An einem regnerischen Samstag im Juni begann für 12 Taucher
ein völlig neuer UW-Lebensabschnitt. Fortan sollten sie nie mehr
achtlos schlammigem Grund gedankenverloren berühren...
Doch lasst mich von vorne beginnen. Vor vielen Monden wurde das
Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg auf den Plan
gerufen, den "gemeinen" Taucher hinsichtlich eines sorgsamen Umgangs
mit UW-Denkmälern zu sensibilisieren. In Zusammenarbeit mit dem
VDST (Verband Deutscher Sporttaucher e.V.) wurde der Spezialkurs
"Denkmalgerechtes Tauchen" ins Leben gerufen. Was in
Baden-Württemberg bereits guten Anklang fand, musste in Bayern
erst sanft in die Köpfe der Taucher eingeflößt werden.
Und dies fand nun statt. Die Bayerische Gesellschaft für
UW-Archäologie (BGfU) und der VDST organisierten einen Kurs von
und für Taucher.
Vor dem Vergnügen der
Schweiß...
Womit ich mich zeitlich an dem regnerischen Samstag am
Starnberger See befinde. Wer jetzt meint, dass wir alle im Trockenanzug
in den See hüpften und uns mit der Suche altertümlicher
Gegenstände befassten, der irrt gewaltig. Unter sachkundiger
Leitung von vier Seminarleitern wurde in den Räumen der
Volkhochschule Starnberger See e.V. zunächst Theorie
gebüffelt.
Am Anfang stand der Lehrsaal...
Die Grundsätze der Archäologie im Allgemeinen, die der
UW-Archäologie im Besonderen – so wurde uns das Thema in Bild und
Text (auf niederbayerisch heißt dies nun Powerpoint) näher
gebracht. Nun da ich fortan zur Gattung des `Privilegierten
Archäologie-sensibilisierten Tauchers´ (PAST) gehöre
weiß ich auch, dass Archäologie die Erforschung der
Geschichte des Menschen vom Anfang bis zum Ende - nein, bis heute -
ist. Selbstverständlich liegen archäologische Quellen, so
bezeichnet man Dinge, die dann später als Funde zutage gebracht
werden, teils in trockener Erde, teils unter Wasser. Der Name war
Programm, denn wir beschäftigten uns mit Letztgenanntem. Wasser
hat neben der Eigenschaft uns das Tauchen zu ermöglichen zudem
eine gut konservierende Wirkung.
Aber ich presche schon wieder im Thema vor... Der Sinn uns Zweck des
Seminars war nicht die Erforschung archäologischer Funde, sondern
eine Stufe vorher, die Erkennung solcher. Denn nur was man kennt,
erkennt man. Und so wurde mir als "Archäo-Dummy" schnell klar,
dass ein belangloses Fischries (na, wer weiß jetzt nicht, was das
ist?) dem geneigten Hobby-UW-Archäologen plötzlich sehr viel
Ähnlichkeit mit einem Pfahlbau bietet.
Meine Gedanken kreisten: So ein Mist, das sieht wirklich alles gleich
aus; wieso gibt´s bei uns in den Seen so wenige Amphoren? Die
würde sogar ich erkennen... oder ein kleine Schatzkiste, mit
Goldbarren drin, so glänzende Dinger, halt so, wie die das im
Fernsehen immer zeigen?!
Also beschäftigten wir uns mit den verschiedenen Gruppen von
UW-Denkmälern:
- Siedlungen
- versenkte Objekte wie Opferfunde und deponierte Gegenstände
- verlorene Gegenstände (das kann auch ein ganzes Schiffswrack
sein).
Fund einer Tonscherbe
Siedlungen und Gräber waren in früherer Zeit nicht stets
gezielt im Wasser gebaut, sie sind oft im Laufe der Zeit unter Wasser
geraten, weil zum Beispiel der Wasserpegel des Gewässers stieg.
Pfahlbauten hingegen wurden – der Name bezeichnet es bereits – gezielt
auf Pfählen im Gewässer gebaut.
Der Mensch war bereits in früheren Zeiten achtlos im Umgang mit
der Natur und entsorgte seinen Müll gezielt in Gewässern.
Insbesondere alte Hafengebiete, Schiffsländen oder
Reedeplätze bieten heute Gelegenheit, archäologisch
fündig zu werden. Brücken und Stege waren beliebte Stellen,
Opfer- und Weihegaben zu versenken.
