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Onlinemagazin - 45. Ausgabe - Delfine - Tauchers Lieblinge




 Geschrieben von Michi

Delfine – Tauchers Lieblinge

Teil 3: Mythos & Wirklichkeit

von Michi Böhm

Der Mythos "Delfin"

Der Delfin hat auf den Menschen schon seit Urzeiten eine besondere Wirkung ausgeübt. Ob in Felszeichnungen prähistorischer Stätten, auf Münzen in der Antike oder als Logo in Taucherkreisen der heutigen Zeit – der Delfin war in der menschlichen Geschichte stets vertreten.

Ihm werden unter anderem hohe Intelligenz, Schnelligkeit, Geschick und Eleganz zugeschrieben. Geschichten und Sagen ranken sich um ihn, so z.B. die Rettung Schiffbrüchiger oder die Abwehr von angreifenden Haien.

Viele Kulturen des Mittelmeerraumes verehrten den Delfin in Kunst und Literatur. Ein sehr bekanntes Beispiel stammt aus minoischer Zeit und ist über 3000 Jahre alt. Im Palast von Knossos bei Heraklion/Kreta ist ein Fresko zu bewundern, das Delfine zeigt.


Das weltbekannte Fresko im Palast von Knossos auf Kreta

Ebenso berühmt: Das Fußbodenmosaik im sog. "Haus der Delfine" auf der griechischen Kykladeninsel Delos. Dem wunderschönen Bodenmosaik im Säulenhof verdankt das Haus seinen Namen. Auf dem Mosaik befindet sich in der Mitte eine Pflanzenblüte, in den Ecken sind Delfine abgebildet, auf denen verschiedene Figuren reiten.

Die berühmte Exekias-Schale zeigt Dionysos, wie er die Seeräuber - so die Sage -, in deren Hände er fast gefallen wäre, in Delfine verwandelt.


Die Exekias-Schale
(Exekias war attischer Maler und Töpfer; 540/535 v. Chr.)

In der Astronomie/Astrologie wurde ein Sternbild nach dem Delfin benannt. Dieses ist in unseren Breitengraden am Nachthimmel wohl zu sehen, aber eben nicht so bekannt wie die Tierkreiszeichen, welche die 12 Monate des Jahres begleiten. Der griechischen Mythologie nach soll dieses Sternzeichen vom Gott Poseidon an den Himmel gesetzt worden sein als Dank dafür, dass Aphrodite von Delfinen an Land gebracht wurde.

In der Literatur fand der Delfin und seine Verwandten ebenso Berühmtheit. Ein weltbekanntes Literaturwerk ist "Moby Dick" von Herman Melville.



Er wurde am 01.08.1819 in New York geboren und stammte aus einer zunächst wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Durch den Bankrott und Tod seines Vaters verarmte Melvilles Familie. Seit 1839 war er Matrose, unter anderem auf Walfangschiffen. Seine Fahrten führten ihn bis in die Südsee, bis er im Jahre 1844 auf einem Kriegsschiff in die USA zurückkehrte. Er verdiente seinen Unterhalt nun als freier Schriftsteller. Auf seinen Reisen besuchte er u. a. England, den Mittelmeerraum und Palästina. Ab 1863 lebte er in New York, wo er am 28.09.1891 verstarb.

Wer kennt ihn nicht, den TV-Star "Flipper"? Mit 88 Folgen startete 1968 die TV-Serie und brachte den Delfin weltweit in Wohnzimmer und Kinderherzen. Dass Flipper in Wirklichkeit "Susie" hieß und ein Delfin in Gefangenschaft war, spielte dabei keine besondere Rolle. In einem Remake des Films aus dem Jahre 1996 waren sogar Filmstars wie Paul Hogan (Crocodile Dundee) und Elijah Wood (Herr der Ringe) auf der Kinoleinwand zu sehen.

Eine Vielzahl von Geschichten, Mythen und Legenden ranken sich um die Kulturen der Aboriginals in Australien (die Geschichte des Delfinvolkes und eine mystische Stele), die Völker in China, Mikronesien und Japan und runden die kulturelle Bedeutung des Delfins ab.

