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Delfine – Tauchers Lieblinge
Teil 3: Mythos & Wirklichkeit
von Michi Böhm
Der Mythos "Delfin"
Der Delfin hat auf den Menschen schon seit Urzeiten eine besondere
Wirkung ausgeübt. Ob in Felszeichnungen prähistorischer
Stätten, auf Münzen in der Antike oder als Logo in
Taucherkreisen der heutigen Zeit – der Delfin war in der menschlichen
Geschichte stets vertreten.
Ihm werden unter anderem hohe Intelligenz, Schnelligkeit, Geschick und
Eleganz zugeschrieben. Geschichten und Sagen ranken sich um ihn, so z.B. die Rettung Schiffbrüchiger oder die Abwehr von angreifenden
Haien.
Viele Kulturen des Mittelmeerraumes verehrten den Delfin in Kunst und
Literatur. Ein sehr bekanntes Beispiel stammt aus minoischer Zeit und
ist über 3000 Jahre alt. Im Palast von Knossos bei Heraklion/Kreta
ist ein Fresko zu bewundern, das Delfine zeigt.

Das weltbekannte Fresko im Palast von Knossos auf Kreta
Ebenso berühmt: Das Fußbodenmosaik im sog. "Haus der
Delfine" auf der griechischen Kykladeninsel Delos. Dem
wunderschönen Bodenmosaik im Säulenhof verdankt das Haus
seinen Namen. Auf dem Mosaik befindet sich in der Mitte eine
Pflanzenblüte, in den Ecken sind Delfine abgebildet, auf denen
verschiedene Figuren reiten.
Die berühmte Exekias-Schale zeigt Dionysos, wie er die
Seeräuber - so
die Sage -, in deren Hände er fast gefallen wäre, in Delfine
verwandelt.

Die Exekias-Schale
(Exekias war attischer Maler und Töpfer; 540/535 v. Chr.)
In der Astronomie/Astrologie wurde ein Sternbild nach dem Delfin
benannt. Dieses ist in unseren Breitengraden am Nachthimmel wohl zu
sehen, aber eben nicht so bekannt wie die Tierkreiszeichen, welche die
12 Monate des Jahres begleiten. Der griechischen Mythologie nach soll
dieses Sternzeichen vom Gott Poseidon an den Himmel gesetzt worden sein
als Dank dafür, dass Aphrodite von Delfinen an Land gebracht wurde.
In der Literatur fand der Delfin und seine Verwandten ebenso
Berühmtheit. Ein weltbekanntes Literaturwerk ist "Moby Dick" von
Herman Melville.
Er wurde am
01.08.1819 in New York geboren und stammte aus einer zunächst
wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Durch den Bankrott und Tod seines Vaters
verarmte Melvilles Familie. Seit 1839 war er Matrose, unter anderem auf
Walfangschiffen. Seine Fahrten führten ihn bis in die Südsee,
bis er im Jahre 1844 auf einem Kriegsschiff in die USA
zurückkehrte. Er verdiente seinen Unterhalt nun als freier
Schriftsteller. Auf seinen Reisen besuchte er u. a. England, den
Mittelmeerraum und Palästina. Ab 1863 lebte er in New York, wo er
am 28.09.1891 verstarb.
Wer kennt ihn nicht,
den TV-Star "Flipper"? Mit 88 Folgen startete 1968 die TV-Serie und
brachte den Delfin weltweit in Wohnzimmer und Kinderherzen. Dass
Flipper in Wirklichkeit "Susie" hieß und ein Delfin in
Gefangenschaft war, spielte dabei keine besondere Rolle. In einem
Remake des Films aus dem Jahre 1996 waren sogar Filmstars wie Paul
Hogan (Crocodile Dundee) und Elijah Wood (Herr der Ringe) auf der
Kinoleinwand zu sehen.
Eine Vielzahl von Geschichten, Mythen und Legenden ranken sich um die
Kulturen der Aboriginals in Australien (die Geschichte des Delfinvolkes
und eine mystische Stele), die Völker in China, Mikronesien und
Japan und runden die kulturelle Bedeutung des Delfins ab.
