Im August dieses Jahres versank die Segelyacht PFEIL im Ammersee. Bei
einer Regatta wurde die Yacht von einer starken Windböe erfasst, das
Boot neigte sich so stark zu Seite, dass das Seewasser über die Bordwand
in das Innere des Schiffes strömen konnte. Innerhalb von Sekunden versank
das Boot Bug voran im See. Unglücklicherweise an einer der tiefsten
Stellen des Sees.
Die Yacht "Pfeil"
Bei dem Boot handelt es sich um einen wunderschönen 45er national
Kreutzer, Baujahr 1915. Dieses elegante und sehr gut restaurierte Boot
sollte unbedingt gehoben werden.
Die Firma Mantz Unterwassertechnik (Website) übernahm den Auftrag
zur Bergung. Das Boot wurde wenig später lokalisiert, es steckte aufrecht
und noch unter vollen Segeln im Grund im Schlick des Ammersees, in einer
Tiefe von ca. 60 Metern. An dieser Stelle herrschen aufgrund des starken
Wasserzulaufes der Ammer schlechte Tauchbedingungen am Grund, schlechte
Sicht und eine konstante Strömung.
Das U-Boot bei der Aufahrt zur Bergung
Im nächsten Schritt wurden mit dem U-Boot der Firma Mantz starke
Taue befestigt und auf verschiedenen Tiefen daran Hebesäcke befestigt,
die teilweise von der Wasseroberfläche aus mit Druckluftschläuchen
gefüllt werden konnten.
Bei dem nun folgenden ersten Versuch der Bergung gab es technische Probleme,
zwar konnte das Boot aus dem Schlamm befreit, einige Meter gehoben werden,
kurz darauf sank es aber wieder auf Grund. Mit dem Boot verschwand auch
einer der Druckluftschläuche, der zu den in der Tiefe befestigten Hebesäcken
führte.
Cockpit des U-Bootes
Am 10.09. bekam ich abends einen Anruf vom Herrn Mantz, mit dem ich schon
öfter bei Projekten am Starnberger See zusammengearbeitet hatte.
Da ich in den letzten Wochen mit Interesse die Fortschritte der Bergung
beobachtet hatte, musste er mich nicht lange überreden, bei der Bergung
taucherisch mitzuhelfen und einen interessanten Part zu übernehmen.
Unsere Aufgabe bestand darin, die ausgefallenen Hebesäcke zu ersetzen
und sie zu befüllen. Nach erfolgreichem Anheben des Bootes um jeweils
ca.15 Meter wurden die jeweils an der Wasseroberfläche angekommenen
Hebesäcke mit zusätzlichen Hebesäcken ergänzt, um das
Boot und uns vor einem erneuten Absinken zu schützen. Es wurden dann
wieder Hebesäcke auf 15 Meter Tiefe gesetzt und der Vorgang wiederholt
bis wir das Boot auf einer Tiefe von 22m gehoben hatten.
Bei einem der ersten tieferen Tauchgänge gelang es uns zudem, den
verloren geglaubten Druckluftschlauch zu bergen, was die Aktion deutlich
vereinfachte.
Lino und Marcus vor der Bergungsaktion
Bei dieser Aktion gab es stets folgende Risikofaktoren: Alle Arbeiten
waren im Freiwasser über 60 Meter Grund bei schlechten Sichtverhältnissen
und mit Lampen durchzuführen. Sollte das Boot während der Arbeiten
erneut absinken, könnte man sich recht schnell auch auf dieser Tiefe
befinden.
Es waren immer ungefähr 2 - 2,5 Tonnen Hebekraft im Einsatz. Aufgrund
dieser Kräfte gab es Materialermüdung, es wurden mehrere Karabiner
unter Wasser ausgetauscht oder mit zusätzlichen Leinen gesichert.
Es waren ca. 12 Hebesäcke mit jeweils 350 Litern im Einsatz, die immer
mal wieder umgesetzt und befüllt werden mussten. Beim Befüllen
der Säcke kam es oftmals vor, dass die Befestigungsleine der Säcke
unter Druck um einige Zentimeter verrutschte, stets musste man also ein bisschen
auf seine Finger aufpassen.
Bild aus dem U-Boot
Dann kam für uns der schönste Augenblick: Nachdem wir als letzte
Tat eine Schleppleine am Bug befestigt hatten, konnten wir endlich das
freischwebende Schiff betauchen. Wie schwerelos schwebte der PFEIL unter
vollen Segeln im Wasser, 40 Meter über Grund des Ammersees. Ein besonderer,
fast ergreifender Anblick, dieses elegante Boot auf diese vom Kiel bis zur
Mastspitze betrachten zu können. (Markus hat gemeint "fast mystisch"
).
Ein bisschen geärgert hat mich dabei nur, dass ich aus Respekt vor
der Arbeit weder Photo noch Video dabei hatte, um dieses einmalige Bild festzuhalten.
Damit war unser Einsatz beendet, wir waren nach ungefähr 3 Stunden
im Wasser am Ende unserer Luft- und Kraftreserven.
Das Boot wurde anschließend in flaches Wasser geschleppt, die Bergung
wurde dann unter Mithilfe der Wasserwacht beendet.
Besonderen Dank an Markus Geigel, der mich bei dieser Aktion unter Wasser
begleitet und unterstützt hat. Seine Aufgaben waren neben der Bereitstellung
der ab und zu benötigten 3 Hand, die Überwachung, dass
ich mich bei den Arbeiten nicht irgendwo in der Takelage des Bootes oder
in den Leitungen und Seilen der Hebevorrichtung verknote.
Zudem Danke an die Leute vom Mantz für die äußerst nette
und professionelle Zusammenarbeit.
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