Beim Begriff "Japan" wären wir somit bereits im letzten, traurigen Teil dieser Trilogie:

Gezielte Ausrottung, Beifang und sinnlose Nutzung

Japan ist durch zahlreiche TV-Dokumentationen zu trauriger Berühmtheit gelangt: Es ist eines der Länder, die gezielt Jagd auf Delfine machen. Die fadenscheinigen, von kurzsichtigem und profitorientierten Geistespotenzial getragenen Begründungen sind die Verwendung von Delfinfleisch als Nahrung, Nutzung bestimmter Stoffe für die Produktion von Aphrodisiaka, Tötung zur Steigerung der Fangquoten, Delfinfleisch als Köder für Haie (die dann wiederum gefangen und ausgerottet werden – aus den gleichen sinnlosen Gründen) usw.


Transport in die Fischfabrik
Viele Delfine erleben das langsame Verbluten bei vollem Bewusstsein !



Blutrote Bucht
Taucher ziehen schwer verletzte Delfine an Bord von Motorbooten



Delfinjagd in Japan

Solche Bilder sind nach einem Erlass japanischer Behörden ab sofort illegal!

Hauptursache : Das Schleppnetz

Eine Hauptgefahr stellt jedoch die weltweite Fischerei dar, insbesondere durch Schleppnetze. Sie sind der Tod jeglicher Meeresfauna. Fast ein Viertel aller gefangenen Meerestiere wird tot oder sterbend wieder ins Wasser geworfen, weil die Tiere ungewollt ins Netz gegangen sind. Massenhafte, ungewollte Beifänge und die Verwüstung von Lebensräumen durch Schleppnetze und ähnliches Gerät bedrohten den Fortbestand der Fischerei. Allein die US-Fischer weisen eine Beifang-Bilanz von rund einer Million Tonnen für das Jahr 2000 aus. In diesem Beifang befinden sich massenweise vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten,Delfine, Haie und Seevögel. "Angesichts des dokumentierten Rückgangs der weltweiten Fischfänge ist diese Art der Verschwendung inakzeptabel!", sagte Larry Crowder von der Duke University in Durham (North Carolina) auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft. Viele der verwendeten Fanggeräte könnten den gewünschten Fang nicht von anderen Meerestieren trennen, die zu klein, nicht zu verkaufen oder zu wenig profitabel sind, um sie an Land zu bringen.

Die größte Zerstörung richten nach übereinstimmendem Urteil von Fischern, Umweltschützern und Wissenschaftler die Grundschleppnetze an. Die Netze haben ein Geschirr, das über den Seeboden gezogen wird, dabei den Meeresgrund aufwühlt und Korallenriffe zerschlägt. Diese Lebensräume seien jedoch von elementarer Bedeutung für das Nachwachsen neuer Fischgenerationen.

"Seien sie erst zerstört, wackele die gesamte Nahrungspyramide. Der Schaden auf unserem Ozeanboden ist möglicherweise großflächiger und schlimmer als das Abholzen des tropischen Regenwaldes!", sagte Elliott Norse vom Marine Conservation Biology Institute (MBI) in Redmond (Washington).

Europa – auch nicht "ohne"

Auch durch die europäische Fischerei kommt jährlich eine in die Tausende gehende Zahl von Walen und Delfinen sinnlos und qualvoll als Beifang ums Leben. Die Gesellschaft zur Rettung der Delfine e.V. (GRD) appellierte daher an die EU-Kommissare Franz Fischler (Landwirtschaft, Fischerei) und Margot Wallström (Umwelt), schnellstmöglich Schritte zur Reduzierung des Beifangs einzuleiten.

