Gestärkt durch die Erfahrungen des letzten Jahres ( wir berichteten ) und mit beinahe identer Tauchmannschaft
(Florian Wicke neu; Gustl Seywald fiel wegen einer Operation an der Schulter
aus), aber gesteigerten Ansprüchen und größerem Aufwand,
fand heuer die Fortsetzung unseres Forschungsprojektes Palfauer
Wasserloch vom 12.-23. August statt.
Ein großer Teil der Ausrüstung konnte am ersten Projekt-Wochenende
per
Hubschrauber transportiert werden. Die Wetterbedingungen für die
Frachtflüge waren äußerst grenzwertig.
Von April bis Juli wurden ein neuer, verbesserter drehbarer Kran, sowie
eine über dem ersten Wasserfall am Höhleneingang positionierte Arbeitsplattform
auf den Berg getragen und eingebaut. Beides bewährte sich gut, denn
aufgrund der lang anhaltenden und heftigen Regenfälle (Zitat: „wenn´s
so weiter regnt, werd´ i mit der Suppn nie fertig“) wären heuer
sonst statt der durchgeführten 11 Tauchgänge in 8 Tagen nur 3
möglich gewesen.
Das benötigte Equipment wurde mittels Winde und eigens konstruiertem
Kran
zum 30 Meter tiefer gelegenem Höhleneingang befördert.
Der Materialaufwand stieg heuer auf knappe 4 Tonnen Ausrüstung,
Technik- und Einbaumaterial, wobei in 216 Aufstiegen durch die Klamm 2.200
kg auf dem Rücken der Teilnehmer auf den Berg und 3.000 kg ins Tal gebracht
wurden. Der Rest konnte heuer per Hubschrauber – bei schwierigen Witterungsbedingungen
mittels hängender Außenlast – durch eine schmale Anflugschneise
im Bergwald auf ein 4x1,5 m großes Zielgebiet am Berghang durch Heeresspezialisten
transportiert werden; eine deutliche Erleichterung für die 10 ständigen
und 18 zeitweiligen Expeditionsteilnehmer.
Für etwaige Zwischenfälle stand ein Hyperbarmediziner
ständig vor Ort zur Verfügung,
eine eigene Rettungsstrecke wurde im Canyon eingebaut.
Trotz des kurzfristigen Ausfalles einiger Spezialisten konnten durch
das kräftige Zupacken der Helfer bis zu 3 Tauchgänge pro Tag reibungslos
durchgeführt werden. 166 Materialfahrten mit der Seilwinde waren für
die Forschung und anschließende Filmarbeiten notwendig, ebenso der
Einbau einer Rettungsstrecke für den Notfall. Franz Bina stand uns
für alle Tauchtage als Hyperbarmediziner und Notarzt gemeinsam mit
Andy Bigler und Margit Decker als Einsatzpersonal der Höhlenrettung
Niederösterreich zur Verfügung.
Taucher und Einsatzpersonal mussten sich abseilen und mittels
Single-Rope-Technik am Seil auch wieder hochsteigen
(nach den Tauchgängen und mehrstündiger Wartefrist).
Die Tauchgänge
Die Höhle bei niedrigem Wasserstand - im hinteren Bereich beginnt
die Tauchstrecke.
Die Höhle wurde in 11 Tauchvorstößen mit 76 Flaschen bis
zu Ihrem tiefsten Punkt auf minus 71 Meter betaucht, vollständig vermessen
und die 3 Seitengänge befahren. Der erste, schon 2003 entdeckte, steigt
senkrecht bis auf 13 Meter an, wird sehr schlammig und kleiner als 50 cm,
so dass Martin ihn auch mit Minimalausrüstung nicht befahren konnte.
Verwendet wurden als Grundgase Nitrox 32, Trimix 13/54, 17/48 und 20/35
sowie als Dekogase Nitrox 36, 50 und Reinsauerstoff.
In monatelanger Vorarbeit wurde beim Höhleneingang eine Plattform
errichtet, um schüttungsunabhängig zu sein. Im Bild das Team bei
den Vorbereitungen zu einem Vermessungstauchgang.
Die beiden anderen Seitengänge erwiesen sich als Schuppen, die blind
enden: die eine auf 28 Meter waagrecht (ca. 8 Meter lang), die andere von
33 bis 42 führt wieder in die Hauptkluft zurück. Diese Schuppe
ist am Rand messerdünn und teilt sich in ihrem Verlauf nochmals in mehrere
dünne Lamellen, weshalb sie den Namen „Luftfilter“ erhielt.
