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Der mit den Mantas tanzt
von Stefan Maiberger
Ein Reisebericht aus Thailand in dem es viel Lob aber auch Kritik zu
verteilen gibt.
Wir waren vom 23. 4. bis 14.5.2004 in Thailand unterwegs und unsere
kleine Gruppe hat ihr erstes Lager in Bangkok aufgeschlagen. 2 – 3 Tage
in der Hauptstadt kann ich jedem empfehlen. Ein absolutes Muss.
Hier hagelt es erst mal ordentlich Kritik: Der Mistkerl von Taxifahrer
hatte ein so altes Vehikel, dass wir nach 20 Minuten Fahrt zur
Reparatur desselben übergehen mussten :-)
Wir haben nach erfolgtem Tausch des Taxis schnell festgestellt:
Alle Tuk-Tuk Fahrer sind Betrüger, deren sehnlichster Wunsch
(offensichtlich seit Generationen vererbt) es ist, sämtliche
Touristen zu Schneidern, Schmuckläden oder geheimen
Superhändlern zu fahren.
Wer den besonderen Kick sucht, setzt sich als Beifahrer auf ein Mopedtaxi
und hat gute Chancen, sofort in die ewigen Jagdgründe einzugehen.
Ansonsten sind natürlich eine Klongfahrt und der Besuch des
königlichen Palastes Pflicht. Auch die hohe Anzahl der Tempel mit
einer schier unendlichen Vielfalt von Buddha Statuen faszinieren den
westlichen Besucher.

Tempel Wat Bambapochit und der liegende Buddha Wat Po (15 m
hoch, 45 m lang).
(Click zum Vergrössern)

Wat Chetuphow (liegender Buddha), Wat Arun der Temepl der
Morgenröte
und Eindruck einer Klong Fahrt am Chao Phraya.
(Click zum Vergrössern)
Studentenausweise (damit kann man in Deutschland billig ins Kino),
Presse- und Journalistenausweise kann man sich in der Kaosan Road
für wenig Geld (4 Euro) fälschen lassen. Wer keinen
Führerschein mehr hat, kann sich hier wenigstens den
Internationalen neu ausstellen lassen (Wartezeit ca. 30 Minuten).
Dieser kostet aber ein wenig mehr...
Für alle jugendlichen Reisenden sind die
Ausweisfälscherstuben „die Möglichkeit“ mit einem Schlag 18
zu sein, um dann zu Hause endlich bis zum Abwinken in die Disco zu
können.
Weiter ging es dann auf die ca. 1.000 km südlicher gelegene Insel
Phuket. Die Tauchbasis unserer Wahl war Sea-Bees (www.sea-bees.com)
in Chalong, da ich hier 2000 schon sehr positive Erfahrungen
gemacht habe. Bei meinem Phuket-Come-Back nach 4 Jahren habe ich
gestaunt. Alte und bewährte Sachen wurden beibehalten, Neues kam
hinzu.
Es ist einfach schön, wenn man am Flughafen (pünktlich)
abgeholt wird, das Auto nicht dem Ägypten-Standard (mit
Asphaltsicht durch den Boden des Autos) entspricht, der Fahrer nicht
nach 2 Sekunden um Trinkgeld bettelt und man sich entspannt
zurücklehnen kann. Urlaub, here we come!
Wir haben uns dann auch für das basiseigene Ressort Palm Garden
entschieden. Palm Garden ist vielleicht etwas teurer als andere
Ressorts. Da wir aber dem Backpackeralter endgültig entwachsen
sind (ja, auch ich werde älter) wollten wir etwas Komfort. Und den gab es hier bis zum Abwinken. Ruhe (vom Zirpen irgendeines Mistviehs ab
6.30 Uhr mal abgesehen), ein toller Pool, supersaubere Zimmer (und hier
ist auch die sehr schöne Einrichtung besonders zu erwähnen),
angenehme Gäste (nicht zu vergleichen mit meinen „Russenfreunden
aus Hurghada“). „Last but not Least“ haben sich die Mitarbeiter von
Palm Garden um alle unsere Fragen und Wehwehchen bemüht – wenn es
denn welche gab.
