Der steirische Smaragd

 Geschrieben von Harry

Der steirische Smaragd

von Harald Mathä

Mitten in den waldreichen Ausläufern des Hochschwabmassivs in der - 'Terra Styriae Incognita' liegt ein smaragdgrüner Juwel: Der Grüner See in der Gemeinde Tragöß. Ein Quelltopf, der ausschließlich von unterirdischen Quellen gespeist wird und der mit sensationellen Sichtweiten aufwarten kann.

Anreise

Hat man es auf der Autobahn bzw. Schnellstrasse nach Bruck an der Mur in der Obersteiermark geschafft, dann fährt man - überraschend gut beschildert - nördlich in Richtung Mariazell, biegt dann links ab und erreicht nach 22 km Richtung Nordwesten Tragöß.
Etwa einen Kilometer nach Tragöß-Oberort befindet sich dann der See am Ende des Tals, das an dieser Stelle durch den 1579m hohen Pribitz geschlossen wird.

Von Oberösterreich aus bietet sich auch die Anreise durch das wildromantische Ennstal und über den Präbichl an. Von Trofaiach aus führt eine alternative, aber recht abenteuerliche Abkürzung durch den Rötzgraben und weiter nach Tragöß.

Erstaunlich ist übrigens, welche Überraschungen manche Routenplaner beim Zielort Tragöß ausgeben!

Tauchgebühr

Beim Kiosk am Parkplatz vor dem See ist die Park- bzw. Park- und Tauchgebühr zu entrichten. Diese beträgt 7 € pro Person und Tag. Besucher mit einer Gästekarte (=Übernachtung) zahlen einen Euro weniger.
Ist der Kiosk nicht besetzt, dann erhält man die Tauchgenehmigung im Gasthaus "Seehof“.

Der See befindet sich in Privatbesitz- ein Tauchverbot drohte vor einigen Jahren. Nach zähen Verhandlungen konnte man den Besitzer aber zu einem Kompromiss bewegen. Gegen eine jährliche Zahlung bleibt der See für Taucher geöffnet - die eingehobene Tauchgebühr dient zur Finanzierung eben dieser.


Die Dive-Card oder eine TSVÖ Mitgliedschaft sind nicht erforderlich - und bringen auch keine Ermäßigung oder Befreiung von der Gebühr!

Der See

Der 776 Meter hoch liegende, etwa Kleeblattförmige (Berg-) See wird direkt durch Quellen gespeist. Dadurch erklärt sich auch die unglaubliche Transparenz von bis zu 30 Metern oder gar mehr!

Dieses Quellwasser stammt vom Schmelzwasser von Schnee und Eis aus dem Hochschwabmassiv und umliegenden Bergen.
Das Schmelzwasser sickert im porösen Karst durch feine Spalten oder Dolinen durch den Fels und tritt dann, im Tal, als teils recht ergiebige Quellen wieder an den Tag.


Den höchste Wasserstand von bis zu etwa 12 Metern erreicht der See meist im Mai/Juni. Bis zum Winter versickert das Wasser dann wieder bis auf einen Reststand von ein bis zwei Metern. In manchen Jahren soll der See sogar ganz verschwinden!
2003 stieg der Wasserspiegel im Grüner See nur um wenige Meter- 2004 dürften es 8 bis 10 Meter werden.

Wie weit der Wasserspiegel tatsächlich ansteigt, das hängt von vielen Faktoren, wie den Niederschlagsmengen im Winter und dem Ablauf der Schneeschmelze oben auf den Bergen ab. Genaue Prognosen traut sich darüber aber niemand abzugeben.


Gibt es vielleicht gar einen Zusammenhang zwischen dem Wasserstand im See und dem Wasserverbrauch in der Bundeshauptstadt Wien?

Excurs:

Die Wiener und ihr Wasser

Wien, Mitte des vorletzten Jahrhunderts:
Die Bevölkerung wuchs in dieser Zeit der Industrialisierung rasant und der Bedarf an sauberem, hygienisch einwandfreiem Trinkwasser stieg ebenso.
Um diesen Bedarf langfristig zu decken und um die Ausbreitung von Seuchen endgültig zu verhindern, entwickelte man eine Projekt von gewaltigem Weitblick:

1864 beschloss der Wiener Gemeindrat den Bau der I. Wiener Hochquellenwasserleitung. Sie wurde vom Geologen und Gemeinderat Eduard Suess geplant und nach dreijähriger Bauzeit eröffnet.
Aus dem Gebiet von Rax, Schneeberg, und Schneealpe wird auch heute noch in ihr das Wasser 90 km nach Wien befördert.
Sie sichert auch heute noch etwa 40 % des Wasserbedarfs von Wien und wurde 1988 um die Einbindung der Pfannbauernquelle wesentlich erweitert.
Genau hundert Jahre zuvor, anno 1888, waren schon bereits 90 % der Wiener Häuser mit einer Bassena am Gang im Stiegenhaus - und mit somit erstklassigem Wasser versorgt.


Damals dürfte der Grüner See noch weit höher angestiegen sein als heute, denn nach dem Bau der II. Wiener Hochquellenwasserleitung 1910, die notwendig wurde, als nach Eingemeindung der Vororte 1890/92 den Wienern das Wasser wieder knapp zu werden drohte, war es wieder an der Zeit, kostbares Nass in der Fremde abzuzapfen. Diesmal im steirischem Salzatal im Hochschwabmassiv, in dessen Südausläufern sich der Grüner See befindet.