Magische Anziehungskraft auf Taucher haben natürlich
Schiffswracks, besonders wenn sie noch nicht oder wenig betaucht
wurden. Dann schlägt des Schatzräubers Herz ganz hoch.
Schiffsinventar und Ladung sind schnell dem Schiffsleib entrissen.
Wracks haben aber nur den besonderen Reiz, wenn das Inventar und die
Ladung im Schiff oder unter Wasser verbleiben. Genug geträumt, das
"Museum unter Wasser" wird leider in der Regel geplündert und
verschwindet in den Wohnzimmervitrinen dieser hirnlosen,
selbstsüchtigen „Unterwasser Souvenir Jäger“.
Ich möchte aber diese traurige Kapitel schnell verlassen, denn
mein Wissensdurst hält noch an und wird von unseren Instruktoren
Marcus Thier, Tobias Pflederer und Armin May gestillt. Moment, da war
doch die Rede von vier Seminarleitern? Stimmt, der vierte wartet
derweil auf dem Schlauchboot der BgfU, das uns zum Ort des ersten
praktischen Teils bringen wird. Zurück ins Seminar...
"Im Schutz des nassen Elements"
So lautete der zweite Teil der Trilogie zur Seminartheorie.
Organischer Zerfall und bakterielle Zersetzung spielen die Hauptrolle
nach dem Tod – egal ob von Pflanze, Mensch oder Tier. Wie ich bereits
erwähnte, verzögert oder unterbindet Wasser diesen
Zerfallprozess, denn unter Wasser fehlen Sauerstoff und Licht, aber
auch Pilze und Bakterien. Gelöste Salze, tiefe Wassertemperaturen
oder gar Eisbildung sowie Säuren wirken zudem desinfizierend.
Sedimente (Ablagerungen), welche die Funde bedecken wirken
schützend vor äußeren Eingriffen (Tierbefall,
mechanische Schädigung, auch durch Taucher).
Wird der Fund an die Oberfläche, sprich an die Luft gebracht,
setzen die o. g. Prozesse allerdings sehr schnell wieder ein.
Insbesondere die Stoffe Holz und Eisen, aber auch Pflanzen, Haut,
Korbwaren, wirbellose Tiere und Textilien haben unter Wasser ein
Vielfaches der Haltbarkeit im Vergleich zu Überwasser.
Auch ROV's werden oftmals bei der Suche nach Artefakten
eingesetzt
Aufgemerkt:
UW-Archäologie findet nicht ausschließlich im
Tauchanzug in mehreren Metern Tiefe statt. Zu diesem Spektrum
gehören auch die Grabung in Ufernähe hinter
Sandsackwällen und Dämmen, in Mooren oder im
Flachwasserbereich (wo der banale Gummistiefel als UW-Ausrüstung
dient).
"Wos mach ma mit dem Klump?"
(übersetzt: "Welche Aussagen lässt ein Fund zu?")
Bevor wir uns überhaupt mit dieser Frage beschäftigen,
sollten ein paar rechtliche, aber auch ethische Aspekte Gehör
finden. Über allem, was über und unter Wasser gefunden wird,
steht die globale Frage: Handelt es sich um ein Kulturgut, ein Denkmal?
Wenn ja, dann finden rechtliche Vorschriften Anwendung. Und hier zeigen
sich die wahren Einheitsbestrebungen des Menschen: Jedes Bundesland hat
andere rechtliche Bestimmungen, das Bayerische Denkmalschutzgesetz, das
Denkmalschutzgesetz Baden-Württemberg, das Gesetz über den
Schutz und die Pflege der Denkmale und Bodendenkmale im Land
Brandenburg, das Gesetz von Hessen, von Sachsen usw.
Vom Grundsatz her sind alle Vorschriften ähnlich ausformuliert.
Bedeutende Details ändern die Rechtslage dann doch gewaltig. Ein
Fund in Bayern gehört je zur Hälfte dem Finder und dem
Grundeigentümer, in Baden-Württemberg hingegen hat
zunächst das sog. Schatzregal des Landes Anspruch. Meldepflichten
über Funde gibt es hingegen bundesweit. Eine Anzeigepflicht bei
Bauvorhaben, bei Grabungen usw. besteht auch, wenn zu vermuten ist,
dass etwas gefunden werden könnte. Was eindeutig verboten ist,
sind die Machenschaften von Sondengängern. Darüber zu
philosophieren ist müßig, ich verweise auf den Begriff
"Fundzusammenhang"...
