Ein Reise- und Tauchbericht von
Christine & Norbert Roller
Die Ocean-Pro Tauchbasis / Lahami Bay ist die südlichste
Tauchbasis in Ägypten und nur 130 km von der sudanesischen
Grenze entfernt. Die Riffe, die als Fury Shoal bekannt sind, liegen
dicht vor der Küste, und das fast unberührte Hausriff ist
sogar nur 50 Meter vom Strand entfernt. Bis vor kurzem wurden die 23
Riffe, die von der Tauchbasis in Tagestouren angefahren werden, nur von
Safaribooten besucht.
Lahami Bay Beach Resort
Das zur Zeit südlichste Taucherhotel in Ägypten. Es
liegt nur 130km von der sudanesischen Grenze entfernt und ist
durch militärisches Sperrgebiet ausreichend geschützt. Vom
Flughafen Marsa Alam erreicht man es mit dem Bus nach 2,5 Stunden. Weit
ab von jeglicher Zivilisation erlaubt sich das Lahami den Luxus einer
eigenen Zeitzone. Eben Hurghada + 1/2 Stunde. (Nein, das ist kein
Scherz).
Das Lahami Bay Hotel war unter deutscher Leitung und auf Tauchurlaube
spezialisiert. Das merkten wir auch sofort nach der Ankunft, als nach
dem obligatorischen Malventee die Tauchbasis sofort über das
Procedere informierte. Da wir erst am späten Nachmittag ankamen
und es schon zu spät zum Einchecken in die Basis war, wurde
kurzerhand der 1. Tauchgang am Folgetag für die
Neuankömmlinge verschoben und somit die ganze Hektik schon im Keim
erstickt. Die in den einzelnen Bungalows liegenden Zimmer sind
groß und neu und lassen keine Wünsche offen.
Der Poolbereich mit der Poolbar und dem Restaurant mit traumhaftem
Blick auf das Rote Meer. Der Badestrand liegt etwas abseits, aber
dafür mit Sandstrand und der Nordspitze des Hausriffs in nur
wenigen Meter Entfernung.
Auch wer nicht taucht kann hier beim Schnorcheln fast alles sehen.
In der Nacht ist das Hotel romantisch beleuchtet, und in den
Beduinenzelten kann man den Abend bei einer Schischa oder einem
Stella-Bier ausklingen lassen. Nun, um ehrlich zu sein:
Nach 22 Uhr war in dem Hotel nicht mehr wirklich was los. Da das Hotel
zu einem großen Prozentsatz von Tauchern belegt war, die sich den
ganzen Tag mit Stickstoff betäubt hatten, war die Anlage am Abend
schnell menschenleer. Eine Hoteldisco gab es nicht. Auch am Tage war
das Hotel nur von wenigen Familien mit Kindern belebt, da die Taucher
auf Ganztagestouren mit den Tauchbooten unterwegs waren. Wer als
Nicht-Taucher ein schönes ruhiges Hotel suchte, hatte richtig
gewählt. Die Ausflugsmöglichkeiten beschränkten sich auf
den Kamelmarkt von Port Berenice und eine Wüstentour. Leihwagen,
Quads oder Motorräder konnte man keine ausleihen.
Die Einkaufsmöglichkeiten beschränkten sich auf den
Souvenirshop im Eingangsbereich. Das Essen war sehr gut und
abwechslungsreich und gesund.
Von dem Betrieb um die Tauchbasis oder dem lärmenden
Kompressor bekamen wir in unserem Bungalow nichts mit.
Als Fazit können wir das Hotel ohne Einschränkungen für
den gehobenen Tauchurlaub wärmstens empfehlen.
Ocean Pro Tauchbasis im Lahami Bay
Hotel
Schon beim Check-In erkennt man, dass es sich um eine Tauchbasis
unter
Schweizer Leitung handelt. Die Basis selbst sowie das aushängende
Material waren blitzblank. Die Damen und Herren an der Rezeption sind
freundlich und hilfsbereit. Nein, nicht diese übertriebene
antrainierte Freundlichkeit, sondern ganz natürlich nett.
Die Basis fuhr insgesamt 40 Ziele mit zwei Booten in Tagestouren an. 20
davon sind innerhalb von 90 Minuten zu erreichen.
