DIR ist für viele Taucher ein magisches Wort. Ist es der Stein der
Weisen? Oder doch nur ein Marketingtechnisch perfekt eingesetztes
Etwas, dass den Absatz der Tauchindustrie steigern soll?
Um dieser Frage näher auf den Grund zu kommen, trafen wir uns am
23.04.2004 am Attersee in Oberösterreich. Wir, das waren sieben
interessierte Taucher aus ganz Österreich die ein gemeinsames Ziel
hatten: Nämlich, etwas schlauer zu werden. Das soll ja noch niemand
geschadet haben!
Dieser Kurs wurde von der DIR-AUSTRIA.COM organisiert, ein Verein der
sich dem DIR Tauchen verschrieben hat und versucht, dies in
Österreich zu fördern.
Pünktlich am Freitag 09.00 Uhr ging es dann los. Alle Teilnehmer
trafen sich bei der Tauchbasis Nautilus und nach einem
Begrüßungskaffee begann der Unterricht des Kurses DIR Fundamentals.
Als erstes stellte sich der GUE Instructor Mario Arena (Italien) vor und
für einige von uns begannen hier die ersten Probleme, denn der
Unterricht von Mario findet in englischer Sprache statt. Aber dank dem
perfektem Englisch von Mario war innerhalb weniger Minuten das Eis
gebrochen und allen konnten den spannenden Erzählungen ohne
Probleme folgen.
Nach Mario durfte sich jeder Teilnehmer selbst kurz vorstellen und
neben der Taucherfahrung, Alter, usw. auch erklären, warum er hier
ist und was er von diesem Kurs erwartet. Dies war für mich eine
sehr große Erfahrung, da ich eigentlich lauter „Tauchprofis“ (Wer
immer sich auch so nennen soll?!) bei so einem Kurs erwartet habe.
Wider meiner Erwartung fanden sich hier nun Taucher mit 40
Tauchgängen, sowohl als Tauchlehrer mit über 3500
Tauchgängen. Was soll das denn nun für ein Kurs werden?
Diese Frage wurde innerhalb des ersten Tages gelöst, denn da zeigte
sich bereits, dass alle Kursteilnehmer am selben Niveau waren:
Nämlich ganz am Anfang.
Nun erst mal weiter im Tagesablauf, also nach der Vorstellung kam erst
einmal das Ziel des Kurses und Vorstellung der GUE Organisation.
Sehr schnell wurde klar, dass es hier nicht um Technisches Tauchen mit
Doppel 20 und 5 Stages ging, sondern um die grundlegenden Dinge also,
die Fundamentals.
Bei diesem Kurs wird hauptsächlich die Basis für ein besseres
Tauchen gelegt, nämlich durch verschiedene Flossentechniken,
diversen Sicherheitsübungen, Out of Air Situationen,
Ventilmanagment und natürlich viel Tauchen.
Nach dem nun jedem klar war, was uns die folgende 3 Tage erwarten
sollte, ging es weiter mit dem ersten wichtigem Punkt „Trim und
Equipment Fitting“.
Dies wird von Mario
sehr ernst genommen und die Devise „KISS: Keep it stupid and simple“
zieht sich wie ein roter Faden durch das DIR Konzept. Also wurde nun
angeregt diskutiert, was ist ein guter Trim, warum ist Trim
überhaupt wichtig und wie erreiche ich einen guten Trim. Schon
während der ersten Stunden des Kurses zeigte sich das
ausgezeichnete Lehrmaterial von Mario als sehr hilfreich, denn erst durch
die innerhalb der Präsentation gezeigten Kurzfilme konnte man sich
vorstellen, wie ein „richtiger“ Taucher im Wasser liegt. Und
wahrscheinlich jeder der Teilnehmer sah sich selbst im Platz des
Tauchers an der Leinwand, scheinbar Widerstandslos, perfekt horizontal
durch das Wasser zu gleiten.
Diese schönen Träume sollten sehr bald zerplatzen wie eine
Seifenblase.