Dass durch bewusstes Widersetzen gegen diese Bestimmungen sehr schnell
auch die Polizei und Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen werden,
verdeutlichen die Paragraphen des Strafgesetzbuches, die sich mit
Gemeinschädlicher Sachbeschädigung, (Fund)Unterschlagung,
Diebstahl und Hehlerei beschäftigen.
Nun genug der trockenen Rechtsmaterie, zurück zur Natur: Eine ganz
besondere Rolle in der Archäologie spielt Holz: Für die
Datierung von Funden ist Holz sehr gut geeignet. Die sog.
Dendrochronologie ermöglicht – vereinfacht ausgedrückt - das
zeitliche Einordnen des Fundes anhand von Jahresringen. Hierbei ist
sogar ein jahrgenaues Datieren von Holzobjekten möglich.
Metallene Objekte lassen sich gut mit Detektoren aufspüren
Ein Einzelfund hat – entgegen laienhafter Meinung – meist eine geringe
wissenschaftliche Aussagekraft und ist oft schwer datierbar. Nur der
"Fundzusammenhang" gibt kulturgeschichtliche Hinweise. Frage eines Unbedarften: "Was ist
denn das, ein Fundzusammenhang? Muss da noch was dran hängen, an
dem Schwert, das ich da jetzt gefunden habe?" Antwort: "Ja! Und zwar das Erdreich
im Umfang von rund 40.000 km."
Dies soll bedeuten, dass der Fund dort belassen werden soll, wo er
gefunden wurde. Das Herausreißen eines Fundes z. B. aus einer
Kulturschicht stellt eine Zerstörung des Fundzusammenhangs dar und
lässt somit kaum mehr wissenschaftliche Interpretation und Aussage
zu.
Aus diesem Grund stellt das Belassen von UW-Funden an Ort und Stelle
oberste Priorität in der UW-Archäologie dar. Im Sediment ist
der Gegenstand am besten geschützt. Er hat unter Umständen
mehrere tausend Jahre dort überdauert und wird dort sicherlich
noch weitere tausend Jahre überstehen. Wenn der Mensch nicht
eingreift...
Hohe Bergungs- und Konservierungskosten und die Gefahren bei der
Bergung und Konservierung bestärken dieses Bestreben. Lassen die
Umstände (Baumaßnahmen, Souvenirjäger,
Umwelteinflüsse...) es nicht zu, den Fund dort zu belassen, muss
selbstverständlich sachgerecht geborgen werden. Eine vorherige
gründliche Dokumentation unter Wasser ist jedoch unabdingbar!
Und damit wären wir in der Praxis
Zwei geführte und somit kontrollierte Tauchgänge im
Starnberger See an archäologisch bedeutenden Ort im Bereich der
Roseninsel waren Bestandteil des Spezialkurses. Lino von Gartzen als
unser Bootsführer brachte uns sicher an die Tauchplätze im
Starnberger See.
Wie wichtig das Beherrschen der Tarierung ist, wurde uns im Bereich der
sog. Unteren Brücke vor Augen geführt. In einer maximalen
Wassertiefe von weniger als zwei Metern mussten wir entlang eines
weitflächigen Fundobjektes "tauchen". Das Tauchen in einer Gruppe,
das Halten von Kontakt bei schlechter UW-Sicht und eine
anschließende Tarierübung waren hierbei die ersten Aufgaben,
die wir zu absolvieren hatten.
vorsichtiges Freilegen eines Fundortes mit Pressluftstrahl
Ist die Notwendigkeit des Ansaugens von Sedimenten gegeben,
wird
ein Gitter als Filter für Funde eingesetzt.
Der zweite Tag schloss ebenfalls mit einer praktischen Übung ab.
Hauptaufgabe war, neben dem "Arbeiten" in einer Gruppe von vier
Tauchern, das Erstellen einer sog. Fundmeldung. Nach der
Sensibilisierung zum Thema, einem kleinen Ausflug in die Grundzüge
der Archäologie und rechtlichen Aspekten ist es die Hauptaufgabe,
eine Fundmeldung zu erstellen. Anhand dieser soll es den
verantwortlichen Stellen (meist sind dies die Landesämter für
Denkmalpflege) möglich sein zu erkennen, ob es sich
tatsächlich um einen Fund im Sinne des Denkmalschutzgesetzes handelt,
welcher Fund es sein könnte und wo der Fund sich befindet.
Aussagen des Tauchers
- zur Beschreibung des Objektes (Größe, Material,
Beschädigungen etc.),
- zur Lokalisation (GPS, Peilungen, Landmarken, Bezugspunkte etc.)