Der kleine Hafen, nur wenige Minuten vom Lahami Hotel entfernt, ist
noch im Entstehen. Ein LKW-Shuttle brachte Taucher und Material zu den
Booten. Die Boote waren in einem Top Zustand, und die Crew war auf
Service geschult. Die Tauchguides kannten die Gebiete in und auswendig
und malten zu jedem Tauchgang eine detailreiche Karte. Erfahrene
Taucher wurden nicht gegängelt und konnten sich den geführten
Gruppen anschließen oder eben alleine losziehen. Wer wollte,
konnte gegen kleines Geld ein Mittagessen zwischen den Tauchgängen
genießen. Es war ein einfaches, aber immer gesundes und
schmackhaftes Essen. Der fröhliche Koch sprach wenig Englisch,
dafür konnte er gut kochen, und zum Abschied gab es sogar einen in
der Kombüse selbstgebackenen Kuchen. Einfach lecker.
Das auf vielen Tauchboten übliche Ritual, Touristen (oder eben die
Crew) in das Wasser zu werfen, wurde auch auf diesem Boot ausgiebig und
mit viel Freude für beide Seiten begangen. Natürlich nur, wer
wirklich ins Wasser wollte, musste mitmachen. Rettung gab es nur auf
dem Oberdeck.
Die Tauchbasis Ocean Pro können wir ohne Einschränkung
empfehlen. Service und Kosten stehen in einem fairen Verhältnis
zueinander. Durch die Mischung von Hausriff und Tagestouren kann man
auch mit Familie einen guten Kompromiss finden.
Wer übrigens glaubt, dass Schweizer keinen Humor hätten, der
wird sich schnell wundern. Denn wenn Alain, der Basisleiter, in
fließendem Arabisch Geschichten erzählt, dann liegt die
ganze ägyptische Bootscrew flach. Äh, wir hatten
natürlich nichts verstanden! ;-)
Shab Said North
Das Riff erreichten
wir schon nach gut 50 Bootsminuten. Es bestand fast
ausschließlich aus Hartkorallen, die wir dann nach dem
obligatorischen Checkdive ausgiebig genießen konnten.
Checkdives sind toll. Wir lieben sie
und sind schon ganz süchtig
danach. Es geht nichts darüber die Augen mit 4%-iger
Salzsäure mal richtig auszuwaschen. (Muss ja mal gesagt werden!)
Irgendwann hörten auch unsere Augen auf zu tränen, und wir
konnten dann ganz in Ruhe die Fotoausrüstung kalibrieren. Eine
sehr geduldige und wenig schreckhafte Riesenmuschel musste hierfür
Model stehen.
Für Fotografen ist es praktisch, wenn die Models sich nicht
wegbewegen können. ;-)
Nach gut 50 Minuten Tauchzeit waren wir wieder im Tauchboot. In
Ermangelung der farbenfrohen Weichkorallen und ausgefallener Fische war
es für uns eher ein eintöniger Tauchgang. Hatten wir deshalb
die lange Reise gemacht? Zugegeben, wir waren etwas enttäuscht.
Doch Hoffnung nahte. Für den Nachmittag wurde uns die
Südseite des Shab Said versprochen, und diese sollte angeblich
wesentlich abwechslungsreicher sein. Wir waren gespannt...
Shab Said South
Mit nur geringer Strömung rechnend planten wir einen
aus-giebigen
Tauchgang. Wir wollten um den linken großen Block und dann im
Kanal zwischen den beiden großen Blöcken zurück. Von
dort wäre es dann nur ein Katzensprung im Freiwasser zurück
zum Ankerplatz gewesen.
Mit meiner guten Orientierung und der tollen Tauchkarte kein Problem.
Soweit die Tauchgangsplanung, die wir dank der kunstvoll gezeichneten
Riffkarte vorgenommen hatten.
An der Südseite, die wenig Sehenswertes bot, paddelten wir gut 15
Meter tief an den westlichen Rand des Riffblockes. Im Kanal bestaunten
wir die Hartkorallenstöpsel in deren Durchbrüchen,
strömungsgünstig exponiert, schöne Weichkorallen im
Überfluss wachsen. In den Vertiefungen und Überhängen
gab es Tausende von kleinen durchsichtigen Fischen und mit etwas
Glück auch noch einen Igelfisch zu sehen. Wir konnten einen dieser
Schlafzimmerblick-Fische an einer Putzerstation entdecken und somit in
Ruhe und mal von vorne ablichten. In diese Augen könnte Mann sich
glatt verlieben.