Nächster Punkt war das Ausrüstungsfitting. Hier wurde sehr
intensiv und fachlich kompetent über Dinge wie Gewichtsverteilung
und Vor- Nachteile eines Bleigurtes bzw. V-Weight diskutiert. Darauf
folgte eine Lektion über Atmung und Tarierung und danach zum Thema
Tarierung in verschiedenen Bereichen des Tauchens. Auch hier sieht man
wieder die große Erfahrung von Mario Arena, welcher er sehr
eindrucksvoll und seriös weiter gibt. Durch unzählige
Diskussionen und einen sehr spannenden Unterricht verging der Vormittag
wie im Flug und um 12.30 Uhr stärkten wir uns in der
Imbisshütte.
Nach einem köstlichen, „kalorienarmen“ Mittagsessen trafen
wir uns wieder zum praktischem Teil des Ausrüstungsfittings. JUHU
endlich, jetzt geht es Los! Wir kommen zu dem Teil, auf den sich jeder
von uns besonders gefreut hat:
Die Schrauberei und Zanglerei (Übersetzung dt.: Das Schrauben und
Umbauen) kann beginnen. Nun präsentierte jeder seine
Ausrüstung Stück für Stück. Und was sich hier
unseren Augen bot, war ein richtiges Gustostückerl an
Ausrüstung. Überall die gleichen Namen auf den
Ausrüstungsteilen und natürlich nur das Beste vom Besten.
Jeder der Ausrüstungen war nahezu perfekt, zumindest glaubte das
jeder. Binnen weniger Minuten fanden wir uns aber dann mit diversen
Schrauben- und Gabelschlüsseln knienden über unseren
Geräten und auf Anweisungen von Mario alles wieder neu zu
konfigurieren und zusammen zu bauen. Aber auch auf alle Einwände
von uns hatte Mario ein gutes Argument, um es so zu machen wie er es
will und das sollte auch Gut so sein, wie es sich bei den folgenden
Tauchgängen noch herausstellen sollte...
Auch hier zeigte
sich wieder das bestens durchdachte DIR Konzept. Denn auch für so
simpel erscheinende Dinge, wie zum Beispiel das Befestigen des Finimeters
oder der Backuplampe gibt es spezielle Methoden, die aber wichtig sind,
um dieses Konzept so sicher als möglich zu machen.
Ebenso wurde zum Beispiel der Unterzieher und der
Trockentauchanzug genauer betrachtet und so mancher stellte fest,
dass der vorher noch so gut passende Anzug auf einmal doch ein wenig
klein ist, und somit fast unmöglich ist, alle Ventile zu erreichen. Also
etliche Meter Caveline und unzählig montierte Boltsnaps
später war es vollbracht und die gesamte Gruppe inklusive Mario
waren mit dem Ergebnis zufrieden. Wobei man aber ehrlich sagen muss,
dass dieses Fitting relativ leicht war, da alle Teilnehmer sich schon
vorher mit dem DIR Konzept auseinander gesetzt haben und dem
entsprechend ihre Ausrüstungen vorbereitet hatten. Natürlich
kann jeder bei diesem Kurs teilnehmen, egal mit welcher Ausrüstung.
Einzige Vorrausetzung ist eine LONG HOSE, dies ist ein ca. 2m langer
Mitteldruckschlauch zwischen 1. Stufe und 2. Stufe des Hauptautomat.
Nach dem Fitting ging es zurück zum Lehrsaal, wo wir uns das
Kapitel Flossentechnik zur Brust nahmen. Mario erklärte uns die
verschiedenen Einsatzgebiete und überraschte mit Ausdrücken
wie Frog Kick, modified Frog Kick, modified Flutter Kick, Backward Kick
und Heli Turn. Und ich dachte immer Flossenschwimmen ist einfach?!
Die ersten Übungen fanden im Trockenen statt und sahen schon
ziemlich lustig aus, aber es kam noch viel lustiger, nämlich als
wir zur Vorbereitung unseres ersten Tauchganges im Trockentauchanzug
zur Belustigung aller anderen Taucher, auf unserem Bauch in der Wiese
lagen und mehr oder weniger kontrollierte Bewegungen mit unseren Beinen machten. Es wurden noch einmal alle Fortbewegungsarten
geübt und auch der komplette Tauchgang noch einmal durchgesprochen,
bevor wir klar waren, um endlich in das Wasser zu gehen.