- und zur eigenen Person (des Finders)
sind hierbei hilfreich. Beim Thema Beschreibung zeigten sich selbst
für erfahrene Taucher die Probleme unter Wasser sehr schnell auf:
Kompasstauchen, auf einer UW-Tafel den Fund skizzieren und beschreiben,
die Ausdehnung und Größe von Objekten festzustellen (wer hat
schon beim Tauchen einen Meterstab oder gar ein Maßband dabei?)
und dabei noch die ganze Gruppe beisammen zu halten und trotzdem auf
Tauchsicherheit zu achten...
Markierung eines Fundortes
Fazit der praktischen Ausbildung
- Vermeide Ankerschäden!
- Vermeide Grundberührung (Hände, Flossen)!
- Achte deshalb auf eine gute Tarierung!
- Das Belüften (durch die Ausatemluft) wassergefüllter
Hohlräume (Höhlen, Wracks) bringt zerstörerische Luft an
das bis dahin geschützte Objekt.
Aber nichts ist unmöglich und am Ende hatte jeder Teilnehmer sein
Brevet
"Seminar Denkmalgerechtes Tauchen" in Händen.
Die Teilnehmer und Instruktoren des Seminars
An dieser Stelle bedanke ich mich nochmals bei den vier Seminarleitern
für ihre unermüdliche Geduld, die kompetente Vermittlung
ihres Wissens und ein kurzweiliges Seminar. Wer Interesse hat, findet
die Ansprechpartner für weitere Fragen unter dem Link zur BGfU www.bgfu.de, über den
VDST www.vdst.de oder
wendet sich direkt per eMail an den Seminarleiter Markus Thier unter
m.thier@gmx.de
Kuba - Karabik-Feeling - Tauchen. Infos zum Thema findest Du in unserem Kuba-Guide. Hier sind übersichtlich nach Regionen die Tauchmöglichkeiten auf der Insel beschrieben und mit vielen weiteren interessanten Informationen bestückt.
Thailand (20.06.2007) Das Königreich Thailand liegt in Südostasien und grenzt im Nordwesten mit seiner längsten Landgrenze von 1.800km an Burma, im Nordosten mit 1.754km an Laos, im Südwesten mit 803km an Kambodscha,im (mehr) Österreich (19.02.2007) Österreich befindet sich mitten in Europa und grenzt auf insgesamt
2.562 Kilometern im Nordosten an die Tschechische Republik, im Osten an
die Slowakei und Ungarn, im Süden an Slowenien und Italien (mehr) Oman (02.09.2006) Im Norden und Nordwesten des Landes liegt die erst Ende des 20.Jhd. festgelegte Grenze zu den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im Nordosten liegt der Golf von Oman, das arabische Meer begrenzt das (mehr)
Forum Tauchausrüstung
Auszug aus diesem Forum:
pressluftflasche im raum krefeld, moers und duisburg füllen vom 29.11.2008 : hallo,
wo kann ich im o.g. raum eine pressluftflasche (tüv 05/15) füllen lassen?
und die zweite frage. die flasche ... [mehr] Tauchmaske vom 29.11.2008 : Hallo Kollegen,
ich will mir ne neue Tauchmaske zulegen und würde mal gerne ein paar meinungen lesen was für und was gegen ... [mehr] welcher Atemregler?? vom 29.11.2008 : Hallo Zusammen!
Wir haben im August unseren Tauchschein (Paddi OWD) gemacht und möchten uns nun eine Ausrüstung zulegen.
... [mehr]
Aktuelle Tauchplätze:
Similan Islands (01.12.2008) Hallo, nachdem wir 2006 Anfang Dezember bereits ein 4 Tages liveaboard auf den Similans, Surin und Richelieu Rock gemacht haben und uns die Tauchplätze extrem begeistert haben, da wir bis auf einen (mehr) Groene Heuvels, Wijchen bei .. (01.12.2008) Leider hat der Zugang zu den Parkplätzen eine neue Schrankenanlage und man kommt mit Fahrzeugen länger als 6 m nicht mehr auf die Parkplätze. Wir waren am Samstag mit dem Wohnmobil (6,10 m) dort und (mehr) Santa Catalina (29.11.2008) Santa Catalina, Region Veraguas, Zentral-Panama ScubaCoiba (www.scubacoiba.com) Santa Catalina ist ein kleiner Ort am Pazifik, bekannt für exzellente Surf- und Tauchbedingungen. Ich war dort für (mehr)