Höhlentauchprojekt Palfauer Wasserloch

 Geschrieben von Robert Kriz

Höhlentauchprojekt Palfauer Wasserloch

Projektfortschritt 2004

von Robert Kriz

Gestärkt durch die Erfahrungen des letzten Jahres ( wir berichteten ) und mit beinahe identer Tauchmannschaft (Florian Wicke neu; Gustl Seywald fiel wegen einer Operation an der Schulter aus), aber gesteigerten Ansprüchen und größerem Aufwand, fand heuer die Fortsetzung unseres Forschungsprojektes Palfauer Wasserloch vom 12.-23. August statt.

Tauchexpedition Palfauer Loch, Hubschraubertransport
Ein großer Teil der Ausrüstung konnte am ersten Projekt-Wochenende per
Hubschrauber transportiert werden. Die Wetterbedingungen für die
Frachtflüge waren äußerst grenzwertig.


Von April bis Juli wurden ein neuer, verbesserter drehbarer Kran, sowie eine über dem ersten Wasserfall am Höhleneingang positionierte Arbeitsplattform auf den Berg getragen und eingebaut. Beides bewährte sich gut, denn aufgrund der lang anhaltenden und heftigen Regenfälle (Zitat: „wenn´s so weiter regnt, werd´ i mit der Suppn nie fertig“) wären heuer sonst statt der durchgeführten 11 Tauchgänge in 8 Tagen nur 3 möglich gewesen.

Materialtransport, Tauchexpedition Palfauer Loch
Das benötigte Equipment wurde mittels Winde und eigens konstruiertem Kran
zum 30 Meter tiefer gelegenem Höhleneingang befördert.


Der Materialaufwand stieg heuer auf knappe 4 Tonnen Ausrüstung, Technik- und Einbaumaterial, wobei in 216 Aufstiegen durch die Klamm 2.200 kg auf dem Rücken der Teilnehmer auf den Berg und 3.000 kg ins Tal gebracht wurden. Der Rest konnte heuer per Hubschrauber – bei schwierigen Witterungsbedingungen mittels hängender Außenlast – durch eine schmale Anflugschneise im Bergwald auf ein 4x1,5 m großes Zielgebiet am Berghang durch Heeresspezialisten transportiert werden; eine deutliche Erleichterung für die 10 ständigen und 18 zeitweiligen Expeditionsteilnehmer.

Tauchexpedition Palfauer Loch, Trage
Für etwaige Zwischenfälle stand ein Hyperbarmediziner ständig vor Ort zur Verfügung,
eine eigene Rettungsstrecke wurde im Canyon eingebaut.


Trotz des kurzfristigen Ausfalles einiger Spezialisten konnten durch das kräftige Zupacken der Helfer bis zu 3 Tauchgänge pro Tag reibungslos durchgeführt werden. 166 Materialfahrten mit der Seilwinde waren für die Forschung und anschließende Filmarbeiten notwendig, ebenso der Einbau einer Rettungsstrecke für den Notfall. Franz Bina stand uns für alle Tauchtage als Hyperbarmediziner und Notarzt gemeinsam mit Andy Bigler und Margit Decker als Einsatzpersonal der Höhlenrettung Niederösterreich zur Verfügung.

Tauchexpedition Palfauer Loch, Abseilen
Taucher und Einsatzpersonal mussten sich abseilen und mittels
Single-Rope-Technik am Seil auch wieder hochsteigen
(nach den Tauchgängen und mehrstündiger Wartefrist).



Die Tauchgänge

Tauchexpedition Palfauer Wasserloch, Höhle Innen
Die Höhle bei niedrigem Wasserstand - im hinteren Bereich beginnt die Tauchstrecke.

Die Höhle wurde in 11 Tauchvorstößen mit 76 Flaschen bis zu Ihrem tiefsten Punkt auf minus 71 Meter betaucht, vollständig vermessen und die 3 Seitengänge befahren. Der erste, schon 2003 entdeckte, steigt senkrecht bis auf 13 Meter an, wird sehr schlammig und kleiner als 50 cm, so dass Martin ihn auch mit Minimalausrüstung nicht befahren konnte. Verwendet wurden als Grundgase Nitrox 32, Trimix 13/54, 17/48 und 20/35 sowie als Dekogase Nitrox 36, 50 und Reinsauerstoff.

Palfauer Wasserloch, Tauchexpedition - Beginn Vermessungstauchgang
In monatelanger Vorarbeit wurde beim Höhleneingang eine Plattform errichtet, um schüttungsunabhängig zu sein. Im Bild das Team bei den Vorbereitungen zu einem Vermessungstauchgang.

Die beiden anderen Seitengänge erwiesen sich als Schuppen, die blind enden: die eine auf 28 Meter waagrecht (ca. 8 Meter lang), die andere von 33 bis 42 führt wieder in die Hauptkluft zurück. Diese Schuppe ist am Rand messerdünn und teilt sich in ihrem Verlauf nochmals in mehrere dünne Lamellen, weshalb sie den Namen „Luftfilter“ erhielt.