Ich empfehle jedem Thailandreisenden, sich auch ein Moped zu leihen
(Führerschein mitnehmen!). Ein wenig Erfahrung mit einer
frisierten Fünfziger oder auch einem richtigen Motorrad solle man
schon haben (in Thailand herrscht Linksverkehr und vor allem sehr viel
Verkehr!). Aber dann ist man für 4,- Euro am Tag unabhängig und
kann die Insel erkunden, wie es einem beliebt. Ob man jetzt zu einem
einsamen Strand will, oder zum Halligallimachen auf der Insel ist, man
erreicht jedes Ziel in längstens 30 Minuten.
Aber wir waren ja zum Tauchen hier! Also erst mal einen Tagestrip zum
Anemonenriff und Ko Doc Mai gebucht.
Gut war es, hat viel Spaß gemacht, ein Ammenhai lag auch unter
dem Stein und das Seepferdchen am Ko Doc Mai treibt den weiblichen
Tauchern immer wieder die Freudenträne ins Auge (warum stehen
Frauen eigentlich nicht – so wie wir Kerle - auf Haie???). Einen
Geisterfetzenfisch gab es auch noch, ich habe aber selber ca. 2 Minuten
gebraucht, um ihn zu erkennen. Der Tauchguide musste schon penetrant
hinzeigen, bis ich endlich das Objekt meiner Fotobegierde wahrnehmen
konnte.
Die Exkalibur – das Daytrip Boot von Sea-Bees - ist ein
Superschiff und um einiges besser als die alte Exkalibur (und die
war schon spitze), die ich noch von meinem letzten Besuch vor 4 Jahren
kannte.
Aber auch die Daytriptauchplätze wie Anemonenriff, Shark Point und
Racha Yai waren – obwohl schöne Riffe - nicht das Ziel unserer
Hauptbegierde. Similan Islands und Richelieu hieß die Botschaft.
An dieser Stelle muss ich mal ein paar Worte zum Wetter verlieren. Ja,
es kann sein, dass das Wetter in der Off (Low) Season schlechter ist.
Wir hatten nicht allzu oft Regen und nach einer Stunde oder zwei ist es damit dann auch vorbei gewesen. Das Meer wird etwas rauer und es kann
schon mal Wellen geben. Aber auch das war nie ein Problem. Ich
würde jederzeit wieder zur Off-Season fahren.
Similan ist klasse. Man darf
jetzt keine Sichtweiten und ein strahlendes Blau wie in Ägypten
erwarten. Trotzdem hatten wir immer sehr ordentliche Sicht, und mit
ordentlich meine ich nicht 10 oder 15 Meter, sondern deutlich
darüber. Vier Tauchgänge am Tag waren angesagt und jeder freute
sich auf Richelieu Rock, der ja bekannt für seine Walhaie ist.
Walhai war aber nicht und trotzdem war keiner der 14 Gäste auf
unserem Trip enttäuscht, da es an jedem Riff viel zu sehen gab.
Fast jeden zweiten Tauchgang gab es Leopardenhai und die Szenerie unter
Wasser war wie immer auf Similan faszinierend. Man kann sowohl in
wunderschönen Korallengärten als auch an sehr
interessanten Felsformationen tauchen. Diese Formationen sehen aus, als ob ein
Riese überdimensionale Bauklötze genommen und sie schön
unter Wasser verteilt hat. Strömung hatten wir relativ wenig (dem
erfahrenen Taucher sei hier gesagt, dass wir Halbmondwoche hatten, in der weniger Tiedenhub herrscht als in Voll- oder Neumondwochen).
Und dann war es soweit: Der Tauchgang der Tauchgänge stand an: North Point. Einer dieser
schönen Felsentauchgänge und ich schaue nach fünf Minuten
schräg nach oben und sehe den Schatten eines Mantas hinter einem
Fels verschwinden. Wie ein Anfänger (bei der ersten Begegnung mit
einem Napoleon) habe ich gleich mal in den Autoamten
geplärrt. Anscheinend laut genug, denn alle sind mir
hinterher gespurtet. Rum um den Felsen und da war es dann: Ein fettes, ausgewachsenes Mantaweibchen, mit realistisch geschätzten 4,5 Metern Spannweite.