Beim Begriff "Japan" wären wir somit bereits im letzten, traurigen
Teil dieser Trilogie:
Gezielte Ausrottung, Beifang und
sinnlose Nutzung
Japan ist durch zahlreiche TV-Dokumentationen zu trauriger
Berühmtheit gelangt: Es ist eines der Länder, die gezielt
Jagd auf Delfine machen. Die fadenscheinigen, von kurzsichtigem und
profitorientierten Geistespotenzial getragenen Begründungen sind
die Verwendung von Delfinfleisch als Nahrung, Nutzung bestimmter Stoffe
für die Produktion von Aphrodisiaka, Tötung zur Steigerung
der Fangquoten, Delfinfleisch als Köder für Haie (die dann
wiederum gefangen und ausgerottet werden – aus den gleichen sinnlosen
Gründen) usw.

Transport in die Fischfabrik
Viele Delfine erleben das langsame Verbluten bei vollem Bewusstsein !

Blutrote Bucht
Taucher ziehen schwer verletzte Delfine an Bord von Motorbooten

Delfinjagd in Japan
Solche Bilder sind nach einem Erlass japanischer Behörden ab
sofort illegal!
Hauptursache : Das Schleppnetz
Eine Hauptgefahr
stellt jedoch die weltweite Fischerei dar, insbesondere durch
Schleppnetze. Sie sind der Tod jeglicher Meeresfauna. Fast ein Viertel
aller gefangenen Meerestiere wird tot oder sterbend wieder ins Wasser
geworfen, weil die Tiere ungewollt ins Netz gegangen sind. Massenhafte,
ungewollte Beifänge und die Verwüstung von Lebensräumen
durch Schleppnetze und ähnliches Gerät bedrohten den
Fortbestand der Fischerei. Allein die US-Fischer weisen eine Beifang-Bilanz von rund einer Million Tonnen für das Jahr 2000 aus. In diesem Beifang befinden sich massenweise vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten,Delfine, Haie und Seevögel. "Angesichts des dokumentierten Rückgangs der weltweiten Fischfänge ist diese Art der Verschwendung inakzeptabel!", sagte Larry Crowder von der Duke University in Durham (North Carolina) auf der Jahrestagung der
Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft. Viele der verwendeten Fanggeräte könnten den gewünschten Fang nicht von anderen Meerestieren trennen, die zu klein, nicht zu verkaufen oder zu wenig profitabel sind, um sie an Land zu bringen.
Die größte Zerstörung richten nach übereinstimmendem Urteil von Fischern, Umweltschützern und Wissenschaftler die Grundschleppnetze an. Die Netze haben ein Geschirr, das über den Seeboden gezogen wird, dabei den Meeresgrund
aufwühlt und Korallenriffe zerschlägt. Diese Lebensräume
seien jedoch von elementarer Bedeutung für das Nachwachsen neuer
Fischgenerationen.
"Seien sie erst zerstört, wackele die gesamte Nahrungspyramide.
Der Schaden auf unserem Ozeanboden ist möglicherweise
großflächiger und schlimmer als das Abholzen des tropischen
Regenwaldes!", sagte Elliott Norse vom Marine Conservation Biology Institute (MBI) in Redmond (Washington).
Europa – auch nicht "ohne"
Auch durch die europäische Fischerei kommt jährlich eine in die Tausende gehende Zahl von Walen und Delfinen sinnlos und qualvoll als Beifang ums Leben. Die
Gesellschaft zur Rettung der Delfine e.V. (GRD) appellierte daher an
die EU-Kommissare Franz Fischler (Landwirtschaft, Fischerei) und Margot
Wallström (Umwelt), schnellstmöglich Schritte zur
Reduzierung des Beifangs einzuleiten.
Zwar haben sich die Mitgliedstaaten der EU gemäß Richtlinie
92/43/EWG, schon seit längerem dazu verpflichtet, Beifang und
direkte Tötung von Walen und Delfinen fortlaufend zu
überwachen und Maßnahmen zu ergreifen, um nicht gezielt
befischte Arten zu schonen und erhalten. Leider hat sich in der Praxis
seitdem wenig geändert, wie wissenschaftliche Untersuchungen
zeigen. So kommen
beispielsweise jedes Jahr mehr als 2000 Schweinswale allein in der
Keltischen See als Beifang ums Leben. In einem sechswöchigen
Zeitraum Anfang diesen Jahres starben über 2000 Delfine in den
Netzen schottischer und französischer Gespanntrawler. In der
Nordsee kommen jährlich etwa 6800 Schweinswale in der
dänischen und 1000 in der britischen Kiemennetz-Fischerei ums
Leben. Untersuchungen von Massenstrandungen von Hunderten von Delfinen
u.a. in Frankreich und Großbritannien ergaben, dass diese Tiere
als Beifang verendet sind. So konnte die GRD bei einem derartigen
Vorfall im Jahr 1997 durch eigene Recherchen vor Ort in Frankreich
nachweisen, dass Hunderte Delfine durch Fischernetze verendet waren.
