Schützt den Napoleonfisch!

 Geschrieben von Uli Erfurth

Schützt den Napoleonfisch!

von Uli Erfurth

Es passiert nicht oft, dass große Tauchorganisationen zusammen arbeiten, und schon gar nicht ohne finanzielles Interesse. „NAP Protect“ aber ist ein gemeinsames Projekt von Barakuda, EDA, PADI, SSI, VDST und VIT für den Schutz des Lieblings aller Taucher, des größten und gefährdetsten aller Lippfische, des Napoleons! [aktueller Stand]

NAP Protect Napoleon Tauchen
Napoleonfisch, Cheilinus undulatus
© Arndt Winkler


Messe Boot 2003 in Düsseldorf: ein zugezogener Vorhang, fünf Vertreter der Umweltabteilungen der Tauchorganisationen Barakuda, EDA, PADI, SSI, VDST und VIT, ein kurzes, intensives Gespräch und die Idee des Gemeinschaftsprojekts „NAP Protect“ war geboren.

Allen Parteien war und ist es in ihrem Anliegen zum Schutz des Napoleonfischs mehr als ernst. Der größte aller Lippfische und Liebling aller Taucher soll offiziell durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt werden. Bereits in fast 90% aller Korallenriffe, die ReefCheck-Taucher weltweit untersuchten, gibt es durch massive und gezielte Befischung keine Napoleons mehr! Treffen wurden anberaumt, die Ausgangslage beleuchtet, Ziele abgesteckt und Aufgaben verteilt. Ein reger Emailverkehr klärte das Übrige.

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Arndt Winkler


Die Ausgangslage

Bereits auf der letzen CITES-Konferenz (CITES - Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora: sie regelt die staatlichen Ein-, Aus- bzw. Wiederausfuhrgenehmigungen gemäß des Washingtoner Artenschutzübereinkommens) stand der Schutz des Napoleonfischs auf Antrag der USA zur Abstimmung. Das Ergebnis war niederschmetternd und zeigte wieder einmal, wie schwer es ist, auf dem Markt heiß begehrte Kleinfische zu schützen.
Doch so schnell gaben wir Taucher uns nicht geschlagen. Vielmehr wollten wir nun bewusst die Lobby und die Manpower des deutschen Tauchmarktes nutzen. Ein neuer Anlauf wurde unternommen. Allerdings war aufgrund der Vorverschiebung der CITES von 2005 auf Oktober 2004 war Eile geboten .

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Arndt Winkler


Fristgerecht lag unser Vorschlag, den Napoleonfisch auf der nächsten CITES in Bangkok schützen zu lassen, beim Bundes-Umweltministerium im März 2003 vor. Die Einladung zu einer Verbandsanhörung folgte und wir hatten Gelegenheit über die Bedrohung der Napoleons in den Riffen zu berichten. Und das Bundesministerium für Umwelt, repräsentiert durch Minister Jürgen Trittin, wird unseren Vorschlag auf Unterschutzstellung unterstützen!
Diverse Verbände wie der Internationale Tierschutzfonds (IFAW) haben sich unserer Kampagne angeschlossen.


Unser Einsatz geht weiter!


Der Antrag ist gestellt. Die Vorlagen für die Konferenz werden erstellt. Die Zeit rennt. Und es gibt noch vieles zu tun. Mehr denn je zählen wir nun auf die Unterstützung eines jeden Tauchers - gleich welchem Verband oder Organisation Du angehörst. Nur mit Deiner Hilfe wird es uns möglich sein, unser Anliegen entsprechend zu gewichten.
Die entscheidenden Vertreter der Politik und Wissenschaft für die CITES müssen zur Kenntnis nehmen, wie ernst uns Tauchern der offizielle Schutz des Napoleonfisches ist.
Es ist wichtig, jetzt sofort zu handeln! Nur mit deinem persönlichen Einsatz kann der Napoleonfisch geschützt werden!

[aktueller Stand]

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Helmut Debelius

Bis Mitte September hatte NAP Protect bereits 8.800 Unterschriften (per Liste oder online) gesammelt!
Herzlichen Dank für das Engagement aller Beteiligten!

Jetzt gilt es, den Schutz des Napoleonfisches auch durchzusetzen!


Bei der 13. Vertragsstaatenkonferenz vom 2. bis 14. Oktober in Bangkok sollen mehr als 2.500 Vertreter aus über 160 Ländern zusammenkommen, um über seine Zukunft zu entscheiden.
Wir wollen u.a. Malaysia davon überzeugen, dass es sich nicht erneut dem notwendigen Schutz unseres Napoleons widersetzt!
Schreibe, maile oder faxe deshalb an den malaiischen Botschafter JETZT deine Forderung und deinen dringenden Wunsch den Napoleonfisch zu schützen!


Einen Beispielstext findest Du unter www.naprotect.de.

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Paul Munzinger


Herzlichen Dank für die Weiterleitung dieses Artikels an deine Tauchfreunde!



NAP Protect – Mach mit!

[aktueller Stand]

Soviel sei verraten: Es sieht gut aus!!!!!! *grins*


Übrigens,

Wusstest Du, dass.....

