Jacket-Test Mares Vector

 Geschrieben von Ralf

Jackettest

Mares Vector Chrome AT – Mares Vector Chrome

von Ralf Dänzer

Bahnbrechende Innovationen sind im Tauchsport nicht besonders häufig. Meist verlaufen die Innovationsprozesse langsam und in kleinen Schritten. Aus Sicht der Tauchergemeinde ist dies jedoch gar nicht so schlecht, da man nicht sofort auf neues Equipment wechselt, wenn man mit seiner seit langem vertrauten Ausrüstung zufrieden ist. Seit geraumer Zeit vollzieht sich am Markt für Jackets jedoch eine kleine Revolution, die auch eingefleischte alte Hasen zum Nachdenken bringen könnte. Es handelt sich um Jackets mit pneumatischen Inflatorsystemen. Bei Mares wird dieses System „Airtrim“ genannt.

Mares Vector Jacket
Mares Vector Chrome

Die Revolution – der Inflator!

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Airtrim“ nun aber? Herkömmliche Jacketsysteme mit bekannten Inflatorbauteilen erkannt man sofort am klassischen Faltenschlauch. Über diesen wird die Luft in die Blase des Jackets geleitet, nachdem man vorher per Knopfdruck das Ventil zur Befüllung betätigt hat. Bei den pneumatischen Systemen fällt sofort auf dass der Faltenschlauch fehlt. Das heißt, dass der Inflator, beziehungsweise die Inflatoreinheit, direkt mit dem Jacket, respektive der Blase verbunden ist. Die Inflatoreinheit wird wie bisher üblich, auch weiterhin mit einem klassischen Inflatorschlauch von der ersten Stufe des Automaten mit "Frischluftzufuhr" versorgt. Ein weiterer Unterschied zu den bisherigen Inflatoreinheiten besteht im Aussehen der "Bedieneinheit". Die Knöpfe zum Luft ein- und auslassen sind deutlich größer und die ganze Einheit sitzt bei allen Jackets mit diesem System an der linken unteren Seite des Jackets.

Mares Vector Chrome AT


Mares Airtrim Bedieneinheit
Airtrim-Bedieneinheit

Mares Airtrim, pneumatisches Entlüftungsventil
Pneumatisches Entlüftungsventil

Mares Airtrim - Ready-to-go
Airtrim - Ready-to-go

Ein weiterer wichtiger Unterschied zu den bisherigen Konzeptionen liegt in einem kleinem Schlauch auf der rechten unteren Jacketseite, der etwas versteckt aus seinem kleinen Aufbewahrungstäschchen lugt. Dieser Schlauch dient dazu das Jacket im Notfall - sprich bei Versagen der Bedieneinheit - per Mund aufblasen zu können. Bei den bisherigen Systemen erfolgte dies direkt über die Inflatoreinheit. Bei den pneumatischen Systemen ist dies nun räumlich getrennt. Um das Jacket per Mund aufzublasen, zieht man beim Mares Vector Chrome AT den Schlauch soweit als möglich aus der Tasche und pustet kräftig hinein. Schon füllt sich das System.

Mares Vector Chrome AT - Der Notschlauch
Mares Vector Chrome AT - der Notschlauch

Mares Airtrim - Der Notschlauch in seiner vollen Pracht
Der Notschlauch in seiner vollen Pracht

Beibehalten wurde die einfache Bedienung zum Be- und Entlüften des Jackets.

Vorteil dieses Systems sollen sein:
- Strömungsgünstigere Konfiguration durch fehlenden Faltenschlauch
- Einfachere Bedienung da selbst zur Entlüftung nur der Knopf an der Inflatoreinheit gedrückt werden muss
- Beibehaltung der klassischen Bedienweise (Knopfdruck zum Be- und Entlüften, Abkoppelung des Inflatorschlauches bei Systemfehler, Weiterverwendung der bisherigen Schlauchkomponenten)

Wie macht sich das Mares Vector Chrome AT aber in der Praxis? Ist das pneumatische System wirklich so einfach zu bedienen? Wie sensibel reagiert das System? Funktioniert die Entlüftung ohne Fehler? Wie ist die Qualität des Jackets insgesamt?

Auch in der Praxis tauchlich?

Der Tragekomfort des Jackets mit der in unserem Test verwendeten 15 Liter-Monoflasche war sehr gut. Mares gibt für die Version in Größe L einen Auftrieb von 14 Litern an, was ausreichend ist, aber für die maximale „Beladung“ mit einem Doppel-10L-Paket doch schon etwas knapp dimensioniert sein dürfte. Durch das integrierte Hardpack sitzt das "Gepäck" sehr gut. Nichts wackelt oder schlabbert. Das Anpassen des Jackets mit den Schulter- und Hüftgurten ist einfach und problemlos.