Alleine diese Begegnung für zwei Minuten hätte den Urlaub schon zu
einem Superurlaub gemacht!
Aber wie es auch bei uns Menschenkindern ist, Weibchen sind selten
alleine - meine neue Mantafreundin hatte ihre sechs Kolleginnen dabei, die
dann ständig um uns gekreist sind (wie die Menschenweibchen um
Schuh- und Schmuckgeschäfte). Und um den Vergleich perfekt zu
machen: Menschenweibchen verlassen Schuhgeschäfte nicht unter
einer Stunde. So auch unsere Mantaweibchen nicht. Eine volle Stunde
waren sie bei uns (bis uns Menschenmännchen die Luft ausging).
Es war - so dachte ich noch - einzigartig. Man hatte das Gefühl,
dass die Mantas uns betrachteten und immer neugieriger wurden. Immer
näher kamen sie und irgendwann gab es auch so etwas wie
Interaktion. Ein Manta kam auf mich zu und schlug einen halben
Meter vor mir eine Rolle. Unglaublich, wie lange es dauert, bis
diese 4-Meter-Scheibe an einem vorbeizieht. Eine anderer schwamm auf
mich zu und ich war mir sicher, dass sein Flügel unter mir
vorbeigeht. Im letzten Moment hob sie den Flügel und zog ihn ganz
sanft über mich hinweg. Dabei hat sie mich ganz leicht am Kopf
berührt.
Und an dieser Stelle ein Superkompliment an die Tauchgruppe. Meistens
stürzt ja mindestens einer oder zwei Mittaucher (der sog. Idiot und König der Fischvertreiber) bei Großfischbegegnungen auf
das Objekt der Begierde los. Bei uns war dies – Gott sei Dank - nicht
so. Die Gruppe blieb ganz kompakt beisammen und jeder begleitete mal
einen Manta eine Strecke lang. Danach ging es wieder zur Gruppe
zurück. Niemand hatte versucht, die Tiere anzufassen, was sie ja in
der Regel vertreibt (auch dies ist bei den Menschenweibchen so, man
sollte nie versuchen, sie sofort nach dem kennenlernen anzufassen).
Und wer sich diese Begegnung am meisten verdient hat, waren unsere
Tauchguides Jeannine, Rolf und Gerd. Alle 3 sind bei jedem Tauchgang
mit ins Wasser (und 4 x am Tag ist ganz schön viel, vor allem, wenn man
in diesem Stil das liebe lange Jahr durchtaucht). Sie wurden nicht
müde, uns Sachen zu zeigen und man hat allen Dreien angemerkt, dass sie
sich noch immer über jeden Tauchgang freuen. Sie hätten
unsere Gruppe (und wir haben das angeboten, da wir zusammen ein paar
tausend mal unter Wasser waren und ganz gut auf uns selber aufpassen können) nicht immer begleiten müssen, sind es aber nicht müde geworden mit uns ins Wasser zu springen und uns die kleinen Freuden der Unterwasserwelt der Similans zu zeigen. Die Begleitungen waren klasse. Ich wäre über den ein oder anderen Geisterfetzenfisch weggeschwommen, wenn ich ihn nicht gezeigt bekommen hätte. Also wenn jemand die Manta-Begegnung verdient hat, dann sicher (auch) unsere Guides.
Wir haben dann den 2. Tauchgang an diesem denkwürdigen Tag am East of Eden gemacht und jeder unserer Gruppe hatte immer noch das breite Grinsen im Gesicht. Auch wenn es an diesem Tauchplatz viel zu sehen
gab, vor unserem geistigen Auge tanzten immer noch die Mantas.
Wir haben es dann noch mal am North Point (der Ort unseres
Mantaglückes) probiert und unsere Mantafreundinnen waren immer noch da. Also noch einmal eine Stunde den gleichen Spaß und noch mal 36 Mantafotos gemacht. Inzwischen tat es vor lauter Freude und Grinsen bis zu den Ohrläppchen weh.