Der erste Tauchgang verlief eigentlich sehr gut. Einige hatten
noch leichte Ausrüstungsprobleme und die extrem horizontale
Schwimmlage war auch gewöhnungsbedürftig. Inhalt dieses
Tauchganges waren die verschieden Fortbewegungsarten und diverse Basic
Skills (Tarierübungen). Ein ausgezeichnetes Lehrmittel war die
Videokamera von Mario, mit der er jeden unserer Tauchgänge
aufzeichnete und uns später am Abend präsentierte. So konnte
jeder der Wahrheit in das Auge bzw. in die Linse sehen und unser Bild
vom widerstandslosen, perfekt horizontal durch das Wasser gleitendem
Taucher war zerstört! Dank sei der modernen Technik!
Unser Tauchgang war für 60 Minuten geplant, deshalb entstand
leichte Verwirrung, als Mario nach einer halben Stunde das Zeichen zum
Übungsabbruch gab. Waren wir wirklich so schlecht? Wollte er den Kurs
abbrechen und mit uns zum Schnorcheltraining?
Die Frage klärte sich rasch: Unser Gast aus Italien hatte einfach
das schöne Atterseewasser ein wenig unterschätzt und musste
so feststellen, dass es doch besser ist, bei einer Wasser Temperatur von
ca. 5° Celsius nicht mit 3mm Handschuhen zu tauchen!
Nach dem Versorgen der Ausrüstung ging es zurück in den
Lehrsaal und obwohl die Uhr schon nach 19.00 Uhr zeigte, machte Mario
keine Anzeichen, nun in den gemütlichen Teil überzugehen.
Nein, es ging weiter mit Saftey Drills, Valve Drills und dem Konzept
des DIR Systeme. Zum Schluss folgte noch die Videovorführung, bei
der noch einmal jeder von uns auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt
wurde.
Um 21.15 Uhr erlöste uns Mario und gab uns das OK zum Abendessen. Nach
einem anstrengendem aber sehr lehrreichen Tag gingen wir noch eine
Kleinigkeit Essen und fielen kurz darauf in unser wohlverdientes Bett.
Um 08.00 Uhr folgenden
Tages, noch etwas müde, aber voller Erwartung was dieser Tag bringen
würde, trafen wir uns wieder bei der Tauchschule. Sogleich
beginnen wir mit dem Zusammenstellen unserer Ausrüstung und wir
machten uns bereit für unseren nächsten Tauchgang. Vorher gab
es wieder eine Theorielektion zum Thema Saftey Drills in welcher wir
die Out of Air Situation auch praktisch übten. Bei diesen
Übungen wurde besonders auf das Buddy System geachtet und deshalb
war es notwendig, dass auch alle Übungen im Trockenen innerhalb
dieses Systems geübt wurde. Der anschließende Tauchgang war
im Prinzip eine Kombination aus verschiedenen Saftey drills und Basic
Drills die wie schon vorher immer im Buddy System geübt wurden und
während des Tauchganges von Mario gefilmt. Während dieser
Übungen trafen wir immer wieder auf ein Lieblingswort von Mario,
nämlich „Casino“, mit dem wir aber nicht viel Anfangen konnten. Im
Verlauf dieses Kurses wurde uns aber die Bedeutung klar. Mit
Casino bezeichnet er ein großes Chaos unter Wasser und dieses
Casino hörten wir eigentlich sehr, sehr oft!
Generell verliefen
die Übungen aber gut und wir wurden mit jedem Tauchgang sicherer.
Nach dem Tauchgang, der den neuen Handschuhen von Mario zu dank, mehr
als 60 Minuten dauerte, ging es mit Theorie weiter.
Nun wurde auch unser Geist extrem belastet, wir widmeten uns den
Dekompressionsberechnungen und den Tauchzeitberechnungen. Bis zu diesem
Zeitpunkt war Tauchen relativ leicht, man stieg in das Wasser, tauchte
ein wenig rum, schaute auf den Tauchcomputer und tauchte nach den
abgelesenen Werten aus. Doch nun auf einmal wollte Mario, dass wir die
Dekompressionszeiten im Kopf ausrechnen, unter Wasser und ohne
Taschenrechner. Jetzt war Denkvermögen gefragt. Nach und nach
kamen wir dem System auf die Schliche und wir stellten fest, es ist
eigentlich nicht so schwer, als es zuerst aussah. Also wurde gerechnet,
diskutiert und nach einigen Stunden harter Kopfarbeit bekam unser
Körper und unser Geist eine Pause und wir gingen über zum
Mittagessen.