Alleine an den Korallenstöpseln hätte man einen ganzen
Tauchgang zubringen können. Als wir dann die Nordkante Richtung
Westen umschwammen, kam es aber noch besser. Nur wenige Meter entfernt
wurden wir von einem ausgewachsenen Weispitzeriffhai
begrüßt, der ausnahmsweise nicht schreckhaft sondern
neugierig war. Für einige Zeit begleitete er uns, meist unter uns
im Zickzack schwimmend, entlang des Riffs.
Nach diesem tollen Erlebnis paddelten wir dann und
paddelten und suchten vergeblich nach dem Kanal zwischen den
Riffblöcken.
Die Beine wurden nach zwanzig Minuten langsam schwer, und auch die
Pressluft wurde deutlich knapper. Als wir endlich nach Süden
abbiegen konnten, sah es irgendwie nicht nach Kanal sondern eher nach
dem Außenriff aus. Die Sache war klar, wir hatten uns
gründlich verflogen, und eine Ortsbestimmung ließ sich nur
durch das Auftauchen vornehmen. Nun, die Überraschung war
groß. Wir hatten einen weiteren Riffblock, der hinter den beiden
weiter im Norden lag, gleich mit umrundet und waren somit endlos weit
vom Boot entfernt aufgetaucht. Die Strecke unterwasser
zurückzulegen war völlig unmöglich, denn wir hatten kaum
noch Luft in den Flaschen und auch nicht mehr genügend Kraft in
den Beinen. Somit blieb nur der noch mühsamere Weg an der
Oberfläche.
Zur Abkürzung schwammen wir quer über das mit gut 60cm Wasser
bedeckte nördlichere Riff und dann noch um die gesamte Westseite
bis weit um die Südspitze des Shab Said.Vollkommen fertig
erreichten wir nach schier endlosem Paddeln das
Ankerseil und versuchten unseren Puls zu beruhigen.
Wie peinlich ...
... und trotzdem war es, wie die Bilder ja zeigen, ein prächtiger
Tauchgang.
Den Hai hatte natürlich sonst keiner gesehen. :-)))
Shab Malahi
Das Riff
besteht auch aus großen Hardkorallenblöcken, die
von kleinen Riffbarschen bevölkert werden. Das Riff wirkt ohne die
bunten Weichkorallen und größere bunte Fische irgendwie
farblos.
Unser Tauchgang ging am Westrand entlang bis in den Kanal vor dem
großen Riffblock. Dort sollte die Hauptattraktion, kleine
Riffhaie, die in einer Höhle schlafen, für uns und unsere
Kamera bereitstehen. Sollten, nur waren diese leider abwesend. Schade,
gesehen hätten wir diese Kleinen sehr gerne. An Fotografieren war
nicht zu denken, denn...
...zu jedem guten Tauchurlaub gehören natürlich auch die
Probleme mit den Unterwasserblitzen. Es gehört einfach dazu, und
ich liebe es, wenn zu Beginn des Tauchurlaubes ein Blitz ausfällt.
Es erfüllt einen mit großer Freude, dass Mann, nachdem er
25kg Fotogepäck gepackt, dieses durch diverse Flughäfen
gewuchtet und im Schweiße seines ganzen Körpers auch noch
auf ein Tauchboot geschleppt hat, diese Leiden vergebens auf sich
genommen hat. Der Urlaub erhält auch gleich eine andere
Erholungs-Dimension, und Probleme mit Umwelt und Partner gibt es sogar
gratis.
I C H H A S S E U N T E R W A S S E R B L I T Z
E ! ! !
Aber der schlaue Fotograf plant dies mit ein, und der Ersatzblitz wird
dann ruckzuck zum Hauptblitz.