Am Abend wurden natürlich Mantafotos präsentiert. Jeder
Digicam-Speicherchip war bis zum Bersten voll mit Mantafotos.
Am nächsten Morgen sind wir dann zum Christmas Point
weitergezogen. Unsere Mantafreundinnen auch (wahrscheinlich gibt es
auch an diesem Tauchplatz etwas Vergleichbares wie ein
Schuhgeschäft für Mantaweibchen). Den ganzen Spaß also
noch mal 2 Tauchgänge lang. Dieses mal gab es noch ein paar andere
Mantaweibchen zu sehen. Eine von ihnen komplett schwarz. Sensationell.
Als wir dann am letzten Tag unserer Safari in Boulder City wieder auf
einen Manta stießen (schönes Weibchen mit vielen Cobias und
Schiffshaltern) dachte jeder „es geht schon wieder los“. Aber diese
Begegnung dauerte nur 2 Minuten und wir hatten „endlich mal wieder Zeit
für Korallen und Felsformationen“. (Das klingt ganz schön
arrogant, oder? Aber wenn andere Taucher für einen solchen
Mantatauchgang um die halbe Welt reisen und Tausende von Dollars
hinblättern würden, dann darf man das schon mal
raushängen lassen, dass man mehrere solcher Tauchgänge hatte,
oder?)
Wer noch nie gescootert ist oder es mal gerne wieder tun will, hat auf
unserem Safariboot Marco Polo (schön, komfortabel und gelb) seinen
Spaß. Einmal rund ums Shark Fin Reef oder Elephant Rock. Ein
Riesenspaß und unter der fachmännischen Anleitung und
Begleitung der Guides auch für Hobbytaucher mit unter 100
Tauchgängen zu empfehlen. Drei UW-Scooter laden natürlich zum
Unterwasserrennen ein.
Zurück in Phuket haben wir uns natürlich ein paar Tempel
angesehen, waren beim Elefantenreiten und Bambooraften. Die perfekte
Abwechslung nach sechs Tagen Safari.
Dann ging es wieder auf die Marco Polo. Holger, der Basisleiter hat
sich zu einem außerplanmäßigen 2-Tagestrip nach Hin
Daeng und Hin Muang überreden lassen. Er selber meinte, er
hätte sich auch Urlaub verdient und war dabei. Hin Daeng und Hin
Muang sind tolle Riffe, wir waren das einzige Boot dort (der Off Season
sei Dank), leider hatte der Walhai, der die letzten Tage immer wieder
gesichtet wurde, an diesem Tag frei gehabt. Macht aber nichts. Das Riff
ist auch ohne Walhai sensationell und es wäre schon ein wenig
unverschämt gewesen, wenn wir den auch noch zu Gesicht bekommen
hätten. Dafür waren wieder ein paar Leopardenhaie da.
Auf der Rückfahrt sind wir in Phi Phi noch ordentlich ausgegangen.
Der spontan eingerichtete Shuttle-Service (mit dem Dinghi) hatte bis
6.00 Uhr am Morgen zu tun. Schuld daran ist Apache, eine sehr nette
Kneipe.
Dumm war nur, dass dann auch noch für den nächsten Tag eine
nächtlich Tour durch Phuket Town auf dem Plan stand. Phuket Town
ist normalerweise nicht „der“ Ort, an dem Touristen ausgehen. Gut, wenn
man die Basismitarbeiter nach netten Musikkneipen fragen kann und diese
einen auch noch dorthin führen. Die Thais sind ein sehr
musikalisches Volk (müssen sie ja auch sein, bei einer gesungenen
Sprache) und es gibt wirklich tolle Musikkneipen mit Livemusik.
Ausgeschlafen wurde dann im Flieger und kaum hier in Deutschland angekommen planen wir
schon den nächsten Off-Season Urlaub in Thailand.
© 2004 - Stefan Maiberger
© 2004 - Bilder Bangkok
Herbert Gfrörer
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