Kaum ist man im Wasser, sucht man als "Neuling" sofort den klassischen Inflator. Nachdem man aber ein bis zwei Mal vergeblich nach der gewohnten Faltenschlauchversion gegriffen hat, gewöhnt man sich sehr schnell an den Griff nach links unten. Das Befüllen erfolgt in gewohnter Weise per Knopfdruck und dies sehr schnell. Die ersten Airtrim-Systeme hatten hier noch einen Schwachpunkt. Mares hat dieses Problem jedoch mittlerweile sauber gelöst. Spätestens beim ersten Entlüften stellt man fest, wie feinfühlig man mit der pneumatischen Einheit tarieren kann. Durch dieses feinfühlige Verhalten werden größere Schwankungen der Tauchtiefe vermieden, was der Unterwasserwelt und dem eigenen Luftverbrauch zugute kommt.

Beim Druck auf die Entlüftung wird die Luft über Ventile, welche sich im Bereich der rechten oberen Schulter und des rechten Beckens befinden, abgelassen. Durch diese Lage ist es in nahezu jeder Situation möglich Luft abzulassen - und das ohne erst lange den Faltenschlauch in die richtige Position heben zu müssen. Ergänzend zu diesen Ventilen besitzt das Mares Vector Chrome AT noch ein zusätzliches Auslassventil auf der rechten oberen Schulterhälfte als Notablass. Klassisch bei Mares wird dieses Ventil über einen Zugmechanismus am rechten Schultergurt ausgelöst.

Bei der Tauchlage fiel uns im Test auf, dass das Jacket etwas dazu neigt den Taucher auf den Rücken zu drehen. Dies bedeutet, dass in seitlicher Tauchposition ein wenig "Ausgleichsarbeit" notwendig ist. Allerdings ist diese Tauchposition ja nicht der Normalfall. In allen anderen Positionen taucht sich das Mares Vector Chrome AT angenehm und komfortabel.

In Bezug auf Qualität lässt Mares keine Wünsche offen. Alle Nähte sind sauber verarbeitet. Die Außenhülle des Jackets besteht aus Cordura 1000, die Innenseiten aus Cordura 420 Denier Nylon. Die Schnallen machen einen stabilen Eindruck. Je ein D-Ring aus Metall an den Schultergurten erlaubt das Einhängen auch schwerer Ausrüstungsgegenstände. Positiv hervorzuheben ist, dass diese beiden D-Ringe gekröpft sind. Das heißt, der untere Teil des D-Rings steht leicht nach vorne weg, so dass das Einhängen der Ausrüstungsgegenstände deutlich einfacher erledigt werden kann, als bei D-Ringen die vollkommen flach aufliegen. Des Weiteren besitzt das Mares Vector Chrome AT noch zwei weitere D-Ringe aus Edelstahl und zwei aus Kunststoff. Genügend für alle Sporttaucherbedürfnisse. Auf jeder Seite des Jackets findet sich eine groß dimensionierte Tasche in der allerlei Kleinzeug ausreichend Platz findet. Ein tiefenkompensierender Bauchgurt rundet das saubere Jacketkonzept ab.

In Rahmen des Tests probten wir auch das An- und Abkuppeln des Inflators unter Wasser, was keinerlei Schwierigkeiten bereitete. Auch das Tarieren mit dem Mund unter Verwendung des "Notschlauches" ging einfach. Die Flasche sitzt durch das Hardpack sicher und rutschfrei. Längere Studien können wir zwar nicht nachweisen, aber eine Rückenschaden haben wir bei unseren Tests nicht davon getragen.

Für den Komfort nach, oder auch vor dem Tauchgang besitzt das Mares eine Griffschlaufe, welche das Tragen dank eines gummierten Griffes erleichtert. Als Ventilschlaufe gegen eine verrutschende Flasche ist diese Vorrichtung jedoch weniger geeignet.

Mares Vector Chrome AT - das hat uns gefallen:
- Sehr gute Verarbeitung
- Äußerst feinfühlige Tariermöglichkeiten
- Einfache und sinnfällige Bedienung
- Reduzierung des klassischen "Schlauchsalats"
- D-Ringe in stabiler Metallausführung, zum Teil gekröpft


Mares Vector Chrome AT - das könnte man verbessern:
- Auftriebsvolumen, speziell beim Einsatz mit der maximalen Flaschengröße von Doppel-10L
- Tauchlage unter Wasser leicht instabil

Aktueller Marktpreis circa 459,- €

MARES Jacket Vector Chrome

Mares Vector Chrome - die klassische Variante
Mares Vector Chrome - Die klassische Variante


Im Vergleich zum seinem Bruder dem Mares Vector Chrome AT ist das Mares Vector Chrome ein klassisches ADV-Jacket mit "normaler“ Inflatoreinheit. Vom Aufbau der Jacketkomponenten ähneln sich beide Produkte. Auch das Mares Vector Chrome ist sauber verarbeitet. Die verwendeten Materialien entsprechen denen des Mares Vector Chrome AT.