Täglich werden von hier etwa 200.000 m³ (das sind 200 Millionen Liter!!!) Wasser fast 200 km weit nach Wien gefördert- und so förmlich aus dem Gebirgsstock des Hochschwab gesaugt. Dieses, entnommene Wasser, fließt die knapp 200 Kilometer nach Wien in etwa 36 Stunden.

Beiden Hochquellenleitungen liefern also pro Tag ca. 400.000 m³ frisches und bestes Trinkwasser aus den Alpen nach Wien und decken den Wasserverbrauch praktisch komplett ab. ( Wiener Hochquellenwasserleitungen )

Die Wiener können sich so über Wasser allerbester Qualität direkt aus der Wasserleitung erfreuen. Die Bewohner welcher Hauptstadt können noch solch ein Privileg ihr Eigen nennen?

Anmerkung des Autors, der an dieser Stelle auch klarstellen möchte, dass er KEIN Wiener und auch kein Hydrogeologe ist:
Ich behaupte in diesem Excurs in keinster Weise, dass die Wiener daran schuld sind, wenn der Grüner See in manchen Jahren nicht zum Tauchen geeignet ist!
Ferner betone ich, hier nicht versuchen zu suggerieren, die Wiener säufen dem Grüner See das Wasser weg!


Excurs Ende

Durch die Speisung des Sees mit dem kristallklaren und eiskalten Quellwässern aus dem Karst des Hochschwabmassivs, das, wie wir jetzt wissen, auch in Form des beliebten ‚G´sprizten - Übers. d. Red.: Weißweinschorle vom Gumpoldskirchner ;-) durch die durstigen Kehlen der Wiener rinnt, bleiben die Temperaturen daher auch ziemlich frisch- ein Trocki oder zumindest Halbtrocki sollte getragen werden, um sich dem ganzen Genuss eines Tauchganges ohne unnötigem Frieren hingeben zu können.


Eine Attraktion im See sind neben den sensationellen Sichtweiten die vielen Forellen - der See ist aber nicht ihr natürlicher Lebensraum - jedes Jahr werden etwa 100 kg als Attraktion für die Angler eingesetzt.

Über Wasser erscheint der See in unterschiedlichsten grün- und Türkistönen; unter Wasser dominiert hingegen ein Spektrum von Blau.
Wegen der starken Quellaktivitäten und Zirkulation friert der Grüner See auch im Winter nie richtig zu.


Tauchen im Grüner See

Vom Haupteinstieg beim Gasthaus "Seehof" aus kann man in jede Richtung abtauchen.

Hält man sich links, so folgt man je nach Wasserstand dem überfluteten Wanderweg und kommt dabei bei sehr hohem Wasserstand (ab 10 Meter?) an dem berühmten, dann (und nur dann) überfluteten Brücklein vorbei.

Taucht man rechts, so kommt man an einigen, recht kurzweiligen Felsformationen vorbei zu zwei alten, hölzernen Wasserleitungsrohren.

Etwas weiter taucht man über eine Untiefe weiter in einen Nebenarm (nennt man das auch bei Seen so?), der etwas seichter ist. Hier kann man die mehr oder weniger hoch überfluteten, fotogenen Bäume betrachten. (Tauchen in Wald und Wiese)
In diesem Bereich ist die Sicht auch manchmal etwas geringer (vermehrtes Algenwachstum).

Die tieferen Bereiche des Sees sind von einer sehr feinen Sedimentschicht bedeckt, die extrem leicht aufgewirbelt wird und dann die Sicht eintrübt. Auf exakte Tarierung ist hier zu achten (dies gilt auch für Fotografen und Filmer!!!)


Tauchausbildung und Übungstauchgänge sind nicht gestattet, ebenso wenig Nachttauchen.

Eine Füllstation befindet sich beim Tourismusbüro!
Füllpreise:
10 l: 6 €
12 l: 7,20 €
15 l: 9 €

Offizielle Tauchzeiten: 9 bis 12 sowie 14 bis 16 Uhr

Flora und Fauna

Durch das kalte, extrem nährstoffarme Wasser und die stark schwankende Wasserstände existieren im See keine höheren Pflanzen. Die Flora beschränkt sich auf Algenartige und Überschwemmte.
An natürlicher Fauna ist der See ebenfalls arm. Die zutraulichen Forellen werden jedes Jahr eingesetzt. Die von mir noch beobachteten Kaulquappen wurden von ihnen wahrscheinlich drastisch reduziert.


Apres Dive

Dafür eignet sich natürlich das direkt am See gelegene Gasthaus 'Seehof' (Homepage down?!!) ideal!

Sonstiges/ für Nichttaucher

Neben ausgedehnten Spaziergängen und Wanderungen in der herrlichen, waldreichen Berg- und Gebirgslandschaft ist diese Gegend für Sommerfrische und Relaxen pur ideal geeignet. Baden kann man im warmen, nahe gelegene Freizeitsee Zenz. Mehr Infos dazu und Übernachtungsmöglichkeiten etc. auf der HP der Gemeinde Tragöß.

Literaturempfehlung

Tauchreiseführer Österreich


Nützliche Links

Gemeinde Tragöß (aktueller Wasserstand!)
Aktuelle Sichtweiten
Tauchfotos vom Grüner See

© 2004 by Harald Mathä
© Bilder 3,6,8,10 by Helmut Ebner (mit freundlicher Genehmigung)
© Bilder 4,9 by Peter Gössner (mit freundlicher Genehmigung)



Infos

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