Ach ja, einen kleinen Napoleonfisch sahen wir auch noch. Er war super
zutraulich und somit vermutlich angefüttert. Aber wer will schon
Bilder von einem Napoleonfisch ;-(((
Ach ja, einen großen Weisspitzenriffhai sahen wir auch noch. Er
war glücklicherweise nicht zutraulich. Aber wer will schon Bilder
von einem Weisspitzenriffhai ;-(((
PS: Die Schnecke ist nicht etwa unscharf, weil sie sich zu schnell
bewegte, sondern weil der Fotograf vor Zorn nicht gescheit tarieren
konnte.
Shab Claudio
Die Mittagspause
nutzend, wurde der Reserveblitz als Hauptblitz
montiert. Dieser ist zwar viel schwächer, aber immer noch besser
als gar kein Blitz.
Das Schab Claudio ist fast ein kleines Hartkorallen-Höhlensystem.
Überall sind Durchbrüche, durch die man zur Oberfläche
sehen kann. Die Höhlen und Überhänge sind natürlich
perfekte Verstecke für allerlei populäre Fische. Mit Geduld
und detektivischer Suche wird man fündig.
Allein drei verschiedene Napoleons sahen wir während des
Tauchgangs. Sie waren jedoch schreckhafter und hielten Abstand. Auch
einen Blaupunktrochen, die man sonst im Roten Meer an jeder Ecke sieht
und die im Tauchgebiet eine Seltenheit darstellen, konnten wir
aufstöbern.
Wie sehr häufig in Hartkorallengärten zeigten Riesenmuschel
in allen Farben des Regenbogens ihr Innenleben. In getigertem Blau
hatten wir jedoch noch nie eine gesehen.
Ein unvorsichtiger, nachtaktiver Tintenfisch, der sich ganz in
einer kleinen Hartkorallenöffnung versteckt hielt, verriet sich
durch seinen ungezügelten Appetit. Der letzte Gang, eine Muschel,
lag noch direkt vor der Tür.
Ein Juwelenzackenbarsch in brauner Färbung zeigte uns die
Nähe zum Arabischen Meer an. Die im Roten Meer sehr häufig
anzutreffenden Raubfische haben eigentlich eine rote Grundfärbung.
Ein ausgewachsener Rostkopf-Papageifisch beäugte uns erst
kritisch, um dann in aller Ruhe wieder Stücke aus dem Riff zu
beißen. Die für diese friedliche Art typischen verwachsenen
und blau gefärbten Vorderzähne kann man gut erkennen.
Bunte Weichkorallen findet man jedoch nur selten. In exponierten
Durchbrüchen mit ausreichend Strömung versperren Büsche
aus schwarzen Korallen den Durchgang.
Makshure Süd
Makshure ist ein längliches Riff, das an den langen Seiten
steil
abfallende Wände und an den kurzen Enden einen flacheren Bereich
mit Hartkorallen hat. Es liegt mehr als 1,5 Bootsstunden von der Basis
entfernt und damit ganz am äußeren Rande des
Riffgürtels. Begegnungen mit Haien sollen, so kurz vor dem
Beginn des großen Grabens, eigentlich selbstverständlich
sein, aber wir mussten mit einem kleinen Napoleonfisch zufrieden sein.
Das Makshure erhält dank der exponierten Strömungslage viele
Nährstoffe. Sowohl die Weichkorallen als auch die feuerroten
Gorgonien haben außergewöhnliche Größen.
Das Makshure profitiert eindeutig von dem nur mäßig
entwickelten Tauchtourismus. Die Tauchbasis in Lahami Bay ist die
einzige, die dieses Riff, und das auch nur bei niedrigem Wellengang,
anfährt. Nur wenige Safariboote besuchen es auf der Südtour
oder dem Weg Richtung Sudan. Auch die Schifffahrtsroute für die
Tank- und Containerschiffe liegt weit weg, und so ist diese Riff nahezu
unberührt.
Diese unversehrte Fächerkoralle fanden wir in 36 Meter Tiefe. Der
Durchmesser war deutlich über 2 Meter.
Makshure Nord
Unser zweiter Tauchgang am Makshure sollte ein Drift-Dive
werden. Wir
wollten uns von der Mitte des Riffs an der steilen Wand entlang in den
flachen Bereich hineintreiben lassen. Leider gab es just zu dieser
Tageszeit keinerlei Strömung, womit reichlich paddeln angesagt
war. Traurig waren wir jedoch darüber nicht, denn mit starker
Strömung wäre es unmöglich gewesen, die vielen Details
im Riff zu finden und in Ruhe zu fotografieren.
