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Bio-Terror in den USA:
Invasion der Schlangenköpfe
von Uli Erfurth
Schlangenkopffische (Channidae) sind eine Familie von barschähnlichen
Fischen aus dem tropischen Afrika und Südostasien, und Süßwasserbewohner.
Während sie in ihrer Heimat als vorzügliche Speisefische
gelten und dort schon seit Jahrhunderten u.a. auf Reisfeldern gezüchtet
werden (Singapur allein importiert etwa 1200 Tonnen pro Jahr), erwarben
sie sich in Europa und den USA in den letzten Jahren einen guten Ruf als
unkomplizierte Aquarienfische. Doch die Flossenträger überschritten
just deutlich ihre Grenzen: Der erste in den USA dokumentierte Fang geht
in das Jahr 2000 zurück - der Fisch hatte bei einer Länge von
65 cm ein Gewicht von 2 kg. Die Frage, wie die Räuber in die amerikanischen
Gewässer gelangten, ist leicht zu beantworten. Zum einen hatten Aquarianer
unerwünschte Fische in Freigewässer ausgesetzt, zum anderen
werden diese Delikatessen, obwohl verboten, lebend importiert und teilweise
illegal gezüchtet.
Im Süden und Osten der USA verbreiten diese Fische im Moment große
Unruhe. Die Berichte lesen sich etwa so: 'Angriff von Schlangenkopffischen
auf Hunde' oder ' Schlangenkopffische: Attacke auf Menschen zur Verteidigung
von Laichplätzen und Brut', 'Monster von einem anderen Stern', 'Der
Stoff, aus dem Alpträume gemacht werden' oder '..etwas, das aus einem
schlechten Horrorfilm stammt'.
Der chinesische Schlangenkopffisch (Channa asiatica; 30 cm),
hier ein Jungtier, ist besonders in Südostasien verbreitet. Zu der
typischen Körperform gehört der breite Kopf mit dem vorspringenden
Unterkiefer und den langen Rücken- und Afterflossen; Bauchflossen
fehlen.
Andere Schlangenkopfarten (links/unten: Channa micropeltes, rechts:
Channa striata) werden deutlich größer und dienen in vielen
Gegenden Südostasiens den Einheimischen als Eiweißquelle.
Tatsächlich weisen Schlangenkopffische einige besorgniserregende biologische
Besonderheiten auf. Als Topräuber besteht ihre Nahrung zu 90% aus
Fischen, sie nehmen aber auch Amphibien, Krustentiere, Vögel, kleine
Reptilien und kleine Säugetiere. So sind auch heimische, geschützte
Arten in ihrem Bestand gefährdet. Haben die Räuber ein Gewässer
leer gefressen oder fällt es trocken, können sie im Schlamm
eingegraben überleben oder sie wandern (ähnlich Aalen oder Welsen)
über Land zum nächsten Gewässer. Durch Haut- und Darm können
sie dabei bis zu vier Tagen Luft atmen. Zu allem Übel vermehren sich
diese wandernden Fische auch noch rasch - die Männchen sind Maulbrüter! Mit einer Bestandverdoppelung
kann in zwei bis vier Jahren gerechnet werden. Es liegt daher nahe, die
Neuankömmlinge zu kontrollieren und deren weitere Verbreitung zu
verhindern. Der Besitz der Fische oder ihrer Eier, ihr Import und ihr Verkauf
sind bereits in mehreren Bundesstaaten verboten. Haltern von Schlangenköpfen
wurde immerhin eine 30-tägige Übergangsfrist eingeräumt, innerhalb
derer sie ihre Lieblinge bei den Behörden abliefern können. Verletzungen
der Vorschriften werden mit einer Strafe von 200 $ oder einer Haftstrafe
von 30 Tagen belegt. Um die Invasion zu stoppen, erwägen einige amerikanische
Behörden sogar, Gewässer mit bekannten Beständen zu vergiften!
Wanted: DEAD only! Der Nördliche Schlangenkopffisch (Channa
argus) aus China auf einem ‚Fahndungs-/Tötungsaufruf' der Behörden
von Maryland. Wegen seiner ‚mönströsen' Biologie taucht der
Invasor in der amerikanischen Presse auch unter dem Alias ‚Frankenfish'
auf.
Was Bio-Terror durch Neozoen im eigenen Land angeht,
sind die Amerikaner nicht unerfahren. Auch in
Deutschland haben 'illegale' Einwanderer
(aus den USA) wie der Ochsenkopffrosch, der Amerikanische Flusskrebs oder
auch der Sonnenbarsch in den vergangenen Jahrzehnten ähnlich katastrophale und irreversible Auswirkungen
auf die heimische Fauna und Ökosysteme gehabt. Für Schlangenköpfe ist es hierzulande jedoch zu kalt!
Text: Uli Erfurth / Prof. Dr. Jochen D. Schipke
© BIONAUT - Ohne BIO
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01.12.2008 17:43 Taucher Online : 216 Heute 12844, ges. 30282004 Besucher
 
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