasis Nautilus und nach einem Begrüßungskaffee begann der Unterricht des Kurses DIR Fundamentals.



Als erstes stellte sich der GUE Instructor Mario Arena (Italien) vor und für einige von uns begannen hier die ersten Probleme, denn der Unterricht von Mario findet in englischer Sprache statt. Aber dank dem perfektem Englisch von Mario war innerhalb weniger Minuten das Eis gebrochen und allen konnten den spannenden Erzählungen ohne Probleme folgen.

Nach Mario durfte sich jeder Teilnehmer selbst kurz vorstellen und neben der Taucherfahrung, Alter, usw. auch erklären, warum er hier ist und was er von diesem Kurs erwartet. Dies war für mich eine sehr große Erfahrung, da ich eigentlich lauter „Tauchprofis“ (Wer immer sich auch so nennen soll?!) bei so einem Kurs erwartet habe. Wider meiner Erwartung fanden sich hier nun Taucher mit 40 Tauchgängen, sowohl als Tauchlehrer mit über 3500 Tauchgängen. Was soll das denn nun für ein Kurs werden?

Diese Frage wurde innerhalb des ersten Tages gelöst, denn da zeigte sich bereits, dass alle Kursteilnehmer am selben Niveau waren: Nämlich ganz am Anfang.
Nun erst mal weiter im Tagesablauf, also nach der Vorstellung kam erst einmal das Ziel des Kurses und Vorstellung der GUE Organisation.
Sehr schnell wurde klar, dass es hier nicht um Technisches Tauchen mit Doppel 20 und 5 Stages ging, sondern um die grundlegenden Dinge also, die Fundamentals.

Bei diesem Kurs wird hauptsächlich die Basis für ein besseres Tauchen gelegt, nämlich durch verschiedene Flossentechniken, diversen Sicherheitsübungen, Out of Air Situationen, Ventilmanagment und natürlich viel Tauchen.
Nach dem nun jedem klar war, was uns die folgende 3 Tage erwarten sollte, ging es weiter mit dem ersten wichtigem Punkt „Trim und Equipment Fitting“.

Dies wird von Mario sehr ernst genommen und die Devise „KISS: Keep it stupid and simple“ zieht sich wie ein roter Faden durch das DIR Konzept. Also wurde nun angeregt diskutiert, was ist ein guter Trim, warum ist Trim überhaupt wichtig und wie erreiche ich einen guten Trim. Schon während der ersten Stunden des Kurses zeigte sich das ausgezeichnete Lehrmaterial von Mario als sehr hilfreich, denn erst durch die innerhalb der Präsentation gezeigten Kurzfilme konnte man sich vorstellen, wie ein „richtiger“ Taucher im Wasser liegt. Und wahrscheinlich jeder der Teilnehmer sah sich selbst im Platz des Tauchers an der Leinwand, scheinbar Widerstandslos, perfekt horizontal durch das Wasser zu gleiten.

Diese schönen Träume sollten sehr bald zerplatzen wie eine Seifenblase.

Nächster Punkt war das Ausrüstungsfitting. Hier wurde sehr intensiv und fachlich kompetent über Dinge wie Gewichtsverteilung und Vor- Nachteile eines Bleigurtes bzw. V-Weight diskutiert. Darauf folgte eine Lektion über Atmung und Tarierung und danach zum Thema Tarierung in verschiedenen Bereichen des Tauchens. Auch hier sieht man wieder die große Erfahrung von Mario Arena, welcher er sehr eindrucksvoll und seriös weiter gibt. Durch unzählige Diskussionen und einen sehr spannenden Unterricht verging der Vormittag wie im Flug und um 12.30 Uhr stärkten wir uns in der Imbisshütte.