... der Napoleon eine Fischart von hohem wirtschaftlichem Wert ist?
Er wird aber nicht nur von Sporttauchern gern gesehen; als hochklassiger Speisefisch ist er eine bevorzugte Ware von Fischern und Lebendfischhändlern, die mit ihm den Delikatessenmarkt bedienen. Der Status des Napoleonfischs als Luxus-Lebensmittel wird mit seiner Seltenheit steigen.
Dies wiederum hat zur Folge, dass die Art weiter befischt werden wird – auch, oder gerade, wenn die Populationszahlen weiter abnehmen. Im Gegensatz dazu bleibt im Tourismusgeschäft der Wert des Napoleonfischs erhalten, wenn die Tiere geschützt werden und in den Riffen verbleiben.

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Arndt Winkler

... Napoleonfische mit Gift gefischt werden?
Um junge Napoleonfische zu fangen, wird, besonders in Indonesien und den Philippinen, Zyanid eingesetzt. Oft stellen die Händler dieses Gift einheimischen Fischern zur Verfügung, welche zuvor in traditioneller Art gefischt hatten. Zyanid betäubt aber nicht nur die Fische, sondern tötet auch festsitzende Organismen wie Korallen. Damit wird nicht nur der Lebensraum des Napoleonfischs, sondern auch der aller anderen Riffbewohner und ihre Lebensgemeinschaften zerstört.

... erwachsene Napoleonfische besonders nachts gefährdet sind?
Vor allem wenn mit Gerät getaucht wird, können die Fische leicht in ihren Schlafhöhlen überrascht werden. Anders als andere, kommerziell genutzte Fischarten scheint es erwachsene Napoleonfische in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet nicht sehr häufig zu geben, so dass eine massive nächtliche Befischung die Populationen schnell reduziert.

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Paul Munzinger

... der Napoleonfisch im Alter sein Geschlecht von weiblich zu männlich wechselt?
Dadurch ist er anfällig für größen- bzw. geschlechtsabhängige Befischung. Dies kann zu einem Ungleichgewicht im Geschlechterverhältnis führen und die Reproduktionsfähigkeit einer Population stark einschränken.

... der Napoleonfisch erst im Alter von fünf oder mehr Jahren geschlechtsreif wird?

Zwar hat der Napoleonfisch eine lange Lebenserwartung hat, er wird aber erst sehr spät, d.h. ab ca. 50 cm Länge und im Alter von fünf oder mehr Jahren geschlechtsreif. Diese Fortpflanzungsstrategie ist nur erfolgreich, solange die Art nicht stark befischt wird. Das heißt, befischte Populationen erholen sich - wenn überhaupt - nur sehr langsam.

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Helmut Debelius


... der Napoleonfisch sich in Gruppen fortpflanzt, die von Fischern leicht zu lokalisieren sind?
Zur Fortpflanzungszeit sind die Napoleonfische deshalb besonders gefährdet und es droht Überfischung. Diese Zusammenhänge wurden bereits auch für einige andere Riff-Fischarten wissenschaftlich belegt.

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Helmut Debelius

... die bevorzugte Handels- oder Marktgröße für den Fisch zwischen 30 und 60 cm Körperlänge liegt?
Meist beträgt sie 30 - 45 cm, d.h. 'Tellergröße'. Das bedeutet, dass eine große Anzahl von sexuell fast reifen Tieren aus den Riffen entfernt werden. Die Fortpflanzungsreife wird, wie ausgeführt, mit etwa 50 cm erreicht.
Natürlicherweise stellen die befischten, subadulten Tiere in nicht unbeträchtlichem Masse die Produzenten der nächsten Fischgeneration dar. Durch die selektive Befischung der Jungtiere wird also eine erfolgreiche Erholung der Bestände weiter unwahrscheinlich.

... junge Napoleonfische nicht nur zum direkten Handel und Verzehr gefangen werden, sondern auch zur so genannten 'Aquakultur'?
Jungtiere werden dabei in Käfigen gehalten und gefüttert bis sie Verkaufsgröße erreicht haben. Der Fang von Jungfischen wird von den meisten ordentlich gemanagten Fischfirmen vermieden, da sie erkannt haben, dass die Methode einer Erholung von befischten Populationen nicht förderlich ist. Jugendliche Napoleonfische müssen beschützt werden, bis sie groß genug sind, um sich fortzupflanzen.

NAP Protect Napoleon Tauchen
© Paul Munzinger

... marine Aquakultur von Napoleonfischen unter Vollzucht-Bedingungen noch nicht möglich ist?
Die Aufzucht von Napoleonfischen vom Ei bis zum verkaufsgrossen Tier ist in Farmen im Moment noch nicht möglich - auch wenn das manche Firmen behaupten. Zurzeit stammen alle gehandelten Napoleonfische aus Riffen.


... die Befischung des Napoleons typischerweise unkontrolliert erfolgt?
Und es kaum ein Management oder eine Überwachung der lokalen Fischerei gibt, mag sie auch „auf dem Papier“ existieren? Diese Kontrolle ist aber unbedingt notwendig. Sowohl was die Fangmethoden vor Ort angeht als auch den Export. Ohne geeignetes Management und Überwachung ist es unmöglich zu erfahren, ob die momentanen Fangraten eine nachhaltige Befischung des Napoleons zulassen oder seinen Bestand gefährden.



Wir freuen uns auf Deine Unterstützung:
Nicole Dietrich (Project AWARE Foundation, PADI Europe)
& Dr. Ralph Schill (VDST)
& Uli Erfurth (VIT)
& Guido Wätzig (SSI)
& Oliver Mielke (Barakuda)
& Jean Pierre Mangeot (EDA)



© 2004 - NAP Protect

[aktueller Stand]


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