Zwar haben sich die Mitgliedstaaten der EU gemäß Richtlinie 92/43/EWG, schon seit längerem dazu verpflichtet, Beifang und direkte Tötung von Walen und Delfinen fortlaufend zu überwachen und Maßnahmen zu ergreifen, um nicht gezielt befischte Arten zu schonen und erhalten. Leider hat sich in der Praxis seitdem wenig geändert, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. So kommen beispielsweise jedes Jahr mehr als 2000 Schweinswale allein in der Keltischen See als Beifang ums Leben. In einem sechswöchigen Zeitraum Anfang diesen Jahres starben über 2000 Delfine in den Netzen schottischer und französischer Gespanntrawler. In der Nordsee kommen jährlich etwa 6800 Schweinswale in der dänischen und 1000 in der britischen Kiemennetz-Fischerei ums Leben. Untersuchungen von Massenstrandungen von Hunderten von Delfinen u.a. in Frankreich und Großbritannien ergaben, dass diese Tiere als Beifang verendet sind. So konnte die GRD bei einem derartigen Vorfall im Jahr 1997 durch eigene Recherchen vor Ort in Frankreich nachweisen, dass Hunderte Delfine durch Fischernetze verendet waren.

Diese traurigen Fakten verdeutlichen die Dringlichkeit der Einführung entsprechender Schutzvorkehrungen, zumal die Europäische Kommission sich selbst bereits zur Durchführung von "Aktionsplänen zur Einbeziehung des Schutzes der biologischen Vielfalt in die Landwirtschafts-, Fischerei-, Umwelt- und Entwicklungspolitik der EU" entschlossen hat.

Die GRD-Forderungen beinhalten den Einsatz von unabhängigen Beobachtern an Bord der Fischerboote zur Überwachung der Beifangmengen, den obligatorischen Einsatz von nachweislich den Beifang reduzierendem Fanggerät, wie beispielsweise Pinger oder akustisch reflektierende Netze, ganzjährige oder zeitweise Schließung bestimmter Fischfanggebiete und ein Verbot von Gespanntrawlern. Das Ziel ist eine Reduzierung des Beifangs von Walen und Delfinen auf Null. Entsprechende Kontrollen und Strafen sind dabei unerlässlich, wie es leider die Erfahrung insbesondere mit Italien gezeigt hat, wo trotz Verbots immer noch Treibnetze von über 2,5 km Länge eingesetzt werden.

Die oben angesprochenen Maßnahmen wurden beispielsweise in bestimmten Gebieten der USA bereits mit Erfolg erprobt. Im Rahmen der sogenannten "Take Reduction Plans (TRP)" werden von Wissenschaftlern, Umwelt- und Naturschützern, Fischereimanagern und Fischern gemeinsam Strategien zur Beifangreduzierung von Cetaceen entwickelt. Entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen ermöglichen eine regelmäßige Kontrolle der Vorschriften und sehen hohe Strafen bei Zuwiderhandlung vor. Mit Hilfe der TRP konnte so beispielsweise im Gulf of Maine die Anzahl der jährlich als Beifang verendenden Schweinswale von 2100 auf 270 reduziert werden.

Allen voran: Norwegen

Als grenzenlose Respektlosigkeit gegenüber den Grundprinzipien internationaler Artenschutzabkommen und als Verstoß gegen Anstand und Moral bewertet die GRD Norwegens eigenmächtige Erklärung, den Export von Walfleisch zu erlauben. Damit verstößt Oslo ganz bewusst gegen das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES), das den internationalen Handel mit Walfleisch verbietet. Norwegen verstößt aber auch gegen die Empfehlungen der Internationalen Walfangkommission (IWC), welche die kommerzielle Jagd auf Großwale seit über fünfzehn Jahren verbieten. Norwegen setzte sich mit groß verkündeten Beschlüssen kurzerhand über internationale Abmachungen wider besseren Wissens hinweg. Was zählt, sind die Einnahmen. In Japan wartet ein reicher Absatzmarkt auf das Walfleisch, das als Delikatesse hohe Preise erzielt. Vor allem der Walspeck, den in Norwegen niemand essen will, soll nach Japan verfrachtet werden. Das gefrorene Fett der in den letzten acht Jahren getöteten Wale lagert tonnenweise in Kühlhäusern auf den Lofoten, sie sind randvoll. Nun muss verkauft werden -um jeden Preis! Der Export von 130 Tonnen Walfleisch und -speck bringt einen Gewinn von rund 1 Million Euro. Ein norwegischer Walfänger formulierte es so: "Der Blubber-Berg kann nun in bare Münze verwandelt werden".

