Bei einer Vielzahl von Notfällen ist das abhören der Lungenfunktion
eine unerläßliche Maßnahme um die Atemfunktionen zu beurteilen.
Dies trifft besonders für den Bereich der Ertrinkungsunfälle zu.
Insbesondere nach dem „Beinahe-Ertrinken“ sind wir, insofern der Betroffene
dem Augenschein nach noch unversehrt und rechtzeitig geborgen wurde, oftmals
verunsichert. Es ist wohl noch einmal gutgegangen, und am liebsten würde
uns der Betroffene nach verarbeiten des ersten Schreckens davonlaufen.
Die größte Gefahr und Befürchtung unsererseits besteht wohl
darin, ob nicht etwa doch geringe Mengen von Wasser in die Lunge eingedrungen
ist und später lebensbedrohliche Komplikationen verursacht. Uns ist bekannt,
daß aspiriertes Beckenwasser durch die Beimengung von Bakterien und
Chlor im Lungengewebe erhebliche Schäden verursachen kann. Nicht umsonst
sollen Ertrinkungsunfälle noch 48 Stunden intensivmedizinisch überwacht
werden.
Einen ersten Hinweis auf in die Lunge eingedrungenes Wasser kann uns die
Auskultation der Lunge geben.
Das erforderliche Equipment ( Stethoskop ) befindet sich lt. DIN 13232 im
Notfallarztkoffer. Nutzen wir es!
Auskultation der Lunge
Die Auskultation sollte möglichst beim sitzenden Patienten durchgeführt
werden.
Ziel hierbei ist es, durch veränderte Lungengeräusche eine Schädigung
oder Fehlfunktion der Lunge rechtzeitig festzustellen. Hierzu wird die Lunge
auf Brust und Rücken abgehört.
Auskultation der Lunge ( Brust und Rücken )
Im Normalfall ist das Einatemgeräusch rauschend, und etwas länger
zu hören als das Ausatemgeräusch, welches auch etwas leiser ist.
Praxistip
Wärmen Sie das Membran des Stethoskopes kurz in den Handflächen
an, um einen Kältereiz auf der Haut zu vermeiden. Üben Sie diese Maßnahme an sich selbst, oder noch besser an
einem Kollegen!
Merken Sie sich die Geräuschtypen, und führen Sie auch einen Seitenvergleich
durch.
Im Normalfall sollten alle Lungenbereiche seitengleich belüftet sein.
Geräuschtypen
Folgende Geräuschtypen deuten auf eine krankhafte Veränderung
oder Schädigung der Lunge hin:
Stridor
Unter Stridor versteht man ein „pfeifendes“ und „ziehendes“ Atemgeräusch.
Es entsteht bei verengenden Erkrankungen der Luftwege, und ist beim Einatmen
lauter zu hören als beim Ausatmen. Gleichzeitig ist ein Einziehen der
oberen Weichteile ( Sternum / Schlüsselbein ) zu beobachten. Dieses Krankheitsbild
entsteht meist bei kehlkopfnahen Verlegungen z.B. dem Kruppsyndrom.
Ist der Stridor beim Ausatmen lauter als beim Einatmen handelt es sich meist
um kehlkopfferne Verengungen z.B. Asthma bronchiale.
Spastische Atemgeräusche
Sind pfeifende, giemende und brummende Atemgeräusche in Kombination
mit einer verlängerten Ausatemphase. Sie sind typisch bei einer gesteigerten
Anspannung der Bronchialmuskulatur, einhergehend mit einem Schleimhautödem
und eine vermehrte Schleimbildung in den Bronchien.
Dieses Krankheitsbild ist beim „Status Asthmaticus“ deutlich zu beobachten.
Rasselgeräusche
Rasselgeräusche überlagern die normalen Atemgeräusche deutlich,
und weisen fast immer auf eine krankhafte Veränderung der Lunge hin.
Wir unterscheiden „trockene“ und „feuchte“ Rasselgeräusche.
Trockene Rasselgeräusche
Trockene Rasselgeräusche sind meist pfeifend und mit einem tiefen Brummen
zu hören. Sie entstehen durch den in Schwingung versetzten zähflüssigen
Schleim in der Lunge. Sie kommen häufig bei einer chronischen Bronchitis
vor, insbesondere bei Rauchern.
Feuchte Rasselgeräusche
Feuchte Rasselgeräusche entstehen durch Flüssigkeitsansammlung
in den Bronchien und Alveolen ( z.B. Ertrinken / Beinahe-Ertinken ).
Insbesondere beim Lungenödem in Verbindung mit Atemnot sind grobblasige Rasselgeräusche deutlich über den Bronchien zu hören. Ein massives Lungenödem ist oftmals schon ohne Stethoskop zu hören.
Achten Sie deshalb beim auskultieren (abhören) der Lunge nach „Beinahe-Ertrinken“
insbesondere auf „feuchte Rasselgeräusche“!
Doch Vorsicht ! Nicht immer tritt die Symptomatik sofort auf, und ist deutlich
zu erkennen. Bedingt durch eine ev. Elektrolytverschiebung können sich
Lungenödeme und Herzrhythmusstörungen noch nach mehreren Stunden
entwickeln. Bedenken Sie bitte auch - wie bereits anfangs erwähnt – dass
insbesondere Chlor in der Lunge eine toxische Lungenentzündung nach
sich ziehen kann.
Diese Patientengruppe muß deshalb mindestens 48 Stunden intensivmedizinisch
überwacht werden. Eine Alarmierung des Rettungsdienstes ist somit auch
bei fehlenden Rasselgeräuschen zwingend erforderlich !
Näheres zum Thema Erstversorgung bei „Ertrinken“ oder „Beinahe-Ertrinken“
folgt in einem gesonderten Fachbeitrag. Hier ging es schwerpunktmäßig
um die Auskultation der Lunge im Rahmen der Erstversorgung / Erstuntersuchung.
Als Lehrbeauftragter für Erste Hilfe und Notfallmedizin des Berufsverbandes
für Bäderbedienstete e.V., stehe ich Ihnen gerne für anfallende
Fragen zum Thema „Erste Hilfe“ und Unfallverhütung zur Verfügung.
Die Bilddateien wurden mit freundlicher Genehmigung aus dem „Lehrbuch Präklinische
Notfallmedizin“ des Stumpf & Kossendey Verlages, Edewecht verwendet.
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