Diese traurigen Fakten verdeutlichen die Dringlichkeit der
Einführung entsprechender Schutzvorkehrungen, zumal die
Europäische Kommission sich selbst bereits zur Durchführung
von "Aktionsplänen zur Einbeziehung des Schutzes der biologischen
Vielfalt in die Landwirtschafts-, Fischerei-, Umwelt- und
Entwicklungspolitik der EU" entschlossen hat.
Die GRD-Forderungen beinhalten den Einsatz von unabhängigen
Beobachtern an Bord der Fischerboote zur Überwachung der
Beifangmengen, den obligatorischen Einsatz von nachweislich den Beifang
reduzierendem Fanggerät, wie beispielsweise Pinger oder akustisch
reflektierende Netze, ganzjährige oder zeitweise Schließung
bestimmter Fischfanggebiete und ein Verbot von Gespanntrawlern. Das
Ziel ist eine Reduzierung des Beifangs von Walen und Delfinen auf Null.
Entsprechende Kontrollen und Strafen sind dabei unerlässlich, wie es
leider die Erfahrung insbesondere mit Italien gezeigt hat, wo trotz
Verbots immer noch Treibnetze von über 2,5 km Länge
eingesetzt werden.
Die oben angesprochenen Maßnahmen wurden beispielsweise in
bestimmten Gebieten der USA bereits mit Erfolg erprobt. Im Rahmen der
sogenannten "Take Reduction Plans (TRP)" werden von Wissenschaftlern,
Umwelt- und Naturschützern, Fischereimanagern und Fischern
gemeinsam Strategien zur Beifangreduzierung von Cetaceen entwickelt.
Entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen ermöglichen eine
regelmäßige Kontrolle der Vorschriften und sehen hohe
Strafen bei Zuwiderhandlung vor. Mit Hilfe der TRP konnte so
beispielsweise im Gulf of Maine die Anzahl der jährlich als
Beifang verendenden Schweinswale von 2100 auf 270 reduziert werden.
Allen voran: Norwegen
Als grenzenlose Respektlosigkeit gegenüber den
Grundprinzipien internationaler Artenschutzabkommen und als Verstoß gegen Anstand und Moral bewertet die GRD Norwegens
eigenmächtige Erklärung, den Export von Walfleisch zu
erlauben. Damit verstößt Oslo ganz bewusst gegen das
Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), das den internationalen Handel mit Walfleisch verbietet. Norwegen verstößt aber auch gegen die Empfehlungen der Internationalen Walfangkommission (IWC),
welche die kommerzielle Jagd auf Großwale seit über
fünfzehn Jahren verbieten. Norwegen setzte sich mit groß
verkündeten Beschlüssen kurzerhand über internationale
Abmachungen wider besseren Wissens hinweg. Was zählt, sind die
Einnahmen. In Japan wartet ein reicher Absatzmarkt auf das Walfleisch,
das als Delikatesse hohe Preise erzielt. Vor allem der Walspeck, den in
Norwegen niemand essen will, soll nach Japan verfrachtet werden. Das
gefrorene Fett der in den letzten acht Jahren getöteten Wale
lagert tonnenweise in Kühlhäusern auf den Lofoten, sie sind
randvoll. Nun muss verkauft werden -um jeden Preis! Der Export von 130
Tonnen Walfleisch und -speck bringt einen Gewinn von rund 1 Million Euro. Ein
norwegischer Walfänger formulierte es so: "Der Blubber-Berg kann
nun in bare Münze verwandelt werden".