Nach einem köstlichen, „kalorienarmen“ Mittagsessen trafen wir uns wieder zum praktischem Teil des Ausrüstungsfittings. JUHU endlich, jetzt geht es Los! Wir kommen zu dem Teil, auf den sich jeder von uns besonders gefreut hat:



Die Schrauberei und Zanglerei (Übersetzung dt.: Das Schrauben und Umbauen) kann beginnen. Nun präsentierte jeder seine Ausrüstung Stück für Stück. Und was sich hier unseren Augen bot, war ein richtiges Gustostückerl an Ausrüstung. Überall die gleichen Namen auf den Ausrüstungsteilen und natürlich nur das Beste vom Besten. Jeder der Ausrüstungen war nahezu perfekt, zumindest glaubte das jeder. Binnen weniger Minuten fanden wir uns aber dann mit diversen Schrauben- und Gabelschlüsseln knienden über unseren Geräten und auf Anweisungen von Mario alles wieder neu zu konfigurieren und zusammen zu bauen. Aber auch auf alle Einwände von uns hatte Mario ein gutes Argument, um es so zu machen wie er es will und das sollte auch Gut so sein, wie es sich bei den folgenden Tauchgängen noch herausstellen sollte...

Auch hier zeigte sich wieder das bestens durchdachte DIR Konzept. Denn auch für so simpel erscheinende Dinge, wie zum Beispiel das Befestigen des Finimeters oder der Backuplampe gibt es spezielle Methoden, die aber wichtig sind, um dieses Konzept so sicher als möglich zu machen.
Ebenso wurde zum Beispiel der Unterzieher und der Trockentauchanzug genauer betrachtet und so mancher stellte fest, dass der vorher noch so gut passende Anzug auf einmal doch ein wenig klein ist, und somit fast unmöglich ist, alle Ventile zu erreichen. Also etliche Meter Caveline und unzählig montierte Boltsnaps später war es vollbracht und die gesamte Gruppe inklusive Mario waren mit dem Ergebnis zufrieden. Wobei man aber ehrlich sagen muss, dass dieses Fitting relativ leicht war, da alle Teilnehmer sich schon vorher mit dem DIR Konzept auseinander gesetzt haben und dem entsprechend ihre Ausrüstungen vorbereitet hatten. Natürlich kann jeder bei diesem Kurs teilnehmen, egal mit welcher Ausrüstung. Einzige Vorrausetzung ist eine LONG HOSE, dies ist ein ca. 2m langer Mitteldruckschlauch zwischen 1. Stufe und 2. Stufe des Hauptautomat.
Nach dem Fitting ging es zurück zum Lehrsaal, wo wir uns das Kapitel Flossentechnik zur Brust nahmen. Mario erklärte uns die verschiedenen Einsatzgebiete und überraschte mit Ausdrücken wie Frog Kick, modified Frog Kick, modified Flutter Kick, Backward Kick und Heli Turn. Und ich dachte immer Flossenschwimmen ist einfach?!

Die ersten Übungen fanden im Trockenen statt und sahen schon ziemlich lustig aus, aber es kam noch viel lustiger, nämlich als wir zur Vorbereitung unseres ersten Tauchganges im Trockentauchanzug zur Belustigung aller anderen Taucher, auf unserem Bauch in der Wiese lagen und mehr oder weniger kontrollierte Bewegungen mit unseren Beinen machten. Es wurden noch einmal alle Fortbewegungsarten geübt und auch der komplette Tauchgang noch einmal durchgesprochen, bevor wir klar waren, um endlich in das Wasser zu gehen.



Der erste Tauchgang verlief eigentlich sehr gut. Einige hatten noch leichte Ausrüstungsprobleme und die extrem horizontale Schwimmlage war auch gewöhnungsbedürftig. Inhalt dieses Tauchganges waren die verschieden Fortbewegungsarten und diverse Basic Skills (Tarierübungen). Ein ausgezeichnetes Lehrmittel war die Videokamera von Mario, mit der er jeden unserer Tauchgänge aufzeichnete und uns später am Abend präsentierte. So konnte jeder der Wahrheit in das Auge bzw. in die Linse sehen und unser Bild vom widerstandslosen, perfekt horizontal durch das Wasser gleitendem Taucher war zerstört! Dank sei der modernen Technik!