Das Makshure war für uns das schönste Riff, das in
dieser Woche angefahren wurde, denn es bietet dank der exponierten Lage
sehr viel Abwechslung bei besten Sichtweiten. Die Wand ist sehr
schön mit Weichkorallen bewachsen und auf allen Tiefen sehenswert.
Nimmt man sich viel Zeit, so entdeckt man neben den
allgegenwärtigen Juwelenbarschen auch allerlei Kleines, wie zum
Beispiel die verschiedensten bunten Nacktschnecken.
Juwelenbarsche, die in Abwesenheit der Haie die Chefs am Riff sind,
beobachteten uns Großfische kritisch, aber respektvoll.
Ein zwischen Hartkorallen und dem Felsen eingeklemmter
schlafender Papageienfisch beäugte uns kritisch. Am so frühen
Nachmittag hat er sich noch nicht eingesponnen. Somit ist es dann
vermutlich nur ein Mittagsschläfchen.
Abu Galawa Kebir
Das Riff besteht aus einem großen und mehreren kleinen
Korallenblöcken, die nur mit wenigen Weichkorallen bewachsen sind.
Bei mäßiger Strömung zwischen den Riffblöcken kann
man durch die Kanäle von Block zu Block wechseln. Auch wenn das
Riff in einem relativ flachen Bereich liegt, und somit die Sicht durch
den Sandboden leicht trüb ist, haben wir eine große Vielfalt
von seltenen Fischen entdeckt..
Der Höhepunkt war definitiv ein Torpedorochen, der aufgescheucht
durch die Vorhut (-Taucher) zuerst gemächlich und nach einigen
aufdringlichen Fotos dann doch mit größerer Geschwindigkeit
durch das Wasser glitt. Dass er am Boden lebendes Kleingetier (wie
Fotofische) mit einem elektrischen Schlag lähmen kann, lernte ich
erst beim Nachmittagstee. ;-(
Kaum war der Torpedorochen verschwunden, schwebte eine Mangrovenqualle
von der Oberfläche auf uns herab. Irritiert durch unsere
Luftblasen suchte sie Halt an einer Koralle und offenbarte ihre
Tentakel, die bei dieser Quallenart auf der Oberfläche liegen. In
Symbiose mit dieser harmlosen und nicht nesselnden Qualle lebt meistens
ein Shrimp (Periclimenes holthuisi), den wir aber nicht entdeckt haben.
Wie immer ist dieser für die Reinigung zuständig und bekommt
zum Schutz ein perfektes Versteck und Futter. Cool!
Wir wollten gerade weiter schwimmen, da kam uns ein großer
prachtvoller Fledermausfisch entgegen geschwebt und sprach uns auf
Hocharabisch an. Er wollte wissen, warum wir so herumbummelten und
meinte, dass hätten wir nun davon... Die anderen "Komischen"
hätten am Wrack schon gewütet und den ganzen Sand
aufgewirbelt und nun müssten wir uns auch nicht mehr beeilen. Und
es wären immer die Gleichen die bummelten und seinen Zeitplan
durcheinander brächten und.... Ich wollte gerade zur Erwiderung
ansetzen, da schwamm er auch schon zwinkernd und mit der gelben
Seitenflossen winkend weiter.
Schlepperwrack "Tienstin"
Nun, was soll ich sagen, der Fledermausfisch hatte Recht. Gleich
hinter
der nächsten Ecke sahen wir das runde Heck der Tienstin tief in
den Sandgrund gerammt. Durch die Schräglage war noch ein wenig vom
Ruder und Propeller zu erkennen. Ob es überhaupt die Tienstin war
ist allerdings fraglich, denn als Schlepper hätte diese sich weit
weg vom Festland und dem nächsten Hafen gewagt. Der einzige
nützliche Hinweis scheint zu sein, dass seit Mitte der 50er Jahre
ein Schlepper mit dem Namen Tienstin in diesem Teil des Roten Meeres
vermisst wird.