Zweifelhafte Delfin-Haltung
Delfine werden
gerne als Zuschauermagnet in Aquarien gehalten. Allerdings kann bei den
schnellen Schwimmern kein noch so großes Becken soviel Platz
bieten wie das offene Meer. Durch ihr "Lächeln" wird ihr Leiden in
den Delfinarien vom Zuschauer aber nur selten wahrgenommen. Wegen ihrer
hohen Intelligenz und Lernfähigkeit werden Delfine auch vom
Militär in den USA und in Russland abgerichtet. Sie sollen
feindliche Schiffe mit Minen versenken, Häfen überwachen oder
gegnerische Kampftaucher töten.
Auch zur Therapie schwerkranker Menschen werden Delfine eingesetzt, die
sich aufgrund ihrer Verspieltheit dafür angeblich besonders
eignen. Meist halten sich die Patienten an der Rückenflosse des
Delfins fest und werden von ihm durch das Wasser gezogen. Bei vielen
Patienten lösen sich dadurch Blockaden.
Dennoch können
und wollen wir uns der Problematik der Haltung von Delfinen in
Menschenhand nicht verschließen. Weltweit wurden hierfür
bereits weit über 4.000 Große Tümmler sowie Hunderte
anderer Zahnwale (z.B. Orcas und Belugas) gefangen, die meisten von
ihnen sind nicht mehr am Leben. In vielen Fällen dienen gefangene
Delfine gerissenen Geschäftsleuten als lukrative Einnahmequelle.
Auf die Bedürfnisse der Tiere wird dabei keinerlei Rücksicht
genommen.
Artgerecht können wilde Delfine nur in ihren natürlichen
Lebensräumen leben. Viele der Tiere werden mit brutalen
Methoden gefangen, wobei z. T. bis zu 50% von ihnen durch Stress
sterben. Weitere Opfer fordert der Transport der Tiere, der sehr
qualvoll sein kann. Die wenigen Delfine, die diese Torturen
überleben, erwartet oft ein Leben, welches in keiner Hinsicht mehr
ihrem natürlichen gleicht: enge Becken, chemisch aufbereitetes
Wasser, Stress und Lärm. Dazu kommen oft mit Nahrungsentzug
verbundene Trainingsmethoden.
Deshalb setzt sich die GRD massiv für die Schließung von
Delfinarien weltweit ein. Hierbei muss sich die GRD auf besonders
katastrophale Anlagen konzentrieren. Generell wird die Abschaffung
aller kommerziellen Delfinarien und ein weltweites Verbot für den
Fang wild lebender Zahnwale gefordert. Lediglich zu Zwecken der
Auswilderung, Rehabilitation und für einen “besseren Lebensabend”
nicht auswilderungsfähiger Tiere ist die Haltung von Delfinen in
semi-natürlichen Lebensräumen (Salzwasserlagunen, abgesperrte
Meeresbuchten, u.ä.) aus wissenschaftlicher und ethischer Sicht
statthaft.
Quellen:
- Ulrike Kirsch, GRD
- sda
- Denise Wenger
Anm. der Redaktion:
Wir danken der Gesellschaft zur
Rettung der Delphine e.V. (GRD) für ihre fachliche Beratung bei
der Entstehung dieser Serie.
Die
Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) wurde 1991 vom
dreifachen Weltumsegler und Dokumentarfilmer Rollo Gebhard
gegründet. Hauptziel der gemeinnützigen Organisation ist es,
wild lebende Delfine und Wale zu schützen und ihre
Lebensräume zu erhalten. In Deutschland führt die GRD das
internationale Tunfisch-Kontrollprogramm für „delfinsicher
gefangenen“ Tunfisch durch und gibt hierzu eine Verbraucher-Liste der
bestätigten Tunfischmarken heraus. In Zusammenarbeit mit Partnern
in Kroatien, Peru, Mosambik und La Gomera (Kanarische Inseln) deckt die
GRD die illegale Jagd auf Delfine auf, rettet verletzte und gestrandete
Tiere, führt regelmäßige Beobachtungen durch, um
Bedrohungen rechtzeitig erkennen und abwehren zu können, und setzt
sich für die Ausweisung von Schutzgebieten ein.
Weitere Infos:
Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Kornweger Str. 37
81375 München
Tel.: 089/74 16 04 10
Fax: 089/74 16 04 11
www.delphinschutz.org
info@delphinschutz.org
© 2004 by Michi Böhm,
Bilder mit freundlicher Genehmigung der GRD
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05.09.2008 12:58 Taucher Online : 189 Heute 7289, ges. 28615144 Besucher
 
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