Den Nachmittag beginnen wir mit einem Tauchgang, bei dem wieder
verschiedene Saftey drills geübt wurden, sowohl als auch die
Austauchprozeduren in verschieden Varianten. Der späte Nachmittag
verlief wie gewohnt, mit Theorie und anschließender
Videovorführung. Inhalt der Theorie waren wiederum ausgiebige
Dekompressionsberechnungen und Gasberechnungen. Um 21.00 Uhr
endet für uns ein weiterer eindrucksvoller Tag und unser knurrender Magen
trieb uns in die nahe gelegene Gaststätte.
Am nächsten Morgen trafen wir uns noch ein Stück müder als am Vortag wieder in der Tauchbasis und der obligatorische Morgenkaffee war
diesen Morgen noch ein Stück wichtiger. Heute sollten wir den
Umgang mit dem Liftbag üben und natürlich alle anderen
Standardsituationen. Erst folgte eine Trockenübung zum Umgang mit
Liftbag und Spool, bei der auch die Vor- und Nachteile von diversen
Liftbags diskutiert wurden.
Bei diesem Tauchgang hatten wir eine Kombination aus allen bis jetzt
gelernten Übungen und den Liftbagübungen durch zu
führen. Die Abschlussübung bestand aus einer Out of Air
Situation, mit der folgenden Austauchprozedur und dem Absetzen des
Liftbags. Dieser Tauchgang verlief nicht so wirklich zufriedenstellend
und noch unter Wasser während des Tauchgangs hörte ich einige
mal das Wort CASINO, aber irgendwie waren alle viel zu beschäftigt
um in diesem Moment darauf zu achten.
Nach dem Tauchgang erwarteten wir alle die mahnenden Worte unseres
Meisters und voller Demut trafen wir uns im Lehrsaal. Aber zu unserer
aller Überraschung war Mario eigentlich ganz zufrieden mit uns
sprach uns sogar Lob aus. Den Abschluss diese Tages und auch
gleichzeitig des Kurses stellte eine weiter Theorielektion dar,
gefolgt von administrativen Tätigkeiten.
Um ca. 19.00 Uhr war es dann soweit und das offizielle Ende des DIR
Fundamentals Kurs war erreicht. Mario gratulierte noch jedem Teilnehmer
und erklärte noch jedem Einzelnen seine Stärken und
Schwächen und natürlich klärte er noch alle offene
Fragen. Nach drei anstrengenden und eindrucksvollen Tagen
verabschiedeten wir uns voneinander und die Teilnehmer nahmen Ihre
teilweise lange Heimwege in Angriff.
Dieser DIR Fundamentals Kurs war eine sehr große Erfahrung
für ALLE Teilnehmer. Dieses Konzept zu tauchen bedeutet einen
extrem großen Sicherheitsgewinn für alle. Das DIR System ist
sicherlich nicht für jedermann die ideale Lösung, aber trotzdem
sollte jeder sich die Zeit nehmen, dieses System einmal näher zu
betrachten.
Bei diesem Kurs wird jeder Schüler deutlich dazu angeregt, den
Tauchgang zu realisieren und viel logischer zu betrachten. Der Weg ist
eindeutig weg vom rein-rüber-raus Tauchgang, hin zum seriösem
Tauchgang, bei dem auch das Gehirn eingeschaltet werden muss. Diese drei
Tage Kurs waren sehr eindrucksvoll und durch die Leitung von Mario
Arena sehr gut organisiert und ausgeführt. Noch einmal ein
herzliches Danke Schön an Ihn und alle Teilnehmer, durch deren
Zusammenarbeit dieser Kurs zum Erfolg wurde!
Zum Abschluss kann ich diesen Kurs jedem Taucher empfehlen, der sich
einen Einblick in das DIR Konzept verschaffen will, der sich eine
solide Grundlage für das technische Tauchen schaffen will, oder
für jeden, der seinen Tauchstil verbessern will.
Informationen für diesen Kurs bzw. weiter Information unter www.Dir-austria.com
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