Das kleine Wrack schmiegt sich an einen der Riffblöcke und
ist vollständig und wunderschön mit einem Hart- und
Weichkorallen-garten bewachsen. Der Rumpf liegt in der Mitte etwas
hohl, und natürlich musste sich jeder hindurchzwängen. Ich
konnte mich auch nicht zurückhalten, und noch während ich
mitten darunter war, drängte sich mir der Gedanke auf, was wohl
wäre, wenn die alte Dame jetzt nachrutschen würde. Aber da
war es auch schon geschafft, und ich zwängte mich zwischen Riff
und Boot nach oben und über die Reling. Da bei Ebbe der Bug noch
etwas aus dem Wasser schaut, war die Richtung der weiteren Besichtigung
vorgegeben.
Durch zahlreiche Öffnungen kann man gefahrlos in den Maschinenraum
und in die Kajüte schauen. Vom Vorderdeck kann man in den
Maschinenraum eindringen. Der große Schiffsdiesel ist noch
vollständig erhalten, und man hatte das Gefühl, als
würden die Mechaniker noch gleich von der anderen Motorseite
über die Roste angelaufen kommen. Die Messingbullaugen standen
alle auf und die Öffnungen leuchteten in hellem Blau.
Das Wrack der Tienstin war, bedingt durch die geringe Tiefe, sehr
leicht zu betauchen. Den Weg in den Maschinenraum braucht man nicht zu
suchen, denn durch die zahlreichen Bullaugen lassen sich alle Details
bestens erkennen. Ein Lampe ist sehr hilfreich, um die Tausenden von
Glasfische im Innern anzuleuchten. Ob die Kapitänstoilette (als
angepriesenes Highlight) wirklich so der Höhepunkt ist, wage ich
zu bezweifeln. Durch die geringe Tiefe hat man auf jeden Fall viel Zeit
für den tollen Bewuchs und die Tiere, die sich darin und darunter
verstecken.
Den kleinen und normalerweise super schreckhaften blauen
Schleimfisch haben wir ganz in der Nähe des Wracks entdeckt.
Abu Karim Soraya (Vater Karin Klein)
Das nur eine Bootsstunde vom Lahami Hotel entfernte Abu Karim Riff
besteht aus einem großen Hauptteil sowie einer Ansammlung von
Korallenblöcken an den kurzen Seiten. Direkt an der Nordwestspitze
befindet sich ein kleiner Hartkorallengarten. Im Korallengarten
wimmelte es von kleinen Fischen. Die farbenfroheren Weichkorallen sah
man indes nur sehr selten.
Ganz im Westen stehen viele Tischkorallen, unter denen sich dann so
Allerlei versteckt. An einer exponierten Stelle streckte eine
große schwarze Koralle die Arme in die Strömung. Der
meistens dazugehörige Langnasenbüschelbarsch war leider
nirgends zu sehen.
Dieses Riff ist nicht ganz so vielseitig, aber nach so vielen
hervorragenden Riffen wird man halt auch immer verwöhnter.
Beni Sharari
Das Beni Sharari Riff ist das dem Hausriff am nächsten
gelegene
Riff der Fury Shoals Riffgruppe. Es ist bei hohem Wellengang, so wie an
unserem Tauchtag, in kurzer Zeit zu erreichen. Trotz der Nähe zum
Ufer hat das Riff eine erstaunlich hohe Artenvielfalt.
An der Südspitze hat das Beni Sharari einen schönen
Hartkorallengarten, der auf 15 Metern Tiefe beginnt und sich bis auf 25
Meter erstreckt. Der dort anschließende Sandbereich reicht bis
auf 36 Meter, von wo das DropOff steil in die Tiefe fällt. Das
DropOff erstreckt sich über die gesamte Ostseite des Beni Sharari.
Die Strömung streicht in Nord-Süd Richtung verlaufend am Riff
entlang und versorgt die Korallen optimal mit Nährstoffen.
Auch an größeren Fischen mangelte es am Beni Sharari nicht.
Im Freiwasser patroulierten Dickkopf-Stachelmakrelen, und direkt am
Riff wurden wir während des ganzen Tauchgangs von kapitalen
Zackenbarschen verfolgt.