Unser Tauchgang war für 60 Minuten geplant, deshalb entstand leichte Verwirrung, als Mario nach einer halben Stunde das Zeichen zum Übungsabbruch gab. Waren wir wirklich so schlecht? Wollte er den Kurs abbrechen und mit uns zum Schnorcheltraining?
Die Frage klärte sich rasch: Unser Gast aus Italien hatte einfach das schöne Atterseewasser ein wenig unterschätzt und musste so feststellen, dass es doch besser ist, bei einer Wasser Temperatur von ca. 5° Celsius nicht mit 3mm Handschuhen zu tauchen!

Nach dem Versorgen der Ausrüstung ging es zurück in den Lehrsaal und obwohl die Uhr schon nach 19.00 Uhr zeigte, machte Mario keine Anzeichen, nun in den gemütlichen Teil überzugehen. Nein, es ging weiter mit Saftey Drills, Valve Drills und dem Konzept des DIR Systeme. Zum Schluss folgte noch die Videovorführung, bei der noch einmal jeder von uns auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde.
Um 21.15 Uhr erlöste uns Mario und gab uns das OK zum Abendessen. Nach einem anstrengendem aber sehr lehrreichen Tag gingen wir noch eine Kleinigkeit Essen und fielen kurz darauf in unser wohlverdientes Bett.

Um 08.00 Uhr folgenden Tages, noch etwas müde, aber voller Erwartung was dieser Tag bringen würde, trafen wir uns wieder bei der Tauchschule. Sogleich beginnen wir mit dem Zusammenstellen unserer Ausrüstung und wir machten uns bereit für unseren nächsten Tauchgang. Vorher gab es wieder eine Theorielektion zum Thema Saftey Drills in welcher wir die Out of Air Situation auch praktisch übten. Bei diesen Übungen wurde besonders auf das Buddy System geachtet und deshalb war es notwendig, dass auch alle Übungen im Trockenen innerhalb dieses Systems geübt wurde. Der anschließende Tauchgang war im Prinzip eine Kombination aus verschiedenen Saftey drills und Basic Drills die wie schon vorher immer im Buddy System geübt wurden und während des Tauchganges von Mario gefilmt. Während dieser Übungen trafen wir immer wieder auf ein Lieblingswort von Mario, nämlich „Casino“, mit dem wir aber nicht viel Anfangen konnten. Im Verlauf dieses Kurses wurde uns aber die Bedeutung klar. Mit Casino bezeichnet er ein großes Chaos unter Wasser und dieses Casino hörten wir eigentlich sehr, sehr oft!

Generell verliefen die Übungen aber gut und wir wurden mit jedem Tauchgang sicherer. Nach dem Tauchgang, der den neuen Handschuhen von Mario zu dank, mehr als 60 Minuten dauerte, ging es mit Theorie weiter.
Nun wurde auch unser Geist extrem belastet, wir widmeten uns den Dekompressionsberechnungen und den Tauchzeitberechnungen. Bis zu diesem Zeitpunkt war Tauchen relativ leicht, man stieg in das Wasser, tauchte ein wenig rum, schaute auf den Tauchcomputer und tauchte nach den abgelesenen Werten aus. Doch nun auf einmal wollte Mario, dass wir die Dekompressionszeiten im Kopf ausrechnen, unter Wasser und ohne Taschenrechner. Jetzt war Denkvermögen gefragt. Nach und nach kamen wir dem System auf die Schliche und wir stellten fest, es ist eigentlich nicht so schwer, als es zuerst aussah. Also wurde gerechnet, diskutiert und nach einigen Stunden harter Kopfarbeit bekam unser Körper und unser Geist eine Pause und wir gingen über zum Mittagessen.

