Tauchmesser
Eickhorn Solingen Rescue Tool RT-IV
von Andreas Nowotny
Tauchermesser - (fast) jeder hat eines, aber wer hat seines wirklich
schon mal benutzt? Aber wie bei allen
Ausrüstungsgegenständen, ist auch hier die Wahl nicht nur
eine Glaubenssache, die wild verteidigt wird, sondern unterliegt
modischen Schwankungen!
Waren vor ein paar Jahren noch große Messer aktuell, deren
Klingen auch beim Ausnehmen von kleineren Walen eine gute Figur
abgegeben hätten und mit denen man Tauchneulinge schwer
beeindrucken konnte, geht seit einiger Zeit der Trend eher zu kleineren
Messern, die man sich an den Inflatorschlauch klemmen kann, ohne dass
sie stören.
Als ich daher auf der Boot 2004 zum ersten Mal das Tauchmesser RT-IV
von der Firma Eickhorn Solingen sah, fiel mir zuerst einmal die
Größe dieses Messers auf. Gleichzeitig machten verschiedene
Ausstattungsmerkmale neugierig, und ich freute mich darauf, dieses
Messer testen zu können.
Eigenschaften
Der Griff
Mit einer Gesamtlänge von ca. 27cm ist das RT-IV kein
Spielzeug. Die Klinge ist nur unwesentlich kürzer als der Griff und das Messer liegt mit einem Gewicht von 380gr angenehm ausgewogen in
der Hand. Der eigentliche Griff besteht aus Glasfieber-verstärktem
Polyamid und weist zwei Besonderheiten auf: Auf beiden Seiten befinden
sich nachleuchtende Signalstreifen, durch die man das Messer auch bei absoluter Finsternis gut finden kann und am Griffkopf befindet sich ein Scheibenzertrümmerer.
Die Klinge
Die Klinge hat auf 2/3 der Gesamtlänge einen 1/2 Wellenschliff,
gefolgt von einem Glattschliff, der in eine Hakenklinge übergeht.
Die Messerspitze ist keine Spitze, sondern ist in Form eines
größeren Schraubenziehers gefertigt.
Erste Tests an Land ergaben, dass das Messer scharf ist. Sehr scharf
sogar! Besonders die Hakenklinge hat es in sich. Beim Test an Land
schnitt es ohne jede Mühe durch unterschiedlich dicke
Paketschnüre. Die Kraftanstrengung war praktisch Null.
Zum Lieferumfang gehört auch eine Messerscheide. Dabei gibt es
zwei Varianten, eine Cordura Hülle die besonders dafür
geeignet ist, dass Messer an verschiedenen Teilen der
Tauchausrüstung zu befestigen. Mein Testexemplar kam in einer
Hartplastikschale, so wie ich es auch auf der Boot gesehen hatte. Diese
Schale ist so geformt, dass sie das Messer fest umschließt,
gleichzeitig ein leichtes Herausnehmen und Einführen der Klinge
ermöglicht. Ich war gegenüber dieser Hülle zuerst etwas
skeptisch, konnte mich aber nach ein paar Schleuderversuchen von der
Greifstärke der Hülle überzeugen.
In der Praxis
Nach einigen Überlegungen zur besten
Befestigungsmöglichkeit entschloss ich mich, das Messer an meinem
Bleigurt zu befestigen. Durch die Konstruktion der Hülle ist eine
Befestigung nicht so ganz einfach, da ist die Corduraversion sicherlich
die bessere Wahl. Vorteil der Befestigung am Bleigurt war in meinem
Fall die Möglichkeit, den langen Schlauch gut unten durch zu
führen.
Messerscharf
Für den Praxistest nahm ich bei mehreren Tauchgängen
unterschiedlich dicke Nylon- und Rebschnüre mit ins Wasser. Am
Anfang stand aber erst einmal der Ast-Test. Kleinere Äste mit dem
Wellenschliff einer Tauchmesserklinge durchzusägen ist unter
Wasser ja generell nicht so einfach, besonders wenn man das ganze
austariert und ohne Abstützen ausführt. Das RT-IV meisterte diese
Aufgabe mit Bravour. Als ich einmal etwas abglitt, bekam ich auch einen
ersten Eindruck von der Schärfe der Hakenklinge - mit einem kurzen
Ruck war ein ca. 5mm dickes Ästchen ab. Auch die Glattklinge
bewies sich im Praxistest, wären meine Schnitzkünste besser,
hätte ich mit Sicherheit etwas schönes herstellen
können. So wurde es nur ein spitzer Stock für das
anschließende Grillwürstchen.
Dann kam der Schnurtest. Im ersten Durchgang habe ich die
Schnüre in der Hand gehalten und durchgeschnitten, im zweiten
Durchgang waren die Schnüre an Ästen festgebunden. Beide
Testreihen wurden mit insgesamt 7 Schnüren mit einer Dicke bis zu
9mm getestet. Keine der Schnüre war eine besonders große
Herausforderung für das RT-IV. Die wirklich scharfe Glatt- und
Hakenklinge durchtrennte die Testseile im ersten Anlauf. Beim Stellen
des Photos im Blindsee konnte das Bild erst im zweiten Anlauf gemacht
werden, weil die dünne Schnur durchtrennt war, ehe die Kamera
ausgelöst hatte.
Auch unter Wasser liegt das Messer gut in der Hand und lässt
sich sowohl mit 7mm Halbtrockenhandschuhen als auch mit
Trockentauchhandschuhen gut handhaben. Die Befürchtung, dass durch
den recht glatten Griff das Messer leicht aus der Hand rutscht,
bestätigte sich nicht.
Resumee
Ein klasse Messer, dass alle gestellten Aufgaben mit Bravour
gelöst hat. Gleichzeitig aber auch ein Messer, das für den
Großteil der Taucher zu überdimensioniert ist. Der
Durchschnittsurlaubstaucher ist mit Sicherheit mit einem kleinen
Tauchermesser besser bedient. Dies ist aber auch kein Wunder, denn
diese Tauchergruppen sind auch nicht die Hauptzielgruppe der Firma
Eickhorn Solingen. Ein Blick auf deren Website zeigt, dass sie
hauptsächlich für den Sicherheits- und Militärbereich
produzieren. Auch das Rescue Tool RT-IV wird als Polizei- und
Feuerwehrmesser angepriesen. Als Tauchermesser ist es daher auch
für alle professionellen Taucher, ob bei den zwei genannten
Organisationen oder z.B. der Wasserwacht bestens geeignet. Aber auch
für Wrack- und Höhlentaucher kann ich mir das Messer gut
vorstellen.
Auf jeden Fall handelt es sich beim Rescue Tool RT-IV um ein
qualitativ sehr hochwertiges Messer, dass für Taucher
außerhalb des reinen Sporttauchbereichs mit Sicherheit eine sehr
gute Wahl ist.
Weitere Infos direkt bei Eickhorn : Hier klicken
© 2004 - Andreas Nowotny