Trotz all dieser Vielfalt begeisterte uns jedoch eher das Kleine, und
es war zu schade, dass die Kamera nicht auch Unterwasser auf Makro
umgeschaltet werden kann. Heranzoomen geht aber, und so erscheint das
eine oder andere Objekt in Originalgröße. Leider nicht immer
gestochen scharf.
Der kleine Spanische Dreiflosser mit dem schönen Namen Triptery
Giidae wurde erst vor einigen Jahren entdeckt. Er misst höchstens
2,5 cm, ist nur im südlichen Roten Meer heimisch und extrem
selten. Schade, dass einer von uns beiden nicht stillhalten konnte!
Gleich zu Beginn des Tauchgangs stießen wir auf eine rege
besuchte Putzerstation. Um die Putzerfische und Putzergarnelen nicht zu
gefährden, halten selbst schreckhafte Tiere lange still und
gewähren sogar die starke Annäherung.
Auch ein prachtvolle Blasenanemone, die von zwei wehrhaften
Clownfischen verteidigt wird, ist über und über mit diesen
winzigen Partnergarnelen besetzt. Mit 1 bis 2 cm leider auch zu klein,
um ein scharfes Bild abzugeben.
Wie schon von den Tauchlehrern angekündigt, finden wir viele
Gelege von der nachtaktiven Spanischen Tänzerin. Ein
Foto-Nachttauchgang wäre hier sicherlich nicht unerfolgreich.
Der abgebildete Blaupunktrochen war einer der wenigen, den wir bei
allen Tauchgängen sahen. Während man in Hurghada
förmlich über die Blaupunktrochen stolpert, waren diese hier
im Süden sehr rar.
Lahami Süd
Das Shab Lahami
liegt direkt vor der Hotelanlage und ist mit dem Boot
in wenigen Minuten erreicht. Wer glaubt, dass es deshalb weniger
spannend ist, als die weiter abliegenden Riffe, wird sich schnell
wundern.
Shab Lahami hat an der Südspitze einen sehr schönen
Korallengarten, der in Sand übergehend bis auf 30 Meter sanft
abfällt, um abrupt an einem Drop Off zu enden.
Die Strömung, die konstant von Norden am Riff entlang geht,
bringt reichlich Nährstoffe. Wir sahen große und
kleine Makrelen in riesigen Schwärmen, die von
Stachelmakrele gejagt wurden.
Auch die Zackenbarsche, die in unterschiedlichster Färbung, von
leuchtendem rot bis braungetigert, sich unter Riffblöcken
ausruhten, sind fleißige Jäger. Für das Riff, das mit
intakten Hartkorallen vollständig überwuchert war, hatte dies
keinen erkennbaren Nachteil. Das Shab Lahami war überaus
artenreich und bot vom Igelfisch, Picassofisch, der Seenadel bis hin
zum Blaupunktrochen und Napoleon von allem etwas.
Der kleine schwarzweiße Schnapper sieht deutlich anders aus
als seine Eltern. Wir dachten schon, wir hätte eine neue Art
entdeckt. ;-)
Nachttauchgang am Hausriff - Boje 2
Je weiter das Tauchboot sich vom Ufer entfernte, desto ruhiger wurde es
auf dem Tauchboot. Die aufgeregte Stimmung wich einer Spannung auf den
Tauchgang in fast völliger Dunkelheit. Nur mit einer kleinen Lampe
bewaffnet wollten wir die größte Nacktschnecke, die
Spanische Tänzerin, aufspüren. Diese gibt es am Hausriff
mehrfach, nur leider ist sie nachtaktiv.
Eigentlich machen wir uns aus Nachttauchgängen nicht viel. Das
liegt vermutlich auch daran, dass es immer der dritte Tauchgang am Tag
war und man irgendwie "satt" von den vorangegangen Tauchgängen
war. Aber die Spanische Tänzerin hatten wir noch nie gesehen und
auch noch nicht fotografiert, und deshalb befanden wir uns auf diesem
Tauchboot.
In langsamster Fahrt trieb das flache Tauchboot auf das Hausriff zu, um
uns dann an der 2. Boje abzusetzen. Hier war das Riff mit 15 Metern
flach genug, um kein unnötiges Risiko einzugehen, und man konnte
um die Korallenblöcke im Zickzack schwimmen, um mal Innenriff und
mal Außenriff zu betauchen.