Den Nachmittag beginnen wir mit einem Tauchgang, bei dem wieder verschiedene Saftey drills geübt wurden, sowohl als auch die Austauchprozeduren in verschieden Varianten. Der späte Nachmittag verlief wie gewohnt, mit Theorie und anschließender Videovorführung. Inhalt der Theorie waren wiederum ausgiebige Dekompressionsberechnungen und Gasberechnungen. Um 21.00 Uhr endet für uns ein weiterer eindrucksvoller Tag und unser knurrender Magen trieb uns in die nahe gelegene Gaststätte.



Am nächsten Morgen trafen wir uns noch ein Stück müder als am Vortag wieder in der Tauchbasis und der obligatorische Morgenkaffee war diesen Morgen noch ein Stück wichtiger. Heute sollten wir den Umgang mit dem Liftbag üben und natürlich alle anderen Standardsituationen. Erst folgte eine Trockenübung zum Umgang mit Liftbag und Spool, bei der auch die Vor- und Nachteile von diversen Liftbags diskutiert wurden.

Bei diesem Tauchgang hatten wir eine Kombination aus allen bis jetzt gelernten Übungen und den Liftbagübungen durch zu führen. Die Abschlussübung bestand aus einer Out of Air Situation, mit der folgenden Austauchprozedur und dem Absetzen des Liftbags. Dieser Tauchgang verlief nicht so wirklich zufriedenstellend und noch unter Wasser während des Tauchgangs hörte ich einige mal das Wort CASINO, aber irgendwie waren alle viel zu beschäftigt um in diesem Moment darauf zu achten.



Nach dem Tauchgang erwarteten wir alle die mahnenden Worte unseres Meisters und voller Demut trafen wir uns im Lehrsaal. Aber zu unserer aller Überraschung war Mario eigentlich ganz zufrieden mit uns sprach uns sogar Lob aus. Den Abschluss diese Tages und auch gleichzeitig des Kurses stellte eine weiter Theorielektion dar, gefolgt von administrativen Tätigkeiten.
Um ca. 19.00 Uhr war es dann soweit und das offizielle Ende des DIR Fundamentals Kurs war erreicht. Mario gratulierte noch jedem Teilnehmer und erklärte noch jedem Einzelnen seine Stärken und Schwächen und natürlich klärte er noch alle offene Fragen. Nach drei anstrengenden und eindrucksvollen Tagen verabschiedeten wir uns voneinander und die Teilnehmer nahmen Ihre teilweise lange Heimwege in Angriff.

Dieser DIR Fundamentals Kurs war eine sehr große Erfahrung für ALLE Teilnehmer. Dieses Konzept zu tauchen bedeutet einen extrem großen Sicherheitsgewinn für alle. Das DIR System ist sicherlich nicht für jedermann die ideale Lösung, aber trotzdem sollte jeder sich die Zeit nehmen, dieses System einmal näher zu betrachten.

Bei diesem Kurs wird jeder Schüler deutlich dazu angeregt, den Tauchgang zu realisieren und viel logischer zu betrachten. Der Weg ist eindeutig weg vom rein-rüber-raus Tauchgang, hin zum seriösem Tauchgang, bei dem auch das Gehirn eingeschaltet werden muss. Diese drei Tage Kurs waren sehr eindrucksvoll und durch die Leitung von Mario Arena sehr gut organisiert und ausgeführt. Noch einmal ein herzliches Danke Schön an Ihn und alle Teilnehmer, durch deren Zusammenarbeit dieser Kurs zum Erfolg wurde!

Zum Abschluss kann ich diesen Kurs jedem Taucher empfehlen, der sich einen Einblick in das DIR Konzept verschaffen will, der sich eine solide Grundlage für das technische Tauchen schaffen will, oder für jeden, der seinen Tauchstil verbessern will.

Informationen für diesen Kurs bzw. weiter Information unter www.Dir-austria.com

© by DIR-Austria.com

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Foto von geo2810

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