Der Hauptgang zieht als Kluftspalt mit zahlreichen Schuppen und Auskolkungen
in einer Länge von 10-15 m und 1-4,5 m Breite in Richtung Süd-Nord
mit geringer Ostabweichung. Er ist um um 12 Grad nach Osten geneigt und
um sich torquiert senkrecht bis 33 Meter. Danach verläuft er in einem
Winkel von ca. 45 Grad bis ca. minus 65, um dann 20 Meter gerade auszulaufen.
Bodenbeschaffenheit: Von 33 Meter bis 65 Meter Tiefe eine Schutthalde aus
größeren und kleineren Versturzblöcken, von minus 65 bis 71
zuerst Kies, dann Sand. Danach steigt der Siphon in einem senkrechten, glattwandigen
Schacht an, der bis 55 Meter betaucht wurde.
Ein Taucher erforscht einen Überhang im Bereich des Kluftspaltes.
Mehrere kleinvolumige aber strömungsstarke Zuflüsse zwischen
12 und 6 Meter Wassertiefe. Die Sicht schwankte zwischen einem und vier
Meter, abhänging von der Schüttung - am meisten Sediment wird von
den Zuflüssen zwischen 12 und 6 Meter Wassertiefe eingebracht.
Der Wasserstand im Höhleneingang schwankte witterungsbedingt zwischen
40 und 240 cm, die Taucher mussten zeitweise mir Zugseilen und Umlenkungen
zur Abtauchzone „gezerrt“ werden. Ein Temperatur- und Drucklogger wurden
angebracht und zweimal täglich Wasserproben für das Hydrologische
Institut entnommen. Filmaufnahmen für die LAG Gesäuse/Eisenwurzen
und Betreuung des, mit den ungewohnten Bedingungen geforderten Kamerateams,
ließen auch die letzten Tage nicht langweilig werden.
Ein Kameramann wird von Projektleiter Robert Kriz bei starkem
Hochwasser zur Abtauchzone gebracht.
Zeit und Personal für den Abbau und Abtransport am Sonntag Abend
und Montag waren eng bemessen. Bis zu 3 Auf- und Abstiege mit 30-40 kg
Rücklast waren notwenig - am Klammsteig waren eigentlich nur Rucksäcke
mit Beinen zu sehen. Ohne die Bergrettung, die uns und die Filmmannschaft
mit ihren breiten Rücken unterstützte und Patricia, die vielen
Klammbesuchern Ausrüstungsgegenstände zum Tragen anhängte,
wäre es in der kurzen Zeit nicht zu bewerkstelligen gewesen. Unvergessen
bleibt mir die Dame, die mir am Steig begegnete – mit meinen Flossen in der
einer und dem Sonnenschirm der Tauchplattform in der anderen Hand - und mich
nach dem Weg zum Strand fragte.
Ohne Plattform wären durch den langanhaltenden Regenfall
die meisten Tauchgänge nicht möglich gewesen.
Weitere Forschung
Als nächstes Ziel stellt sich die Oberflächensuche nach weiteren
Zugängen zum ansteigenden Ast des Siphons und seine Betauchung von
der einen oder anderen Seite. Dazu sind Investitionen in Ausrüstung,
Technik und Sponsoren nötig, denn schon jetzt bewegt sich die Tauchgangszeit
zwischen 77 und 106 Minuten bei 5-6 Grad Wassertemperatur.
Unter der Woche mussten Material und Flaschen wieder
auf Schusters Rappen über die Steiganlage der Klamm
transportiert werden (350 Höhenmeter).
Wir danken
Für dieses Jahr danken wir allen Teilnehmern und Helfern für
Ihren hervorragenden Einsatz, der Höhlenrettung Niederösterreich
mit den Einsatzstellen Wien, Niederösterreich West und Neunkirchen,
der Wasser-Rettung St. Pölten, der Gemeinde Palfau, der LAG Gesäuse-Eisenwurzen,
den Österreichischen Bundesforsten, der Wasserlochschenke sowie den
Firmen KMR, Fulda, Speleoconcepts, H20 & Co, Scubanautic, Aquarius Rex
und der Schlosserei Bruckmüller.
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DiveInside Märzausgabe (25.02.2012) Zur Information: Das Erscheinungsdatum der DiveInside, Ausgabe März 2012, ist der 13.März. In der Vorschau der letzten Ausgabe hatten wir den 27.Februar angekündigt. (mehr) Frohe Weihnachten und ein gu.. (23.12.2011)
Wir wünschen euch allen ein ruhiges und besinnliches
Weihnachtsfest und natürlich einen guten Rutsch in ein
fantastisches und vor allem gesundes Jahr 2012!
Wir bedanken uns ganz herzlich (mehr) Zahlenjubiläum auf Taucher.N.. (06.02.2011)
Heute, am 6.Februar 2011, feiern wir ein kleines Zahlenjubiläum.
Um exakt 18:13 konnten wir den 50.000.000 User auf Taucher. Net
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