Zweifelhafte Delfin-Haltung

Delfine werden gerne als Zuschauermagnet in Aquarien gehalten. Allerdings kann bei den schnellen Schwimmern kein noch so großes Becken soviel Platz bieten wie das offene Meer. Durch ihr "Lächeln" wird ihr Leiden in den Delfinarien vom Zuschauer aber nur selten wahrgenommen. Wegen ihrer hohen Intelligenz und Lernfähigkeit werden Delfine auch vom Militär in den USA und in Russland abgerichtet. Sie sollen feindliche Schiffe mit Minen versenken, Häfen überwachen oder gegnerische Kampftaucher töten.
Auch zur Therapie schwerkranker Menschen werden Delfine eingesetzt, die sich aufgrund ihrer Verspieltheit dafür angeblich besonders eignen. Meist halten sich die Patienten an der Rückenflosse des Delfins fest und werden von ihm durch das Wasser gezogen. Bei vielen Patienten lösen sich dadurch Blockaden.

Dennoch können und wollen wir uns der Problematik der Haltung von Delfinen in Menschenhand nicht verschließen. Weltweit wurden hierfür bereits weit über 4.000 Große Tümmler sowie Hunderte anderer Zahnwale (z.B. Orcas und Belugas) gefangen, die meisten von ihnen sind nicht mehr am Leben. In vielen Fällen dienen gefangene Delfine gerissenen Geschäftsleuten als lukrative Einnahmequelle. Auf die Bedürfnisse der Tiere wird dabei keinerlei Rücksicht genommen.
Artgerecht können wilde Delfine nur in ihren natürlichen Lebensräumen leben. Viele der Tiere werden mit brutalen Methoden gefangen, wobei z. T. bis zu 50% von ihnen durch Stress sterben. Weitere Opfer fordert der Transport der Tiere, der sehr qualvoll sein kann. Die wenigen Delfine, die diese Torturen überleben, erwartet oft ein Leben, welches in keiner Hinsicht mehr ihrem natürlichen gleicht: enge Becken, chemisch aufbereitetes Wasser, Stress und Lärm. Dazu kommen oft mit Nahrungsentzug verbundene Trainingsmethoden.

Deshalb setzt sich die GRD massiv für die Schließung von Delfinarien weltweit ein. Hierbei muss sich die GRD auf besonders katastrophale Anlagen konzentrieren. Generell wird die Abschaffung aller kommerziellen Delfinarien und ein weltweites Verbot für den Fang wild lebender Zahnwale gefordert. Lediglich zu Zwecken der Auswilderung, Rehabilitation und für einen “besseren Lebensabend” nicht auswilderungsfähiger Tiere ist die Haltung von Delfinen in semi-natürlichen Lebensräumen (Salzwasserlagunen, abgesperrte Meeresbuchten, u.ä.) aus wissenschaftlicher und ethischer Sicht statthaft.

Quellen:
- Ulrike Kirsch, GRD
- sda
- Denise Wenger

Anm. der Redaktion:
Wir danken der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) für ihre fachliche Beratung bei der Entstehung dieser Serie.

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) wurde 1991 vom dreifachen Weltumsegler und Dokumentarfilmer Rollo Gebhard gegründet. Hauptziel der gemeinnützigen Organisation ist es, wild lebende Delfine und Wale zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten. In Deutschland führt die GRD das internationale Tunfisch-Kontrollprogramm für „delfinsicher gefangenen“ Tunfisch durch und gibt hierzu eine Verbraucher-Liste der bestätigten Tunfischmarken heraus. In Zusammenarbeit mit Partnern in Kroatien, Peru, Mosambik und La Gomera (Kanarische Inseln) deckt die GRD die illegale Jagd auf Delfine auf, rettet verletzte und gestrandete Tiere, führt regelmäßige Beobachtungen durch, um Bedrohungen rechtzeitig erkennen und abwehren zu können, und setzt sich für die Ausweisung von Schutzgebieten ein.

Weitere Infos:
Gesellschaft zur Rettung der Delphine
Kornweger Str. 37
81375 München
Tel.: 089/74 16 04 10
Fax: 089/74 16 04 11
www.delphinschutz.org
info@delphinschutz.org

© 2004 by Michi Böhm, Bilder mit freundlicher Genehmigung der GRD

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