Der Hauptgang zieht als Kluftspalt mit zahlreichen Schuppen und Auskolkungen in einer Länge von 10-15 m und 1-4,5 m Breite in Richtung Süd-Nord mit geringer Ostabweichung. Er ist um um 12 Grad nach Osten geneigt und um sich torquiert senkrecht bis 33 Meter. Danach verläuft er in einem Winkel von ca. 45 Grad bis ca. minus 65, um dann 20 Meter gerade auszulaufen. Bodenbeschaffenheit: Von 33 Meter bis 65 Meter Tiefe eine Schutthalde aus größeren und kleineren Versturzblöcken, von minus 65 bis 71 zuerst Kies, dann Sand. Danach steigt der Siphon in einem senkrechten, glattwandigen Schacht an, der bis 55 Meter betaucht wurde.

Unterwassaufnahme im Palfauer Wasserloch
Ein Taucher erforscht einen Überhang im Bereich des Kluftspaltes.

Mehrere kleinvolumige aber strömungsstarke Zuflüsse zwischen 12 und 6 Meter Wassertiefe. Die Sicht schwankte zwischen einem und vier Meter, abhänging von der Schüttung - am meisten Sediment wird von den Zuflüssen zwischen 12 und 6 Meter Wassertiefe eingebracht.

Der Wasserstand im Höhleneingang schwankte witterungsbedingt zwischen 40 und 240 cm, die Taucher mussten zeitweise mir Zugseilen und Umlenkungen zur Abtauchzone „gezerrt“ werden. Ein Temperatur- und Drucklogger wurden angebracht und zweimal täglich Wasserproben für das Hydrologische Institut entnommen. Filmaufnahmen für die LAG Gesäuse/Eisenwurzen und Betreuung des, mit den ungewohnten Bedingungen geforderten Kamerateams, ließen auch die letzten Tage nicht langweilig werden.

Hochwasser am Palfauer Wasserloch, Tauchexpedition
Ein Kameramann wird von Projektleiter Robert Kriz bei starkem
Hochwasser zur Abtauchzone gebracht.


Zeit und Personal für den Abbau und Abtransport am Sonntag Abend und Montag waren eng bemessen. Bis zu 3 Auf- und Abstiege mit 30-40 kg Rücklast waren notwenig - am Klammsteig waren eigentlich nur Rucksäcke mit Beinen zu sehen. Ohne die Bergrettung, die uns und die Filmmannschaft mit ihren breiten Rücken unterstützte und Patricia, die vielen Klammbesuchern Ausrüstungsgegenstände zum Tragen anhängte, wäre es in der kurzen Zeit nicht zu bewerkstelligen gewesen. Unvergessen bleibt mir die Dame, die mir am Steig begegnete – mit meinen Flossen in der einer und dem Sonnenschirm der Tauchplattform in der anderen Hand - und mich nach dem Weg zum Strand fragte.

Schüttung am Palfauer Wasserloch, Tauchexpedition
Ohne Plattform wären durch den langanhaltenden Regenfall
die meisten Tauchgänge nicht möglich gewesen.


Weitere Forschung
Als nächstes Ziel stellt sich die Oberflächensuche nach weiteren Zugängen zum ansteigenden Ast des Siphons und seine Betauchung von der einen oder anderen Seite. Dazu sind Investitionen in Ausrüstung, Technik und Sponsoren nötig, denn schon jetzt bewegt sich die Tauchgangszeit zwischen 77 und 106 Minuten bei 5-6 Grad Wassertemperatur.

Abtransport der Ausrüstung am Ende der Expedition im Palfauer Wasserloch
Unter der Woche mussten Material und Flaschen wieder
auf Schusters Rappen über die Steiganlage der Klamm
transportiert werden (350 Höhenmeter).


Wir danken
Für dieses Jahr danken wir allen Teilnehmern und Helfern für Ihren hervorragenden Einsatz, der Höhlenrettung Niederösterreich mit den Einsatzstellen Wien, Niederösterreich West und Neunkirchen, der Wasser-Rettung St. Pölten, der Gemeinde Palfau, der LAG Gesäuse-Eisenwurzen, den Österreichischen Bundesforsten, der Wasserlochschenke sowie den Firmen KMR, Fulda, Speleoconcepts, H20 & Co, Scubanautic, Aquarius Rex und der Schlosserei Bruckmüller.

Ansprechpartner:

Sandra Kriz (Forschungstaucherin/Presse)

Robert Kriz (Forschungstaucher/Projektleitung)

Wolfgang Oesterreicher (Forschungstaucher/Fotograf)

Informationen zum Wasserloch unter: www.wasserloch.at

© 2004 - Robert Kriz, Projektleiter Bat-Diver Exploration Team & Bat-Divers


Infos

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