Den Auftrieb in der Größe L gibt Mares mit 13,5 Litern an. Auch das Vector Chrome soll als maximale Flaschengröße eine Doppel-10 Liter-Einheit tragen können, was wir aber aufgrund des dann relativ kleinen Auftriebs nicht empfehlen würden. Für 10l, 12l oder 15l-Monoflaschen, ist der gewünschte Auftrieb, bei einer normalen Körperstatur und sinnvoller Ausrüstungskonfiguration durchaus ausreichend.

Der klassische Inflator
Der klassische Inflator


Praktisch - klassisch

Bei der Plazierung der D-Ringe hat sich Mares bei der klassischen Variante dafür entschieden, auf dem rechten Schultergurt gleich zwei Edelstahl-D-Ringe anzubringen. Alle Schulter-D-Ringe sind dabei leicht gekröpft. Ein weiterer Unterschied zum Vector Chrome AT ist, dass das Vector Chrome ein integriertes Bleisystem hat. Mares bezeichnet das System werbewirksam als „MRS“, was nichts anderes wie „Mechanical Release System“ bedeutet und auf ein mechanisches Bleiabwurfsystem hinweist. Nachdem aber alle Hersteller mit „mechanischen“ Systemen arbeiten, ist dies mehr ein Marketingaspekt, denn ein besonderes Merkmal. Das „MRS“ besteht aus zwei Bleitaschen, die mit einem speziellen Sicherungssystem in die dafür vorgesehenen Taschen des Jackets eingeschoben werden. Zur Fixierung kommt ein Plastik“nippel“ zum Einsatz, in den die Taschen einrasten. Das Auslösen der Taschen erfolgt durch ein zusammendrücken des vorderen Teils, speziell des roten "Auslösehebels". Nachdem dieser betätigt wurde, können die Taschen einzeln herausgezogen bzw. abgeworfen werden.

Das MRS-Bleisystem
Das MRS-Bleisystem


Das Blei in den Taschen ist durch mehrere Klettverschlusssysteme äußerst sicher verstaut. Jede Bleitasche nimmt leicht zwei 2-Kilo-Stücke auf.

Hier fällt mit Sicherheit kein Blei heraus
Hier fällt mit Sicherheit kein Blei heraus


Im taucherischen Einsatz gab es beim Mares Vector Chrome einen interessanten Unterschied: Das Mares Vector Chrome lies sich unter Wasser in allen Lagen sehr gut tauchen und neigte auch nicht dazu den Taucher in eine spezielle Tauchlage zu drehen. Ansonsten gelten bezüglich der Flaschenbefestigung und deren anderen Aspekte die gleichen Aussagen wie für das Mares Vector Chrome.

Trimmbleitaschen für beide Jacketversionen können als optionales Zubehör geordert werden.

Mares Vector Chrome - das hat uns gefallen:
- Sehr gute Verarbeitung
- Sehr gute und stabile Tauchlage in jeder Position
- D-Ringe in stabiler Metallausführung, zum Teil gekröpft

Mares Vector Chrome - das könnte man verbessern:
- Auftriebsvolumen, speziell beim Einsatz mit der maximalen Flaschengröße von Doppel-10L

Aktueller Marktpreis 279 €

Fazit

Mit dem pneumatischen Tariersystem „Airtrim“ lässt sich sehr feinfühlig und genau tarieren. Der große Vorteil des Mares Vector Chrome AT: Die Bedienung geht nach kurzer Gewöhnungszeit in Fleisch und Blut über.Darüberhinaus ist sie so sehr angenehm. Das Jacket leistet sich keine großen Schwächen, außer der Tendenz den Taucher unter Wasser etwas aus seiner seitlichen Tauchlage zu drehen -aber wer taucht schon öfter auf der Seite?

Das Mares Vector Chrome ist klassisch, komfortabel, sicher zu bedienen und sehr gut verarbeitet - rundum eine gute Lösung. Durch das integrierte Bleisystem sitzt es bequem und rückenschonend. Ein empfehlenswertes Produkt finden wir.

© 2004, Ralf Dänzer, alle Angaben ohne Gewähr


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