Da wir das Riff an dieser Stelle noch nie betaucht hatten, wirkte,
trotz des guten Briefings, alles fremd. Wir tauchten als erstes ab, und
im Schein der Lampen waren wir sofort in einer "Wolke" von
Kleinstlebewesen. Diese war so dicht, dass wir das Riff in
wenigen Metern Entfernung fast nicht erkennen konnten. Am Riff
selbst war alles Nachtaktive eilig auf dem Weg, um seine Portion zu
erhaschen. Gut für uns, denn wir konnten vieles antreffen, was wir
bei Tag noch nie oder nur selten gesehen hatten.
Unser Traumobjekt, die Spanische Tänzerin war schon nach 4 Minuten
entdeckt. Extrem lichtscheu war sie in kürzester Zeit auch schon
wieder im Riff verschwunden. Eigentlich hatte ich mich auf eine
länger Suche eingestellt, und die Kamera mit den Blitzen war noch
gar nicht justiert. Aber wir hatten Glück. Ein zweites Exemplar
nur einige Meter weiter überraschten wir bei der Eiablage und
dieses war zwar auch gleich auf der Flucht vor dem Licht, aber eben
nicht schnell genug. So kamen wir zu mehreren tollen Bildern. Erstaunt
waren wir über die Größe der Schnecke, die die
Länge eines Unterarms hatte. Erst an Land lernten wir, das in den
Büscheln immer ein Paar Partnergarnelen lebt. Das haben wir
verpasst. [Wer lesen kann ist klar im Vorteil.
;-)]
Neben den gefräßigen Kelchkorallen wartete ein kleiner
Skorpionsfisch auf seine Chance. Dieser war so gut getarnt, dass man
ihn auch auf dem Foto nur sehr schwer erkennen kann.
Die schönen weißen Punkte mit denen der Lederseeigel
geschmückt scheint, sind Giftblasen, mit denen er sich
zusätzlich zu seinen Stacheln verteidigt. Auch für Menschen
ist dies eine überaus schmerzhafte Begegnung.
Tauchgang am Hausriff - Boje 2
Ja, selbstredend meuterten wir alle. Nur wegen zweier starköpfiger
Zeitgenossen musste die ganze Mannschaft, nur wenige Stunden nach
dem Nachttauchgang, erneut die Boje 2 besichtigen.
Normalerweise hätten wir verzichtet, aber es war der
Abschlusstauchgang einer wunderschönen Tauchreise, und deshalb
ließen wir uns dann doch alle breitschlagen.
Schon beim Abtauchen wunderten wir uns. Das Riff kam uns
vollständig unbekannt vor. Nicht eine Stelle, die wir in der Nacht
erkundet hatten, fanden wir wieder. Sehr gut, denn nun konnten wir
erneut auf Entdeckungsreise gehen. Die Riffblöcke waren
unterschiedlich schön bewachsen. Teilweise stark versandet und an
anderen Stellen schaute man zwischen die Felsen, und es sah aus wie in
einem Aquarium.
An einer versandten Felswand entdeckten wir eine Seenadel-Kolonie. Aus
der gleichen Gattung bevölkerten die maximal 11 cm großen
Tiere in verschiedensten Varianten den Block.
Den kleinen roten Fisch, den mit den Perlenaugen und dem schönen
Fischmund, konnten wir noch in keinem Bestimmungsbuch finden. Der
Kleine kann höchstens 2 cm lang sein.
Auch wenn Boje 2 hinter den anderen Riffen mit der Vielfalt und den
Korallen etwas zurückstand, so war es bei Nacht, mit den
Spanischen Tänzerinnen, auf jeden Fall sehenswert.
Anmerkung Redaktion: Wir danken Christine und Norbert Roller
von www.kacr.de für diesen schönen Urlaubsbericht und den
tollen Bildern. Auf Ihren Seiten findet Ihr noch weitere Berichte und
eine Fotoauswahl die ihresgleichen sucht!
Es gibt Tausende von Taucherseiten im Netz. Wir helfen Dir auf unseren Link-Seiten, den Überblick zu bewahren. Mit der größten Linksammlung zum Thema Tauchen weltweit findest auch Du genau die Internet-Seiten, die dich interessieren.
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